Mit Diabetes leben lernen
Experten-Chat mit Prof. Dr. Karin Lange

- Prof. Dr. Karin Lange
Am Donnerstag, den 19. Januar 2012 findet unsere Experten-Sprechstunde mit Prof. Dr. Karin Lange zum Thema "Mit Diabetes leben lernen" statt. Sie beantwortet Ihre Fragen live zwischen 17 und 19 Uhr.
Ralf L. fragt:
Betreff: Unterzucker
Ich bin 56 und komme immer mal wieder in den Unterzucker, weil ich abgelenkt bin, wenn ich zum Beispiel mit meinem Enkel spiele. Bei einem Wert um die 62 gönne ich mir dann 2 Traubenzucker und einen Schokoriegel. Danach brauche ich aber mindestens eine Stunde, bis ich wieder fit bin. Ist das lange?
Mit freundlichen Grüßen
R. Lohaus
Professor Lange:
Lieber Herr Lohaus,
eine Stunde ist zu lange, um nach einem Wert von 62 wieder fit zu
werden, das sollte noch 10 Minuten geschehen sein. Der Traubenzucker
ist schon sehr schnell, mit etwas Flüssigkeit wird es noch schneller
gehen. Der Schokoriegel ist sehr langsam und hilft höchstens, dass Sie
später nicht noch eine Hypo bekommen.
Wie schnell der Traubenzucker wirkt, hängt auch davon ab, wie viel und
was Sie vorher gegessen haben. Dann ist Flüssigkeit noch hilfreicher.
Fazit: Immer Traubenzucker in der Hosentasche, wahrscheinlich lieber
etwas mehr als 2 Stücke und nach 10 Minuten und nach 20 Minuten
messen, ob Sie ausreichend angestiegen sind. Dann können Sie
einschätzen, wie schnell der Traubenzucker wirkt.
Mit freundlichen Grüßen
ihre
K. Lange
Sonja E. fragt:
Betreff: Alltag mit Pumpe
Wir haben vier Kinder, bei unserem Jüngsten (2) ist völlig überraschend Diabetes Typ 1 festgestellt worden. Er kam sofort in die Klinik und hat sofort eine Pumpe bekommen. Unser Alltag ist ziemlich stressig. Meine Frau und ich arbeiten voll und die Kinder werden von einer Tagesmutter versorgt. Die Gewöhnung an die Pumpe ist nicht ganz leicht für ihn. Ab und zu ist der Schlauch abgeknickt und wir haben es erst bemerkt, als unser Sohn bereits ziemlich unterzuckert und nur noch am heulen war. Einfach mal so mit den Geschwistern rumtoben überanstrengt ihn und er braucht sehr viel Schlaf. Was können wir tun, um ihm das Leben ein wenig zu erleichtern? Geht das allen kleinen Kindern so? Ist für sie die Pumpe wirklich die beste Lösung?
Mit freundlichen Grüßen
Sonja E.
Professor Lange:
Liebe Frau Ebert,
ob eine Insulinpumpe die beste Methode für ein kleines Kind ist,
können nur die Eltern zusammen mit dem Kinderarzt entscheiden. Die
wissenschaftlichen Daten und Erfahrungen zeigen aber, dass sie im
Vergleich zur Spritzentherapie erfolgreich und weniger belastend für
die meisten Kinder ist. Kleine Kinder brauchen sehr oft am Tag winzige
Mengen, die schwer so genau aufgezogen werden können, über Nacht
gelingt es meist gar nicht, die winzige Menge Basalinsulin so zu
geben, dass sie dann wirkt, wenn sie soll. Dadurch kam es früher sehr
viel häufiger zu schweren Hypos bei kleinen Kindern als heute.
Trotzdem ist die Belastung der kleinen Kinder und ihrer Eltern sehr
hoch und die Leistungen der ganzen Familie sind hoch anzurechnen.
Einige Erfahrungen von Müttern (eine habe ich gerade heute für das
Diabetes-Eltern-Journal interviewt) so kleiner Kinder mit Diabetes
können Sie vielleicht etwas positiver in die Zukunft sehen lassen. Die
Schwierigkeiten mit Ihrem kleinen Sohn sind alterstypisch (Trotz,
unkontrolliert sein,....) Die meisten kleinen Kinder machen mit etwa 3
Jahren einen großen geistigen Sprung, werden berechenbarer und
zuverlässiger und wollen alles richtig machen. In dieser Phase wird es
etwas einfacher mit dem Diabetes, sie können schon für ein paar
Stunden in den Kindergarten gehen,.....noch etwas älter kann man sich
recht gut auf sie verlassen. Die andere Mutter erzählte auch von
Pumpenschwierigkeiten, und sie hatten in Absprache mit dem Kinderarzt
eine Pause gemacht. Als der 4jährige dann einen anderen Jungen mit
einer Pumpe kennen lernte, wollte er auch eine haben und die trägt er
eisern bis heute (12Jahre) und ist sehr gut und normal entwickelt.
Die Mütter berichteten auch, dass gerade kleine kinder sehr auf die
seelische Stimmung der Eltern reagieren. Als sie es geschafft hatten,
sich nicht mehr ständig Vorwürfe zu machen und gelassener zu werden,
wurden auch die Kinder ruhiger im Umgang mit den nötigen Therapie. Der
Austausch mit anderen Eltern in gleicher Situation war dabei extrem
hilfreich. Manchmal sind es ja die kleinen Tipps, die im Alltag
weiterhelfen.
Mein abschließender Rat: bitte besprechen Sie mit Ihrem
Kinderdiabetologen die Vor- und Nachteile der Pumpe offen, denn nur
Eltern können sich ein wirkliches Bild vom Alltag eines bestimmten
Kindes machen.
Ich wünschen Ihnen viel Kraft für die Versorgung Ihrer großen Familie,
Adressen vieler Selbsthilfegruppen für Eltern kleiner Kinder mit
Diabetes finden Sie unter www.diabetes-kids.de
Ihre
Karin Lange
Klaudia:
Liebe Frau Lange,
ich habe einen sehr stressigen Job und komme häufig nicht zum Essen oder vergesse es schlichtweg. Seit etwa 5 Monaten habe ich die Diagnose Diabetes. Ich leide permanent unter Unterzuckerung weil ich es einfach nicht bewerkstelligt bekomme, meinen Job und das regelmäßige Kontrollieren unter einen Hut zu bekommen. Mein Diabetologe mahnt mich auch immer wieder an. Können Sie mir einen Tipp geben, wo ich mir professionelle Hilfe suchen kann? Ich weiß nicht mehr weiter und kann mit dieser Erkrankung einfach nicht umgehen.
Vielen Dank und freundliche Grüße
Klaudia D.
Professor Lange:
Liebe Klaudia,
Sie haben erst 5 Monate Diabetes und ich kann mir vorstellen, dass die
ganze Therapie mit einem stressigen Job schwer zu vereinbaren ist. Man
(viele) brauchen fast ein Jahr, um in eine gute Routine zu kommen.
Dazu ist zunächst wichtig, dass Sie sich entschließen, sich um den
Diabetes kümmern zu wollen und nicht mehr zu müssen. Das hört sich
trivial an, ist aber entscheidend. Solange man muss und eigentlich
nicht will, findet man immer wieder gute Gründe, warum bestimmte Dinge
nicht gehen (besonders intelligente und erfolgreiche Menschen, denen
der Diabetes überhaupt nicht ins Leben passt, sind hier sehr kreativ).
Wahrscheinlich finden Sie es immer noch unfair, dass es Sie getroffen
hat - es ist auch unfair - aber leider lässt es sich nicht ändern. Sie
haben nichts falsch gemacht und trotzdem kam der Diabetes. Vielleicht
sprechen Sie einmal mit Menschen, die lange und gut mit Diabetes
leben. Diese sind meist keine "Berufsdiabetiker", die kein anderes
Thema kennen, sonst ganz pragmatisch. So wie sie ihren stressigen Job
organisieren und von Routine profitieren, so managen sie auch den
Diabetes. Morgens alles mitnehmen, was man für 3 Tage braucht - es
könnte ja plötzlich ein wichtiger Termin in London kommen, und man
muss hin - also kein Schritt ohne Streifen, Insulin,....und Sie wissen
ja. Sie gehen ja auch nicht ohne Handy aus dem Haus. Diabetestherapie
wird zur Routine, wenn man sich gut auskennt, man spritzt nur dann,
wenn man sicher etwas isst - diese Freiheit erlaut die intensivierte
Therapie mit Spritze oder Pumpe.....hier könnte ich jetzt ganz viele
Tipps geben - aber das entspricht eher einem Schulungsprogramm für
Profis. Diese Trainings können Sie auch stationär in den großen
Diabeteskliniken machen und dort auch mit auf Diabetes spezialisierten
Psychologen über Ihre Motivation sprechen (z. B. in Quakenbrück, Bad
Mergentheim, Bad Oeynhausen oder anderen, s. DiabetesDE) Gerade als
"anfängerin möchte ich Ihnen empfehlen, schnell einen solchen
Profikurs zu besuchen, um wirklich eine Chance zu haben, mit dem
Diabetes weiter erfolgreich und belastbar bei guter Lebensqualität zu
bleiben.
Viel Erfolg
Ihre
Karin lange
Karin fragt:
Liebe Frau Lange,
haben Sie vielen Dank für die aufbauenden und hilfreichen Worte. Ich denke, dass es tatsächlich das beste sein wird von Neuem zu starten und einfach eine stationäre Diabetesschulung zu machen, wie Sie sagten. Wird das von der Krankenkasse bezahlt und wird man da krankgeschrieben? Wie lange dauern diese Aufenthalte etwa und kann man das dem Arbeitgeber gegenüber rechtfertigen? Ich arbeite in einer Werbeagentur, wo die Toleranz hiefür wahrscheinlich nicht sehr hoch ist...
MfG
Klaudia D
Professor Lange:
Liebe Klaudia,
in einigen Kliniken (z. B. Bad Mergentheim gibt es Kurse (ca. 10 Tage
für Pat. mit "Motivationsproblemen" - keine Angst das ist kein Stigma,
wo man den Diabetes von der Pieke auf lernt. Schauen Sie mal ins Netz.
Hier können Sie sich beraten lassen, was für eine Einweisung
erforderlich ist. Das wäre ein Aufenthalt in einer Akutklinik, der von
der Kasse bezahlt wird. Den Termin können Sie steuern. Aus meiner
Sicht ist so ein Profistart bei Diabetes unverzichtbar - in Ihrem
Beruf macht man sicher auch für viel kleinere und einfachere Jobs
ausführliche Kurse bis man beim Kunden präsentieren darf. Diabetes ist
richtig kompliziert und anspruchsvoll, aber wenn man's kann, wird er
Routine und alle Jobs sind möglich und man ist leistungsfähig. Ohne
dieses knowhow bleibt man weit unter seinen Möglichkeiten - Vielleicht
ist es unpassend, aber wir haben in den letzten Jahren mit einer guten
Werbeagentur ein Schulungsprogramm für Jugendliche mit Diabetes
entwickelt. viele Diabetologen, die junge Erwachsene betreuen, setzen
es auch ein - selbst wenn manche Geschichten der Pubertierenden nicht
ganz passen. Aber darin finden Sie alle Alltagstipps und wichtigen
Therapieprinzipien Schritt für Schritt erklärt. Das könnte ein erster
Start sein (s. Diabetesschulungsprogramm für Jugendliche Verlag
Kirchheim). Die Rückmeldung einer Fachfrau würde mich freuen.
Ihre
K. Lange
Svenja fragt:
Mit Anfang 20 bin ich an Diabetes Typ 1 erkrankt. Damit nicht genug. Nach und nach kamen Lebensmittelallergien, Heuschnupfen und Hashimoto dazu. Vor allem die Lebensmittelunverträglichkeiten (Laktose, Hülsenfrüchte, Nüsse etc.) erschweren eine ausgewogene Diabetes-Diät. Ich bin eigentlich nur noch mit Arztgängen beschäftigt und nehme Medikamente gegen alles Möglich ein. Jetzt habe ich Angst, dass mit der Zeit noch mehr Allergien od. Autoimmunerkrankungen hinzukommen. Muss ich mir da wirklich Sorgen machen? Wo kann ich mir noch Rat holen? Mein Diabetologe scheint da irgendwie überfragt zu sein.
Professor Lange:
Sehr geehrte Svenja,
Sie haben wirklich mit sehr vielen Beeinträchtigungen gleichzeitig zu
kämpfen. Leider ist es bekannt und auch häufiger als man allgemein
denkt, dass Diabetes nur eine von mehreren Autoimmunerkrankungen ist,
die einen Menschen gleichzeitig betreffen können. Im Prinzip sind Sie
von den wichtigsten (Schilddrüse, Heuschnupfen und
Lebensmittelunverträglichkeiten - Zöliakie?) betroffen. Wenn Sie sich
genauer zu Ihrem Allergieproblemen und dem beeinträchtigten
Immunsystem informieren und beraten lassen möchten, sollten Sie
gezielt Immunologische Zentren (Ambulanzen), die es an den meisten
großen Unis gibt, wenden. Dort gibt es meist auch Fachleute, die nicht
nur eine Erkrankung, sondern mehrere in Kombination betrachten. Dort
sind meist auch erfahrende Ernährungsberater, die sich mit Ihren
Besonderheiten auskennen.
Mit freundlichen Grüßen und besten Wünschen
Ihre
K. Lange
Nina fragt:
Ich bin 28 Jahre alt und seit 5 Jahren werde ich wegen Diabetes Typ 1 behandelt. Ich trage eine Pumpe und komme damit inzwischen gut zurecht. Momentan studiere ich und habe vor den Prüfungen immer viel zu tun. Leider kommt mir dabei immer wieder mein Körper in die Quere. Dann bin ich plötzlich nachmittags unheimlich müde und wenn ich mich hinlege, wache ich häufig erst nach 2-3 Stunden wieder auf, höre den gestellten Wecker nicht und bin danach natürlich erst recht gerädert. Mein Hausarzt wollte mich deshalb schon zur Diagnose in eine psychosomatische Klinik überweisen. Gibt es da auch eine weniger dramatische Lösung?
Professor Lange:
Sehr geehrte Nina,
eine direkte Beziehung zum Diabetes kann ich mir hier nicht
vorstellen. Ganz allgemein ist so ein Nachmittagstief oft die Folge
einer großen Mahlzeit, aber dass Sie dann so tief schlafen, wundert
mich schon. Allgemein wäre es sinnvoll nach Ihrer Schlafqualität in
der Nacht zu sehen, ggf. Hypos, die Sie überschlafen. Ich gehe davon
aus, dass Sie nachmittags nicht viel zu tief liegen. Sonst stellt sich
auch die Frage, wie konzentriert Sie am Stück lernen, irgendwann ist
bei jedem der Akku leer. Hier würde ich ein wenig genauer auf Pausen
und Bewegung zwischendurch achten. Wenn Sie ein wenig tiefer in das
Thema einsteigen wollen, lesen Sie mal das Buch zum Thema "Selfish
brain" von Achim Peter (Infos hier auf Diabetes DE), dort wird
gezeigt, wie das Gehirn beim Arbeiten und Lernen Unmengen von Glukose
verbraucht - dabei auch niedrige Glukosespiegel im Gehirn hat, während
man in der Peripherie, beim BG-Messen noch normal sein kann.
Sonst ist der Tipp Psychosomatik mit Blick auf Schlafverhalten und
Schlaftiefe sinnvoll - hier werden Zusammenhänge zwischen Stress und
körperlichen Symptomen systematisch untersucht.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre
K. Lange
Angelika S. fragt:
Betreff: abnehmen
hallo ich nehme seit ca 10 jahren tabletten und auch insulin .. habe 85kb bei 163cm größe .. würd gerne abnehmen .. kann jemand tipps geben ...?
Professor Lange:
Sehr geehrte Frau Angelika S.
Sie selbst schreiben, dass Sie gerne Gewicht reduzieren möchten und
dazu um Anregungen bitten. Damit das Gewicht dauerhaft sinkt, gibt es
leider keine schnellen und einfachen Rezepte. Beim mit Insulin und
Tabletten behandelten Diabetes gibt es vor allem die Lösung, sich
regelmäßig, d.h. täglich körperlich anzustrengen, z. B. eine Stunde
laufen oder stramm zu gehen, und dazu passend in Absprache mit Ihrem
Arzt die Tabletten und das Insulin zu reduzieren. Außerden gehört eine
ausgewogene Ernährung dazu. Auf der Seite von DiabetesDE finden Sie zu
beidem viele gute Anregungen. Da es meist sehr schwer ist, den inneren
"Schweinehund" zu besiegen, könnte Ihnen die Teilnahme an einem Kurs
für Menschen mit Übergewicht und Diabetes helfen, zu dem sich
regelmäßig mehrere Personen mit den gleichen Problemen treffen und
gemeinsam aktiv sind. Die Krankenkassen unterstützen diese Maßnahmen,
sodass meist keine oder nur geringe Kosten auf Sie zukommen. Es ist
wirklich nicht einfach, durchzuhalten, aber es lohnt sich, weil
dadurch nicht nur das Gewicht langsam sinkt, sondern meist auch die
Stimmung und Leistungsfähigkeit besser wird.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre
Karin Lange
Wiebke fragt:
Betreff: Frage zu Diabetes Einstellung
Hallo,
meine Omi hat Diabetes und wurde vor ein paar Monaten in einer Klinik auf Insulin eingestellt. Am Anfang hat alles geklappt, doch seit einiger Zeit erkenne ich meine Omi nicht wieder. Sie war immer ein Typ der viel gemacht hat und ständig unterwegs war, doch heute geht das alles nicht mehr. Sie ist sehr erschöpft und fühl sich nicht mehr wohl. Leider ist es auch so, dass sie nicht erneut in eine Klinik will. Ih habe bereits versucht mit ihr zu sprechen und gesagt, dass diese reaktion nicht normal sein kann. Also das denke ich mir zumindest, denn sich benötigt der Körper Zeit um sich einzustellen, jedoch kann ich mir nicht vorstellen, dass dieser Verlauf so richtig ist.
Ich habe sogar schon überlegt, ob ich ihre Ärztin anrufe und um einen Haustermin bitte, aber ich möchte meine Oma auch auf keinen Fall vor den Kopf stoßen. Ich habe nur Angst dass es ein schlimmes Ende nimmt und ich finde es schlimm, weil sie was ändern könnte! Sie sagt auch, dass sie sich an den Ernährungsplan hält usw. Haben Sie vielleicht eine Idee wie ich ihr klar machen kann, dass sie nochmal zu Arzt muss? Ich denke wenn sie das nicht selbst einsieht kann man erzählen sie viel man möchte.
ich danke Ihnen schon jetzt für Ihren Rat.
Liebe Grüße
Wiebke
Professor Lange:
Liebe Wiebke,
erst mal ein großes Kompliment, dass Sie sich so um Ihre Großmutter
sorgen. Sie haben recht, allein durch eine Insulinbehandlung kann es
eigentlich nicht zu solchen Veränderungen kommen. Deshalb sollte auf
jeden Fall ärztlich untersucht werden, ob z. B. eine andere Erkrankung
hinzugekommen ist oder die Insulinbehandlung noch nicht richtig passt.
Führt Ihre Großmutter Blutzuckermessungen durch und schreibt die Werte
auf? Wenn nein, dann sollte sie dies in Absprache mit ihrer Ärztin
tun. Bei einer Insulintherapie können diese Teststreifen verschrieben
werden. Vielleicht können Sie das auch übernehmen? An den Ergebnissen
lässt sich erkennen, ob die Kraftlosigkeit durch viel zu hohe oder zu
niedrige Blutzuckerwerte entsteht. Dies wäre der erste Schritt.
Der zweite Schritt wäre eine ärztliche Untersuchung, bei der auf
andere Erkrankungen geschaut wird, z. B. Bluthochdruck oder eine
Schilddrüsenerkrankung, die die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen
können.
Bitte sprechen Sie mit Ihrer Großmutter darüber, dass diese ärztliche
Untersuchung wichtig ist - auch für Sie als Enkelin, die sich Sorgen
macht -, damit der Diabetes besser behandelt werden kann. In die
Klinik wird Ihre Oma deshalb nicht unbedingt müssen. Ihre Oma sollte
jedoch einverstanden sein, dass Sie die Ärztin anrufen - wenigstens
Ihnen zu Liebe. Das wichtigste Argument aus meiner Sicht wäre, dass es
absolut schade wäre, wenn Ihre Oma eine gute Behandlung verzögert und
dadurch zu lange unter den Beschwerden leidet, die vielleicht gut zu
behandeln sind. Die Chance würde ich mir nicht entgehen lassen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre
K. Lange
Manuela H. fragt:
Betreff: Fragen zum Vor- und evtl. Nachteil eines Schwerbehindertenausweises
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit möchte ich anfragen, ob es evtl. auch erhebliche Nachteile für meinen Führerschein gibt, wenn ich einen Schwerbehindertenausweis beantrage. Ich habe die Befürchtung, dass sich dies evtl. negatiiv auf meinen Führerschein auswirken könnte. Ich habe meinen Führerschein ca. 10 Jahre vor meiner Erkrankung erworben. Durch diesen Antrag bin ich mir aber nicht sicher, ob dies nicht evtl. an die Führerscheinstelle gemeldet wird. Deshalb meine Rückfrage. Außerdem habe ich seit ca. 12 Jahren eine Zusatzkrankenversicherung fürs Krankenhaus. Diese habe ich auch weit vor meiner Erkrankung abgeschlossen. Wie sieht es denn mit diesem Vertrag aus, muss oder sollte ich meinen Diabetes dort angeben mit der Gefahr, dass ich einen Aufschlag bzw. eine Kündigung der Versicherung erhalte. Welche Versicherung würde mich dann noch nehmen? Oder habe ich mittlerweile so eine Art Bestandschutz, wo ich nur einen Aufschlag erwarte. Falls Sie noch irgendwelche Rückfragen bzw. Angaben benötigen stehe ich Ihnen jederzeti zur Verfügung. Mit freundlichen Grüßen Manuela Hipp
Professor Lange:
Liebe Frau Hipp,
Ihre Fragen lassen sich sehr einfach beantworten: 1) Die
Schwerbehinderteneigenschaft hat keinen Einfluss auf Ihren
Führerschein. Diese Daten werden nicht ausgetauscht. Also: keine
Sorge.
2) Wenn die Zusatzversicherung vor der Diabeteserkrankung
abgeschlossen wurde, gelten heute weiter die Bedingungen, die bei
Vertragsabschluss galten. Sie müssen den Diabetes weder melden, noch
mit Einschränkungen oder Anpassungen rechnen. Schwierig wird es nur,
wenn Sie mit Diabetes neu eine neue Versicherung abschließen möchten,
dan werden die Prämien entweder höher sein oder Sie sogar ganz
abgelehnt werden.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre
K. Lange
B. fragt:
soo, ich bin gerade mal 24 jahre alt und meine frage ist gibt es irgendwann mal das lösung gegen Diabetes typ 1 halt das man kein Insulin nicht mehr braucht halt eine andere möglichkeit in zukunft ....vielen dank MFG B.
Professor Lange:
Lieber B.,
den Wunsch, Diabetes zu heilen, den haben fast alle Betroffenen. Nun
kann ich leider nicht in die ferne Zukunft sehen. In den letzten
Jahren wurde sehr viel zum Diabetes geforscht, und man hat dabei viele
Vereinfachungen und Vorteile für Menschen mit Diabetes schaffen
können. Die moderne Diabetestherapie ist sehr viel besser und
einfacher als noch vor 20 Jahren, als ein normales Leben mit Diabetes
nur schwer möglich war. Trotzdem ist immer noch viel Mühe
erforderlich, um damit fit und leistungsfähig zu sein.
Inzwischen weis man sehr viel darüber, wie kompliziert die Entstehung
des Diabetes ist und was passiert, wenn die insulinproduzierenden
Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört sind. Das lässt sich leider
nicht einfach reparieren - oder durch eine Transplantation ersetzen.
Daher glaube ich nicht, dass es in den nächsten 10 Jahren so etwas wie
eine "Heilung" geben wird - jedoch bin ich mir sicher, dass es viele
Verbesserungen in der Behandlung geben wird, die das Leben mit
Diabetes vereinfachen. Was in ferner Zukunft sein wird, das kann ich
nicht vorhersehen,...vielleicht gibt es einmal eine schöne
Überraschung? Aber sicher ist heute, dass man den Diabetes so gut
behandeln kann, dass man damit fit und gesund alt werden kann. Und das
ist eine gute Chance, die man nutzen kann.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre
K. Lange



