Gute Lebensqualität trotz und mit Diabetes
Experten-Chat mit Dr. Kulzer
Karin fragt:
Seit ich vor einem Jahr an Diabetes erkrankt bin, bin ich total depressiv geworden. Es ist manchmal so schlimm, dass ich wirklich auf gar nichts Lust habe. Ich bin launisch geworden, stimmungslos und bin ständig müde, da ich meinen Diabetes in diesen Phasen total vernachlässige. Außerdem esse ich zum Teil viel mehr als vor meiner Erkrankung. Liegt das wirklich am Diabetes? Die Phase habe ich jetzt bereits seit einigen Monaten, geht sie irgendwann einmal vorüber?
Dr. Kulzer:
Sehr geehrte Karin,
das klingt nicht so gut! Wenn Sie festgestellt haben, dass Sie seit
der Diagnose des Diabetes an einer Depression leiden, sollten Sie sich
unbedingt professionell behandeln lassen und nicht darauf hoffen, dass
diese Phase einfach wieder verschwindet. Dafür dauert sie schon zu
lange (1 Jahr!). Besser wäre es, gemeinsam mit Ihrem Arzt oder einem
Psychologen/Psychotherapeuten herauszufinden, was es Ihnen so schwer
macht, den Diabetes in Ihr Leben zu integrieren. Eventuell kann auch
eine medikamentöse Therapie gegen die Depression für Sie eine Hilfe
darstellen, wieder klarer denken zu können und Ihnen wieder den
nötigen Schwung verleihen, um sich mit der Erkrankung Diabetes
auseinander setzen zu können.
Mein Tipp daher: Sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt über Ihre
psychische Befindlichkeit!
Ich wünsche Ihnen hierfür viel Kraft.
Mit herzlichem Gruss
Bernd Kulzer
Tom fragt:
Ich möchte gerne Sport treiben, da ich stark übergewichtig bin, traue mich aber als Diabetiker nicht, da die Blutzuckerschwankungen zu groß sind und ich Angst habe, nicht ordentlich gegenregulieren zu können. Es ist ein Teufelskreis. Ich fühle mich gar nicht wohl in meiner Haut, habe aber auch Angst. Was können Sie mir empfehlen?
Dr. Kulzer:
Sehr geehrter Tom,
danke für Ihre Frage. Ich weiß nicht, ob Sie Typ-2 oder Typ-1 Diabetiker sind, aber Sport ist für alle Menschen mit Diabetes empfehlenswert.Denn Sport gehört für viele Menschen zum Leben einfach dazu und ist mit Diabetes gut vereinbar.Bei Typ-2-Diabetes ist Sport ein gutes Mittel, um die Insulinresistenz - das eigentliche Grundproblem des Typ-2-Diabetes - zu reduzieren. Zudem hilft Bewegung beim Abnehmen und das ist auch gut für die Blutzuckereinstellung. Bei Typ-1-Diabetes ist Sport aber auch gut möglich. Es gibt genügend Spitzensportler und Olympiasieger mit Typ-1-Diabetes, die das bewiesen haben. Voraussetzung dafür ist eine gute Schulung, damit Sie wissen, was Sie gegen große Blutzuckerschwankungen tun können (z.B. Insulinreduktion, zusätzliche "Sport-BE"). Mein Tipp an Sie daher: Besuchen Sie eine Schulung, um mehr Sicherheit bei dem "Sporteln" zu erlangen. Sport gehört auch zu einer guten Lebensqualität und daher sollten Sie nicht auf Sport verzichten, sondern sich genau informieren, wie Sie den Sport mit einer guten Diabeteseinstellung verbinden können.
Herzliche Grüß
Bernd Kulzer
Dieter H. fragt:
Meine Frau leidet an Diabetes. Sie zieht sich total zurück, interessiert sich für nichts mehr, aber lässt nicht mit sich reden. Es ist belastend für die ganze Familie. Ich brauche dringend Hilfe und Tipps wie ich damit umgehen kann/soll.
Dr. Kulzer:
Sehr geehrter Herr H.,
es ist natürlich schwer eine "Ferndiagnose" zu stellen, warum sich
Ihre Frau so zurückzieht. Neben dem Diabetes gibt es auch eine ganze
Menge anderer Möglichkeiten, warum Ihre Frau belastet sein kann. Wenn
Sie der Meinung sind, dass der Diabetes an der psychischen Verfassung
Ihrer Frau einen wichtigen Anteil hat, wäre es sehr sinnvoll, wenn
Ihre Frau sich Ihnen oder Ihrem behandelnden Arzt öffnet, damit man
gemeinsam nach Möglichkeiten suchen kann, wie Ihre Frau mit dem
Diabetes besser zurecht kommen kann.
Wenn es sich bei Ihrer Frau um eine noch nicht erkannte oder
behandelte Depression handelt. wäre es sicher sehr wichtig, dass diese
gut behandelt wird. Damit bekäme Ihre Frau dann auch wieder genug
Kraft und Schwung, um wieder besser mit dem Diabetes klar zu kommen.
Für Angehörige von Menschen, die an einer Depression leiden, gibt es
einige Tipps und Hinweise - vielleicht können diese Ihnen
weiterhelfen:
Depression als eine Krankheit verstehen: Versuchen Sie nicht, dem
Betroffenen klar zu machen, dass seine Lebenssituation gar nicht so
schlimm ist oder es Menschen gibt, denen es noch schlechter geht.
Akzeptieren Sie, dass die Depression für eine gewisse Zeit dazu führt,
dass sich Ihr Partner, Angehöriger oder Freund vorübergehend in seinem
Verhalten verändert und bestimmte Aufgaben nicht mehr in der gewohnten
Art und Weise erledigen kann. Gerade in dieser schwierigen Zeit
benötigt ein depressiver Mensch besonders viel Wärme, Anerkennung und
Zuspruch. Suchen Sie eine günstige Gelegenheit, um in einem Gespräch
deutlich zu machen, dass sie die aktuelle Problematik der depressiven
Person bemerkt haben und für Hilfe oder zum Zuhören bereit sind.
Ärztliche Abklärung empfehlen: Viele depressive Menschen gehen zu spät
oder gar nicht zum Arzt, da sie ihren Zustand fälschlicherweise nicht
als eine behandlungsbedürftige Depression einschätzen. Auch ist es
nicht einfach sich einzugestehen, die Hilfe anderer Personen zu
benötigen. Oft wird das veränderte Verhalten auch auf andere
gesundheitliche Probleme wie zum Beispiel einen schlecht eingestellten
Diabetes oder dessen Folgekomplikationen zurückgeführt. Wieder anderen
fehlt ganz einfach die Kraft, sich zu einem Arztbesuch aufzuraffen. In
einem solchen Fall ist es sinnvoll, als Angehöriger die Initiative zu
ergreifen und einen Arzttermin zu vereinbaren oder
ärztlichen/psychotherapeutischen Rat einzuholen. Für depressive
Menschen kann auch bereits das regelmäßige Wahrnehmen von Arztterminen
eine große Hürde darstellen. Eine einfühlsame Unterstützung durch
Angehörige/Freunde beim Gang zum Hausarzt, Psychiater oder
Psychotherapeuten kann daher sehr hilfreich sein.
Therapeutische Maßnahmen unterstützen: Die Einnahme von Medikamenten
und regelmäßige Gespräche mit dem Arzt oder Psychotherapeuten sind die
Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung. Wer an einer
Depression erkrankt ist, neigt jedoch dazu, nicht an seine Heilung zu
glauben. Antidepressiva benötigen jedoch meist zwei bis drei Wochen,
bis eine richtige Wirkung einsetzt. In dieser Zeitspanne ist es für
depressive Menschen oft nur schwer verständlich, die Tabletten
einzunehmen, ohne eine Besserung zu spüren. Auch therapeutische
Gespräche im Zustand einer Depression wirken selten sofort
durchschlagend. Für Betroffene ist es oft jedoch nur schwer
verständlich, weiterhin Tabletten einzunehmen oder therapeutische
Gespräche zu führen, wenn sich das Befinden nicht verbessert.
Angehörige und Freunde können hierbei eine wichtige Unterstützung für
den Betroffenen darstellen.
Geregelter Tagesablauf: Depressiven Menschen fällt es in der Regel
sehr schwer, einen geregelten Tagesablauf zu finden. Schon das
Aufstehen oder Ankleiden kann als große Schwierigkeit erlebt, der
Gedanke an die Durchführung der Diabetestherapie als eine Belastung
empfunden werden. Angehörige und Freunde können hier eine behutsame
Hilfe leisten, indem sie den Betroffenen darin unterstützen, wieder zu
einem geregelten Tagesablauf zu finden. Dies kann darin bestehen,
jemand zu wecken, wenn es Zeit für eine Insulininjektion ist oder eine
feste Zeit für einen gemeinsamen Spaziergang zu vereinbaren.
Überforderung vermeiden: Die meisten Menschen, die an Depressionen
erkranken, leiden darunter, dass sie nicht mehr sie selbst sind und
bestimmte Aufgaben nicht mehr erfüllen können. Gerade zu Beginn der
Erkrankung muß der Betroffene lernen, bestimmte Aufgaben abzugeben,
die in dem depressiven Zustand nur eine zusätzliche Belastung
darstellt. Deshalb kann es sinnvoll sein, vorübergehend
stellvertretend bestimmte Aufgaben zu übernehmen, um eine
Überforderung zu vermeiden. Lassen Sie es zu, wenn ein depressiver
Mensch sich zurückziehen möchte und zwingen ihn nicht zu Aktivitäten,
die er in diesem Zustand nicht ausüben kann. Dies kann auch für die
Therapie des Diabetes gelten. In einer depressiven Phase kann es
durchaus für den Betroffenen eine Hilfe darstellen, wenn Sie für eine
gewisse Zeit eine Mitverantwortung für die Durchführung der Behandlung
übernehmen.
Geduld haben: Depressionen verschwinden leider oft nicht so schnell,
wie sie aufgetaucht sind. Doch mit der richtigen Therapie und der
Hilfe des Arztes/Psychotherapeuten hat der Betroffene gute Chancen,
wieder gesund zu werden. Grund genug für Sie als Angehöriger oder
Freund Geduld und Vertrauen zu haben, daß mit der richtigen Therapie
ein guter Heilungsverlauf erreicht werden kann. Ermuntern Sie den
Betroffenen mitzuteilen, wie er sich fühlt und welche Wirkung die
Therapie bisher hatte – seien Sie dabei aber nicht allzu drängend.
Das Selbstmordrisiko ernst nehmen: Depression sind leider auch mit
einem deutlich erhöhten Selbstmordrisiko verbunden: Immerhin nehmen
sich rund 15% der an einer schwereren Depression Erkrankten im Laufe
ihrer Erkrankung das Leben. Nehmen Sie daher entsprechende
Ankündigungen oder Anzeichen des Betroffenen ernst. Sehr häufig wird
ein Selbstmord vorher angekündigt. In einem solchen Zustand ist für
einen solchermaßen gefährdeten Menschen wichtig, mit jemanden reden zu
können und jemand Vertrauten in der Nähe zu haben. Versuchen Sie da zu
sein und eine Gelegenheit anzubieten, sich in einem Gespräch
auszusprechen. Benachrichtigen Sie bei einem Verdacht auf Selbstmord
sofort den behandelnden Arzt.
Keine wichtigen Entscheidungen treffen: Machen Sie sich dies bei allen
wichtigen Entscheidungen bewusst, die die gemeinsame Zukunft
betreffen, das depressive Menschen die Realität aufgrund der
Erkrankung oft sehr verzerrt und negativ getönt wahrnehmen. Wichtige
Entscheidungen wie beispielsweise die Trennung vom Partner, ein
Arbeitsplatzwechsel oder die Entscheidung für eine andere Therapieform
des Diabetes sollten möglichst nicht während der depressiven Phase
getroffen werden. Berücksichtigen Sie bei allen wesentlichen
Angelegenheiten die eingeschränkte Erlebenswelt Ihres Angehörigen oder
Freundes.
Für die Diagnostik und Behandlung von depressiven Störungen gibt es
eine Reihe unterschiedlicher Ansprechpartner:
Hausarzt, Allgemeinarzt, Internist mit hausärztlichem Schwerpunkt:
Beim Verdacht auf eine depressive Erkrankung bietet sich der Hausarzt
als erste Anlaufstelle an. Wenn Sie die ausgefüllten Fragebogen (Seite
…) mitbringen, können diese den Gesprächseinstieg erleichtern. Der
Hausarzt kennt in der Regel Ihre Lebens- und Familiensituation und
weiß auch über mögliche andere Erkrankungen Bescheid. Viele Hausärzte
haben im Rahmen einer Zusatzausbildung (psychosomatische
Grundversorgung) ausreichende Kenntnisse, um eine Depression zu
diagnostizieren und eine Behandlung zu beginnen oder weiter zu
überweisen.
Diabetologe: Depressionen kommen bei Menschen mit Diabetes häufiger
vor als bei Menschen ohne Diabetes. Daher hat ihr Arzt, der Sie wegen
Ihres Diabetes behandelt spezielle Kenntnisse zur Diagnose und
Therapie von depressiven Episoden bei Menschen mit Diabetes. Er
erkennt nicht selten alleine anhand der Blutzuckerwerte, dass nicht
nur der Schwung für das Leben, sondern auch für die Diabetesbehandlung
fehlt. Sprechen Sie Ihren behandelnden Diabetologen darauf an, falls
Sie den Verdacht haben, dass Sie an einer Depression leiden. Auch er
wird Sie bei Bedarf zur Weiterbehandlung an weitere Ansprechpartner
aus dem psychiatrischen oder psychologischen Bereich überweisen.
Sozialpsychiatrischer Dienst: Sozialpsychiatrische Dienste sind häufig
an das Gesundheitsamt angeschlossen und informieren.in der Regel über
die ambulanten und stationären Hilfsmöglichkeiten bei der Behandlung
von Depressionen. Die Kontaktaufnahme zum Sozialpsychiatrischen Dienst
bietet sich auch dann an, wenn der Betroffene sich weigert,
verschiedene Behandlungsmöglichkeiten in Erwägung zu ziehen, was bei
schweren Depressionen der Fall sein kann. Der Sozialpsychiatrische
Dienst kann dann die Betroffenen aufsuchen und eine Einschätzung der
Dringlichkeit (d.h. Gefährdung des Patienten) vornehmen und
gegebenenfalls weitere Schritte einleiten. Auch ist es möglich, über
den sozialpsychiatrischen Dienst die weitere Behandlung zu
koordinieren – zum Beispiel durch die Einschaltung eines
Sozialdienstes, welcher vorübergehend Verantwortung für die
Durchführung der Diabetesbehandlung übernimmt.
Psychiater, Nervenarzt, Facharzt für Psychosomatik / Psychotherapie /
ärztlicher Psychotherapeut: Sind bei der Behandlung weiterführende
diagnostische Schritte (z.B. EEG), dem Ausschluss anderer
psychiatrischer Erkrankungen oder für die gezielte Behandlung der
Depression besondere Fachkenntnis erforderlich, ist die Überweisung an
Fachärzte, die sich auf die Diagnostik und Behandlung von psychischen
Störungen wie der Depression spezialisiert haben, sinnvoll. Dort kann
neben einer diagnostischen Abklärung auch die Behandlung mit
Medikamenten oder eine Psychotherapie durchgeführt werden. Ärztliche
Psychotherapeuten können auf Krankenschein auch längere
psychotherapeutische Behandlungen bei Depressionen durchführen.
Psychologischer Psychotherapeut: Psychologische Psychotherapeuten sind
von der kassenärztlichen Vereinigung anerkannte Psychotherapeuten, die
auf Krankenschein psychotherapeutische Behandlungen durchführen.
Depressionen gehören zu den psychischen Erkrankungen, bei denen die
Kosten der Psychotherapie im Regelfall von der Kasse übernommen
werden. Da eine Psychotherapie Vertrauenssache ist, sind die ersten
Sitzungen probatorisch, das heißt sozusagen „Versuchs- oder
Schnuppersitzungen“, in denen der Patient wie auch der Therapeut
zunächst feststellen, ob sie überhaupt miteinander arbeiten können.
Erst dann beginnt die eigentliche Therapie.Psychologische
Psychotherapeuten mit speziellen Kenntnissen über den Diabetes
erkennen Sie an der Zusatzbezeichnung „Psychodiabetologie“. Leider
gibt es davon in Deutschland noch viel zu wenige. Die Adressen von
„Psychodiabetologen“ und Psychologen mit besonderen diabetologischen
Kenntnissen können Sie im Netzt unter diabetes-psychologie.de finden.
Psychiatrische Klinik, Klinik für Psychosomatik: Eine stationäre
Behandlung in einer psychiatrischen Klinik oder Klinik für
Psychososmatik ist immer dann empfehlenswert, wenn es sich um eine
schwere Depression oder eine Depression, die nicht auf übliche
Behandlungsversuche anspricht handelt bzw. akute Selbstmordgedanken
vorhanden sind. Viele psychiatrische oder psychosomatische Kliniken
haben mittlerweile Ambulanzen, die sich gerade für den Erstkontakt bei
psychischen Problemen gut als Anlaufstelle eignen. Häufig besteht auch
das Angebot einer Tagesklinik, bei der die Patienten tagsüber in der
Woche in einer Therapieeinrichtung verbringen, abends und am
Wochenende jedoch in ihrem vertrauten sozialen Umfeld verbringen
können. Für die stationäre Behandlung von Depressionen gibt es auch
darauf spezialisierte psychosomatische Kliniken.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesen Hinweisen weiterhelfen.
Herzlicher Gruß
Bernd Kulzer
Hans-Jürgen Z. fragt:
Lieber Herr Kulzer,
eine kurze Bemerkung von mir, der nun seit 1970 Diabetiker in verschiedenen Einrichtungen betreut:
Die Patienten wissen viel zu wenig und werden offenbar von ihren betreuenden Ärzten meist „dumm gehalten“. Sie haben oft auch zu viel Respekt vor ihren Ärzten, glauben ihnen alles und trauen sich nicht, Fragen zu stellen. Besonders die älteren Patienten nutzen zu wenig das Internet und hier nicht die Diabetes-Seiten.
Dies sind aus meiner Sicht Probleme, die wir in unserer Gesellschaft dringend ändern müssen, wenn die Lebensqualität insgesamt gut sein und nicht die Behandlung der Komplikationen im Vordergrund stehen soll.
Mit herzlichen Grüßen aus Schwerin
Ihr H.-J.Z.
Dr. Kulzer:
Lieber Herr Z.,
ich stimme Ihnen völlig zu, dass gutes Wissen über den Diabetes und ausreichende Kenntnisse im Umgang mit der Diabetestherapie ganz wichtige Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben mit Diabetes und eine gute Lebensqualität trotz und mit Diabetes darstellen. Daher ist die Diabetesschulung auch so wichtig. Jeder Mensch mit Diabetes sollte daher zu Beginn der Erkrankung gleich an einer Schulung teilnehmen. Darauf sollte jeder Patient von seinem behandelnden Arzt hingewiesen werden. In einer modernen Diabetesschulung geht es auch darum, wie man trotz Diabetes eine gute Lebensqualität erhalten kann - auch das ist Inhalt und Ziel einer Schulung! Ich stimme Ihnen zu, dass in einer guten Schulung nicht nur die Blutzuckereinstellung im Vordergrund stehen sollte, sondern praktische Alltagsfragen behandelt werden sollten.
Herzliche Grüße nach Schwerin!
Bernd Kulzer
Werner fragt:
Betreff: Blutzuckerteststreifen
Hallo Herr Dr. phil. Dipl.-Psych. Kulzer ich freue mich, dass Sie sich hier den Fragen von uns Diabetikern/Patienten stellen.
Herr Dr. Kulzer bitte entschuldigen Sie wenn ich eine Frage habe bei der ich nicht genau weis ob diese auch zum Thema gehört. Aber ich bin mir sicher, dass Sie diese beantworten können.
Für Diabetiker Typ 2 die kein Insulin spritzen hat ja bekannterweise der Gesundheitsminister nicht dem Verordnungsausschluß von Blutzuckerteststreifen für die genannten Diabetiker nicht widersprochen. Sodann dürfen dieser Personengruppe von Seiten der Ärzte keine Blutzuckerteststreifen mehr verordnet werden. Von den wenigen Aussnahmen für welche die Ärzte nur einmalig 1 x 50 Blutzuckertestreifen verordnen dürfen will ich jetzt mal nicht sprechen.
Meine Frage dazu:
Ab wann gilt dieser Verordnungsausschluß?
Dürfen die Ärzte und/oder Diabetologen diese der genannten Personengruppe ab 01.07.2011 nicht mehr verschreiben?
Oder lautet das Datum 01.10.2011 ab dem dieser Verordnungsausschluß gilt?
Ich bin hier unsicher ...
Es geht mir darum, dass ich und andere betroffen Diabetes Patienten wissen ab wann dies für sie genau gilt
Vielen Dank für Ihre Bemühungen im Voraus.
Mit freundlichen Grüßen
Werner
Dr. Kulzer:
Lieber Werner,
danke für Ihre Frage. Ich finde schon, dass diese Frage auch etwas mit dem Thema "Lebensqualität" zu tun hat, da ich glaube, dass mit der Blutzuckertestung alle Menschen mit Diabetes einfach mehr Sicherheit im Umgang mit ihrer Erkrankung bekommen. Daher habe ich mich gerade auch als Psychologe dafür eingesetzt, dass die Verordnung von Teststreifen auch für nicht insulinpflichtige Diabetiker erhalten bleibt. Leider hat der GBA anders entschieden.
Der Verordnungsausschluß tritt nach meinem Wissensstand am 1.10.2011 in Kraft - bis dahin dürfen Ärzte auch nicht insulinpflichtigen Typ-2-Diabetikern weiterhin Teststreifen zulasten der gesetzlichen Krankenkasse verschreiben. Zudem gibt es sehr weitreichende Ausnahmeregelungen, die es sicher einer größeren Anzahl von Typ-2-Diabetikern erlauben wird, auch weiterhin pro Quartal 50 Teststreifen verordnet zu bekommen. Dies ist der Fall bei einer Schulung, einer instabilen Stoffwechsellage oder einer vorübergehenden Erkrankung.
Weitere Informationen finden Sie hier: tinyurl.com/3wu6chq
Habe ich damit Ihre Frage beantwortet?
Herzlicher Gruß
Bernd Kulzer
Werner fragt
Lieber Herr Dr. Kulzer,
vielen Dank für Ihre Antwort.
Wir hatten bereits per Email Kontakt, als ich Sie um Rat gebeten hatte. Dies war allerdings nicht im Rahmen von Diabetesde.org und auch nicht im Rahmen von dem Diabetesde Chat.
Vielleicht erinnern Sie sich ja noch an mich.
Sie haben recht, ich habe mich geirrt, ja diese Frage gehört zur Lebensqualität.
Die Ausnahmeregelungen lassen allerdings nach meinem Kenntnisstand nur zu jeweils 1 x 50 Blutzuckerteststreifen zu verschreiben. Dies hilft dann vielleicht für 1 Quartal 3 Monate.
Oder bin ich hier nicht auf dem richtigen Kenntnisstand?
Herr Dr. Kulzer für Diabetiker mit Metformin 2 x 1000 mg und Glipenclamid
2 x 1,75 mg gibt es hier die Möglichkeit Blutzuckerteststreifen im Rahmen einer Ausnahmeregelung weiter auf Rezept zu erhalten?
Ich bin Diabetiker Typ 2.
Vielleicht können Sie dazu noch etwas mitteilen.
Vielen Dank.
Liebe Grüße
Werner
Dr. Kulzer:
Lieber Werner,
ja, ich erinnere mich. Die Ausnahmeregelungen sind in der Tat so
formuliert, dass jeweils nur 1 x 50 Blutzuckerteststreifen pro Quartal
verschrieben werden können. Allerdings sind die Ausnahmeregelungen
sehr weit gefasst - dies betrifft vor allem das Kriterium "instabile
Soffwechsellage". Die Blutzuckerwerte schwanken bei jedem Menschen -
so auch bei Diabetikern - und sind daher per definitione „instabil“.
Deutlich zu hohe oder zu tiefe Blutzuckerwerte lassen sich jedoch nur
durch eine Blutzuckermessung feststellen - welche aber ja nicht mehr
verordnet werden darf.Daher kann nur die Einschätzung des Arztes
darüber entscheiden, ob bei Ihnen eine "instabile Stoffwechsellage"
vorliegt. Da Sie mit Glipenclamid ein Medikament einnehmen, bei denen
Unterzuckerungen auftreten können, ist eine "instabile"
Stoffwechsellage nicht ganz unwahrscheinlich. Maßgeblich ist jedoch
die Einschätzung Ihres Arztes, der alleine entscheiden kann, ob bei
Ihnen eine der Ausnahmeregelungen zutrifft. Treffen diese über einen
längeren Zeitraum als 3 Monate zu, kann der Arzt prinzipiell auch über
einen längeren Zeitraum 50 Teststriefen verordnen.
Herzlicher Gruß
Bernd Kulzer
Werner fragt:
Lieber Herr Dr. Kulzer,
vielen Dank für Ihre Bemühungen und Ihre bisherige Hilfe.
Herr Dr. Kulzer mein vorletzter HbA1c Wert lag bei 6,2, mein letzter HbA1c Wert bei 5,72. Daher vermute ich mal, dass der behandelnde Arzt keine instabile Stoffwechsellage bescheinigen kann.
Unser Hausarzt ist auch gleichzeitig mein Diabetologe welcher u. a. meine COPD/Asthma, Hypertonie und mein Diabetes behandelt. Ich bin im DMP COPD und im DMP Diabetes Typ 2 bei meinem Hausarzt/Diabetologen eingeschrieben.
Nochmals vielen Dank für alles.
Dr. Kulzer:
Lieber Werner,
erst einmal Gratulation zu Ihrem sehr guten HbA1c-Wert! Eine instabile
Stoffwechsellage könnte bei Ihnen sicher nur bei einer Neigung zu
Unterzuckerungen vorliegen.
Herzlicher Gruß
Bernd Kulzer
Maren S. fragt:
Nehmen die Wechseljahre Einfluss auf die Blutzuckerwerte? Kann es zu psychischen Störungen oder zu anderen Veränderungen kommen?
Dr. Kulzer:
Sehr geehrte Frau S.,
ja, die Wechseljahre haben sowohl einen Einfluss auf die Blutzuckereinstellung, als auch auf die Psyche. Bei den Wechseljahren kommt es zu hormonellen Veränderungen im Körper, die vor allem auf die verminderte Produktion der Hormone Östrogen und Progesteron zurückzuführen sind. Dies führt zu den typischen Begleiterscheinungen der Wechseljahre wie Hitzewallungen, Schweissausbrüche aber auch Stimmungsschwankungen und depressiven Phasen. Diese hormonelle Umstellung hat auch Auswirkungen auf den Diabetes, da auch die Wirkung des Hormons Insulin davon betroffen ist.Die Folge davon kann sein, dass das Insulin schlechter wirkt (schlechtere Glukosetoleranz, steigender Insulinspiegel). In den Wechseljahren verändert sich auch oft das Hunger- und Sättigungsgefühl, was nicht selten auch zu einer Gewichtszunahme führt. Normalerweise verschwinden diese Anzeichen nach den Wechseljahren wieder und auch die Stimmung wird wieder ausgeglichener. Wenn Sie diese Begleiterscheinungen der Wechseljahre allerdings sehr belasten, sollten Sie dringend mit Ihrem Arzt, der Ihren Diabetes behandelt oder Ihrem Frauenarzt sprechen. Eventuell kann eine vorübergehende Hormonersatztherapie mit einem Hormonpflaster für Sie eine gute Lösung darstellen. Wenn Ihre Stimmung über eine längere Zeit sehr negativ ist, könnte eventuell auch vorübergehend eine antidepressive Therapie (Medikamente oder psychotherapeutische Gespräche) für Sie hilfreich sein.
Herzliche Grüße
Bernd Kulzer
Lara fragt:
Betreff: Depressionen durch Diabetes?
Seit ich vor einem Jahr an Diabetes erkrankt bin, bin ich total depressiv geworden. Es ist manchmal so schlimm, dass ich wirklich auf gar nichts Lust habe. Ich bin launisch geworden, stimmungslos und bin ständig müde, da ich meinen Diabetes in diesen Phasen total vernachlässige. Außerdem esse ich zum Teil viel mehr als vor meiner Erkrankung. Liegt das wirklich am Diabetes? Die Phase habe ich jetzt bereits seit einigen Monaten, geht sie irgendwann einmal vorüber?
Dr. Kulzer:
Sehr geehrte Lara,
so wie Sie schreiben, ist dieser Zustand erst nach der Diagnose Diabetes aufgetreten. Hängt dies damit zusammen, dass Sie den Diabetes bisher noch nicht akzeptiert haben und sie mit der Diagnose nicht zurecht kommen? Wenn dies der Fall ist. sollten Sie bei Ihrem Arzt sehr darauf drängen, dass Sie möglich bald mit ihm darüber reden können. Auch der Besuch einer Diabetesschulung ist empfehlenswert, da diese nachgewiesener Maße einen antidepressiven Effekt aufweist. In vielen Diabeteseinrichtiungen gibt es auch Psychologinnen/en, mit denen Sie über Ihre Erkrankung und Ihrem Umgang damit sprechen können. Eine Liste ambulanter Psychologen/innen, die sich auf die Behandlung von Menschen mit Diabetes spezialisiert haben, finden Sie unter www.diabetes-psychologie,de.
Um abzuklären, ob es sich bei Ihnen tatsächlich um eine behandlungbedürftige Depression handelt, können Sie dies anhand eines einfachen Tests auch selbst in etwas abklären, indem Sie die folgenden Fragen beantworten.
Leiden Sie seit mehr als 2 Wochen die meiste Zeit des Tages an ... ...
... gedrückter Stimmung
... Interesselosigkeit und/oder Freudlosigkeit, auch bei sonst angenehmen Ereignissen
... Schwunglosigkeit und/oder bleierner Müdigkeit und/oder innerer Unruhe
... fehlendem Selbstvertrauen und/oder fehlendem Selbstwertgefühl
... verminderter Konzentrationsfähigkeit und/oder starker Grübelneigung und/oder Unsicherheit beim Treffen von Entscheidungen
... starken Schuldgefühlen und/oder vermehrter Selbstkritik
... negativen Zukunftsperspektiven und/oder Hoffnungslosigkeit
... hartnäckigen Schlafstörungen
... vermindertem Appetit
... tiefer Verzweiflung und/oder Todesgedanken
Zählen Sie zusammen, wie oft Sie mit „Ja“ und „Nein“ geantwortet haben - dann bekommen Sie einen ersten Hinweis, ob es sich bei Ihnen wirklich um eine Depression handelt.
- Wenn Sie bei mindestens 2 der Fragen 1-3 mit „Ja“ und insgesamt bei mindestens 4 Fragen mit „Ja“ geantwortet haben, weisen Ihre Angaben auf eine leichte depressive Erkrankung hin. Zeigen Sie den Test Ihrem Arzt und schildern Sie ihm Ihre Beschwerden. Sprechen Sie ganz offen mit Ihrem Arzt über Behandlungsmöglichkeiten.
- Wenn Sie bei mindestens 2 der Fragen 1-3- mit „Ja“ und insgesamt bei mindestens 6 Fragen mit „Ja“ geantwortet haben, weisen Ihre Angaben auf eine mittelschwere depressive Erkrankung hin. Sie sollten auf jeden Fall möglichst bald Ihren Arzt konsultieren, falls Sie mit ihm noch nicht über Behandlungsmöglichkeiten bei Depressionen gesprochen haben. Ihre Angaben weisen auf eine ausgeprägte behandlungsbedürftige Depression hin. Bringen Sie das Testergebnis zum Gespräch mit Ihrem Arzt mit.
- Wenn Sie auf alle 3 der Fragen 1-3- mit „Ja“ und insgesamt bei mindestens 8 Fragen mit „Ja“ geantwortet haben, weisen Ihre Angaben auf eine schwere depressive Erkrankung hin, die dringend behandelt werden sollte! Verlieren Sie keine Zeit, mit Ihrem Arzt über die richtige Form der Depressionsbehandlung zu sprechen, falls dies noch nicht geschehen ist.
- Wenn Sie auf die Frage 10 mit "Ja" antworten, besteht bei Ihnen ein hohes Selbstmordrisiko. Suchen Sie auf jeden Fall möglichst bald einen Arzt oder Psychotherapeuten auf. Sprechen Sie auch mit einer Person Ihres Vertrauens über Ihre suicidalen Gedanken. Denken Sie daran: Depressionen sind der häufigste Grund für Gedanken an Selbstmord. Aber: Depressionen sind gut behandelbar!
Dieser einfache Test kann natürlich nicht die Diagnose eines Arztes ersetzen. Aber er kann eine gute Basis für ein Gespräch mit Ihrem Arzt sein, mit dem sie dringend über Ihren Zustand sprechen sollten.
Ich wünsche Ihnen, dass Ihr Zustand besser wird und Sie auch Ihren Diabetes in Griff bekommen.
Herzlicher Gruß
Bernd Kulzer
Hermann fragt:
Betreff: Spontanität
Sehr geehrtes Redaktionsteam!
Was ich (43 Jahre) besonders nach meiner Diabetes (Typ 1) Erkrankung im Jahr 2005 vermisse ist die Spontanität Sport auszuüben. Früher konnte ich mich nach einer stressigen Arbeit umziehen und 3 - 4 Stunden radfahren oder laufen gehen. Heute muss ich vorher Blutzucker messen, ist dieser zu niedrig kann ich nicht gleich losfahren sondern MUSS warten und MUSS was essen. Wärendessen schwindet die Lust Sport zu betreiben.
Wenn ich doch mit viel Kohlenhydrate eine Tour fahre macht sich meine Frau sorgen, dass ich nachts einen Hypo bekomme.
Mein Arzt hat mich sehr gut eingestellt, auch wenn mein Körper manchmal einen Strich durch die Rechnung macht (Hypo trotz ausreichende Kohlenhydratzufuhr, Blutzucker der den ganzen Tag nicht gehoben werden kann oder umgekehrt der Blutzucker sinkt nicht).
Durch Diabetes komme ich leider nicht mehr an die Leistungen von vor 5 Jahren heran und das finde leider sehr traurig.
Hermann
Dr. Kulzer:
Lieber Hermann,
Sie beklagen zurecht etwas, was sehr viele Menschen mit Diabetes
stört: Das ständige MUSS und die Notwendigkeit, sich ständig Gedanken
um den Blutzucker und die Diabetesbehandlung zu machen. Dies ist
leider nicht zu verändern - vor allem wenn Sie sehr flexibel leben
möchten und sehr viel Sport betreiben. Was Sie verändern können, ist
allerdings die Routine, mit der Sie Ihre Therapie durchführen und Ihre
Einstellung dazu. Gerade wenn Sie viel Sport treiben, macht es Sinn,
sich mit anderen Diabetikern, die auch Sport treiben, auszutauschen,
um nützliche Tipps im Umgang mit dem Diabetes bei Sport zu bekommen.
Es gibt auch einige Bücher zu diesem Thema, welche für Sie vielleicht
hilfreich sein könnten: Turm et al., Diabetes- und Sportfibel: Mit
Diabetes weiter laufen [2009] Kirchheim-Verlag Mainz oder "Du kannst
es! Diabetes und Leistungssport" von Detlev Kraft, ebenfalls im
Kirchheim-Verlag.
Mit der richtigen Herangehensweise, müssen Ihre Sportergebnisse nicht
unbedingt schlechter sein als vor 5 Jahre sein (das Alter lassen wir
lieber einmal außen vor ...) - es gibt genügend Leistungsportler, die
trotz Diabetes sportliche Höchstleistungen erbringen (z.B. der
aktuelle Olympiasieger im Gewichtheben Mathias Steiner). Vielleicht
können Sie Ihre Einstellung zum Diabetes noch verbessern? Denn es
kommt sicherlich auch auf Ihre innere Einstellung gegenüber den
Einschränkungen des Diabetes an. Wenn Sie sich schon lustlos auf Ihr
Fahrrad setzen und wissen, dass sich Ihre Frau große Sorgen um Sie
macht, ist dies natürlich keine optimale Bedingung für
Höchstleistungen. Für gute Leistungen braucht es auch eine
entsprechende gute innere Einstellung gegenüber dem Diabetes. Können
Sie hier vielleicht noch etwas verbessern?
Herzlicher Gruß
Bernd Kulzer
Manfred S. fragt:
Betreff: Was Essen?
Guten Tag,
ich habe Diabetes 2 und muss wegen Vorhofflimmern Marcumar einnehmen,da scheidet schon grünes Gemüse aus w. Vitamin K, viel Fleisch erhöht aber meinen Harnsäurespiegel. Schokolade und Kuchen sind auch tabu. Ich kann doch nicht nur von Quark leben.
Bitte um Rat
Freundliche Grüße
Manfred S.
Dr. Kulzer:
Sehr geehrter Herr S.,
klar - Essen ist ein Stück Lebensqualität! Daher machen Sie sich
zurecht Sorgen, da Sie das blutverdünnende Mittel Marcumar einnehmen.
Aber keine Sorge: So stark sind die Einschränkungen gar nicht. Darauf
hat schon vor Jahren die Deutsche Gesellschaft für Ernährung
hingewiesen:
"Personen, die mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten behandelt
werden, werden immer noch durch veraltete Diätempfehlungen
verunsichert, die den Verzehr von grünem Blattgemüse oder Kohlsorten
verbieten. Grüne Gemüsesorten haben einen hohen Gehalt an Vitamin K.
Das fettlösliche Vitamin ist für die Bildung von
Blutgerinnungsfaktoren in der Leber mitverantwortlich. Deshalb gilt
Vitamin K als Gegenspieler von blutverdünnenden Mittel wie
beispielsweise Macumar. Vielfach wird der Verzehr von Gemüse
insbesondere von Vitamin K-reichem Gemüse eingeschränkt. Die Deutsche
Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) weist darauf hin, daß keine
besondere Diät bei der Einnahme von blutgerinnungshemmern erforderlich
ist. Der Verzicht auf Vitamin K-reiche Lebensmittel wie Leber, Spinat
und Kohlgemüse ist unnötig. Die Ernährung sollte abwechslungsreich und
vollwertig sein. Die DGE empfiehlt, jeden Tag zwei Portionen Gemüse zu
essen, eine Portion als Rohkost und eine gegart"
Ich hoffe, diese Information entspannt Sie etwas - wegen der Einnahme
von Marcumar sind keine so weitreichenden Einschränkungen beim Essen
und Trinken notwendig.
Herzlicher Gruss
Bernd Kulzer




