Diabetesprävention in Kindergarten und Grundschule
Experten-Chat mit Rita Jörgenshaus

- Rita Jörgenshaus
Bis zum 19. August 2010 findet unsere Experten-Sprechstunde mit Rita Jörgenshaus zum Thema „Diabetesprävention in Kindergarten und Grundschule" statt. Sie beantwortet Ihre Fragen live am Donnerstag, den 19. August zwischen 17 und 19 Uhr.
Protokoll der Sprechstunde
Uta fragt:
Unser 11 Jähriger Sohn wird drei Tage auf Klassenreise gehen und bekommt nur sehr begrenzt Unterstützung. Gibt es eine Checkliste wie wir am besten vorgehen?
Rita Jörgenshaus:
Liebe Frau U., Kinder und Jugendliche sollen an Klassenfahrten und Ausflügen teilnehmen, dass ist sicherlich wünschenswert. Das Selbstvertrauen und auch die Kompetenz der Kinder wird dadurch gestärkt. Einige Lehrer haben, was natürlich auch verständlich ist, Ängste. Reden Sie mit dem Klassenlehrer. Aufklärung ist der beste Weg um Bedenken auszuschalten. Nach dem Alter zu beurteilen, befindet sich Ihr Sohn in der 5. Klasse. Er hat gerade die Schule gewechselt. Das Vertrauen und die Sicherheit müssen erst aufgebaut werden. Auf der Homepage von diabetesde finden Sie eine Broschüre für Lehrer und Lehrerinen zum Umgang mit Schülern mit Diabetes als PDF Datei. In dieser Broschüre können Sie viele wichtige Mitteilungen an den Lehrer notieren. Vielleicht hilft Ihnen und dem Klassenlehrer auch ein Gespräch mit dem Diabetologen Ihres Kindes. Eine Handynummer unter der Sie, während der Klassenfahrt immer erreichbar sind, ist sicherlich auch hilfreich. Vielleicht besteht auch die Möglichkeit, dass Sie die Klasse begleiten (als Betreuerin).
Michaela W. fragt:
Betreff: Kooperierende Bäcker finden
Nachricht: Guten Abend Frau Jörgenhaus,
ich engagiere mich im Elternbeirat am Gymnasium meiner Kinder. Für eine gesündere Ernährung der Schüler würden wir gerne einen kleinen Kiosk einrichten, der "gesunde" Sachen verkauft. Wir hatten uns vorgestellt, mit einer Bäckerei zu kooperieren, die uns mit Vollkornbrötchen, "Körnerstangen" etc. beliefert.
das scheint aber nicht so einfach zu sein. Eine Anfrage beim lokalen Bäcker wurde nicht so begeistert aufgenommen. Haben Sie vielleicht Tipps hierfür, wie man die Leute am besten ansprechen kann/soll?
Mit freundlichen Grüßen aus dem Rheinland
Michaela W.
Rita Jörgenshaus:
Während des Projektes wurde ich von sehr vielen ausserschulischen <wbr></wbr>Partnern unterstützt. Nachdem unsere hiesige Presse über das Projekt berichtet hat, habe ich sehr viel Unterstützung erfahren und bekommen. Die Idee mit einem Kiosk an der Schule Ihrer Kinder finde ich sehr gut und das kommt sicher auch bei der Presse gut an. Gesunde und ausgewogene Ernährung ist immer ein Thema. Vielleicht können Sie dann um Unterstützung fragen. Ansonsten fragen Sie im Nachbarort beim nächsten Bäcker nach. Lassen Sie sich nicht die Motivation nehmen!!!
A. M. fragt:
Betreff: Utensilien für Vorschultüte
Nachricht: Hallo Frau Jörgenshaus,
Bei uns im Kindergarten bekommen die Kinder im letzten Jahr bevor sie auf die Schule kommen eine kleine Schultüte - also sozusagen eine Vorschultüte geschenkt. In diesem Jar haben wir ein Kind mit Diabetes, das Insulin spritzt. da sollten wir dann etwas anderes in die Tüte packen, oder? Also normalerweise haben wir: Bonbons (Nimm2), Lollies, Kekse und Buntstifte. Was schlagen Sie vor?
Herzliche Grüße
A. M.
Rita Jörgenshaus:
Da gibt es sehr viele Möglichkeiten. Es müssen nicht immer nur Süßigkeiten sein. Vielleicht sollten Sie generell das Sortiment für die Vorschultüten ändern. Wie wäre es mit: Radiergummi, kleiner Glücksbringer, kleine Reflektoren für einen sicheren Schulweg, Luftballons, lustige Tattoos, besondere Stifte, Aufkleber, Kaugummi ohne Zucker, Schlüsselanhänger, Butterbrotdose, kleines Stofftier als Beschützer, Poesiealbum, Glücksteine, Aufkleber, cooler Anspitzer, Pinsel, Straßenkreide, Schreibblock, Seifenblasen......
Natürlich können Sie auch eine Süßigkeit dazu gebe. Fragen Sie die Eltern, was das Kind besonders gerne mag.
Cora L. fragt:
Betreff: Ernährung als Schulfach möglich?
Hallo Frau Jörgenshaus,
ist es geplant, eine gesunde Ernährung als Schulfach einzuführen? Was können wir in den nöchsten Jahren erwarten?
Mit freundlichen Grüßen
Cora L.
Rita Jörgenshaus:
Liebe Frau L.,
Sie sprechen mir aus der Seele. Wenn ich es mir wünschen könnte, wäre ich für ein Unterrichtsfach Gesundheit. Dazu zähle ich nicht nur Ernährung, sondern auch Bewegung, Entspannung und Kommunikation. Da die Anzahl an Menschen mit Diabetes mellitus stetig ansteigt, wäre es sehr wichtig im frühen Kindesalter mit Prävention anzufangen. Ich engagiere mich in der AG Prävention (diabetesde) und es ist einer unserer Anliegen in der Arbeit "Prävention von Diabetes mellitus Typ II".
Kerstin S. fragt:
Sehr geehrte Frau Doktor, seit meine Tochter in den Kindergarten geht sind ihre BZ-Werte schlechter als zuvor. Das liegt sicher daran, dass ich sie dort nicht so gut kontrollieren kann und sie auch gerne mal bei den Süßigkeiten anderer Kinder nascht. Da hilft es dann auch nichts, dass sie genau berechnete Portionen in Ihrer tasche hat. Die Kindergärtnerinnen haben zwar zugesagt darauf zu achten, in der Praxis ist das aber nicht immer möglich. Was kann ich jetzt noch machen?
Kerstin S.
Rita Jörgenshaus:
Suchen Sie noch einmal das Gespräch mit der Erzieherin. Die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Erzieher ist sehr wichtig. Es ist nicht sinnvoll, dass Kinder Süßigkeiten im Kindergarten unkontrolliert essen können. Es sollte schon in Anwesenheit der Erzieher geschehen und nur ab und zu genossen werden. Süßigkeiten sind Genussmittel, die auch so betrachtet werden sollten. Ich kann aber auch verstehen, dass je nach Stärke der Gruppe nicht immer eine Kontrolle möglich ist. Vielleicht können Sie einige Tage im Kindergarten die Erzieher unterstützen und somit auch ein wenig mehr Einfluss auf das Essverhalten Ihrer Tochter nehmen, bis die Blutzuckerwerte wieder besser werden. Natürlich können auch erhöhte BZ Werte andere Ursachen haben, wie z. B. Stress oder Ärger mit anderen Kindern. Es könnte natürlich auch sein, dass Ihre Tochter sich mehr bewegt und dadurch auch einen Mehrbedarf an Kohlenhydraten hat und diese durch den Konsum von Süßigkeiten regelt. Vielleicht sollte man auch die Mahlzeiten oder das Frühstück anders zusammenstellen. Alles Vermutungen, sprechen Sie mit der Erzieherin.
Maxi fragt:
Hallo, im Freizeitunterricht in der 6. Klasse koche ich regelmäßig zusammen mit meinen Schülern. In letzter Zeit gab es immer wieder Anmerkungen von Eltern einer meiner Schüler, der Diabetes hat. Die Auswahl meiner Rezepte sei wohl nicht passend. Ich gehe aber davon aus, dass Kinder alles essen dürfen auch mit Diabetes. Liege ich hier falsch. Letzte Woche haben wir Pfannkuchen gemacht – Weizenmehl und zuviel Zucker war hier der Vorwurf. Ich würde es gerne allen Recht machen. Aber wenn ich mit Haferflocken und Vollkornmehl komme, macht es auch denk Kindern keinen wirklichen Spaß mehr.
Rita Jörgenshaus:
Liebe Maxi ich finde es toll, dass Sie so engagiert sind. Sie haben Recht, dass Kinder mit Diabetes sich genau so ernähren sollen, wie alle anderen Kinder auch. Was bedeutet es? Die Empfehlungen gehen von einer gesunden und ausgewogenen Ernährung aus und diese Empfehlungen werden oft nicht praktiziert. Gesund und ausgewogen bedeutet viel Gemüse, Obst, Kartoffeln, Getreide und Vollkornprodukte, ab und zu Fleisch und Fleischerzeugnisse, Seefisch, Milch und Milchprodukte und gute Fettsäuren wie z. B. Rapsöl und Olivenöl und das alles Altersentsprechend. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass Kinder nicht so gerne Vollkornprodukte mögen, da die meisten Kinder sich überwiegend von Weißmehlprodukten ernähren. Machen Sie mit den Kindern einen Geschmacktstest. Der Geschmack ändert sich und wenn ich die Kinder über die unterschiedlichen Kohlenhydrate aufkläre und ihnen erzähle, wie die Nahrungsmittel im Körper wirken, sind sie oft bereit auch Veränderungen zu akzeptieren. Kinder brauchen Erklärungen!
Hier mein Tipp:
Pfannkuchen brauchen nicht unbedingt zusätzlich Zucker im Teig. Da können Sie schon den Zucker reduzieren oder ganz weglassen. Je nach Geschmack, kann der Zucker (bei Obstpfannkuchen) über den Pfannkuchen gestreut werden. Eine gute Alternative ist auch einen Salat vorab zu servieren.
Es kommt oft auf die Kombination an.
Hier ein einfaches Rezept für Pfannkuchen:
100g Mehl, 100g Weizenvollkornmehl, 4 Eier, 200ml Mineralwasser, 200ml Milch, 1 Prise Salz
(wenn Sie den Zucker weglassen, können Sie die Pfannkuchen auch herzhaft belegen)
Weiterhin viel Spaß beim Kochen und beim Ausprobieren.
Diana B. fragt:
Sehr geehrte Frau Jörgenshaus,
meiner Tochter wurde kürzlich im Unterricht untersagt zu essen. Sie musste das aber tun, weil sie gemerkt hat, dass sie einen Unterzucker bekommt. Die Lehrerin meinte, dass sie mit ihren Medikamenten das ja wohl vorher berechen könne. Wir wollen jetzt zum Rektor gehen. Wie sehen denn unsere Rechte aus?
Diana B.
Rita Jörgenshaus:
Ich weiß nicht, wie alt Ihre Tochter ist und in welche Schule Sie geht. Sprechen Sie mit der Lehrerin über die Risiken einer Unterzuckerung. Ich finde es sehr gut, dass Ihre Tochter eine Hypoglykämie wahrnimmt und auch darauf reagieren kann. Vieleicht sollten Sie die Diabetesberaterin oder den Diabetologen Ihrer Tochter zur Rate ziehen und gemeinsam ein Gespräch mit der Klassenlehrerin Ihrer Tochter führen. Viele Faktoren spielen bei einer Unterzuckerung mit, dass sollten Sie der Klassenlehrerin nochmals bewusst machen. Ich empfehle Ihnen die Broschüre für Lehrer und Lehrerinnen zum Umgang mit Schülern mit Diabetes. Diese finden Sie hier auf "diabetsde" als PDF- Datei zum herunterladen.
X fragt:
Nachricht: Unsere 9-jährige Tochter wird umgeschult, weil wir umziehen. In der neuen Schule gibt es für alle Kinder Schulspeisung, sie sitzen zusammen in einem großen Saal. Pia ist es vor Fremden sehr unangenehm, wenn sie sich spritzen muss und überhaupt sich zu ihrer Krankheit zu äußern. Wir sind deshalb etwas unsicher, wie wir am besten die Lehrer und die Mitschüler informieren. Denn einerseits möchten wir, dass es als etwas ganz selbstverständliches betrachtet wird, wollen uns damit aber auch nicht 'wichtig machen'. Welchen Weg halten Sie für den besten, unauffällig aber trotzdem wirkungsvoll die Schule über den Diabetes von Pia und was damit zusammenhängt, zu informieren?
Rita Jörgenshaus:
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Aufklärung der beste Weg ist. Sprechen Sie mit dem Lehrer und beziehen Sie Ihre Tochter mit ein. Sprechen Sie offen in der Klasse über Diabetes. Sie werden erstaunt sein, wie viele Kinder schon viel Wissen über Diabetes haben. Es besteht auch die Möglichkeit, dass eine Diabetesberaterin mit in die Klasse kommt, dann hat es noch einen anderen Stellenwert.
Birgit K. fragt:
Liebe Frau Jörgenshaus, ich finde es super, dass Sie so ein Projekt durchziehen. Sollte es an viel mehr Schulen geben. Haben sie dazu Informationen? Oder ist das noch Zukunftsmusik?
Rita Jörgenshaus:
Das Projekt habe ich in diesem Jahr abgeschlossen. Es hat sehr viel Spaß gemacht die Kinder über diesen Zeitraum zu begleiten. Ich hoffe nicht, dass es Zukunftsmusik ist. Wir arbeiten daran und hoffen, dass wir dieses Projekt auch anderen Schulen anbieten können. Aktuelles zum Projekt finden Sie demnächst auf der Homepage von www.vdbd.de!
Nachfrage von Birgit K.:
Liebe Frau Jörgenshaus,
können Sie vielleicht noch etwas näher erläutern, wie Sie das Ganze angegangen sind? Wen Sie dafür angesprochen haben und wie viel Zeit man in so ein Projekt investieren muss?
Vielen Dank!
Rita Jörgenshaus:
Das Projekt ist ein Präventionsprogramm für Grundschulkinder zur Vermeidung ernährungsbedingter Krankheiten wie z. B. Diabetes mellitus Typ II. Das Projekt habe ich in Zusammmenarbeit mit dem vdbd entwickelt. Die Vorlaufszeit betrug 2 Jahre bis ich endlich starten konnte. Das Projekt soll Kinder und Eltern vom ersten Schuljahr an für eine gesunde und ausgewogene Ernährung sensibilisieren. Die Kinder werden bewusst und behutsam an das richtige Ernährungsverhalten herangeführt. Sie sollen viel entdecken, schmecken, genießen und begreifen. Das Projekt dauerte 4 Jahre, also die gesamte Grundschulzeit. Die Kontakte zu der Grundschule habe ich hergestellt, da ich seit mehreren Jahren Kurse für Autogenes Training für Kinder dort leite. Pro Schuljahr sind es 8 Unterrichtseinheiten je 45 Minuten. Die Kinder lernen erlebnisorientiert.
Jutta fragt:
Hallo Frau Jörgenshaus, meine Tochter ist seit einem Jahr Typ 1. Jetzt steht die Einschulung bevor und ich mache mir ein bißchen Gedanken, wie die Lehrer damit zurecht kommen werden - bzw ob sie bereit sien werden meine Tochter etwas mehr zu "kontrollieren". Sie hat die Krankheit noch nicht so gut im Griff und braucht auf jedenfall jemande, der sie erinnert zu spritzen oder nicht zusätzliches zu naschen. Die Klassen haben hier um die 30 Schüler. Was raten Sie mir? Und welche Rechte haben wir?
Rita Jörgenshaus:
Ich kann Ihre Sorgen sehr gut verstehen. Seit einigen Jahren bin ich an Grundschulen zu unterschiedlichen Themen tätig. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Lehrer/innen sehr gut mit Kindern mit Diabetes Typ I zurechtkommen. Wichtig ist der Austausch zwischen Eltern und Lehrern. Das Gespräch mit der Schulklasse ist auch nicht unwichtig. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass durch die Aufklärung in der Klasse, die Mitschüler sensibilisiert werden und Veränderungen oft schneller wahrnehmen und an die Lehrer weitergeben. Wenn Sie möchten, fragen Sie, ob die Diabetesberaterin Ihrer Tochter Ihnen bei der Aufklärung in der Schule behilflich sein kann. Es gibt auch eine sehr gute Broschüre für Lehrer und Lehrerinnen zum Umgang mit Schülern mit Diabetes. Diese finden Sie hier auf „diabetesde“ als PDF- Datei zum herunterladen.
Dieter fragt:
Hallo Frau Jörghaus, ich bin Lehrer an einer Grundschule. Im kommenden Schuljahr übernehme ich eine Schulklasse, in der auch ein Kind mit Diabetes ist. Da ich Klassenlehrer bin, sollte ich mich eventuell etwas mehr damit auseinander setzen. Was wird genau on Lehrern erwartet? Bzw was dürfen Eltern von mir erwarten?
Rita Jörgenshaus:
Suchen Sie das Gespräch mit den Eltern. Die Eltern sind oft sehr kompetent, was die Krankheit „Diabetes mellitus Typ I“ ihres Kindes anbetrifft. Auch würde ich Ihnen gerne die neue Broschüre der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie e.V. zu Kindern mit Diabetes mellitus in der Schule empfehlen. Sie finden diese Broschüre hier auf „diabetesde“ zum Ausdrucken. Diese Broschüre ist neu überarbeitet und gibt Ihnen eine sehr gute Hilfestellung im Umgang mit Kindern mit Diabetes.
Angela fragt:
Sehr geehrte Expertin, steht eine allgemein gültige Regelung für Schulessen in Aussicht? Als Eltern kommt man gegen das große Angebot von Fast Food und Supermärkten im Umkreis von Schulen mit einem selbst gemachten Pausenbrot kaum an :(
Rita Jörgenshaus:
Soweit ich weiß, gibt es keine allgemeine Regelung für Schulessen. Es gibt nur Empfehlungen der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) für eine optimierte Mischkost. Inwieweit sich Schulen danach richten ist schulabhängig. Es wäre wünschenswert, wenn alle Schulen mit einer Kantine eine gesunde und ausgewogene Ernährung anbieten würden, da die Zahl an Menschen mit Diabetes mellitus Typ II (und natürlich auch anderen ernährungsbedingten Krankheiten) stetig steigt. Gerne würde ich Ihnen etwas anderes schreiben. Das Problem mit Fastfood- Ketten und Supermärkten im Umkreis von Schulen sollten Sie mit Ihren Kindern offen besprechen. Verbote helfen da gar nicht. Alles was Sie verbieten macht Hunger auf mehr und die Kinder kaufen sich heimlich die verbotenen Nahrungsmittel. Das Problem ist auch, dass die meisten Fastfood- Speisen einen sehr hohen Energiegehalt haben. Vergleicht man die Nährstoffe mit der aid- Ernährungspyramide, so betonen die Speisen die Spitze der Pyramide. Da der Ballaststoffanteil bei einigen Fastfood- Mahlzeiten auch sehr gering ist, wird die gewünschte Sättigung oft nicht erreicht. Die Kinder verspüren nach einiger Zeit wieder Hunger und greifen zur nächsten Fastfood- Mahlzeit. Das Ernährungsverhalten der Kinder wird vor allem durch das Vorbild der Eltern und der Familie geprägt. Die Ernährung hat einen entscheidenden Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen. Oft helfen Phantasienamen um viele der wünschenswerten Nahrungsmittel den Kindern attraktiver zu machen. Wichtig ist, dass die Kinder Freude am Essen entwickeln und Erfahrungen beim gemeinsamen Essen sammeln. Erklären Sie den Kindern den Unterschied zwischen Fastfood und einer gesunden Ernährung. Achten Sie auf ein gutes Frühstück und ein leckeres Pausenbrot, dann ist auch mal nach Absprache eine nicht so optimale Mahlzeit in Ordnung.
Statt Verbote lassen sich einige Fastfood- Speisen sinnvoll kombinieren:
Hier einige Kompromisse:
Hamburger mit 1 Stück Obst und Salat dazu, 1 Stück Pizza mit Gemüsebelag wählen, anstatt Pommes mit Mayonnaise lieber Pommes mit Ketchup und einem kleinen Salat, Bratwurst lieber mit Brötchen anstatt mit Pommes kombinieren, Döner mit mehr Salatanteil wählen
Gesunde und günstige Fastfood- Alternativen für die Pause
- Vollkornbrötchen mit Frischkäse bestrichen, belegt mit fettarmer Wurst, Salat und Tomate
- Hamburger hergestellt aus Vollkornbrötchen, bestrichen mit Ketchup und Senf, belegt mit einem Salatblatt und einer Frikadelle aus magerem Fleisch
- Sonnenblumenbrötchen belegt mit Salat, Mozzarella und Tomate, dazu ein paar Basilikumblätter (nach Geschmack)
- Roggenbrötchen belegt mit Salat, Gurkenscheiben und 1 Scheibe Käse
umweltfreundlich und dazu perfekt verpackt: Banane, Apfel, Mandarine, Orange Möhren…….
Maren S. fragt:
Hallo Frau Jörgenshaus,
wie finde ich eine Schule, an der auf gesunde Ernährung geachtet wird? Mein Sohn geht in die 6te Klasse einer Ganztagsschule. Das Mittagessen, das hier in der Kantine ausgegeben wird ist meiner Meinung nicht akzeptabel. Einen Schulwechsel wollen wir deshalb aber nicht durchziehen. Aber seinen jüngeren Bruder würden wir gerne gleich auf eine andere Schule schicken, bei der auf so etwas geachtet wird. Was meinen Sie?
Rita Jörgenshaus:
Die Verpflegung in der Schule ist sicherlich an manchen Schulen ein Problem. Soweit mir bekannt ist, gibt es keine offizielle Regelung für Schulessen. Die DGE „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“ gibt Empfehlungen für eine gesunde und ausgewogene Mischkost aus. Ich kenne einige Schulen, die die optimierte Mischkost, nach den Empfehlungen der DGE, in der Schule praktizieren. Schauen Sie sich den Internetauftritt der jeweiligen Schulen an oder Sie sprechen persönlich das Problem mit der Schulleitung ab. Oft ist die Initiative der Eltern gefragt. Vielleicht können Sie sich mit anderen Eltern organisieren und mit der Schulleitung gemeinsam nach Möglichkeiten zur Veränderung suchen. Sprechen Sie auch mit Ihren Kindern über eine gesunde Ernährung. Beteiligen Sie die Kinder an der Herstellung und Umsetzung der Mahlzeiten. Entfachen Sie das Feuer für eine gesunde und ausgewogene Ernährung.
Mein Tipp, wenn nicht anders möglich:
Einen gesunden Ausgleich zum Mittagessen schaffen z. B.: wenn Pommes dann frische Gemüsesticks und ein Obstteil in die Butterbrotdose packen.
Als Pausenbrot eignen sich:
- Vollkornbrötchen mit Frischkäse, dazu Obst oder/und Gemüse
- Vollkornbrötchen mit Aufstrich und einer Scheibe Geflügelwurst oder Käse, dazu Tomate, Möhre und/oder Obst
- Vollkornbrot mit Frischkäse und Schnittlauchröllchen, dazu Cocktailtomaten
- auch mal Joghurt mit Früchten
Prävention für Grundschüler
Das Ernährungs-verhalten wird früh geprägt, gelernt und eingeübt. Im Grund-schulalter sind die Kinder besonders aufnahmebereit und Neuem gegenüber aufgeschlossen. ...weitere Informationen zum Projekt von Frau Jörgenshaus.






