Für Kinder mit Diabetes findet im Mai 2012 eine Freizeit am Bodensee statt. Um die Freizeit für die Familien der Kinder bezahlbar zu machen, brauchen wir Ihre Unterstützung.

Der diabetesDE-Experten-Chat kann die Beratung bei einem Arzt nicht ersetzen. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden. Dieser Chat soll Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten und Ihnen ergänzende Hinweise liefern.

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ICT und Pumpe bei Kindern mit Diabetes Typ 1

Experten-Chat mit Dr. Simone von Sengbusch

Professor Thomas Danne
Dr. Simone von Sengbusch

Am Donnerstag, den 2. Februar 2012 findet unsere Experten-Sprechstunde mit Dr. Simone von Sengbusch zum Thema "ICT und Pumpe bei Kindern mit Diabetes Typ 1" statt.  Sie beantwortet Ihre Fragen live zwischen 17 und 19 Uhr.

Jürgen S. fragt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Im Zuge des Genehmigungsverfahrens meiner Insulinpumpe (Typ 1 Diabetiker seit 2008) zerreibe ich mich zwischen der Techniker Krankenkasse, dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen und meiner behandelnden Ärztin. Trotz 2-maligen Widerspruch wurde der Antrag wieder abgelehnt, mit der Begründung: Die Möglichkeiten der ICT wurden nicht hinreichend ausgeschöpft. (z.B. mehrmalige Gabe von Basalinsulin bzw. Verwendung andere langwirksamere Insuline)
Meine behandelnde Ärztin lehnt eine solche Behandlung aus medizinischen Gründen ab (Überlagerung der einzelnen Insulingaben-Wirkspitzen!!) Ihrer Meinung nach ist das bei mir diagnostizierte Dämmerungsphänomen mit den vom MDK gemachten Vorschlägen nicht therapierbar! Und die TK lehnt die Pumpe mit der Begründung ab, dass das MDK die medizinischen Vorraussetzungen für die Leistungsgewährung nicht als erfüllt sieht.
Was kann ich tun?? Gibt es aus Ihrer Sicht eine Möglichkeit, aus dieem Dilemma herauszukommen, oder bleibt mir keine andere Wahl??
Im voraus vielen Dank für Ihre Antwort

Jürgen S.

Dr. von Sengbusch:

Sehr geehrter Herr S.,

das Dawn-Phänomen (hohe Blutzuckerwerte am frühen Morgen) ist eine große Herausforderung in der Diabetestherapie. Das spät gespritzte Basalinsulin (NPH-Insulin) hat oft weder das passende Wirkprofil noch die notwendige Stabilität, um das Dawn-Phänomen ausreichend gut zu therapieren. Langwirkende Analoginsuline können eine Lösung darstellen, wobei auch hier das Problem besteht, dass die Dosis so gewählt werden muss, dass frühmorgens der Zielblutzuckerbereich erreicht wird. Als Nebenwirkung ist durch die dafür notwendige Dosis gegen Mitternacht oft zu viel Insulin im Körper und kann zu Unterzuckerungen führen. Die Insulinpumpentherapie bietet mit ihrer
stundengenauen Programmierbarkeit für die nächtliche Basalrate die aus meiner Sicht beste, aber auch kostenintensivste Option zur Behandlung des Dawn-Phänomens.

Je nach dem, wie Ihre Therapie bisher aussieht, insbesondere wie viel und wie spät Sie bisher Basalinsulin zur Nacht spritzen, ob nächtliche Unterzuckerungen ein Problem sind und wie ausgeprägt der frühmorgendliche Blutzuckeranstieg ist, wäre vielleicht doch ein Therapieversuch mit einem langwirkenden Analog-Insulin für einige Wochen zu verantworten. Mit einem gut geführten Protokoll oder / und vielleicht auch einer mehrtägigen Messung mit einem Glukosesensor
könnten Sie für einen erneuten Antrag auf Insulinpumpentherapie nachweisen, dass der gewünschte Effekt nicht erreicht wird oder / und nächtliche Hypoglykämien als Komplikation auftreten.

Liegen vielleicht neben dem Dawn-Phänomen noch andere Therapieindikationen für eine Insulinpumpe vor? Dies wären z.B. eine Unterzuckerungswahrnehmungsstörung,  bereits bestehende Folgeschäden, ein sehr instabiler Blutzuckerverlauf oder ist Ihr Leben durch Schichtdienst zusätzlich belastet ? In diesen Fällen könnte die direkte Umstellung auf eine Insulinpumpentherapie eigentlich gut begründet werden.

Vielleicht kann Ihre Ärztin mit dem Gutachter des MDKs Ihren Fall einmal am Telefon direkt besprechen, denn hier geht es ja um eine mehrjährige Behandlungsgeschichte und vielerlei medizinische Details. Jede Insulintherapie muss auf den Bedarf der einzelnen Person optimal abgestimmt werden, und da gibt es individuelle Gründe, die für oder gegen eine bestimmte Kombination von Insulinen sprechen.

Denken Sie auch über Rechtsberatung nach. Diese wäre vor allem dann sinnvoll, wenn Sie vielleicht bereits eine Klage vor dem Sozialgericht oder einen Wechsel der Krankenkasse erwägen.

Mit freundlichen Grüßen,
S.v.Sengbusch

Jürgen S. fragt:

Sehr geehrte(r) Frau/ Herr Sengbusch,

können Sie mir einen Anwalt empfehlen, dersich mit Diabetes beschäftigt? Mir wurde RA Hr. Ebert empfohlen. Können Sie mir einen Kontakt vermitteln/ bzw. mögliche Adressen mitteilen?

Mit freundlichen Grüßen

J. S.

Dr. von Sengbusch:

Sehr geehrter Herr S.,

es gibt einige Rechtsanwälte, die sich auf die sozialrechtlichen Fragen rund um Diabetes spezialsiert haben. Man findet sie, ebenso wie Herrn Rechtsanwalt Oliver Ebert, ganz leicht im Internet, z.B. wenn Sie als Stichworte "Rechtsanwalt Diabetes" oder in diesem Falle "Rechtsanwalt Oliver Ebert" in eine Suchmaschine eingeben.

Herr Oliver Ebert hat bei diabetesDE auf der Homepage im Bereich "Über Diabetes" und dann "Recht und Soziales" zu vielen wichtigen Themen
Informationsmaterial eingestellt. Sie finden dort auch das Protkoll seines letzten Experten-Chats.

Wenn Sie Mitglied bei diabetesDE sind, können Sie zudem eine kostenlose Probeberatung erhalten.

Mit freundlichen Grüßen,
S.v.Sengbusch

Sonja fragt:

Hallo, mein 4-jähriger Sohn hat Diabetes und wir verwenden die Pumpe um es ihm und tagsüber auch den Kindergärtnerinnen leicht zu machen. Doch er hat ADS und ist sehr eifrig beim Spielen und knickt oder reißt häufig dabei den Katheter ab. Auch mit den anderen Kindergartenkindern hat er häufig Streit. Sie ärgern ihn weil er so eine „Maschine“ bei sich trägt und wollen oft auf den Knöpfen rumdrücken. Ich mache mir häufig Sorgen, ob dadurch nicht einmal seine Versorgung gefährdet ist. Können Sie mir sagen, wie man mit solchen Situationen am besten umgeht? Die Erzieherinnen scheinen oft überfordert mit diesen Vorgängen und können unseren Sohn ja auch nicht immer gesondert beaufsichtigen…

Vielen dank für Ihre Hilfe und freundliche Grüße Sonja E.

Dr. von Sengbusch:

Sehr geehrte Frau E.,
damit Sie sich erstmal sicherer fühlen würde ich empfehlen, die
Tastensperre oder Funktionssperre (je nach Pumpe) zu aktivieren, einen
Maximalbolus einzuprogrammieren und natürlich das Kindergartenpersonal
zu informieren, wie dies Sperre eingerichtet bzw. aufgehoben wird.
Außerdem würde ich Ihnen anraten, dass Ihr Sohn die Pumpe in einem
kleinen Rucksack auf dem Rücken trägt. Es gibt dafür extra
Pumpentaschen, so dass die Pumpe unter dem Pullover getragen wird.
Einige Pumpen haben ja eine Handsteuerung (Fernbedienung+Messgerät),
für andere kann eine Fernbedienung dazu erworben werden. Sie sollten
den Katheter auch so fixieren und durch die Kleidung hindurchführen,
dass ein versehentliches Abknicken oder Herausreissen schwerer möglich
wird (Sicherheitsschlaufe kleben, oder Transparentpflaster über den
Katheter kleben oder / und Schlauch in geschickter Weise durch die
Unterwäsche führen, so dass nichts so einfach rausreissen kann).

Es ist schon ungewöhnlich, dass ihr kleiner Sohn aufgrund seiner Pumpe
geärgert wird, meist ist so ein Gerät bei kleinen Kindern bald gar
nicht mehr so interessant. Wie wäre es, wenn eine MItarbeiterin aus
dem Kinderdiabetesteam, was Sie betreut, mit Ihnen eine Gespräch mit
den Kindergartenpersonal sucht? Hat der Kindergarten initial eine gute
Schulung und entsprechendes Material (z.B. die Broschüre von der
AGPD/Novo Nordisk "ein Kind mit Diabetes im Kindergarten"? Vielleicht
würde ein Pflegedienst zu den Mahlzeiten Entlastung schaffen? Auch
eine spielerische Einheit für alle Kinder zum Thema könnte initiiert
werden. Wenn Ihr Kind großen sozialpädagogischen Unterstützungsbedarf
hat, um wirklich integriert werden zu könnne, dann gibt es auch dafür
Wege, zum Beispiel über eine Einzelintegrationsmaßnahme. Das ist ein
etwas längerer Weg, aber ich bin mir sicher, dass Ihr
Kinderdiabetesteam Sie da gern berät und begleitet.

Mit freundlichen Grüßen,
S.v.Sengbusch

Hans-Günther T. fragt:

Welche Nachteile sehen Sie bei der Insulinpumpe??
Sollte die Insulinpumpe nicht Standard sein für alle Kinder mit Typ 1??

Dr. von Sengbusch:

Sehr geehrter Herr T.,

die Insulinpumpentherapie ist auf dem besten Wege, die Standardtherapie für alle jüngeren Kinder mit Diabetes, aber auch die Therapieform der Wahl für viele Teenager und Jugendliche zu werden.

Ein Teil der  Kinder und Jugendlichen wünschen jedoch keine Insulinpumpe, da ein Instrument, das ständig am Körper getragen werden muss, sie immer daran erinnert, dass etwas in ihnen nicht richtig funktioniert. Das Spritzen mit Insulinpens gibt ihnen im Gegensatz dazu das gute Gefühl, ganz normal zu sein. Wenn mit einer ICT mit Insulinpens eine stabile und gute Stoffwechsellage erreicht wird, dann würde ich auch nicht dazu raten, auf eine Insulinpumpe wechseln. Ein ganz kleiner Teil der Kinder und Jugendlichen ist aus verschiedenen Gründen für die Insulinpumpentherapie auch nicht geeignet, z.B. wenn sie zu Hause keinerlei Unterstützung bei der Therapiedurchführung erhalten, diese aber benötigen, oder die Eltern mit der Technik überfordert sind.

Es gibt - neben dem Aspekt ein Gerät immer dabei zu haben - nur wenige echte Nachteile bei der Insulinpumpentherapie. Der Therapieaufwand ist nicht geringer als bei einer ICT mit Insulinpens, die Hygiene beim Legen eines Katheters muss beachtet werden, und die etwas erhöhte Ketoazidoseneigung ist zu bedenken. Für die Insulinpumpentherapie spricht die bedarfsgerechte Insulinabdeckung bei Kindern auch mit kleinsten Insulinmengen, die Anpassung der Insulinmenge per Knopfdruck nach Bedarf (prozentuale Anpassung der Basalrate), die gute Therapierbarkeit des Dawn-Phänomens, die starke Reduktion von Stichen für die Insulingabe mit Entkoppelung von "Essen = Stechen" und die Hilfe in der komplexen Insulinberechnung durch einen Bolusrechner.

Um auf Ihre Frage zurückzukommen, so würde ich persönlich sagen, dass die Insulinpumpentherapie allen Kindern mit Typ 1 Diabetes ohne Hürde zur Verfügung stehen sollte, die dieses Instrument aus medizinischen Gründen benötigen oder es zur Verbesserung ihrer Lebensqualität nutzen möchten.

Mit freundlichen Grüßen,
S.v.Sengbusch

Hans-Günther T.:

Sehr geehrte Frau S.v.Sengbusch,

herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort.
Sie sagen:"Wenn mit einer ICT eine stabile und gute Stoffwechsellage erreicht wird, dann würde ich auch nicht dazu raten, auf eine Insulinpumpe zu wechseln." Warum können wir hier nicht umdenken und die Insulinpumpentherapie als "die" Therapie  für Kinder und Jugendliche mit Diabetes Typ 1 forcieren?? Für den kleinen Teil der Kinder die nicht dafür geeignet sind steht die ICT zur Verfügung. Dann müssten die Krankenkassen nicht mehr entscheiden wer eine Pumpe haben darf und wer nicht. Als ehem. Vorstandsmitglied einer großen, deutschen Selbsthilfegruppe wollen wir bitte auch nicht die großen Probleme von Eltern vergessen, die Ihre Kinder mehrmals täglich spritzen müssen. Die technische Entwicklung geht in allen Bereichen mit sehr großen Schritten voran und wir dürfen uns nicht davor verschließen oder blockieren. Ich denke auch an Patch Pumpen, die in den USA schon mehrere Jahre auf dem Markt sind, aber das ist ein anderes Thema.

Herzliche Grüße HGT P.S. Ich bin kein Angestellter eines Insulinpumpenherstellers sondern ein Vater eines lieben 11 jährigen Sohnes der seit 4 Jahren Diabetes Typ 1 hat. :-)

Dr. von Sengbusch:

Sehr geehrter Herr T., die Gesetzlichen Krankenversicherungen zeigen sich meiner Erfahrung nach inzwischen zumeist entgegenkommend bei Kindern unter 6 Jahren, wenn eine primäre Einstellung oder Umstellung auf eine
Insulinpumpentherapie erfolgen soll. Bei älteren Kindern sind die meisten Anträge meiner Erfahrung nach auch erfolgreich, aber nur nach einem recht zeitaufwändigen Antrags- und Bewilligungsverfahren, welches es für Eltern und Diabetesteams schwer macht und Unsicherheit schafft. Die Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie (AGPD) setzt sich sehr dafür ein, dass ein Wechsel auf diese Therapieform ohne großen Aufwand verlaufen kann, wenn eine Notwendigkeit und bestimmte Voraussetzungen gegeben sind.

Die technische Weiterentwicklung der Insulinpumpen verläuft in der Tat rasant und ich bin mir recht sicher, dass in wenigen Jahren mehr als die Hälfte aller diabeteserkrankten Kinder in Deutschland eine Pumpe tragen wird.

Mit freundlichen Grüßen,
S.v.Sengbusch

Mathilda K. fragt:

Betreff: Krampf und anschließende Werte
Unser Sohn (17) ist unlängst nach einem Rum-seeligen Abend mit wenig Essen (höchstens 2 BE) gegen 3 Uhr nachts eingeschlafen. Er hatte sein langwirksames Insulin wie gewohnt gespritzt. Gegen Mittag ist sein Freund (auch noch nicht ganz nüchtern) erwacht, weil unser Sohn Wasser getrunken hat. Anschließend begann er dann wohl zu krampfen, zu brechen und war nicht mehr bei Bewußtsein. Komisch mutet es aber an, dass der Kumpel unseres Sohnes gleich darauf im Minutenabstand drei Werte zwischen 80 und 90 gemessen hat. Unsere Frage ist: Kann das Ganze trotz der guten Werte ein UZ-Krampf gewesen sein?

Mathilda K.

Dr. von Sengbusch:

Sehr geehrte Frau K., es erscheint mir sehr wahrscheinlich, dass eine Unterzuckerung mit Krampfanfall vorgelegen hat, auch wenn die gemessenen Blutzuckerwerte (schon wieder) im Normbereich lagen. Durch das Ausschütten von Stresshormonen versucht der Körper, den Blutzucker so gut es geht anzuheben – und den Erfolg konnte man bei Ihrem Sohn möglicherweise schon messen. Es könnte auch eine Verschmutzung der Finger mit Speiseresten einen höheren Wert erzeugt haben, als tatsächlich vorlag. Letztlich entscheidet nicht der gemessene Blutzuckerwert am Finger, sondern die Gesamtsituation, die hier recht eindeutig auf einen Krampfanfall bei Unterzuckerung hinweist. Um einen Krampfanfall anderer Ursache auszuschließen, könnte ein Hirnstrombild (EEG)
hilfreich sein.

Die Kombination von Typ 1 Diabetes und übermäßigen Alkoholgenuss ist gefährlich, und es fällt jungen Heranwachsenden trotz dieses Wissens manchmal nicht leicht, ihr Limit zu kennen und nicht zu überschreiten. Wichtig erscheint es mir, dass Ihr Sohn in einer Einzelberatung schützende Maßnahmen kennenlernt, wie er – trotz Diabetes und Insulintherapie – in angemessener Menge Alkohol trinken kann, ohne sich so zu gefährden, wie es hier passiert ist. Zwei Möglichkeiten wären zum Beispiel die Reduktion des Basalinsulins zur Nacht und die Gabe von extra BE schon am Abend und auch noch vor dem Schlafengehen. Ermuntern Sie Ihren Sohn, so eine Beratung wahrzunehmen oder/und sich im Internet zu informieren, um langfristig gesund zu bleiben und z.B. auch sich und andere beim Autofahren nicht zu gefährden.

Mit freundlichen Grüßen,
S.v.Sengbusch

Mathilda K.:

Sehr geehrter Herr Sengbusch,

vielen Dank! Ich bin begeistert, wie toll das funktioniert hier. Ihre
Informationen werde ich gleich morgen an meinen Sohn weitergeben! Und ich
denke, dass Ihre Antwort mehr bewirkt als mütterliche Ratschläge.

Herzliche Grüße aus HB
Mathilda K.

Lena A. fragt:

Betreff: dringend: Verzögerte Insulinwirkung?
Hallo, ich hab seit 1999 Diabetes Typ I. und seit ein paar Jahren eine Pumpe. Eigtl. klappt das ganz gut. Manchmal, zB gestern, habe ich aber das Gefühl, dass das Humalog nicht dann wirkt, wenn es soll, sondern erst in den Abendstunden... Gestern hatte ich tagsüber immer 260-300, ich habe immer korrigiert, aber es half nichts. Ab 19 h war der Wert normal und ich aß normal Abendbrot. Ab 21 h fühlte ich mich aber unterzuckert, obwohl ich 140 hatte. Um 23 h hatte ich 70, nach 2,5 KE (und Pumpe aus) um 24 h 49, nach weiteren Traubenzuckern und 3 KE Saft 50, was mich total erschrack! Das hatte ich noch nie. Ich wurde panisch und sagte meiner Mutter Bescheid...um 0.40 h hatte ich dann 44...es ging immer weiter bergab und ich war hilflos...wieder 3 KE Saft...um 1.30 dann 50, immerhin! Um 3 h dann 56...puh. Das Problem ist, dass ich seit 5 h dasselbe Problem mit den 300-Werten habe, die nicht runtergehen. Was kann ich tun? Liegt es an der Injektionsstelle (gestern morgen gewechselt)? Bitte antworten sie schnell!

Dr. von Sengbusch:

Sehr geehrte Frau A.,

ich kann verstehen, dass Ihnen so eine Nacht Angst macht, wo alles außer Rand und Band läuft, und Sie den Eindruck hatten, den Blutzucker gar nicht mehr anheben zu können.

Als erstes kann ich Ihnen zustimmen, dass der Wechsel einer Injektionsstelle (weg von einer verhärteten, verdickten Katheterstelle hin zu einer neuen Stelle) dazu führen kann, dass das Insulin viel besser wirkt und – bei unveränderter Dosis – zu Unterzuckerungen führt. Dieses Ereignis sollte aber nicht dazu führen, dass Sie keine neuen Stellen mehr ausprobieren, im Gegenteil, die Insulinmenge und ggf. auch Korrekturfaktoren, KE/BE-Faktoren müssen angepasst werden. Das mag hier aber auch nur ein Punkt sein, der zu der nächtlichen, langen Unterzuckerung geführt hat. Wenn man zu häufig (im kürzeren Abstand als alle 2 Stunden) und ggf. auch noch zu viel korrigiert, dann „häuft“ sich das Insulin an und kommt dann – eher unvermittelt spät – zur vollen Wirkung. Kann das mit eine Rolle gespielt haben? Hatten Sie sich vielleicht tagsüber beim Essen verschätzt, war ein Infekt im Anmarsch (mangelnde Verdauung der Kohlenhydrate), spielten hormonelle Schwankungen eine Rolle oder hatten Sie sich am Nachmittag ungewöhnlich mehr bewegt, als sonst? Oft spielen wirklich viele Faktoren zusammen, wenn die Blutzuckerwerte über Stunden niedrig sind – und trotz aller Mühe findet man auch nicht immer die Erklärung, nach der man sucht. Ich würde Ihnen raten, selbst oder mit Ihrem Diabetesteam die Pumpe auszulesen und mit dem elektronischen Protokoll in der Hand diesen einen Tag noch mal in Ruhe durchzugehen. Manchmal erschließt sich so der Grund für ein solches Ereignis, aber auch nicht
immer.

Wenn Sie merken, zu welcher Tagszeit auch immer ungewöhnlich knapp zu laufen, dann nutzen Sie auch frühzeitig die Absenkung der Basalrate (für 2-4 Stunden z.B. auf  80 % oder weniger), oft lässt sich so ein starkes Absinken des Blutzuckers mit der Notwendigkeit des Abstellens der Pumpe vermeiden. Wenn Sie grundsätzlich den Eindruck haben, dass im Moment die Einstellung nicht so optimal ist, dann würde ich Ihnen zu einem Basalratentest, also einer Überprüfung der gesamten Baslarate in mehreren Schritten, raten. Vielleicht hilft Ihnen auch das Tragen eines Glukosesensors für 5-6 Tage, um die gesamte Einstellung einmal zu optimieren. Sprechen Sie Ihr Diabetesteam an. Als letztes würde ich Ihnen anraten, Maltodextrin Pulver zu Hause zu haben. Maltodextrin ist ein sehr gut verträgliches Zuckergemisch, welches aber nicht süß schmeckt, und in fast alle flüssigen und halbflüssigen Lebensmittel eingerührt werden kann und diese Lebensmittel dabei deutlich mit Kohlenhydraten anreichert. Maltodextrin ist daher eine gute Option bei langstreckigen Unterzuckerungen oder bei Magen-Darm-Infektionen. Sie erhalten Maltodextrin z.B. in Apotheken.

Mit freundlichen Grüßen,
S.v.Sengbusch

Tom K. fragt:

Betreff: CGM Kosten
Ich habe Fragen zum CGM. Wie befestigt man die Sensoren am Körper? Wenn cih mir privat so etwas besorgen möchte, wieviel sollte ich kalkulieren? Gibt es eventuell Möglichkeiten günstiger dran zu kommen, event über Studien oder Testgeräte?

Dr. von Sengbusch:

Sehr geehrter Herr K.,

die kontinuierliche Glukosemessung (CGM) bietet Menschen, die Insulin spritzen, die Möglichkeit vor Unterzuckerungen gewarnt zu werden, bevor sie auftreten und vor Überzuckerungen gewarnt zu werden, so dass sie rechtzeitig die Therapie anpassen können. Es handelt sich dabei um eine haarfeine Struktur, die mittels einer Legehilfe nahzu schmerzfrei in das Fettgewebe platziert wird (wie ein Pumpenkatheter) und mittels eines Pflasters befestigt wird. Auf die Mess-Sonde, die nur wenige mm lang ist, wird dann eine kleine Funkeinheit aufgesetzt, die die gemessenen Werte an ein Gerät zum Ablesen funkt. Sie können mit dem liegenden Sensor auch duschen. Die Tragedauer beträgt ca. 6-7 Tage. Zum Eichen des Systems müssen zumeist 2-4 Blutzuckerwerte / 24 Stunden als Eichwert gemessen und in das System eingegeben werden. Es gibt Glukosesensoren, die die gemessenen Gewebeglukosewerte auf eine Insulinpumpe funken oder sogar diese im gewissen Rahmen steuern (Hypoabschaltung) und es gibt Geräte, die ihre Werte auf ein tragbares Lesegerät funken.

Die Technologie wurde intensiv im Einsatz beim Patienten beforscht, wird aber leider bisher nur in Ausnahmefällen von der Gesetzlichen Krankenversicherung finanziert. Dennoch lohnt sich ein Antrag bei der GKV, wenn ein wichtiger Grund für diese Form der Therapieüberwachung besteht, z.B. weil Sie aufgrund einer Unterzuckerungswahrnehmungsstörung schon mehrfach schwere Unterzuckerungen hatten. Wenn Sie bei einem Diabetologen oder in einer Schwerpunktpraxis in Betreuung sind, dann können sie vermutlich so ein Gerät einmal zur Probe tragen und gucken, ob Sie mit dem Tragekomfort zufrieden sind und das Gerät Ihnen das bietet, was Sie sich davon erhoffen.

Im Moment werden folgende Geräte auf dem deutschen Markt angeboten: der Freestyle Navigator® der Firma Abbott, das DexCom® Seven® Plus System (als Einzelsystem oder in Kombination mit der Animas® Vibe Pumpe) vertrieben von Nintamed, das CGM System von Medtronic Minimed (als Einzelsystem Guardian REAL Time® System oder in Kombination mit der Medtronic Paradigm® Veo™ Pumpe). Im Internet bieten die Firmen sehr viele Informationen zu ihren Systemen.

Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, diese Geräte selbst zu kaufen.
Davor würde ich mich aber an Ihrer Stelle an die einzelnen Firmen wenden, die so ein System anbieten und fragen, ob es eine Möglichkeit des Probetragens gibt. Die Technologie (das Anlegen und Betreiben des Gerätes) und der Umgang mit den kontinuierlichen Werten muss nämlich im Vorwege genau erklärt werden, damit ein Patient davon auch wirklich profitiert. Sie können solche Systeme, wenn Sie das wünschen, dann direkt bei den Firmen oder z.B. auch im Diabetesversandhandel kaufen.

Fragen Sie Ihren Steuerberater, ob die Kosten vielleicht sogar in irgendeiner Form absetzbar sind, wenn die Krankenkasse sie nicht übernimmt. Auch gibt es Menschen, die vor dem Sozialgericht die Kostenübernahme erstritten haben, aber für steuerliche oder rechtlichen Fragen würde ich Sie bitten, sich an die entsprechenden Fachleute / einen Rechtsanwalt zu wenden.

Mit freundlichen Grüßen,
S.v.Sengbusch

Marlene M. fragt:

Hallo Frau Dr. Sengbusch,
unsere Tochter (12) hat Typ 1 Diabetes. Die diagnose kam vor etwa einem Jahr und seitdem versuchen wir die Krankheit in den Griff zu bekommen. Das größte Problem ist Lenas Spritzenangst. Selbst nach einem Jahr ist immer noch ein kleines Drama, wenn wir spritzen. Es soll nun auf eine Pumpe umgestellt werden. Ich habe allerdings Bedenken, dass ihr so eine Kanüle noch mehr Angst mahen wird als die Spritze. Was meinen Sie dazu?

Marlene M.

Dr. von Sengbusch:

Sehr geehrte Frau M.,

ich möchte Ihnen und Ihrer Tochter Mut machen, denn meiner Erfahrung nach profitieren Kinder sehr von einer Insulinpumpentherapie, die bisher vor jeder einzelnen Injektion mit Pen oder Spritze große Angst hatten. Für Insulinpumpen gibt es ja Katheter mit dünnen Stahlnadeln und solche mit dünnen Teflonkanülen. Der Wechsel erfolgt alle 1-2 Tage, schon die Anzahl der Stiche nimmt also deutlich ab. Es gilt bei der Pumpeneinstellung herauszufinden, mit welchem Kathetertyp Ihre Tochter am besten zurechtkommt. Für die Teflonkanülen gibt es immer Setzhilfen, also ein kleines Gerät oder ein Mechanismus, der gleich im Komplettpaket mit dem Katheter geliefert wird, die ein ganz schnelles Setzen des Katheters erlaubt, und dies nahezu schmerzfrei noch dazu. Bei den sogenannten Klebepumpen (Patch-Pump) übernimmt ein nicht sichtbarer Mechanismus ganz und gar von selbst das Legen des Katheters. Informieren Sie sich mit Ihrer Tochter im Vorwege, welche Pumpe für Ihre Tochter am besten geeignet ist.

Bei großer Angst vor dem Katheterlegen hilft auch ein anästhesierendes Pflaster, was 30-45 Minuten im Vorwege auf die geplante Katheterstelle aufgeklebt wird. So ein Pflaster nimmt den Schmerz, aber nicht immer die Angst. Die gute Nachricht ist, dass Ängste vor Injektionen gemildert und auch überwunden bzw. verlernt werden können. Vielleicht hat das Diabetesteam, wo Ihre Tochter eingestellt wird, einen Psychologen, der mit Ihrer Tochter solche Strategien einüben kann.

Mit freundlichen Grüßen,
S.v.Sengbusch

CL fragt:

Ich benutze das Quick-Set von Medtronic mit Teflonkatheter. Zum Setzen des Katheters nehme ich meist Stellen mit etwas Hüftspeck. Nach einigien Stunden beginnt es zu jucken und wenn ich mehrere Einheiten Insulin spritze brennt es. Ich habe schon mal probiert Stellen zu benutzen, an denen weniger Speck ist - allerdings habe ich davon nicht so viele ;) Naja, auf jedenfall war es dort besser, ist aber keine Alternative auf Dauer, da von der Platzierung her einfach ungünstiger. Kann ja auch nicht sein, dass es wirklich was mit dem Fett zu tun hat, oder doch? Sollte ich andere Katheter ausprobieren? Wo sehen Sie die größte Chance? VG CL

Dr. von Sengbusch:

Sehr geehrte Frau L.,

es klingt so, als hätten Sie Probleme mit dem Klebstoff des Katheterpflasters. Als erstes würde ich Ihnen anraten, mit Ihrem behandelnden Arzt/Diabetesteam zu sprechen und ein Hautschutz-Spraypflaster verordnen zu lassen bzw. selbst zu kaufen. Erst wird die Haut wie gewohnt desinfiziert und dann das durchsichtige Spray aufgesprüht und trocken gelassen und dann der Katheter gesetzt (Hygiene beachten). Der Klebstoff des Katheterpflasters kommt so nicht mehr mit der Haut in Berührung. Oftmals reicht das aus, um die Verträglichkeit von Kathetern zu erhöhen. Als nächsten Schritt können Sie auch den Kathetertyp wechseln, probieren Sie doch einmal einen anderen Teflonkatheter oder einen kurzen Stahlkatheter, an der Hüfte oder auch an einer anderen Stelle. Sollte sich trotz Katheterwechsel alle 1-2 Tage und trotz Einsatz eines Hautschutz-Sprayfolie weiterhin ein Jucken oder Brennen nach der Gabe von Insulin zeigen, würde ich Ihnen ggf. zu einem Wechsel des Pumpeninsulins raten. Sprechen Sie darüber mit Ihrem behandelnden Arzt.

Mit freundlichen Grüßen,
S.v.Sengbusch

Svenja fragt:

Sollte man seine Pumpe versichern lassen?

Dr. von Sengbusch:

Sehr geehrte Frau E.,

das ist eine sehr kluge Frage, auf die ich – trotz intensiver Recherche – keine klare und auch keine verbindliche Antwort geben kann.
Die Insulinpumpe wird mit einer Garantieleistung von der Pumpenfirma geliefert und von der Gesetzlichen oder Privaten Krankenversicherung finanziert. Sie fragen, ob Sie die Pumpe versichern können oder müssen. Sofern Ihre Insulinpumpe z.B. bei einem Einbruch zu Hause gestohlen wird, sollte die Hausratversicherung an sich einspringen. Wenn Sie in Ihrer Haftpflichtversicherung geliehene, technische (medizinische) Geräte mit haben in den Versicherungsumfang aufnehmen lassen, wäre eine versehentliche Beschädigung wohl ein Fall, wo diese Versicherung einspringen könnte. Wenn Sie aber z.B. das Steuerungsgerät Ihrer Patch-Pumpe z.B. im Kino vergessen, dann springt vermutlich keine Versicherung ein. Ich habe bisher nur ganz selten erlebt, dass eine Pumpe verloren ging oder beschädigt wurde. In diesen sehr seltenen Fällen kam es immer rasch zu einer Einigung zwischen der Pumpenfirma und der Krankenversicherung, so dass die Pumpentherapie weitergeführt werden konnte. Die neuen Patch-Pumpen mit einem Steuerungsgerät, was potentiell leichter verloren gehen kann, als eine
„kathetergebundene“ Pumpe, bzw. auch eine „Urlaubs-Leihpumpe“ machen Ihre Frage aber durchaus nachvollziehbar. Ich kann Sie aber leider nur bitten, sich für eine verbindliche Auskunft bzw. Prüfung Ihrer Versicherungsbedingungen bei Ihrer Krankenversicherung, Haftpflicht- und Hausratversicherung zu informieren.

Mit freundlichen Grüßen,
S.v.Sengbusch

Horst W. fragt:

Betreff: Blutzuckermessen
Habe diabetes Typ2!Wie oft soll man pro Tag den blutzuckerspiegel messen?
Die Aok SH bezahlt laut meinem
Diabetologen nur 50ST.Sensoren pro Quartal.Ist dieses richtig.
Mit freundlichen grüßen
Horst W.

Dr. von Sengbusch:

Sehr geehrter Herr W., seit Ende 2011 bekommen nur noch Menschen mit Typ 2 Diabetes, die zur Behandlung Tabletten erhalten, die Unterzuckerungen auslösen können, oder aber Insulin spritzen, regulär Teststreifen zur Blutzuckerkontrolle verordnet, alle anderen erhalten gar keine Teststreifen mehr. In Ausnahmesituationen, z.B. ein neu diagnostizierter Typ 2 Diabetes, fieberhafte Erkrankungen, Reisen oder bei einer Therapieumstellungen können aber immer wieder 50 Teststreifen verordnet werden. Wenn Sie 50 Teststreifen rezeptiert bekommen, dann besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Messungen bei Ihnen am aussagekräftigsten sind. Oftmals ist ein wöchentliches Tagesprofil sinnvoll, also eine Messung morgens nüchtern, dann vor dem Mittagessen, vor dem Abendsbrot und vor dem Schlafengehen, oder auch ein erweitertes Tagesprofil, wo zusätzlich noch 2 Stunden nach den Hauptmahlzeiten gemessen wird. Manchmal reichen aber auch Messungen zu einer Tageszeit (z.B. morgens nüchtern / nach Bewegung im Alltag) oder auch nur dann, wenn Sie ein Unterzuckerungsgefühl spüren. Stimmen Sie den Einsatz der Teststreifen daher mit Ihrem Arzt ab, damit Sie die Messungen optimal für Ihre Gesundheit einsetzen können.

Mit freundlichen Grüßen,
S.v.Sengbusch

Joachim fragt:

Hallo, Was ist besser: ein pen oder eine pumpe??? Was können Sie mir empfehlen? Ärzte empfehlen oft die Pumpe doch ich habe meinen neuen Arzt gefragt und der meinte, mit einem Pen würde man besser lernen, bewusster mit dem Diabetes umzugehen und sei automatisch vorsichtiger. Da ich auch generell einen Widerstand dagegen habe, von einem Gerät abhängig zu sein, würde ich lieber den Pen nehmen. Jetzt bin ich aber sehr unsicher, was therapeutisch das Beste wäre…

Dr. von Sengbusch:

Lieber Joachim,

es spricht einiges für eine Insulintherapie mit Insulinpens und einiges für eine Insulinpumpe. Insulinpens haben den Vorteil, dass man den Diabetes "ablegen" kann, ist also die Injektion getan und die Pens weggepackt, dann ist - zumindest gefühlt - der Diabetes auch bis zum nächsten Essen, bzw. zur nächsten Insulininjektion nicht mehr da. Je nach Therapieform sind ca. 3-7 Injektionen am Tag notwendig. Die Insulinpumpe ist immer an Körper, das muss man für sich annehmen können. Dafür sind aber deutlich weniger Injektionen für die Insulingaben nötig, nämlich nur alle 1-2 Tage ein Stich für den neuen Pumpenkatheter.

Manche Menschen mit Diabetes haben Vorbehalte gegen die Technik ansich, sie mögen einfach nicht so gern einem Gerät vertrauen, mögen Technik insgesamt nicht so gern oder sorgen sich, wie die Partnerin/der Partner mit der sichtbaren Pumpe zurechtkommt. In vielen Diabeteszeitungen wird auf diese Themen daher immer wieder eingegangen.

Die Insulinpumpentherapie erfordert einen genauso bewussten Umgang mit dem Diabetes, wie auch eine Therapie mit Insulinpens. Die Pumpe muss bei jeder Mahlzeit bedient werden, genauso wie Sie Mahlzeiteninsulin für Ihr Essen spritzen. Möglicherweise meint Ihr behandelnder Arzt, dass die einfache Insulingabe per Knopfdruck dazu führen kann, dass ein Mensch mit Diabetes von einem disziplinierten Essverhalten unter Intensivierter Insulintherapie mit Pens dann unter Pumpentherapie leichter abweicht, häufiger snackt und letztlich an Gewicht zulegt - weil das Essen halt so leicht (ohne Pieks) per Knopfdruck mit Insulin versorgt wird.

Es gibt aber bestimmte Probleme in der Diabetestherapie, die mit einer Insulinpumpe tatsächlich besser behandelt werden können, als mit Insulinpens, auch wenn moderne Insulin-Analoga verwendet werden. Leiden Sie zum Beispiel unter nächtlichen Unterzuckerungen und gleichzeitig sehr hohen Morgenwerten (Dawn-Phänomen) oder liegen bestimmte Folgeerkrankungen vor, ist die Pumpe dann doch das bessere Instrument. Es gibt inzwischen viele verschiedene Modelle, solche mit Pumpenkatheter und Schlauch, als auch die Klebepumpen (Patch-Pump) ohne Schlauch. So stehen verschiedene Pumpensysteme zur Verfügung, die das Leben mit Typ 1 Diabetes doch viel leichter machen können und für bestimmte Probleme einfach die optimale Lösung bieten.

Wenn Sie es irgedwann doch mal probieren wollen, können Sie bei Ihrem Diabetologen sicher einmal eine Pumpe zur Probe tragen (darin ist dann kein Insulin, sondern steriles Wasser), so dass Sie gucken können, ob im Alltag so ein System etwas für Sie wäre.

Letztlich gilt aber eines: wenn Sie eine gute Stoffwechselllage haben und mit Ihrer Therapie im Alltag gut zurecht kommen und zufrienden sind, dann müssen und sollten Sie nicht auf eine Pumpentherapie wechseln.

Mit freundlichen Grüßen,
S.v.Sengbusch

Jana G. fragt:

Betreff: Epileptischer Krampfanfall - immer Krankenwagen, wie Traubenzucker einflößen?

Mein Mann leidet unter Diabetes 1 und merkt Unterzuckerungen normalerweise selbst "recht" früh. Zwischendurch kommen allerdings auch Werte von 34 o. Ä. zu Stande.

Einmal hat er es allerdings nicht rechtzeitig gemerkt und hat einen epileptischen Krampfanfall bekommen - natürlich wurde der Krankenwagen gerufen und ich bin panisch umhergerannt, um ihm noch vorher Traubenzucker einzuflößen - was allerdings nicht geht, wenn er nicht ansprechbar ist und auf nichts reagiert.

Im Krankenwagen ist er wieder zu sich gekommen und im Krankenhaus hat er letzten Endes lediglich ein Glas Apfelsaft bekommen.

Kann ich davon ausgehen, dass er bei einer derart gefährlichen Unterzuckerung immer einen Krampfanfall bekommt oder kann es auch anders sein?

Laufen solche Krampfanfälle immer gleich ab? Würde es sich empfehlen, ihm dann einfach ein Stück Traubenzucker in die Wangentasche zu legen (wo er ihn nicht inhalieren kann) und zu warten oder gibt es bessere Methoden?

Fraglich ist auch, ob er jedes Mal einen Krankenwagen benötigt - allerdings möchte ich kein Risiko eingehen und hoffe daher auf Ihre Expertenmeinung.

Vielen, vielen herzlichen Dank im Voraus!

Mit besten Grüßen

Jana G.

Dr. von Sengbusch:

Sehr geehrte Frau G.,

es ist nicht möglich vorauszusagen, ob ein niedriger Blutzuckerwert X
bei einem Patienten mit Diabetes immer zu einem Krampfanfall oder
„nur“ zu einer Bewusstseinstrübung oder auch z.B. zu Schwindelgefühl,
Sehstörungen oder Zittern führt. Wichtig ist aber zu wissen, dass Sie
Ihrem Mann, wenn er nicht mehr sicher schlucken kann, nichts in den
Mund geben sollen. Er könnte sich verschlucken und den Traubenzucker
versehentlich einatmen, und das sollte vermieden werden. Wenn er nicht
mehr sicher schlucken kann oder/und nicht mehr ansprechbar ist,
sollten Sie aber die „Notfall-Spritze“ zu Hause haben. In dieser
Fertigspritze, befindet sich steriles Wasser, womit Sie ein Pulver
(Glukagon), den Gegenspieler des Insulins, in einer Ampulle auflösen
und dann diese Glukagon-Lösung in den Oberschenkel spritzen. Die
Injektion wirkt nach einigen Minuten und hebt den Blutzucker ein klein
wenig an. Ihr Mann kann ein „GlucaGen®Hypo-Kit“ vom Arzt rezeptiert
bekommen. Lassen Sie sich von dem behandelnden Arzt /  Diabetesteam
einweisen, wie die Notfallspritze zu verwenden ist. Mit der
Notfallspritze habe haben Sie ein Instrument in der Hand, womit Sie
den Blutzucker im Falle einer Bewusstseinstrübung oder
Bewusstlosigkeit Ihres Mannes mit einer einfachen Injektion in den
Oberschenkel oft soweit anheben können, dass er soweit ansprechbar
wird, dass er wieder Traubenzucker oder Saft schlucken kann. Ich
persönlich würde anraten – auch wenn Sie die Notfallspritze geben -
bei einer schweren Unterzuckerung immer einen Notarztwagen zu rufen
(nennen Sie dabei die richtigen Stichworte, nämlich „Diabetes“,
„schwere Unterzuckerung“, „Bewusstlosigkeit“, „Krampfanfall“), da
nicht klar ist, wodurch die schwere Unterzuckerung ausgelöst wurde und
wie lange sie anhalten wird. Der Notarzt kann mit einer Gabe
hochprozentiger Glukoselösung in die Vene den Blutzucker rasch anheben
und damit Ihrem Mann effektiv helfen.

Mit freundlichen Grüßen,
S.v.Sengbusch

Matthias fragt:

Ich bekomme demnächst eine Pumpe. Hab mich aber noch nicht entschlossen welche ich möchte. Können Sie mir eine empfehlen, gibt es eventuell etwas Neues, technisch komfortableres. Ich wäre auch bereit etwas mehr auszugeben. Die Technik sollte aber auch nicht zu kompliziert sein, also benutzerfreundlich.

Ich freue mich auf einen Tipp vom Experten, Matthias

Hallo, jetzt bin ichs noch mal. habe gerade gelesen, was Sie Tom geantwortet haben: "Es gibt Glukosesensoren, die die gemessenen Gewebeglukosewerte auf eine Insulinpumpe funken oder sogar diese im gewissen Rahmen steuern (Hypoabschaltung) und es gibt Geräte, die ihre Werte auf ein tragbares Lesegerät funken...." Welche von denvon Ihnen aufgeführten Pumpen hat so eine Funk-Technik? Danke nochmals, Matthias

Dr. von Sengbusch:

Lieber Herr D.,

ich gehe mal davon aus, dass die Gesetzliche oder Private Krankenversicherung die Kosten für Ihre Insulinpumpe übernimmt. Haben Sie schon mal eine Pumpe zur Probe (mit sterilem Wasser) getragen ?

In den Diabeteszeitungen und im Internet finden Sie viel Informationen und die Firmen senden Ihnen sicher gerne auch Material zu. Ich gehe aber davon aus, dass Ihr Diabetologe / Ihr Diabetesteam Ihnen auch einige Pumpenmodelle zeigen kann und Ihnen ggf. ein Probetragen ermöglicht.

Grundsätzlich kann man sich heute zwischen drei verschiedenen Pumpensystemen entscheiden und im Regelfall erhalten Sie - wenn die Ziele unter Pumpentherapie erreicht werden und eine gute Dokumentation vorliegt - nach vier Jahren ein neues Pumpensystem. Es ist also keine Entscheidung für immer und ewig.

Es gibt folgende Gruppen:

1. Die "klassische" Insulinpumpe mit verschiedenen Katheteroptionen. Hier ist die Pumpen-Insulinpatrone über einen Schlauch mit dem Katheter verbunden, der im Unterhautfettgewebe liegt. Die Pumpen haben oft ein Blutzuckermessgerät, was die Werte gleich auf die Insulinpumpe funkt. In einem Messgerät oder in der Pumpe ist ein Rechenprogramm, was einen - wenn man das wünscht - bei der Berechnung des Insulins hilft. Es gibt viele verschiedene Katheter, zwischen denen man wählen kann. Beispiele sind (alphabetisch sortiert): Animas® Vibe, Dana Pumpe, Medtronic Paradigm® Veo™ Pumpe, Accu-Chek Combo Pumpe

2. Die "Sicherheits" Insulinpumpe, die mit einem Glukosesensor gekoppelt ist. Das Prinzip ist wie unter 1., nur dass hier ein Glukosesensor kontinuierlich den Blutzucker misst und auf die Pumpe funkt. Es gibt eine Warnfunktion für hohe und niedrige Blutzuckerwert (Animas® Vibe mit CGM) und eine Pumpe schaltet sich darüberhinaus auch automatisch aus, wenn eine schwere Unterzuckerung droht (Medtronic Paradigm® Veo™ Pumpe mit CGM). Die kontinuierliche Glukosemessung
(CGM) ist leider noch keine Leistung der GKV und wird nur in Ausnahmefällen genehmigt.

3. Die "schlauchfreie" Insulinpumpe, die keinen Katheterschlauch mehr hat. Es handelt sich um eine Klebepumpe (Patch-Pump). Sie wird befüllt und aufgeklebt und verbleibt 3 Tage an der Stelle. Mit einem Handgerät (gleichzeitig auch das Blutzuckermessgerät) wird die Klebepumpe gesteuert und auch die automatische Anlage des Katheters ausgelöst (mylife ™ Omni Pod®).

Vermutlich werden noch dieses Jahr zwei neue Pumpen der 3. Gruppe auf den Markt kommen, die Roche SOLO Micropump und die Cellnovo Pumpe, aber ganz sicher kann ich das nicht sagen.

Wenn Sie sich für eine Pumpe entscheiden, dann prüfen Sie, was Ihnen wichtig ist. Komfort, viele verschiedene Kathetertypen, Wasserdichtigkeit, keinen Katheter (also Patch-Pumpe), die Sicherheitsfunktion (auch wenn Sie die CGM ggf. selber zahlen müssen), ist Farbe, Größe oder die Anzahl der Basalratenschritte (12 oder 24 / Tag) oder die kleinst mögliche Insulinmenge / Bolus für Sie wichtig? In manchen Diabeteszeitungen oder auch im Diabetesversandhandel sind die Pumpen zuweilen gut in einer Tabelle verglichen. Wenn Sie die genannten Pumpennamen in eine Suchmaschine eingeben, finden Sie viel Information zu den Pumpen. Letztlich würde ich Ihnen aber raten, die Geräte soweit möglich einmal in die Hand zu nehmen und auch Ihren Bauch mit entscheiden zu lassen, denn die Pumpe wird ja für die nächsten Jahre Ihr Begleiter.

Mit freundlichen Grüßen,
S.v.Sengbusch