Gefährliche Unterzuckerung: Was ist im Ernstfall zu tun
Experten-Chat mit Dr. Kröger

- Dr. med. Jens Kröger
Bis zum 16. Februar 2012 findet unsere Experten-Sprechstunde mit Dr. med. Jens Kröger zum Thema "Gefährliche Unterzuckerung: Was ist im Ernstfall zu tun" statt. Er beantwortet Ihre Fragen live am Donnerstag, den 16. Februar zwischen 17 und 19 Uhr.
Protokoll der Sprechstunde
Nina fragt:
Mein Mann und ich wünschen uns Kinder, doch es hat nie geklappt. Nun war ich bei einer Untersuchung wo festgestellt wurde, dass ich eine Insulinresistenz habe! Mein Arzt hat mir Metformin 500x3 verschrieben. Nun hatte ich mich in letzter Zeit nicht wohl gefüllt und ging zum Arzt. Ich muss jetzt Blutzucker messen. Seit 2 Tagen zeigt mir das Gerät, dass ich Unterzuckerung habe! Obwohl ich mich ausgewogen ernähre und weiterhin Metformin nehme. Kann das Gerät defekt sein?
Da mein Termin bei der Diabetologin erst in einer Woche ist, können Sie mir einen Tipp geben?
-hat die Unterzuckerung eventuell Einfluss auf ICSI, das wir wegen des Kinderwunsches gestartet haben?
-ist ggf. notwenig erstmal Zuckerhaushalt gut einzustellen (Insulinspritzen) bevor man ICSI startet?
Ich würde mich über Ihre Antwort freuen!
Dr. Kröger:
Liebe Frau R.!
Ich gehe davon aus, daß Sie ein PCO Syndrom haben . Laut Studienlage
hilft da Metformin um schwanger zu werden. Mit Metformin können Sie
nicht unterzuckern !!!
Im Berich von Blutzuckerwerten von 50-60 mg/dl sind immer Abweichungen
bei den BZ Geräten möglich. Machen Sie sich also keine Sorgen, dies
können keine Hypoglykämien sein. Sie haben ja auch keinen Diabetes,
wenn ich Sie richtig verstanden habe, also brauchen sie auch kein
Insulin. Gegen die ICSI spricht nichts.
Viel Glück !!!!
Dr. Kröger
Dieter H. fragt:
Ich hab von einem Rechtsurteil gelesen, wo Diabetiker bevor sie Auto fahren, ihren BZ kontrollieren müssen, sonst kann ihnen der Führerschein weggenommen werden. Ist das wahr? Und wo gilt diese Regelung – in ganz Deutschland?
Dr. Kröger:
Lieber Herr H.!
Die Regelung lautet, daß Sie darlegen müssen, daß Sie sicher Auto
fahren ohne Unterzuckerungen zu riskieren. Nun gibt es Tabletten für
Menschen mit Typ 2 Diabetes mit denen man nicht unterzuckern kann
(Metformin, Januvia,Galvus, Onglyza etc.) und Tabletten mit denen man
unterzuckern kann (Glibenclamid, Glimepirid und Repaglinide).
Unterzuckern kann man auch nicht mit den Spritzen Victoza, Byetta und
Bydureon (Inkretine für Typ 2). Menschen mit Typ 1 Diabetes brauchen
immer Insulin und Menschen mit Typ 2 Diabetes erst wenn die oben
aufgeführten Medikamente nicht mehr ausreichend wirken. Wenn also der
Blutzucker stabil eingestellt ist und keine Gefahr für Hypoglykämien
besteht, muss man auch nicht messen. Wenn man instabil eingestellt ist
sollte man sich vergewissern, daß keine Unterzuckerung droht und man
gewissenhaft Auto fahren kann. Ein Problem tritt immer erst dann auf
wenn z.B. im Auto eine Unterzuckerung eintritt und z.B. ein
Verkehrsunfall die Folge ist. Dann darf man aber auch nicht sofort den
Führerschein verlieren, sondern dann muss ein verkehrsmedizinisches
Gutachten erstellt werden, wo geguckt wird, ob Sie ihrer
Sorgfallspflicht durch regelmässige BZ Messungen nachkommen (wenn Sie
also Insulin spritzen, führen Sie bitte ein Tagebuch, handschriftlich
oder elektronisch !!!!!!!).Ist die Sorgfallspflicht gewährleistet
nimmt man Ihnen den Führerschein nicht weg. Sie können dabei den
Gutachter bestimmen der das Gutachten durchführen soll wenn etwas
passiert sein sollte. Auf der Seite der DDG/DiabetesDE finden Sie
erfahrene Dibetologen mit dieser Qualifikation.
Viele Grüße
Dr. Kröger
Svenja E. fragt:
Meine Tochter hat seit 2 Jahren Typ 1 Diabetes und jetzt 9 Jahre alt. In der Schule ist es nicht immer so einfach. Denn eine Pumpe wollte sie bisher nicht haben und beim Spritzen verrechnet sie sich hin und wieder. Zwei mal kam es auch schon vor, dass sie einen richtig schlimmen Unterzucker hatte. Den Lehrern in der Schule können wir diese Verantwortung nicht aufbürden. Wir würden uns gerne über einen Diabeteshund Gedanken machen. Aber könnte der dann auch mit in die Schule?
Svenja E.
Dr. Kröger:
Liebe Frau E.!
Bevor Sie sich Gedanken hinsichtlich eines Diabeteshundes machen, rate
ich Ihnen Folgendes. Besprechen Sie mit den betreuenden
Kinderdiabetologen, ob ein Blutzuckermessgerät wie das Freestyle
Insulinx oder Accuchek aviva expert eine Hilfe wäre. Hier gibt ihre
Tochter die BE/KE ein, die Sie essen möchte und das Gerät sagt ihr dann, wieviel Insulin Sie spritzen muss anhand der Voreinstellungen. Bitte
besprechen Sie auch nochmal, ob eine erneute Schulung für Sie und ihre
Tochter im Hinblick auf die Unterzuckerungen sinnvoll wäre. Ich halte
es auch für sinnvoll die Sie betreuenden Lehrer zu schulen, wenn diese
dahingehend bereit sind, was häufig nicht so einfach ist.
Viele Grüße
Dr. Kröger
Angela H.. fragt:
Betreff: schmerzende, taube Füße
Guten TAg,
können Sie mir sagen, ob man diese Taubheit in den Füßen behandeln kann und ob sie wieder weg geht? Bin für jeden Rat dankbar. Habe seit etwa 1,5 Jahren dieses pelzige und taube in den Füßen.
mfg. a.h.
Dr. Kröger:
Sehr geehrte Frau H.!
Wichtig ist, daß die richtige Diagnose gestellt wird. Sollte es sich
um eine sensible diabetische Polyneuropathie (Nervenstörung) handeln,
so können die von Ihnen beschriebenen Symptome durch eine gute
Diabeteseinstellung gelindert werden bzw. ganz zum verschwinden
gebracht werden. Wenn bereits eine gute Diabeteseinstellung besteht
kann man Medikamente wie z.B. Lyrica oder Duloxetin bei bestehenden
Schmerzen einsetzen. Diese Medikamente können die Beschwerden lindern,
die Störung am Nerven jedoch nicht beseitigen.
Viele Grüße
J. Kröger
Thomas S. fragt:
Lieber Herr Kröger,
ich bin Typ 1 Diabetiker und leidenschaftlicher Fastnachter. Ich gehe gerne mit meinen Freunden weg und feiere. Aber als Diabetiker hab ich es nicht so leicht. Um Probleme mit Unter- und Überzucker zu vermeiden, trinke ich so gut wie keinen Alkohol und esse keine Kamelle. Aber wie es so ist, wird einem ständig etwas angeboten udn man muss mit allen anstoßen. Hier bin ich bei Fremden dann immer der Spaßverderber und werde nicht selten schikaniert. Wissen Sie als Experte, der sicher mit vielen Diabetikern redet, wie man solchen Sprüchen begegnet? Man wird ja eher durch den sozialen Druck schwach, als dass man selbst die fehler macht.
Viele Grüße
Thomas S.
Dr. Kröger:
Lieber Herr Schmidt !
Lassen Sie sich bitte nicht von der Fassnacht-Feier abhalten. Ich
denke, dass Menschen während der Feier kein Interesse daran haben zu
erfahren, warum Sie mit Kamellen und Alkohol vorsichtig sind. Jedwede
Begründung interessiert Sie nicht, egal was Sie sagen. Sie wollen halt
wie Sie feiern. Es spricht auch aus meiner Sicht nichts dagegen
kleinere Mengen an BE in Form von schnellen BE zu essen und auch in
überschaubaren Rahmen Alkohol zu trinken (Sie könnten ja auch einen
Flachmann mit Selter zum anstoßen bei sich führen). Lassen Sie einfach
ihren Blutzucker in der Zeit der Fassnacht höher, wenn es ein paar
Tage sind schadet es nichts.
Viel Spass
Dr Kröger
Michael R. fragt:
Betreff: Ende der Einzelmessungen in Sicht?
Hallo,
mich interessiert brennen die Frage, wie der Stand der Technologieentwicklung ist. Wird es bald Messsensoren geben, die sowohl eine Verschiebung in Richtung Unterzucker als auch Überzucker anzeigen? Inwieweit haben Pharma-Unternehmen überhaupt ein Interesse an an diesbezüglicher Forschung und Entwicklung, wo doch über Jahre hinweg mit Einzelmessungen die größten Gewinne eingefahren werden?
Danke & LG aus Karlsruhe
Dr. Kröger:
Lieber Herr R.!
Diese sogenannten CGMS Systeme gibt es bereits seit vielen Jahren
(z.b. den Navigator von der Firma Abbott oder das Realtime System von
Medtronic) und sind zuletzt immer ausgereifter geworden.Diese Geräte
messen im Unterhautfettgewebe den Blutzucker alle 5 Minuten und
übertragen diese Werte auf ein Gerät, welches man bei sich trägt. Da
die Messung aber keine Blutzucker-Messung ist, entsprechen die Werte
den gemittelten Werten über 15 Minuten und man kann sehr gut Trends der
Blutzuckerentwicklung nach oben wie nach unten sehen. Dies ist
insbesondere sehr hilfreich wenn Menschen mit Diabetes Probleme bei
Unterzuckerungswahnehmungsstörungen haben. Leider ist es bis heute
nicht im Hilfsmittelverzeichnis aufgenommen worden und somit werden
die Kosten nicht von der Krankenkassen übernommen. Wenn jemand
Probleme mit Unterzuckerungswahrnehmungsstörungen hat, sollte man nach
entsprechenden Hypoglykämieschulungen ggf. einen Antrag bei der Kasse
hinsichtlich einer Einzelfallentscheidung stellen.
Viele Grüße
Dr. Kröger
Michael fragt:
Betreff: Paradigmenwechsel bei der Diabetes-Diagnostik
Lieber Herr Dr. Körger,
Die Antwort ist für mich nicht wirklich befriedigend. Wahrscheinlich habe ich aber auch die Frage nicht hinreichend genau formuliert, daher versuche ich es nochmal.
Sie haben ja selbst schon geschrieben, dass die CGM *nicht* von den Kassen übernommen wird. Und wenn es diese Systeme schon "jahrelang" gibt, warum sind sie bisher offenbar sowohl für Kassen als auch (um so mehr) für den einzelnen Patienten UNBEZAHLBAR. Es geht mir nicht um Unterzuckerwahrnehmungsstörungen, sondern um ein Umdenken bei den Pharma-Unternehmen. Wie wäre es denn mit einer Entwicklung eines Armreifs, der Alarm schlägt, sobald man in Unter- oder Überzucker-Regionen kommt? Um einfach die Lebenszeit und vor allem gesunde Lebenszeit zu verlängern. Ständige BZ-Schwankungen machen die Blutgefäße über die Jahre kaputt, wie sie wissen. Nur wie können die Pharma-Unternehmen motiviert werden, in diese Richtung zu forschen? Es ist ganz gewiss *nicht* die Frage technischer Unmöglichkeiten.
Mein Diabetologe weiß bisher keine Antwort. Und das finde ich sehr, sehr traurig.
Dr. Kröger:
Lieber Herr R.!
Wie Sie vielleicht wissen gab es vor Jahren bereits eine "Uhr" fürs
Handgelenk die für die Blutzuckermessenung konzipiert war. Die Uhr
stand kurz vor der Markteinführung hatte aber erhebliche technische
Probleme z.B. mit Hautreizungen und ungenauen BZ-Werten, sodaß die
Firma aufgegeben hatte. Wir sind aber jetzt auf einem super Weg, da
die neuen Systeme wirklich gut sind. Es gibt immer mehr Studien die
den Nutzen darstellen, sodaß ich sehr hoffe, daß wir zunächst
erreichen können , daß die Systeme wie bei Hypoglykämiewahrnehmungsstörungen verordnungsfähig werden. Hier gibt
es bereits einzelne Sozialgerichtsurteile, eins wurde vor ein paar
Wochen im Diabetesjournal und bei DiabetesDE veröffentlicht. Dies ist
für mich, der seit Jahren für diese Systeme für die Patienten kämpft,
in der heutigen Zeit schon mal ein Fortschritt. Ihr Wunsch ist zur
Zeit politisch !!!!!! noch nicht umsetzbar. Wir müssen den GBA
überzeugen, nicht die Pharmaindustrie, die haben die Produkte, hinsichtlich
des Preises haben wir keinen Einfluss. Helfen Sie uns in unserer Arbeit
und unterstützen DiabetesDE als aktives Mitglied, das wäre toll.
Viele Grüße
Dr. Kröger
Jana fragt:
Betreff: Epileptischer Krampfanfall - immer Krankenwagen, wie Traubenzucker einflößen?
Sehr geehrter Herr Kröger,
mein Mann leidet unter Diabetes 1 und merkt Unterzuckerungen normalerweise selbst "recht" früh. Zwischendurch kommen allerdings auch Werte von 34 o. Ä. zu Stande.
Einmal hat er es allerdings nicht rechtzeitig gemerkt und hat einen epileptischen Krampfanfall bekommen - natürlich wurde der Krankenwagen gerufen und ich bin panisch umhergerannt, um ihm noch vorher Traubenzucker einzuflößen - was allerdings nicht geht, wenn er nicht ansprechbar ist und auf nichts reagiert.
Im Krankenwagen ist er wieder zu sich gekommen und im Krankenhaus hat er letzten Endes lediglich ein Glas Apfelsaft bekommen.
Kann ich davon ausgehen, dass er bei einer derart gefährlichen Unterzuckerung immer einen Krampfanfall bekommt oder kann es auch anders sein?
Laufen solche Krampfanfälle immer gleich ab? Würde es sich empfehlen, ihm dann einfach ein Stück Traubenzucker in die Wangentasche zu legen (wo er ihn nicht inhalieren kann) und zu warten oder gibt es bessere Methoden?
Fraglich ist auch, ob er jedes Mal einen Krankenwagen benötigt - allerdings möchte ich kein Risiko eingehen und hoffe daher auf Ihre Expertenmeinung.
Vielen, vielen herzlichen Dank im Voraus!
Mit besten Grüßen
Jana G.
Dr. Kröger:
Sehr geehrte Frau G.!
Ihr Ehemann hat schwere Unterzuckerungen mit Bewußlosigkeit. Bei
diesen Zuständen muss es nicht immer zu Krampfanfällen kommen. Wenn er
bewußtlos ist sollten Sie ihm jedoch auf keinen Fall Traubenzucker
oder Getränke einflösen, da seine Schutzreflexe nicht mehr da sind.
Sie haben dann die Möglichkeit ihm ins Unterhautfettgewebe Glucagon
(Name Glucagen Hypokit) zu spritzen (so wie er sich auch das Insulin
spritzt). Mit 1 Ampulle kann der Blutzucker um ca. 30-40 mg/dl gehoben
werden. Der behandelnde Diabetologe oder Hausarzt kann ihm das
verschreiben. Ich würde Ihnen sehr empfehlen sich hinsichtlich dessen
einmal schulen zu lassen.
Viele Grüße
Dr. Kröger
Kati fragt:
Betreff: immer öfter auftretende Blackouts
Hallo, ich habe ein riesen Problem. Seit 2003 bin ich Diabeteker Typ 2. Ich spritze 3 mal zu den Mahlzeiten und zur Nacht Langzeitinsulin, desweiteren nehme ich noch 2 mal Metformin 1000mg, und wegen HWS Schmerzen Jurnista 8mg. Nun habe ich seit letztem Jahr dauernde Blackouts. Als dies das 1.mal auftrat, konnte ich einen kompletten Tag aus meinem Leben streichen, ich weiss nichts mehr, die anderen male hatte ich kürzere Blackouts, so über 2-3 Stunden. Meine Familie meinte ich hätte mich äusserst komisch benommen und Sachen gemacht, die ich sonst nie gemacht hätte, wie z.B. extrem scharfe Sosse aufs Brot geschmiert und das ne halbe Stunde lang. Solche Aussetzer habe ich seit dem immer öfter mal, ich komme dann extrem langsam wieder zu mir-wo ich dann wieder alles mitbekomme. Ich bin nicht bewusstlos oder ähnliches. Das macht mir äusserst Angst und ich weiss nicht mehr weiter. Neurologisch hab ich es schon abgeklärt, das ist alles iO. meine Hausärztin meinte, es könnte vom Diabetes herkommen und die Neurologin meinte dies auch, aber ich sei zu jung dafür. Diesen Satz kann ich schon nicht mehr hören. Ich hab nun mal die Probleme, auch wenn ich noch nicht im Seniorenalter bin. Ich hab Angst, dass ich irgendwann mal irgendwo wieder zu mir komme und ich nicht weiss, wie ich dorthingekommen bin. Was könnte das sein. Diese Blackouts machen mir enorme Angst, und keiner kann mir gross helfen.
Vielleicht können Sie mir ja helfen.
MfG Kati
Dr. Kröger:
Liebe Frau B.!
Das was Sie eindrucksvoll schildern, können durchaus Unterzuckerungen
(Hypoglykämien) sein. Ich rate Ihnen daher mit ihrem Arzt die weitere
Abklärung hinsichtlich dessen zu besprechen. Zunächst würde ich Ihnen
raten, eine 6-7 tägige Blutzuckermessung bei einem Diabetologen
durchführen. Bei dieser sogenannten CGMS Untersuchung wird der
Blutzucker im Unterhautfettgewebe (eine kleine Nadel wird in den Bauch
gepikst, wie beim Insulin spritzen) alle 5 Minuten gemessen und
aufgezeichnet (bei manchen Geräten können Sie auch die Werte sehen).
Dadurch kann man versteckte Unterzuckerungen, die Sie nicht als solche
gemerkt hätten, aufdecken.
Viele Grüße
Dr. Kröger
Kati:
Hallo,
rechtherzlichen Dank für die Antwort. Das werde ich machen.
MfG Kati
Natalie fragt:
Betreff: Fasnachtsküchle
Eine Frage - ich als Laie und nicht Diabetikerin: wie viele Berliner/Fasnachtsküchle darf man denn als Diabetiker essen?
Dr. Kröger:
Liebe Frau S.!
Soviel man will, aber es müssen zusätzliche Tabletten und/oder Insulin
gegeben werden. Wenn man das mal macht gibt es da keine
Einschränkungen, wenn man es ständig macht ist es nicht gut fürs
Gewicht und man sollte es wie jeder Mensch der keinen Diabetes hat
unterlassen.
Viele Grüße
Dr. Kröger
Werner S. fragt:
Betreff: Warum werden Medikamente die zu Unterzuckerungen führen können verschrieben?
Sehr geehrter Herr Dr. med. Kröger,
ich finde Unterzuckerungen ein Thema, das jeden Diabetiker und dessen Angehörige, interessieren müßte. Damit der Betroffene und dessen Angehörigen im Ernstfall auch wissen was zu tun ist. Traubenzucker o. ä. sollte man als Diabetiker immer dabei haben. Bei niedrigem HbA1C Wert kann es eher zu Unterzuckerungen kommen. Bei einem HbA1c Wert von 5,50 hatte ich ab und an Unterzuckerungen. Mein vorletzter HbA1C Wert lag bei 5,72. Hier hatte ich seltener Unterzuckerungen. Mein letzter HbA1c Wert, mein bisher höchster, war 6,36. Unterzuckerungen hatte ich dabei keine. Am Montag dieser Woche beim Hausarzt, der auch gleichzeitig mein Diabetologe ist, wurde mir dieser Wert von 6,36 mitgeteilt. Meine Diabetes Medikamentation Metformin 2 x 1000 mg und 2 x 1,75 mg Glibenclamid, Bisoprolol 10 mg gegen Bluthochdruck, und Simva Basic 20 mg wegen der erhöhten Blutfettwerte. Mir stellt sich die Frage warum man eigentlich die Glipenclamid nicht durch andere Diabetes Medikamente, die keine Unterzuckerungen hervorrufen, ersetzt.
Wie ich gelesen habe rufen z. B. Alpha-Glukosidasehemmer und Inkretin-Analoga sowie Inkretin-Verstärker (DPP-4-Inhibitoren) keine Unterzuckerungen hervor. Mir stellt sich die Frage warum man nicht verstärkt versucht, bei Diabetikern Typ 2 die bisher Sulfonylharnstoffe einnehmen, auf diese anderen Wirkstoffe auszuweichen.
Was meinen Sie dazu?
Vielen Dank für Ihre Antwort im Voraus.
DMP Teilnahme, 2 x Jährlich zum Augenarzt, ABO Diabetes Journal, Mitgliedschaft im Diabetikerbund und in Diabetesde sind für mich als Diabetiker selbstverständlich. Alle 4 - 5 Wochen kommt zu meiner Frau und mir eine Podologin ins Haus. Mit der Gewichtsreduzierung tue ich mir schwer, 96 kg bei 1,67 cm sind halt zu viel.
Werner
Dr. Kröger:
Lieber Herr S.!
Medikamente wie Metformin, Sulfonylharnstoffe und Insulin sollen nach
dem Willen des Gemeinsamen Bundesausschußes (GBA), dieser bewertet
zusammen mit dem IQWIG Institut medikamentöse Therapien, vornehmlich
eingesetzt werden. Die Begründung hierfür ist, daß es hierfür
sogenannte Endpunktstudien gibt. Diese Studien zeigen die Wirksamkeit
hinsichtlich sogenannter harter Endpunkte wie Verhinderung des
Schlaganfalles, Herzinfarktes etc. Für die neueren Medikamente wie DPP
IV Inhibitoren und Inkretine gibt es diese Studien noch nicht, laufen
aber zur Zeit. Viele Ärzte scheuen sich auch diese Medikamente
aufzuschreiben, da Sie deutlich teurer sind. Aus meiner Sicht wäre
aber bei Ihnen und ihrem Übergewicht auf der Grundlage einer
Diabetesschulung, gesunder Ernährung und regelmäßiger Bewegung eine
Therapie mit einem Inkretin und Metformin sehr sinnvoll, da es Sie bei
der Gewichtsabnahme unterstützen würde und Sie keine Hypoglykämien
bekommen können. Es dürfen natürlich keine Kontraindikationen bei
Ihnen hinsichtlich dieser Medikation bestehen.
Hinsichtlich der Blutzuckerteststreifen hat der GBA entscheiden, dass
ab dem 01.10.2011 grundsätzlich keine Blutzuckerteststreifen mehr bei
Tablettentherapie und oder Inkretinen bei stabiler Stoffwechsellage
!!!! verschrieben werden dürfen. Sinnvolle Ausnahmen haben wir auf der
Homepage von DiabetesDE dargestellt, d.h. wenn eine instabile
Stoffwechsellage besteht, wie in ihrem Fall mit dem Glibenclamid,
können 50 Teststreifen pro Quartal verordnet werden. Ich kann Ihnen
aber nur raten, ihre Therapie verändern zu lassen wie bereits
geschrieben, dann haben Sie kein Hypoglykämierisiko mehr. Übrigens
ein HBA 1 c von < 6,5 % sollte nach den sinnvollen europäischen, d.h.
auch deutschen Leitlinien angestrebt werden ohne dass es Hypoglykämien
und Gewichtszunahme unter medikamentösen Therapien kommt. !!!!! Es
muss nicht unbedingt ein HBA 1 c von 5,8 % sein.
Viele Grüße
Dr. Kröger
Werner S. fragt:
eine Ergänzung, weitere Frage.
Zu meiner obigen Frage, die bereits veröffentlicht wurde, möchte ich noch etwas anmerken bzw. Fragen.
Gestern Mittag gegen 14 Uhr ging es mir nicht gut, zittrig, unruhig, fahrig, ganz weis im Gesicht. Da ich noch andere Krankheiten habe, die ich nicht aufgeführt habe, dachte ich, dass es damit zusammen hängt. Leider bin ich nicht gleich auf den Gedanken gekommen, dass dies mit dem Blutzucker zu tun hat, da ich in letzter Zeit keine bzw. kaum Unterzuckerungen hatte, trotz Einnahme von Glibenclamid mit jeweilt 1,75 mg Morgens und Mittags.
Nach dem Messen bin ich zuerst auf 35 gekommen, kurz danach auf 40. Ich habe einem Traubenzucker und danach süße Bonbons gegessen. Eine Stunde später, gegen 15 Uhr hatte ich 100 und ich war auf dem Wege der Besserung. Manchmal Mittags geht es mir nicht so gut, dann ruhe ich mich etwas aus bis es mir wieder besser geht. Ich fürchte nun, dass ich - entgegen meiner bisherigen Annahme - ab und an doch Mittags nach dem Mittagessen Unterzuckerungen habe, die ich bisher leider noch nicht als solche erkannt habe. Ich werde dies beobachten und verstärkt - bei Bedarf - den Blutzucker messen. Wenn ich bedenke, dass ich laut meinem Hausarzt, der auch gleichzeitig mein Diabetologe ist, bei dem letzten Besuch nicht notwendig für mich wäre Blutzucker zu messen. Dann verstehe ich das ganze nicht mehr. Menschen die Diabetes Tabletten einnehmen, die zu Unterzuckerungen führen können, bleibt gar nichts übrig wie mindestens bei Bedarf den Blutzucker zu messen. Desweiteren finde ich ein Wochenprofil zu machen, auch für Diabetiker Typ 2, mit Sulfonylharnstoffen wichtig und richtig. Bisher wurde ich von meinem Hausarzt/Diabetolgogen angehalten ein Wochenprofil zu erstellen beim Blutzucker regelmäßig zu erstellen. Wieso soll das jetzt nicht mehr stimmen? Wieso soll jetzt kein Wochenprofil mehr notwendig sein? Meine HbA1c Wert hat sich vom vorletzten auf den letzten Wert von 5,72 auf 6,36 verschlechtert, nicht verbessert. Bei Bedarf und auch vor dem Auto fahren ist es angesagt den Blutzucker zu messen. Zu dem Befinden sich auf den Beipackzetteln von Glibenclamid und anderen Sulfonylharnstoffen der Vermerk, dass der Blutzucker regelmäßig zu überprüfen ist. Allerdings ist damit NICHT die vierteljährliche Blutzuckeruntersuchung beim Hausarzt oder Diabetologen gemeint. Das steht auch gut beschrieben auf den Beipackzettel von Sulfonylharnstoffen.
Was kann man noch tun damit solche Unterzuckerungen möglichst nicht mehr vorkommen?
Sollte ich meinem Hausarzt/Diabetologenden den Vorschlag machen mir andere Diabetes Medikamente zu verschreiben? Medikamente die nicht zu Unterzuckerungen führen?
Wenn ja welche Medikamente würden Sie vorschlagen?
Was meinen Sie dazu?
Svenja E. fragt:
Meine Tochter hat seit 2 Jahren Typ 1 Diabetes und jetzt 9 Jahre alt. In der Schule ist es nicht immer so einfach. Denn eine Pumpe wollte sie bisher nicht haben und beim Spritzen verrechnet sie sich hin und wieder. Zwei mal kam es auch schon vor, dass sie einen richtig schlimmen Unterzucker hatte. Den Lehrern in der Schule können wir diese Verantwortung nicht aufbürden. Wir würden uns gerne über einen Diabeteshund Gedanken machen. Aber könnte der dann auch mit in die Schule?
Svenja E.
Dr. Kröger
Matthias D. fragt:
Hallo Dr. Kröger,
seit 3 Wochen nehme ich Glimperid. Für meinen Zucker schien es erst OK. In letzter Zeit ist er aber immer wieder sehr niedrig, was will heißen um die 70. ich weiß, das eigentlich noch kein Unterzucker, aber ich fühle mich schon etwas unwohl, zittrig und schwitze. Vielleicht bilde ich mri das ja nur ein, wenn ich den Wert sehe. Ich nehme morgens 3mg ein zum Essen. Würde das nur ungern wechseln, weil ich auch schon etwas abgenommen und ansonsten sehr zufrieden bin. Falls Sie eine gute Alternative wissen oder mir sonst etwas raten können? Grüße Matthias D.
Dr. Kröger:
Lieber Herr D.!
Die von Ihnen beschriebenen Hinweise sind Symptome der Unterzuckerung
(Hypoglykämie). Diese Symptome können auch bei manchen Menschen
auftreten wenn die Grenzwerte (unter 50 bzw. 60 mg/dl) noch nicht
unterschritten sind, wie bei Ihnen. Hinsichtlich der
Therapiealternativen, diese gibt es, ist wichtig zu wissen wie lange
Sie Diabetes haben und wie ihre Größe und ihr Gewicht sind.Vielleicht
möchten Sie mir nochmal diese Daten mailen.
Viele Grüße
Dr. Kröger


