Diabetes geht an die Nerven - Diabetischer Fuß
Experten-Chat mit Professor Dr. med. Lobmann
Bis zum 3. März 2011 findet unsere Experten-Sprechstunde mit Professor Dr. Ralf Lobmann zum Thema "Diabetes geht an die Nerven - Diabetischer Fuß" statt. Er beantwortet Ihre Fragen live am Donnerstag, den 3. März zwischen 17 und 19 Uhr.
Protokoll der Sprechstunde
W. fragt:
Betreff: Trockene Füsse
Nachricht: Sehr geehrter Herr Prof. Lobmann,
ich bin seit Dezember 2007 Diabetiker Typ 2, bin von beiden Seiten erblich damit vorbelastet. Mein letzter HbA1c Wert war 6,18, meine Werte sind meine Werte waren noch nie höher als 6,2. 5,5 und 5,72 (der letzte HbA1c Wert) waren auch dabei. Ich verwende Morgens und Abends Allpresan Diabetic Intensiv Creme für meine Füße. Für die Nägel auf Grund von Nagelpilz Ciclopoli 8 % med. Nagellack sowie Clotrimazol 1 % wegen Fußpilz an dene Fersen. Zwischen den Zehen wurde kein Fußpilz festgestellt, weder von Diabetolgen/Arzthelferin noch von Hautarzt oder Podologin. Alle 4 bis 5 Wochen kommt eine Podologin zu meiner Frau und mir in das Haus. Meine Frau ist keine Diabetikerin. Würde ich meine Füße nicht wie oben beschrieben behandeln dann würde ich mit rissen an Fersen zu kämpfen haben. Dies war zu Beginn meiner Diabetes der Fall. Meine Füße wäre ohne die genannte Behandlung viel zu trocken. Zum Augenarzt gehe ich zweimal im Jahr. Mache ich alles richtig? Oder haben Sie Empfehlungen für mich?
Mein Diabetes ist in letzter Zeit zwei Stunden nach dem Frühstück bei ca. 150 - 180. Das dürfte etwas zu hoch sein oder? Was kann ich tun?
Medikamente: u. a. Bsioprolol Dura Plus 10/25, Metformin 2 x 100o mg, Glipenclamid 2 x 1,75 mg
Danke für Ihre Antwort im Voraus.
Gruß
W
Prof. Lobmann:
Sehr geehrter Herr W.,
ganz kurz: Sie machen bei der Fußpfelge alles richtig!!
Die Zuckerwerte sollten nochmals im Detail von Ihrem Diabetologen / Hausarzt beurteit werden. Der HBA1c ist sehr gut (sofern keine Unterzuckerungen auftreten...) aber die Werte nach der Mahlzeitsind etwas hoch.
GGf. könnte die Tablettentherapie noch etwas modifiziert werden; das muss aber individuell mit dem Hausarzt besprochen werden.
Insgesamt dürfen Sie m.E. aber mit dem Ergebnis (Füße und Zucker) zufrieden sein.
mti freundlichen Grüßen
R. Lobmann
Hans-Herbert S. fragt:
Ich habe teilweise Taubheitsgefühle in beiden Füßen. Soll ich meine Diabetes-Einstellung (Tabletten bisher) überprüfen lassen?
Prof. Lobmann:
Sehr geehrter Herr S., sie sollten den aktuellen Grad der Nervenbeteiligung durch Ihren Hausarzt oder Diabetologen testen lassen. Eine erneute Bewertung, ob die Behandlung mit Tabletten (HbA1c?) noch ausreichend ist sollte dabei sicher auch erfolgen.
Generell gibt es keinen relevanten Vorteil einer Insulintherapie, wenn eine sehr gute Blutzuckereinstellung (gute Werte vor + nach dem Essen, guter HbA1c, keine Unterzuckerungen) gegenüber der Behandlung mit Tabletten alleine.
Mit freundlichen Grüßen
R. Lobmann
Tom fragt:
Sehr geehrter Prof. Lobmann, woran liegt es, ob nun die Nerven der Beine oder der Sehnerv betroffen ist?
Prof. Lobmann:
Lieber Tom,
Grundsätzlich können alle Nerven durch den Diabetes beeinträchtigt werden.
Es ist aber so, dass insbesondere längere Nervenfasern mehr Angriffsfläche bieten und daher frühzeitiger betroffen sind.
Die aus dem Rückenmark in den Fuß ziehenden Nervenfasern sind die längsten im Körper. Daher beginnt die diabetische Neuropathie meist in den Füßen, typischerweise von den Zehen an dann (sockenformig und beidseits) den Fuß und das Bein hinaufziehend.
Es gibt aber auch eine Neuropathie an den Händen, Veränderungen am Herzen oder am Magen-Darm-Trakt.
Mit freundlichen Grüßen
R. Lobmann
Tom fragt:
Und wie äußert sich das, wenn es dan Magen-Darm oder das Herz betrifft?
Prof. Lobmann:
Hallo Tom, Die Neuropathie von Magen und Darm äußert sich in Durchfällen oder Verstopfungen - aber auch im Wechsel von beidem.
Typisch ist eine sog. Gastroparese, d.h. Verzögerung der Magenentleerung.
Dadurch kommen z.B. das mahlzeitenbezogene Insulin und die aufgenommenemn Kohlehydrate unkoordiniert in den Kreislauf.
Typisch ist dann eine Unterzuckerugn nach dem Essen (Insulin wirkt schon, das Essen ist noch im magen); gefolgt von hohen Zuckerwerten (Gegenregulation und die nun in den Körper aufgenommenen Kohlehydrate).
Daraus resultiert ein "labiler Diabetes"
Am Herzen ist eine sog. Herzfrequenzstarre typisch. D.h. die Herzfrequenz kann nicht mehr angemessen an Belastungssituationen angepasst werden.
Z.B. steigt morgens beim Aufstehen die Herzfrequenz nicht an, das Blut "versackt" in den Beinen und nicht ausreichend wird (durch einen höheren Puls) in das Gehirn transportiert - Folge ist dann häufig ein Schwindel oder kleiner Kollaps.
Bedenklich ist auch, dass die Schmerzen eines Herzinfarktes nicht oder schlechter /später wahrgenommen werden können. Dies erhöht das Risiko, weil wichtige Zeit verloren wird. Hier spricht man auch vom stummen (schmerzlosen) Herzinfarkt.
Mit freundlichen Grüßen
R. Lobmann
Pia L. fragt:
Kann ich außer einen gleichmäßig niedrigen BZ noch etwas tun, um einem diabet. Fußsyndrom entegegn zuwirken? Hab in den letzten Jahren meinen BZ-Spiegel gar nicht gut im Griff gehabt. War oft zu hoch und hatte große Schwankungen (bis zu 9%). Jetzt habe ich Angst, dass Gefäße udn Nerven schon kaputt sein könnten. Habe auch Bluthochdruck.
Prof. Lobmann:
Sehr geehrte Frau L., die nun gute Zuckereinstellung ist der beste Schutz vor dem Entstehen von Komplikationen des Diabetes (wie z.B. einem diabetischen Fußsyndrom).
Weiterhin nützlich ist die regelmäßige tägliche Inspektion der Füße, um kleine Verletzungen bereits frühzwitig zu bemerken und unter Umständen ist die Inanspruchnahme einer fachpodologischen Fußpflege. sinnvoll.
Selbstverständlich gehört zu einer entsprechenden Vorsorge auch auf geeignetes Schuhwerk zu achten. Dieses darf nicht zu eng sein, da insbesondere druckbelastete Stellen aufgrund der Schmerzunempfindlichkeit im Rahmen der Neuropathie führend für eine Fußläsion sind.
Typische Zeichen, dass die Nerven bereits geschädigt sind, sind die Missempfindung im Sinne von brennen, kribbeln und Ameisenlaufen, aber auch Taubheitsgefühl.
Wenn Sie solche Missempfindungen nicht wahrnehmen sollten, ist eine relevante Störung von Nerven und Gefäßen nicht sehr wahrscheinlich.
Mittels einfacher Testmethoden (Muskeleigenreflexe, Empfindungsvermögen mittels Stimmgabel und anderem, sowie einer Doppleruntersuchung (d.h. mit Ultraschall) des Gefäßstatus) kann auch durch den Hausarzt oder Diabetologen eine entsprechende Vorsorgeuntersuchung ohne großen Aufwand durchgeführt werden. Diese ist eigentlich auch im Diabetespass vorgesehen. Diese Untersuchungen geben Ihnen eine genauere Aussage hinsichtlich Ihres persönlich en Risikos.
Mit freundlichen Grüßen
R. Lobmann
B. fragt:
Mein Mann war die letzte Zeit viel im Krankenhaus. Er hatte einen Schlaganfall und sitzt jetzt im Rollstuhl. Zuhause kümmer ich mich so gut es geht um Ihn. Typ 2 diabetes hat er auch. In der letzten Woche habe ich eine rote Stelle an seiner Fußunterseite entdeckt. Es wird nicht besser, ist auch immer etwas feucht? Er mient, dass er da keine Scherzen hat. Was raten Sie - gibt es Anlass zur Sorge?
Prof. Lobmann:
Sehr geehrte Frau B., unbedingt ist dies Anlass zur Sorge und der Befund sollte zeitnah ärztlich kontrolliert werden.
Es kann ein banaler Befund - aber auch der Beginn einer problematischen Wunde sein.
Allein durch das Gewicht des Beines kann es zu Druckbelastungen auch beim im Rollstuhl sitzenen Menschen kommen. Es ist sehr gut, dass Sie die Füße kontrolliert haben, so das diese Druckstelle wohl noch frühzeitig behandelt werden kann...
Mit freundlichen Grüßen
R. Lobmann
Ulrich U. fragt:
Betreff: Podologen finden
Gruess Sie, hab von der Hochschulambulanz fuer Endokrinolie eine Heilmittelverordnung fuer podologische Komplextherapie bekommen. Darauf steht:
DFC T2DM mit diabetischen Fussyndrom mit Neuropathie im Wagner St. 0
Vermeidung drohender Haut und Nagelschaeden.
Frage, was bedeutet dies.
Noch eine Frage, wo finde ich in Berlin Lichtenrade (12305) und Umgebung einen passenden Podologen. Die Suchmaschinen gaben nichts her.
MfG
Ulrich U.
Prof. Lobmann:
Sehr geehrter Herr U., Ihre Verordnung ist dahin entsprechend zu interpretieren, dass bei Ihnen neben dem Diabetes Typ 2 bereits eine Fußläsion vorliegt, die nun abgeheilt ist und aufgrund der begleitenden Nervenfunktionsstörung (Neuropathie) als Risikofuß (Wagner Stadium 0) eingestuft wird.
Um hier eine weitere Verschlechterung über das Auftreten einer neuen Fußläsion vorzubeugen ist diese Komplextherapie verordnet worden.
Die Empfehlung eines speziellen Podologen in Ihrem Wohnortsbereich ist mir nicht möglich. Als Ansprechpartner wäre allerdings z.B. der Zentralverband der Podologen und Fußpfleger Deutschlands (ZFD) sicher in der Lage Ihnen weiter zu helfen, für Berlin wäre die Kontakt-Nummer die 030-61209160 oder über E-Mail Info@zfd-bb.de.
Mit freundlichen Grüßen
R. Lobmann
Angela H. fragt:
Betreff: Eingeschlafene, taube Fußballen und Zehen
Gibt es eine Möglichkeit bei Diabetes Typ II die tauben Fußballen und Zehen wieder zu regenerieren? Danke.
Prof. Lobmann:
Sehr geehrte Frau H., Die Taubheitsgefühle sind sehr schlecht behandelbar, das Gefühl der „eingeschlafenen Füße“ kann durch Medikamente überdeckt werden. Vorhandene Schäden an den Nerven, welche sich durch diese Symptome äußern, können aber nicht mehr regeneriert oder repariert werden. Die Therapie orientiert sich (bisher) vorwiegend an einer Linderung der Symptome.
Mit freundlichen Grüßen
R. Lobmann
M. W. fragt:
Hallo, im Mai 2007 wurde bei mir Diabetes II diagnostiziert. Seitdem nehme ich täglich 1.500 mg Metformin ein. Die Neuropathie In beiden Füßen ist in den letzten Monaten deutlich stärker geworden. Was anfänglich nur im Bereich der Fußsohle und der Zehen als Taubheits- bzw. Mißempfindung zu spüren war, hat sich nun über beide Füße bis in den Knöchelbereich ausgedehnt. Meine Blutwerte sind bisher 1 mal pro Jahr durch meinen Hausarzt ermittelt worden. Sie liegen noch im akzeptablen Bereich.
Meine Fragen: (1) Soll ich täglich selber meinen Blutzuckerspiegel messen, oder reichen die jährlichen Bluttests durch meinen Hausarzt aus, solange die jährlichen Ergebnisse im grünen Bereich liegen?
(2) Welche Möglichkeiten gibt es, die Ausbreitung der Neuropathie in den Füßen zu stoppen?
(3) Unter welchen Voraussetzungen übernehmen die Krankenkassen die Kosten einer medizinischen Fußpflege für Diabetiker?
MfG, M.W.
Prof. Lobmann:
Sehr geehrter Herr W.,
bei alleiniger Therapie mit oralen Antidiabetika ist eine tägliche Blutzuckerselbstmessung i.d.R. nicht notwendig.
Entscheidend ist, dass der Langzeit-Wert des Diabetes (HbA1c-Wert) ¼-jährlich kontrolliert wird, um hier eine Aussage hinsichtlich des Risikoprofils zu erhalten.
Bei der nun fortschreitenden Neuropathie ist zum einen noch einmal die genaue Diagnostik, welche durch den Diabetologen durchgeführt werden kann, ratsam. Um die Ausbreitung der Neuropathie zu beeinflussen, ist ggf. auch der Wechsel auf eine Insulintherapie, sofern die Langzeit-Werte nicht in einem optimalen Bereich liegen, zu überlegen. Ergänzend können die Symptome der Neuropathie durch geeignete (Schmerz-) Medikamente behandelt werden.
Zu der dritten Frage ist festzuhalten, dass die Krankenkassen der medizinischen Fußpflege für Diabetiker nach stattgehabter schlecht heilender Wunde und bei erhöhtem Risikoprofil wie einer vorliegenden Gefäß- und Nervenstörung übernehmen können. Die Verordnung kann durch den Hausarzt bzw. Diabetologen erfolgten, wobei es von Seiten des Budgets für den Facharzt für Diabetologie einfacher zu sein scheint.
Im Zweifel sollten sie spezielle Modalitäten Ihrer Krankenkasse direkt bei dieser nochmals im Vorfeld klären.
Mit freundlichen Grüßen
R. Lobmann
Gabor H. fragt:
Guten Tag! Leider habe ich Diabetes und dazu als Folgekrankheit auch Polyneuropathie bzw. das diabetische Fußsyndrom.
Habe genug darunter zu leiden. Kann man diese Krankheit üpberhaupt heutzutage bekämpfen? Keine Hilfe, keine Medikamente?
Und wie kann ein Endstadiium aussehen?
Danke für die Beantwortung meiner Fragen.
Mit freundlichen Gruß
Gabor H.
Prof. Lobmann:
Sehr geehrter Herr H., bedauerlicherweise besteht die einzige Maßnahme in der Vermeidung und Verzögerung der Neuropathie in der sehr guten Stoffwechseleinstellung.
Wenn schwerwiegende Symptome bereits eingetreten sind, kann man leider ursächlich nicht mehr behandeln, sondern versucht mit den medikamentösen Maßnahmen die für den Patienten belastenden Missempfindungen zu überdecken.
Dies geschieht mit Schmerzmedikamenten oder auch Medikamenten welche die Nervenzellfunktion stabilisieren (wie z.B. niedrig dosierte Antidepressiva). Weitere Möglichkeiten sind neben der Schmerztherapie, welche in schweren Stadien auch z.B. ein Morphin-Pflaster umfassen kann, nicht medikamentöse Verfahren wie eine Elektrostimulation (TENS) oder autogenes Training bzw. Akupunktur durchaus mit geeignet.
Im Endstadium der Neuropathie liegt häufig das Bild einer absoluten Gefühllosigkeit (Taubheit) vor, welches nach langjährigen Kribbelmissempfindungen von vielen Patienten dann als etwas erträglicher wahrgenommen wird.
Mit freundlichen Grüßen
R. Lobmann
Manfred B. fragt:
Hallo Herr Lobmann, seit 12 Jahren habe ich Typ 2. Nehme Medikamente, auch gegen Bluthochdruck. Die ersten 4 Jahre hatte ich ein bicßhen probelme mit der Einstellung. Jetzt geht es ganz gut. Muss ich trotzdem noch Angst haben vor einem diabetischen Fußsyndrom oder dass andere Nerven kaputt gehen? symptome habe ich keine - nicht dass ich das merken würde zumindest. kann man einen Test machen - prophilaktisch?
Prof. Lobmann:
Sehr geehrter Herr B., der positive Verlauf Ihres Diabetes ist erfreulich.
Auch eine exzellente Zuckereinstellung ist leider kein 100%-iger Schutz vor der Entwicklung einer Komplikation. Im Umkehrschluss ist allerdings ein schlecht eingestellter Blutzucker mit hohen HbA1c-Werten eine Garantie dafür, dass Probleme auftreten werden.
Sie sollten auch bei gut eingestelltem Diabetes die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen (wie z.B. gemäß des Diabetespasses) durchführen lassen um hier frühzeitig Veränderungen der Nerven mit zu erkennen. Hier ist es möglich, das Empfinden mittels einer Stimmgabel zu testen und auch die Auslösung der Muskeleigenreflexe sind hilfreich zur Bewertung der Nervenfunktion. Trockene Haut sowie Krallenzehen sind ebenfalls ein Frühzeichen einer Nervenmitbeteiligung aufgrund des Diabetes.
Bei trockener Haut gibt es die Möglichkeit eines in der Apotheke erhältlichen Testsystems (Neuropad®) um hier einen Hinweis auf die mögliche Schweißdrüsenfunktionsstörung und die gestörte Rückfettungsfähigkeit der Haut zu gewinnen. Sollte die Haut sehr trocken sein, bietet sich eine harnstoffhaltige Salbe an.
Weiterhin ist neben der regelmäßigen Fußinspektion um frühzeitig kleine Läsionen bereits zu erkennen, wichtig auf angemessenes Schuhwerk zu achten, welches einen guten Sitz bei ausreichender Weite aufweist.
Dies vermeidet eine der häufigsten Ursachen des Entstehens eines diabetischen Fußes - nämlich Druckstellen aufgrund von zu engem Schuhwerk.
Mit freundlichen Grüßen
R. Lobmann
Wilfried M. fragt:
Betreff: Diabetischer Fuß
Ich bin schon seit längerem mit dem Problem der "eingeschlafenen" bzw. "gefühllosen" Füßen konfrontiert, habe schon Orthopäden, Nervenärzte und ander Ärzte deswegen aufgesucht, bis ich vor ca. 1 Jahr über einen Spezial-Fußarzt gesagt bekommen habe, dass aus einer Sicht mit dem Fuß kein Problem vorliegt, aber ich sollte mich mal wegen Diabetes untersuchen lassen. Gesagt, getan! Hatte einen Langzeitwert von 6,3, habe mit Umstellung der Ernährung versucht, aber die Probleme mit den Füßen sind geblieben. Jetzt meine Frage: Kann so ein "niedriger" Langzeitwert bereits zu solchen Problemen mit den Füßen führen, oder sollte ich noch anders nachschauen lassen und wo ?
Prof. Lobmann:
Sehr geehrter Herr M., der von Ihnen geschilderte Langzeitwert ist ein für Daibetiker guter HbA1c-Wert, der aber dennoch gegenüber dem "normalen" erhöht ist.
Typisch für den Diabetes Typ 2 ist es, dass bereits vor derDiagnose des Diabetes Störungen an den kleinen und großen Gefäßen aufgrund der gestörten Stoffwechsellage und den erhöhten Zuckerwerten entstehen.
Bereits 20 % der neu festgestellten Diabetiker haben eine messbare Nervenfunktionsstörung (noch ohne Symptome), was in dieser Vorlaufzeit des unerkannten Stoffwechselproblems zu begründen ist.
Von daher ist diabetische Neuropathie nur begrenzt eine Spätkomplikation im engeren Sinne.
Die von Ihnen geschilderten eingeschlafenen und gefühllosen Füße sind durchaus typisch für eine diabetische Nervenfunktionsstörung und Sie sollten hier beim Diabetologen die weitere Diagnostik und ggf. Therapieeinleitung veranlassen.
Mit freundlichen Grüßen
R. Lobmann
Ludger S. fragt:
Betreff: Polyneuopathie/Diabetischer Fuß
Sehr geehrter Herr Prof. Lobmann, ich bin ein Typ II Diabetiker. In meinem linken Bein habe ich eine Polyneuropathie und einen diabetischen Fuß (es hat fast 1 Jahr gedauert, bis die offene Stelle wieder zu ist). Im linken Bein verspüre ich keine Schmerzen, Verletzungen etc., im rechten Bein dagegen spüre ich noch Berührungen. Meine Frage an Sie ist: Kann es sein, dass im rechten Bein keine Polyneuropathie entsteht oder kann irgendwann sich dort eine entwickeln? Wie kann ich einer Polyneuropathie am rechten Bein entgegen arbeiten? Was muß ich bei der vorhandenen Polyneuropathie links be-achten?
MfG Ludger S.
Prof. Lobmann:
Sehr geehrter Herr S., hinsichtlich der von Ihnen geschilderten Problematik ist auffällig, was Sie bei einer einseitigen Neuropathie berichten. Typischerweise tritt bei einem Diabetiker diese Neuropathie sockenförmig von den Zehen aufsteigend und beidseitig auf. Ich würde Ihnen daher anraten nochmals genau prüfen zu lassen, ob wirklich der Diabetes mellitus die Ursache Ihrer Neuropathie ist oder eine andere mögliche Ursache für eine Neuropathie (z.B. aus dem neurologischen Formenkreis) verantwortlich sein könnte.
Die diabetische Polyneuropathie kann in ihrem Fortschreiten durch eine ausgezeichnete Blutzuckereinstellung beeinflusst werden.
Bei einer vorhandenen Polyneuropathie der unteren Extremität ist darauf zu achten, dass durch tägliche Inspektionen bereits kleine Verletzungen entdeckt werden, um schwerwiegende Fußkomplikationen zu vermeiden. Sie sollten bei einer ausgeprägten Polyneuropathie auch für die Fuß- und Nagelpflege eine fachpodologische Hilfe in Anspruch nehmen, um eine Selbstverletzung, z.B. bei der Nagelkürzung, zu vermeiden.
Bei eingeschränktem Temperaturempfinden ist darauf zu achten, dass z.B. auch ein Fußbad hinsichtlich der Temperatur kontrolliert wird, um hier Verbrühungen auszuschließen.
Nicht zuletzt ist auf passgerechtes Schuwerk zu achten - zu enges Schuhwerk ist mit eine der häufigsten Ursachen für eine diabetesbedingte chronische Wunde.
Mit freundlichen Grüßen
R. Lobmann
H. Braunwarth fragt:
Hallo Dr. Lobmann, bin ein Typ 1 Diabetiker seit mehreren Jahren. Mein Hba1C liegt so bei 7 - war aber noch nie höher als 8,3. Seit ein paar WOchen jucken meine Bein immer wieder - ist aber nur an bestimmten Stellen - eher so an den Waden nähe Knöchel. Ist das schon ein Zeichen von Neuropathie?
Prof. Lobmann:
Sehr geehrter Herr B., die diabetische Polyneuropathie tritt bei Typ-1-Diabetikern gewöhnlich etwas später auf als bei Typ-2-Diabetikern. Der HbA1c von 7-8,3 ist sicher keine ausreichend gute Einstellung und stellt ein erhöhtes Risiko für das Entstehen einer manifesten und klinisch relevanten Neuropathie dar.
Das von Ihnen beschriebene Jucken kann ein erstes Zeichen einer beginnenden Neuropathie sein, wobei hier die Aussage dass es nur an bestimmten Stellen stattfindet etwas untypisch ist.
Um hier eine entsprechende Diagnose zu stellen, sollten Sie zum einen durch Ihren Hausarzt/Diabetologen eine Vorsorgeuntersuchung hinsichtlich Neuropathie (diese beinhaltet die Testung der Reflexe, sowie eine Empfindungsmessung mittels Stimmgabel) durchführen lassen. Ergänzend sollten Sie wegen diesem lokalisierten Juckreiz ggf. auch eine Vorstellung beim Hautarzt mit in Erwägung ziehen.
Da auch eine Verschlechterung der Nierenfunktion Juckreiz als unspezifisches Symptom haben kann, wäre die Kontrolle der Nierenwerte im Blut ebenfalls ratsam.
Mit freundlichen Grüßen
R. Lobmann
Dietmar M. fragt:
Seit über 15 Jahren bin ich Patient mit allen nur erdenklichen Komplikationen.
Ein Stahlnagel im Fuß vor 10 Jahren hat mich erst darauf gebracht.
Außerdem habe ich in der Vergangenheit div. Schmerzmedikamente einnehmen müssen. Heute bin ich frei davon. Ich muß immer noch Insulin spritzen, habe aber keine Schmerzen mehr. Seit 4 Jahren verwende ich "JUICEPLUS" - ein sog. NEM. Mir geht es heute körperlich deutlich besser, als noch vor Jahren.
Z.B. sind meine Laborwerte wieder im "Normbereich". Für alle, die etwas verbessern wollen kann nur diese Empfehlung aussprechen. Für Nachfragen stehe ich gern zur Verfügung.
Dietmar M.
Prof. Lobmann:
Sehr geehrter Herr M., vielen Dank für Ihren Beitrag. Es ist sehr erfreulich, dass Sie jetzt unter einer besseren Diabetestherapie mit Insulin durchaus keine Schmerzen mehr verspüren. Generell darf ich aber feststellen, dass nach den bisherigen schulmedizinischen Erkenntnissen noch gemäß der Leitlinien der deutschen Diabetesgesellschaft Nahrungsergänzungsmittel primär nicht empfohlen werden.
Es ist aber erfreulich, dass Sie unter den von Ihnen gewählten Maßnahmen eine Linderung erfahren haben.
Mit freundlichen Grüßen
R. Lobmann
Georg S. fragt:
Betreff: Polyneuropathie
Sehr geehrter Prof. Lobmann, Bin seit 1977 Diab., z.Zt. oral+Insulin (Lantus) eingestellt. HBa1 6,1. Die Schmerzen sind dauernd da, Nachts mit Krämpfen verunden. Nehme Schmerzmittel ( Lyrica 300 2 x, Paracetamol 500 4 x, Novamin Trpf. 5 x 40, Cuprum metallicum D 12 ). Habe jetzt im März beginnend eine Schmerztherapie über 10 Tage, gehe regelmäßig ins Physiostudio zur KGG. Wissen Sie noch eine Möglichkeit, die Schmerzen etwas zu lindern ? Ich weiß, dass ich immer Polyneuropathie-Schmerzen haben werde, aber etwas weniger wäre doch schön. Vielen Dank für Ihre Bemühungen
Prof. Lobmann:
Sehr geehrter Herr S., neben der Schmerzsymptomatik beschreiben Sie Krämpfe, hier kann ergänzend noch eine Kontrolle des Magnesiumspiegels erfolgen, um hier ggf. eine entsprechende Aufsättigung vorzunehmen.
Im Rahmen der entsprechenden Schmerztherapie gemäß der Leitlinie wäre die Dosierung mit Lyrika ausreichend, ggf. kann hier eine Umstellung auf ein anderes Präparat versucht werden (z.B. Ariclaim)
Bei weiteren persistierenden Schmerzen können Maßnahmen wie autogenes Training, Akkupunktur, aber auch die Elektrostimulation mittels Tens-System durch einen Schmerztherapeuten hilfreiche Ergänzungen des therapeutischen Konzepts sein.
In schwersten Fällen kann eine ergänzende Therapie mit einem morphinhaltigen Präparat (z.B. Schmerzpflaster) nützlich sein.
Mit freundlichen Grüßen
R. Lobmann
Renate M. fragt:
Betreff: zu viel Insulin im Körper ?
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich beobachte seit einigen Jahren etwas Komisches an mir. Ich ernähre mich eigentlich sehr gesund. Wenn ich aber wirklich mal mehr gegessen habe als normal (passiert bei Familienfeiern), dann habe ich unnatürlich schnell wieder Hunger. Bei einem Blutzuckerbelastungstest hatte ich nach 60 Minuten einen niedrigeren Zuckerspiegel als vor der Einnahme der Zuckerlösung. Bei einer normalen Ernährung leide ich oft unter Heißhungerattacken, und das Abnehmen ist für mich sehr schwer (obwohl ich es sehr nötig habe). Könnte ein zu hoher Insulinspiegel in meinem Körper der Grund sein ? Was raten Sie mir soll ich tun.
Mit freundlichen Grüßen
Renate M.
Prof. Lobmann:
Sehr geehrte Frau M. Ihre Schilderung - ohne weitere Details zu kennen - läßt durchaus an einen Überschuß von Insulin denken. Dies kann zwei Gründe habena) es handelt sich um einen beginneneden Diabetes (Prä-Diabetes); in dieser Phase schüttet die Bauchspeicheldrüse zu viel und zu lange Isnulin aus und ist damit im wahrsten Sinne des Wortes gestresst. b) es wird durch die Zellen der Bauchspeicheldrüse unkontrolliert Insulin produziert (sog. Insulinom). Eine endokrinologisech Abklärung beim Hormonspezialisten könnte sinnvoll sein. Wenn sich der Verdacht erhärtet würde neben einem standardisierten Glukosebelastungstest ggf. ein Hungerversuch über max. 72 Stunden (stationär im Krankenhaus) durchgeführt werden. Mit freundlichen GrüßenR. Lobmann
M. W. fragt:
Hallo Herr Dr. Lobmann, Sie erwähnen in einigen Antworten den Diabetespass. Ich bin seit 4 Jahren in Behandlung wegen Diabetes II, habe aber noch keinen Diabetespass. Wo bekomme ich den?
MfG,
Michael W.
Prof. Lobmann:
Sehr geehrter Herr W,
den Pass erhalten Sie z.B. über folgenden Link:
www.diabetesde.org/ueber_diabetes/was_ist_diabetes/diabetes_pass/
Mit freundlichen Grüßen
R. Lobmann



