Aktueller Stand der Wissenschaft
Lesen Sie im Folgenden die wichtigsten Fakten rund um Diabetes mellitus und erfahren Sie, welche Medikamente heutzutage zur Standardtherapie von Typ-1- und Typ-2-Diabetes empfohlen werden und was es Neues gibt.
Wie wird Typ-1-Diabetes behandelt?
Diabetes mellitus Typ 1 muss immer mit Insulin behandelt werden (insulinpflichtiger Diabetes). Denn die ß-Zellen in den Langerhans’schen Inseln der Bauchspeicheldrüse eines Menschen mit Typ-1-Diabetes produzieren selbst kein Insulin mehr. Insulin kann nicht als Tablette eingenommen werden, weil es von der Magensäure unwirksam gemacht würde. Die meisten Personen mit Diabetes spritzen sich das Insulin selbst ins Unterhautfettgewebe (subkutan), zum Beispiel mithilfe eines Insulin-Pens. Möglich sind auch Insulin-Spritzen, Insulin-Pumpen und Jet-Injektoren. Ein Insulin zum Inhalieren kam 2006 in Deutschland auf den Markt, es ist inzwischen aber nicht mehr erhältlich.
Es gibt Insuline, die den Grundbedarf abdecken (Basis-Insuline) und solche, die zusätzlich zu den Mahlzeiten verabreicht werden (Bolus-Insuline). Dementsprechend gibt es kurz wirksame, mittellang wirksame und lang wirksame Insuline. Wer sich für eine konventionelle Insulintherapie entscheidet, muss sich an feste Spritz- und Essenszeiten halten. Menschen mit Diabetes, die eine intensivierte Insulinbehandlung wählen, passen die Häufigkeit und Menge des zu spritzenden Insulins an ihren Blutzuckerspiegel, ihre Mahlzeiten und ihre körperliche Bewegung an. Wie die Behandlungen genau ablaufen, lernt man in den Diabetes-Schulungen.
Früher wurde das Insulin für Menschen mit Diabetes aus den Bauchspeicheldrüsen von Schweinen oder Rindern hergestellt (Schweine-Insulin, Rinder-Insulin). Heutzutage wird Insulin vorzugsweise künstlich hergestellt. Das Normalinsulin, Humaninsulin oder früher Altinsulin genannt, entspricht chemisch der Struktur des menschlichen Insulins aus der Bauchspeicheldrüse. Insulinanaloga sind künstlich hergestellte Insuline, die sich in ihrer chemischen Struktur leicht vom menschlichen Insulin unterscheiden.
Was kann ich gegen Diabetes mellitus Typ 2 tun?
Die meisten Menschen mit Typ-2-Diabetes sind über 30 Jahre alt und übergewichtig. Die Therapie muss individuell angepasst werden; grundsätzlich aber gilt: Eine gesunde, ausgewogene Ernährung (wenig Fett, reichlich Ballaststoffe), ausreichend Bewegung und das Vermeiden von Übergewicht sind die Basis der Behandlung des Typ-2-Diabetes. Mit diesen Maßnahmen lässt sich der erhöhte Blutzuckerspiegel in vielen Fällen bereits wieder normalisieren.
Falls nicht, kommen Diabetes-Medikamente, so genannte orale Antidiabetika, in Betracht. Hier gibt es eine Reihe von Wirkstoffgruppen, wie die Biguanide (wie Metformin), Sulfonylharnstoffe, Glinide, Glitazone (Thiazolidindione) und Alpha-Glukosidase-Hemmer. Seit April 2008 sind in Deutschland des Weiteren so genannte Inkretin-Mimetika (Exenatide und Sitagliptin) zur Behandlung des Typ-2-Diabetes zugelassen, die in Kombination mit Metformin oder Sulfonylharnstoffen verabreicht werden können.
Helfen auch die oralen Antidiabetika bei Diabetes mellitus Typ 2 nicht, ist eine Insulin-Behandlung wie beim Typ-1-Diabetes erforderlich.
Forschung und Ausblick der Diabetes-Therapie
Die Diabetes-Forschung steht nicht still: Laufend werden weitere Erfolg versprechende Behandlungsmethoden des Diabetes mellitus erforscht und weiter entwickelt. Dazu zählen beispielsweise so genannte Immuninterventionen bei Diabetes mellitus Typ 1. Hierbei wird versucht, den Autoimmunprozess, also die Zerstörung der ß-Zellen in den Langerhans’schen Inseln der Bauchspeicheldrüse, zu stoppen bzw. zu verhindern. Immuninterventionen sind derzeit Gegenstand wissenschaftlicher Studien.
Die Organtransplantation der Bauchspeicheldrüse (Pankreastransplantation) wird in bestimmten Fällen bereits durchgeführt. So zum Beispiel zusammen mit einer Nierentransplantation bei Menschen mit Diabetes mit Nierenversagen (Niereninsuffizienz). Zahlreiche Studien zeigen viel versprechende Ergebnisse hinsichtlich der Verbesserung des Krankheitsverlaufs und der Senkung der Sterblichkeit. Die alleinige Pankreastransplantation ist jedoch nur in seltenen Fällen eines Diabetes mellitus angezeigt.
Im experimentellen Stadium befindet sich derzeit die Inselzelltransplantation, also die Transplantation der ß-Zellen in den Langerhans’schen Inseln der Bauchspeicheldrüse, bei Diabetes mellitus.
Autor:
Dr. med. Martina Waitz
Datum:
04. März 2009
Quellen:
Deutsche Diabetes-Gesellschaft: Aktuelle Evidenzbasierte Leitlinien. (www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de; Abruf: 04.04.2009)
Matthaei, S. et al: Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2. Diabetologie 2008; 3 Suppl 2: S157-S161
Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien: Diabetes Typ 2 (www.versorgungsleitlinien.de; Abruf: 04.04.2009)
