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Der diabetesDE-Experten-Chat kann die Beratung bei einem Arzt nicht ersetzen. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden. Dieser Chat soll Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten und Ihnen ergänzende Hinweise liefern.

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Mit Behinderungen umgehen - welches Pflegeheim ist das richtige für alte Menschen mit Diabetes?

Experten-Chat mit Dr. Dr. Zeyfang

Dr. Andrej Zeyfang
Dr. Andrej Zeyfang

Bis zum 9. Dezember 2010 findet unsere Experten-Sprechstunde mit Dr. Dr. Andrej Zeyfang zum Thema "Mit Behinderungen umgehen - welches Pflegeheim ist das richtige für alte Menschen mit Diabetes?" statt. Er ist Chefarzt am Bethesda Krankenhaus Stuttgart, Abteilung für Innere Medizin und Geriatrie. Er beantwortet Ihre Fragen live am Donnerstag, den 9. Dezember zwischen 17 und 19 Uhr.

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Beate fragt:

Gibt es Pflegeheime, die auch mit Diabetologen zusammenarbeiten? Bisher habe ich nur gesehen, dass es sogenannte „Hausärzte“ gibt, die für ein Heim zuständig sind. Wo gibt es Pflegeheime, die für Diabetiker besonders geeignet sind und wie viele gibt es in Deutschland?

Dr. Zeyfang:

Liebe Beate,
 
es ist bereits heute schwierig, Hausärzte zu finden, die Menschen in Pflegeheimen betreuen, also regelmäßig dort Hausbesuche machen. Noch schwieriger ist es, Fachärzte zu finden, die in Pflegeheime gehen. Am ehesten kann dies noch bei Neurologen/Psychiatern gesehen werden, seltener auch Zahnärzte - andere Fachärzte eher selten. Es gibt aber auch Diabetologen, die Pflegeheime betreuen. Aus Idealismus und Überzeugung, aber sicher nicht in jedem Heim. Die wenigen die es gibt, sind in unserer Arbeitsgemeinschaft "Diabetes und Geriatrie der DDG" zu finden.
Wir planen eine Liste der Diabetologen mit "Schwerpunkt Geriatrie" auf unserer Homepage www.diabetes-im-alter.de zu veröffentlichen (Bitte ab 1.1.2011 nachschauen).
Für den zweiten Teil Ihrer Frage möchte ich noch auf die Antwort an Dieter verweisen.
 
Alles Gute!

Maren fragt:

Meine Mutter ist im Altersheim und hat schon lange eine Schilddrüsenunterfunktion (Hashimoto-Syndrom). Ich habe gelesen, dass wenn man eine Autoimmunerkrankung hat, andere folgen können. Hat sie nun auch noch eine größere Gefahr, an Diabetes zu erkranken? Sollten die Pflegekräfte und ich nun besonders sensibilisiert sein?

Dr. Zeyfang:

Liebe Maren,
 
hier kann ich entspannende Antwort geben: Eine Schilddrüsenunterfunktion durch Hashimoto kann zwar theoretisch mit anderen Immunkrankheiten vergesellschaftet sein - aber im höheren Alter ist ein Autoimmundiabetes (Typ 1 oder LADA-Diabetes) immer noch sehr selten. Viel seltener, als der "Altersdiabetes" also Typ 2. Dieser Typ 2 hat keinen Zusammenhang zu Hashimoto.
Dennoch ist es  immer gut, auf einen evtl. Diabetes zu achten, d.h. gelegentliche Blutzuckermessungen. Denn z.B. zwischen 75 und 80 Jahren hat jeder 4. einen Diabetes- viele ohne davon zu wissen.
Alles Gute!

Wolfgang fragt:

Wie oft werden die Heimbewohner eigentlich von Ärzten untersucht? Kann man als Angehöriger einfordern, dass der Arzt öfter nach dem Bewohner schaut. Gerade wenn er unter starker Diabetes leidet?
Viele Grüße,
Wolfgang

Dr. Zeyfang:

Lieber Wolfgang,
 
für die Zahl der Hausbesuche bzw. Arztkontakte gibt es keine Richtgröße. Es liegt im Ermessen (und der Reisefreudigkeit) des Hausarztes. Ich kenne hier alle Möglichkeiten von sehr regelmäßig & häufig - bis gelegentlich... In Deutschland gibt es meist keinen "Heimarzt",  sondern jeder Bewohner hat seinen eigenen Hausarzt nach freier Arztwahl.
Man sollte darauf hinweisen, dass für Hausärzte der Arztbesuch im Pflegeheim sehr schlecht bezahlt wird. Viele Ärzte machen deshalb gar keine Hausbesuche mehr...
 
Das Pflegepersonal kann den Arzt darauf hinweisen, dass ein Bewohner häufiger gesehen werden sollte, bzw. einen Hausarztbesuch anfordern. Wenn Ihnen die Besuche zu selten vorkommen, sprechen Sie am besten selbst mit dem Hausarzt, oder wählen Sie einen anderen - es gibt ja die freie Arztwahl.
Alles Gute.

Leo M. fragt:

Betreff: "Heilfasten" mit Diabetes

Ich bin Typ 2 Diabetiker (schlecht eingestellt - HBA1c etwa 8,5 bis 9,0) und nehme wegen weiterer Erkrankungen (Fibromyalgie, Polyneuropatie, Nierenproblemen, Bandscheibenvorfällen, koronarer Herzproblemen, tgl. 24 Tabletten ein, möchte aber dringend, zum Zwecke der "Entschlackung" o. g. Heilfasten durchführen. Darf ich das? Muß ich dabei (etwa 10 Tage Dauer) die Tabletten absetzen? Was muß ich beachten?
Ich danke Ihnen im Voraus für Ihre Hilfe.
Gruß

Dr. Zeyfang:

Lieber Leo,
 
Heilfasten mit Diabetes ist prinzipiell möglich - aber beim Tablettenabsetzen kann es schnell gefährlich, sogar lebensgefährlich werden. Also Absetzen nur mit ärztlicher Begleitung, am sichersten und besten geht dies in einer dafür geeigneten Klinik.
Übers Internet kann man sich gut über das Thema "Fastenklinik" verknüpft mit dem Begriff "Diabetes" informieren.
Aus den Angaben kann ich mir vorstellen, dass evtl. auch Cortison gegeben werden muss. Dies sollte keinesfalls abrupt abgesetzt werden, das kann gefährlich werden!
 
Übrigens: Wenn der Diabetes trotz vieler (Zucker-)Tabletten so schlecht eingestellt ist, sollte man grundsätzlich über ein anderes Behandlungsregime (z.B. Insulin!) nachdenken.
 
Alles Gute und sicheres Fasten!

Alice fragt:

Ich habe eine Frage: Sind Pflegekräfte in Altersheimen überhaupt in Diabetes-Behandlung (ausreichend) geschult? Gruß, Alice

Dr. Zeyfang:

Liebe Alice,
 
In den Heimen sind nicht alle Pflegekräfte gleich ausgebildet. Der FACHkräfteanteil (also examinierte Altenpflegekräfte) muss mindestens 50% betragen - also ist die Hälfte der Mitarbeitenden nur wenig bis gar nicht (bezüglich Diabetes) ausgebildet. Auch die Fachkräfte haben oft nur wenig Diabetes-bezogenes Wissen: Die Ausbildung schreibt hier nichts genaues vor - und so gibt es gute und weniger gute Lehrer....
 
Wir haben schon versucht, diesem Mangel abzuhelfen - mit FoDiAl und DPFK sowie für die "noch fitten" Älteren mit SGS.
 
Ausführlicher Bericht s. Antwort an Dieter hier im Chat.
 
Freundliche Grüße!
 

Dieter fragt:

Betreff: Heime für Diabetiker

Auf welche Kriterien sollte ich achten, wenn ich auf der Suche nach einem für Diabetiker geeigneten Altersheim bin? Gibt es Siegel für Heime? Gibt es eine Checkliste für Angehörige?

Danke und Gruß.


Dr. Zeyfang:

Lieber Dieter,
 
Ein "gutes" Heim zu finden, ist immer sehr persönlich.
Der Kenntnisstand in der Altenpflege bezüglich Besonderheiten älterer Menschen mit Diabetes ist leider sehr unterschiedlich. Um diese Lücke zu füllen haben wir in der Arbeitsgemeinschaft „Diabetes und Geriatrie“ der Deutschen Diabetes Gesellschaft ein Kurrikulum erarbeitet, welches in einem zweitägigen Weiterbildungsangebot Altenpflegekräfte im Umgang mit Diabetes mehr Sicherheit gibt. Dieses Programm heißt FoDiAL (Internet www.fodial.de) und ich bin mir sicher, dass FoDiAL geschulte Pflegekräfte deutlich zur Verbesserung von Pflegebedürftigen mit Diabetes beitragen. Ein weiteres Fortbildungskonzept namens DPFK (Diabetes-Pflege-Fachkraft) richtet sich mit einem ausführlicheren Kurrikulum über 10 Tage vorwiegend an examinierte Krankenpflegekräfte, aber auch an Altenpflegekräfte als Multiplikatoren. Unter www.diabetes-pflege-management.de erfahren Sie weiteres.
 
Wenn Sie also im Heim nachfragen, ob es Mitarbeiter mit einer solchen Weiterbildung gibt, haben Sie bereits einen wichtigen Hinweis auf "Interesse" am Diabetes und auch mehr Kompetenz.
 
Zukünftig ist geplant, dass zusammen mit der DDG und diabetesDE Wege gefunden werden, ein Qualitätssiegel zu erstellen, welches für ambulante Pflegedienste, aber auch für Pflegeheime vergeben werden kann, welche sich besonders im Bereich der Versorgung pflegebedürftiger älterer Menschen mit Diabetes engagieren. Dies ist allerdings noch im Entstehen.
 
Bereits jetzt sollte man vor Unterschrift unter den Heimvertrag nachfragen, ob es Besondere Serviceleistungen für Menschen mit Diabetes gibt. Besteht die Möglichkeit von Podologie für Bewohner mit Diabetes? Ist eine gesunde Mischkost auch für Menschen mit Diabetes möglich? Werden Blutzuckerwerte gemessen und dokumentiert? Können Fachärzte in den Betreuungs- und Behandlungsablauf einbezogen werden und besteht überhaupt Verständnis für die Wünsche und Besonderheiten Älterer mit Diabetes?
 
Mit solchen Fragen (und einem Besuch am Sonntag nachmittag und offenen Augen) erfahren Sie vielleicht genug, für Ihre Entscheidung.
 
Viel Erfolg!

Kerstin fragt:

Meine Mutter ist 81 Jahre alt und durch einen Schlaganfall halbseitig gelähmt. Sie hat Diabetes und muss sich regelmäßig Insulin spritzen. Da sie das aufgrund ihrer körperlichen Schwäche nicht mehr kann, muss ich regelmäßig vorbeifahren, um sie zu spritzen. Sie möchte partout nicht ins Pflegeheim. Welche Möglichkeiten habe ich, meine Mutter in eine Betreuung zu geben? Ich kann das nicht dauerhaft so einrichten und sie braucht professionelle Betreuung…

Dr. Zeyfang:

Liebe Kerstin,
 
die Insulingabe ist Teil der Behandlungspflege. Deshalb ist diese Tätigkeit auch Verordnungsfähig durch den Hausarzt - allerdings nur, wenn der Betroffene es selbst nicht kann. Dies dürfte im Falle Ihrer Mutter ja klar zu zeigen sein.
Bezüglich weiterer Betreuungsmöglichkeiten könnten Sie sich außer an Ihren Arzt auch an Ihre Krankenkasse wenden. Diese kann u.a. Tagespflege oder Kurzzeitpflege finanzieren. Gibt es bereits eine Einstufung in der Pflegeversicherung? Dies wäre auch eine wichtige Frage.
Mit dem Insulin allein ist es ja auch nicht getan, es braucht ja auch regelmäßiges Essen, Beaufsichtigung, Blutzuckermessung...
Oft ist eine Kurzzeitpflege ein guter Einstieg um der Mutter zu zeigen, dass es sich in einem (guten) Pflegeheim auch gut Leben lässt...
Alles Gute!

Kerstin fragt:

Ja, meine Mutter ist in Pflegestufe 1 eingestuft worden, aber das Geld ist nur sehr wenig und ich kann davon ja keine Pflegehilfe bezahlen. Muss ich den Rest dann selbst drauflegen?

Dr. Zeyfang:

Liebe Kerstin,
 
das ist ein komplexes Thema - für einen Chat nicht so gut geeignet. Es hängt u.a. auch von Ihrem Einkommen ab, auch sind bestimmte Leistungen der "häuslichen Krankenpflege" zugeordnet - diese kann der Hausarzt dann verschreiben. Also am besten mit der Krankenkasse sprechen. Und evtl. eine höhere Einstufung beantragen, falls Stufe 1 nicht richtig ist.
 
O-Ton des Gesetzes:
 
Pflegestufe II - Schwerpflegebedürftigkeit
"Pflegebedürftige der Pflegestufe II (Schwerpflegebedürftige) sind Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen."
"Der Zeitaufwand, den ein Familienangehöriger oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson für die erforderlichen Leistungen der Grundpflege und hauswirt schaftlichen Versorgung benötigt, muss wöchentlich im Tagesdurchschnitt ... in der Pflegestufe II mindestens drei Stunden betragen; hierbei müssen auf die Grundpflege mindestens zwei Stunden entfallen"

Alles Gute!

Beatrice fragt:

Lieber Herr Dr. Zeyfang,

mein Vater hat Diabetes Typ 2 und ist seit 4 Jahren im Altersheim. In diesen Jahren hat er geistig sehr stark  nachgelassen und ist sehr antriebslos geworden. Könnte es einen Zusammenhang zwischen dieser Entwicklung und einer falschen Einstellung liegen? Das Personal scheint mir zudem auch zeitlich sehr überfordert zu sein. Da könnte eine regelmäßige Kontrolle vielleicht mal zu kurz kommen? Was kann ich in solchen Verdachtsfällen tun, welche Rechte habe ich?

Dr. Zeyfang:

Liebe Beatrice,
 
ja, es könnte einen Zusammenhang geben, allerdings gibt es natürlich auch viele andere Gründe, warum ein älterer Mensch im Altersheim langsam abbaut.
 
Wir wissen, dass sich eine langfristig schlechte Diabeteseinstellung auf die Hirnleistung negativ auswirkt. Aber nicht nur der zu hohe Blutzucker, auch öfters auftretende schwere Hypoglykämien können die Hirnleistung massiv beeinträchtigen.
Auch könnte die Antriebslosigkeit mit einer Depression zusammenhängen, diese ist ebenfalls im Alter auch ohne DIabetes häufig, bei Menschen mit Diabetes noch häufiger. Hier könnte man über eine entsprechende antidepressive Behandlung sicher etwas erreichen.
 
Sie sollten allerdings, bevor Sie dem Pflegepersonal mit „Kontrollen“ auf die Pelle rücken, vielleicht auch erst einmal mit dem Hausarzt sprechen. Der könnte ein sogenanntes "geriatrisches Assessment" durchführen, um diese Problembereiche zu identifizieren. Vielleicht kann er ja auch einen Facharzt (Neurologen) zuziehen um ggf. Antidementiva oder ein Antidepressivum zu verordnen. Blutzuckerkontrollen müssen von den Hausärzten verordnet werden, nur dann kann die Pflege sie im Pflegeheim auch umsetzen. Bezüglich der Möglichkeiten zur Schulung von Pflegekräften verweise ich auf andere Antworten im Chat, zum Beispiel „FoDiAL oder „DPFK“.
 
Ist wirklich der Verdacht auf schlechte Pflege gegeben, würde ich Ihnen empfehlen zunächst einmal mit dem Bewohnerrat zu sprechen, dann mit Pflegedienstleitung und Heimleitung bevor letztlich als höchstes Kontrollinstanz die Heimaufsicht eingeschaltet werden kann. Ich wünsche viel Erfolg und Ihrem Vater alles Gute.
 

Annette R. fragt:

ich bin gerade auf der Suche nach einem Pflegeheim für meine Mutter. Sie hat typ 2 und ich mache mir schon ein bißchen Sorgen, dass sie im Heim da nciht richtig drauf achten werden. Sie ist zudem auch noch stark dement, so dass sie selbst gar nciht mehr mit dem Diabetes umgehen kann. ich stehe ncoh ganz am Anfang, mich damit zu beschäftigen, welche Möglichkeiten es für alte Menschen mit diesen Karnkheiten gibt. Was steht Ihnen zu und was darf man nicht erwarten. Könenn Sie mir ein paar Tipps diesbzgl. geben?

Dr. Zeyfang:

Liebe Annette,
 
Ihre wichtige Frage zu beantworten ist gar nicht so einfach. Ich versuche es in verkürzter Form einmal, und weise aber auch auf die vielen anderen Antworten hin, die sich im Chat bereits finden bzw. noch auftauchen werden.
 
Typ 2 Diabetes ist ja eine der sehr häufigen Alterserkrankungen, jeder vierte 75- bis 80-jährige leidet unter einem Diabetes, viele Menschen wissen allerdings nichts davon. So ist auch in den Pflegeheimen ca. ein Viertel bis ein Drittel der Heimbewohner zusätzlich zu anderen Erkrankungen auch von Typ 2 Diabetes betroffen und man kann davon ausgehen, dass es wohl in den meisten Heimen Pflegekräfte gibt, die sich auch mit den Besonderheiten des Diabetes auskennen. Leider ist das für Angehörige sehr schwer herauszubekommen, da die Ausbildung in der Altenpflege extrem unterschiedlich ist und es Pflegekräfte mit hohem Wissensstand und auch hohem Engagement in Sachen Diabetes gibt, aber auch Pflegekräfte die so gut wie gar nichts davon wissen oder auch wissen wollen. Ich leite eine Arbeitsgemeinschaft „Diabetes und Geriatrie“ und wir haben uns dieses Problems angenommen und zwei Fortbildungskonzepte „FoDiAL“ und „DPFK“ entwickelt bzw. begleitet, bei denen Pflegekräfte ihr Wissen im Bereich Typ 2 Diabetes ganz besonders vertiefen können. Dies wird sicher noch in anderen Antworten angesprochen werden. Schauen Sie doch mal unter www.fodial.de oder www.diabetes-pflege-management.de oder www.diabetes-im-alter.de nach.
 
Bei der Pflegeheimsuche würde ich persönlich allerdings eher einen "Sonntagnachmittagsbesuch" durchführen und mit Bewohner, Besuchern und Pflegekräften über dies und jenes sprechen...und mich dann entscheiden.
Sowohl bezüglich Kompetenzen bei Demenz, als auch Diabetes ist dies sinnvoll.
 
Viel Erfolg!

Claudia W. fragt:

Betreff: Operationen bei Diabetes

Welche Krankenhäuser in Baden-Württemberg gibt es die einen Hallux operieren können und sich mit Diabetes auskennen? Eine Freundin sollte sich den Fuß operieren lassen, da sie Diabetes 2 hat, ist es nicht einfach die richtige Klinik zu finden.

Dr. Zeyfang:

Liebe Claudia,
 
eine konkrete aber für Ihre Freundin sicher sehr wichtige Frage. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich Ihnen hier keine Namen nennen kann sondern nur allgemein einen Hinweis geben wie Sie herausbekommt, ob eine Klinik geeignet ist.
Generell können Sie über die Seite der Deutschen Diabetes Gesellschaft (www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de) oder auf diabetesDE (http://www.diabetesde.org/erste_hilfe/) nach zugelassenen Behandlungseinrichtungen in Ihrer Nähe suchen. Jetzt müssen Sie nur noch nachforschen, welches dieser Krankenhäuser auch über eine Orthopädie oder sogar Fußchirurgie verfügt. Auch dies lässt sich im Internet leicht herausbekommen.
Eine andere Vorgehensweise wäre mit dem behandelnden Diabetologen zu sprechen; dieser kennt normalerweise die geeigneten Kliniken der Region sehr gut.
Ohne genaue Details zu wissen, könnte man auch raten, dass sich Ihre Freundin, wenn Sie einen gut eingestellten Typ 2 Diabetes ohne relevante Polyneuropathie oder Durchblutungsstörungen hat, auch stark an der Qualität des Operateurs für die Hallux-Chirurgie orientieren sollte. Ihrer Freundin gutes Gelingen!

Weigand H. fragt:

Betreff: Dosisanpassung

Eine großes Problem in Heimen (aber auch bei Pflegediensten) im Zusammenhang mit insulinpflichtigen Diabetikern ist m. E. die Dosisanpassung.
'Spritzen mit Hirn, nicht mit Tabelle' !

Eigentlich lautet die Anordnung doch 'Insulindosis nach BZ-Wert'.
Angeblich akzeptieren das aber die Bürokraten der Heimaufsicht (und wer sonst sich da in die Akten einmischt) nicht.
Da wird weiter die gleiche Dosis gespritzt, obwohl der BZ-Wert schon drei Tage über 300 mg/ dl liegt ...  - immer schön nach der nutzlosen Tabelle (z. B. bei einem plötzlichen Infekt des Diabetikers) !
Eigentlich müßte jedes Heim / jeder Pflegedienst Mitarbeiter bereithalten, die eine Diabetiker-Schulung mitgemacht haben.
Fragen:
Wie ist die tatsächliche rechtliche Situation ?
Was sollte der Arzt / die Heimleitung veranlassen, um die beauftragen Mitarbeiter zu einer besseren Dosisanpassung zu bringen ?


Dr. Zeyfang:

Lieber Weigand,
 
ich darf in Teilen auf die Antwort an Annette verweisen, dort ist beschrieben, welche Qualifikation es für Pflegemitarbeiter gibt um in Sache „Diabetes im Alter“ fit zu werden. Kurz: es gibt Fortbildungsprogramme, wie zum Beispiel „FoDiAL“ oder „DPFK“ (Informationen unter www.diabetes-im-alter.de).
Allerdings gibt es keine gesetzliche Verpflichtung für Pflegeheime die Mitarbeiter im Bereich Diabetes zu qualifizieren. Die Altenpflegeausbildung ist hier leider sehr heterogen. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn Pflegeheime im Bereich Diabetes weitergebildete Fachkräfte in ihrem Personalstamm verfügten. Aber es ist bereits jetzt schwer für die Pflegeheime ausreichend qualifiziertes Personal überhaupt zu finden und überhaupt zu halten. Viele Mitarbeiter im Pflegedienst bleiben ja nur wenige Jahre im Beruf und scheiden dann wieder aus.
 
Ich sehe hier auch die Hausärzte in der Pflicht, dass sie Grenzen schriftlich festlegen (wenn BZ so, dann soviel Einheiten...) und nicht nur das Messen um des Messens willen durchführen lassen, sondern mit dem Pflegedienst auch konkrete Konsequenzen daraus festlegen, so wie sie sich das in Ihrer Frage auch wünschen. Zukünftig könnte vielleicht eine Chance darin bestehen, dass mangemessene Werte  über Telemedizin auch an ein Fachzentrum übertragen kann. Wir planen derzeit eine solche Studie unter dem Namen „tele(at)myhome“.
Ihnen alles Gute!

Günther W. fragt:

Betreff: Dauernder Katheterverschluss

Ich bin 58 Jahre alt, 33 Jahre Diabetes, Insulinpumpe seit 8 Jahren, jetzt: Spirit Katheter Stahl 12mm. Vor 6 Wochen Karpaltunnelop. Katheter blutet nach 1 bis 11/2 Tagen immer häufiger ein und verstopft. Hilft ASS100?


Dr. Zeyfang:

Lieber Günther,
 
Ihre Frage trifft zwar nicht das heutige Thema, dennoch gebe ich Ihnen gerne ein paar Antworten aus meiner Sicht. Auch in unserem Krankenhaus werden Pumpenbehandlungen durchgeführt. Durch den (erfreulichen) Umstand, dass auch Menschen mit Typ 1 Diabetes hochbetagt werden können, haben wir auch zunehmend altgewordene Typ 1 Diabetiker, die teilweise auch von uns Insulinpumpen behandelt werden.
 
Also zu Ihrer Frage: Verschiedene Konstellationen sind denkbar. Bekommen Sie noch gerinnungshemmende Medikamente? Spritzen Sie Heparin? Wenn ja, Notwendigkeit mit Arzt besprechen, ggf. absetzen. Eventuell ist Ihre Katheternadel zu lang? Vielleicht sollten Sie es mit 8 oder 6 mm probieren oder die Nadel schräg legen. Beim Teflon-Katheter ist zu beachten, dass die Einstichstelle noch größer ist. Wo wurde der Katheter gelegt? Ist dort ausreichend subkutanes Gewebe vorhanden? Liegt Ihre Katheternadel vielleicht in Verhärtungen, Verhornungen oder Lipohypertrophien? Dann sollten Sie einen anderen Ort auswählen. Letztlich könnten Sie auch einfach ausprobieren, welcher der verschiedenen Katheter in der Nadelbeschaffenheit für Sie geeigneter ist. Viel Erfolg und alles Gute!

Rolf S. fragt:

Betreff: Blutbild-Ergebnisse Okt.2010

Was bedeutet für mich der auf dem Arzt-Blutbild-Bericht aufgeführte Wert "HBA1c 6,2%" (25.8.2010)
Mein Hausarzt sagte nur: "... reden wir mal drüber, ist Diabetes...."   

Dr. Zeyfang:

Lieber Rolf,
 
Ihr Hausarzt ist auf dem richtigen Weg und Sie sollten wirklich mit ihm darüber reden. Allerdings würde ich seinen Satz etwas anders formulieren „Reden wir mal darüber, es KÖNNTE Diabetes sein“ wäre richtiger.

Sehr vereinfacht ausgedrückt handelt es sich beim HbA1c-Wert um eine Art Langzeitblutzucker-Durchschnitt, der den Durchschnittswert der letzten zwei bis drei Monate wiederspiegelt. Mit 6,2 Prozent liegt dieser Durchschnittswert über dem sogenannten Normalbereich, allerdings noch nicht in einer Höhe, bei der man nach den neuen Definitionen sicher von Diabetes sprechen kann (>6,5 %). Also muss zur Bestätigung und zur besseren Beratung bei Ihnen noch ein Nüchternblutzuckerwert durchgeführt werden, ich persönlich würde sogar die Durchführung eines oralen Glukosetoleranztests (Zuckerbelastungstest) empfehlen, dann weiß man es wirklich und kann Sie auch richtig beraten.
Die genauere Beschreibung wurde in einer Pressemitteilung der DDG im September 2010 publiziert,
hier ist der Link zum Nachlesen für Sie und andere Interessierte.
http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/redaktion/pressemitteilungen/haba1c-wert_diabetesdiagnose.php
 
Lieber Rolf, auch wenn sich dann ein Diabetes bestätigt ist das nicht tragisch, man kann bei entsprechender Beratung und Mitwirkung Ihrerseits unheimlich viel erreichen um gesund zu bleiben.
Alles Gute!