Tipps für den Alltag

Wenn Sie Diabetes haben, brauchen Sie nicht auf alles, was Ihnen lieb ist, zu verzichten. Sie müssen jedoch fortan verstärkt auf ein paar Dinge im Alltag achten – vor allem auf Ihre Ernährung und Ihren Energieumsatz. Auch müssen Sie sich informieren, ob Sie Ihre bisherige Arbeit weiterhin ausüben können oder ob es hier Einschränkungen durch Ihren Diabetes mellitus gibt.

Darüber hinaus sollte Ihr soziales Umfeld über die Diabetes-Erkrankung Bescheid wissen – nicht bloß um Ihnen in Notfällen zu helfen. Ihr Diabetes mellitus wird Sie Ihr ganzes Leben begleiten. Deshalb ist es wichtig, so viel wie möglich darüber zu erfahren und den Diabetes in Leben und Alltag zu integrieren.

Arbeitswelt und soziales Umfeld

Viele Menschen, bei denen ein Diabetes mellitus diagnostiziert wird, fürchten aufgrund der chronischen Erkrankung den Verlust ihres Arbeitsplatzes und Probleme im Familien- und Freundeskreis. Bei einem gut eingestellten Diabetes mellitus jedoch können Sie genauso leistungsfähig sein wie Menschen ohne Diabetes. Dennoch ist von manchen Berufen, bei denen beispielsweise durch eine plötzliche Unterzuckerung eine Gefahr auch für Ihre Mitmenschen entsteht, eher abzuraten. Die Arbeit etwa als Polizist ist Personen mit Diabetes sogar untersagt. Wichtig ist, den Vorgesetzten und Kollegen zu verdeutlichen, dass Ihre Erkrankung Sie nicht in Ihrer Arbeitsleistung und Ihrer Einstellung beeinträchtigen muss. Sprechen Sie in jedem Fall mit Ihrem Arzt darüber.

Mehr...

Ihren Familien- und Freundeskreis sollten Sie so gut wie möglich in Ihre Diabetes-Erkrankung einweihen. Sie erreichen so mehr Verständnis und Unterstützung seitens derer, die Ihnen nahestehen. Erkundigen Sie sich auch, ob es möglich ist, Ihre Partnerin oder Ihren Partner zur Diabetes-Schulung mitzunehmen.

Was Sie bei der Ernährung beachten müssen

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselkrankheit, die durch einen chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel gekennzeichnet ist. Sie wird daher im Volksmund auch „Zuckerkrankheit“ genannt. Ihre Ernährung hat deshalb einen zentralen Stellenwert. Ursache ist, je nach Diabetes-Typ und Schwere der Erkrankung, eine gestörte Sekretion des blutzuckersenkenden Hormons Insulin oder eine gestörte Insulinwirkung oder beides zusammen. Insulin sorgt dafür, dass der Zucker aus dem Blut in die Zellen transportiert und dort für die Energiegewinnung genutzt wird.

Die Bezeichnung Kohlenhydrate umfasst Stärke, Zucker, Zuckerarten und Ballaststoffe. Während Ballaststoffe den Bluzucker nicht direkt beeinflussen, sind Stärke und Zucker wichtige Quellen für Blutzucker. Dazu gehören Nahrungsmittel, die den  Blutzucker "stärker" und schneller erhöhen, wie etwa Brot, Getreide, Kartoffeln, Reis und Teigwaren. "Weniger" bzw. teilweise langsamer erhöhen den Blutzucker: Vollkornbrot, Obst, Beeren, Milch und Joghurt, Hülsenfrüchte sowie Gemüse. Diese "günstigen" Kohlenhydrate sollten etwa 50 Prozent der Tagesenergie ausmachen. Stärke ist der wichtigste Sofort-Energiebildner und besetht aus einer Kette von Traubenzuckern (Mehrfachzucker). Stärke wird im Dünndarm in den Einfachzucker Traubenzucker (Glukose) zerlegt und sehr schnell ins Blut aufgenommen. Traubenzucker ist daher besonders bei Unterzucker geeignet. Fruchtzucker hingegen erhöht den Blutzucker nur gering.

Neben Kohlenhydraten enthält unsere Nahrung aber auch Fette und Eiweiße sowie Vitamine und Mineralstoffe. Mit Diabetes mellitus müssen Sie grundsätzlich auf keine Lebensmittel verzichten – Sie müssen sich nur sehr genau mit Ihrer Ernährung auseinandersetzen. Vor allem dann, wenn Sie Medikamente einnehmen oder Insulin spritzen. Eine gesunde Ernährung spielt eine wichtige Rolle beim Typ-2-Diabetes, denn dieser wird meist durch falsche Ernährung und Übergewicht begünstigt! Eine Ernährungsumstellung und die Normalisierung des Körpergewichts können Ihnen dann sogar helfen, Ihren Diabetes wieder loszuwerden!

Vielleicht befürchten Sie nun, dass Ihnen das alles zu kompliziert ist mit den Kohlenhydraten, Einfach- und Mehrfachzuckern... aber keine Sorge: Für Menschen mit Diabetes mellitus empfiehlt sich eine Ernährungsberatung (zum Beispiel im Rahmen der Diabetes-Schulung), in der Sie alles über Inhaltsstoffe in Lebensmitteln, BE, glykämischen Index, Ernährungspläne und und und… lernen werden. Auf dieser Internetseite finden Sie außerdem Ernährungstipps und leckere Rezepte bei Diabetes mellitus.

Mehr...

Sport und Diabetes – ist das möglich?

Sport und Diabetes ist nicht nur möglich – regelmäßige Bewegung ist sogar nötig! Dennoch müssen Sie auch hier einige Dinge beachten, denn körperliche Aktivität beeinflusst Ihren Blutzuckerspiegel. Auch gibt es Unterschiede bei Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes.

Sport senkt den Blutzuckerspiegel – daran muss jeder Mensch mit Diabetes vor Aufnahme der körperlichen Betätigung denken! Muskelarbeit steigert den Energiebedarf; der Körper greift kurzfristig auf Glukose (Blutzucker) zurück und bei länger andauerndem Sport über eine Stunde zusätzlich auf freie Fettsäuren.

Für Menschen mit Typ-1-Diabetes bedeutet dies, dass die sportliche Tätigkeit gut geplant werden muss. Die Mengen an Kohlenhydraten und Insulin müssen individuell angepasst werden. Ansonsten drohen vor allem Unterzuckerungen. Der Blutzuckerwert sollte vor dem Sport unter 250 mg/dl liegen, die Insulindosis muss gegebenenfalls reduziert oder es müssen zusätzliche Kohlenhydrate gegessen werden. Auch ist es wichtig, immer Traubenzucker oder einen Glukoseriegel mitzunehmen. Sportkameraden und Trainer sollten über die Diabetes-Erkrankung informiert sein. Berücksichtigen Sie außerdem Ihren Trainingszustand und die Umgebungsbedingungen wie Hitze oder Kälte. Also –alles etwas aufwendiger bei Diabetes, aber kein Grund zum Untätigsein: Denn gut geplant ist Sport gesund und wirkt sich positiv auf Körper und Seele aus!

Bei Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 ist körperliche Bewegung sogar essenzieller Bestandteil der Behandlung. Die meisten von ihnen sind übergewichtig, und falsche Ernährung begünstigt die Entwicklung der Krankheit. Regelmäßige Bewegung reduziert Übergewicht, macht die Zellen sensibler für Insulin und erhöht die Insulinwirkung an den Zellen. Dies wirkt sich nicht nur positiv auf den Blutzuckerspiegel aus, sondern verbessert gleichzeitig die Blutfettwerte und den Blutdruck und senkt so das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Geeignete Sportarten für Menschen mit Typ-2-Diabetes sind zum Beispiel Nordic Walking, Schwimmen und Radfahren. Für „Sportmuffel“ empfiehlt sich alternativ ein strammer Spaziergang von 30 bis 60 Minuten täglich. Oder probieren Sie’s im Alltag mit Gartenarbeit oder Autowaschen und nehmen Sie die Treppen statt des Aufzugs!

Mehr...



Autor:
Dr. med. Martina Waitz

Datum:
7. März 2009

Quellen:
Deutsche Diabetes-Gesellschaft: Aktuelle Evidenzbasierte Leitlinien. (www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de; Abruf: 7.4.2009)
Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien: Diabetes Typ 2 (www.versorgungsleitlinien.de; Abruf: 7.4.2009)
Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (www.vdbd.de; Abruf: 7.4.2009)