Fortschritt bei der Bekämpfung Nichtübertragbarer Krankheiten gefährdet

23. August 2011 Berlin

Deutsche Allianz fordert mehr Einsatz der deutschen Politik

In einem Brief an die Staatssekretärin im Bundesgesundheits-ministerium Frau Widmann-Mauz fordert heute die Deutsche Allianz gegen Nichtübertragbare Krankheiten, dass sich die deutsche Politik persönlich für das konstruktive Fortschreiten der Verhandlungen im Vorfeld des Mitte September in New York stattfindenden UN-Gipfels zu den Nichtübertragbaren Krankheiten einsetzt.

„Die Lage ist ernst“, sagt Prof. Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE. „Vernünftige Vorschläge für klare Ziele und Zeitpläne, um gegen diese verheerenden Krankheiten vorzugehen, werden von einigen Mitgliedstaaten behindert. Es muss jetzt dringend gehandelt werden, damit die Verhandlungen vorangebracht werden können, mit dem Ziel zu einem starken, aktionsorientierten Abschlussdokument zu kommen.“

Die nichtübertragbaren Krankheiten Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen (COPD) sind verantwortlich für 63 Prozent aller Todesfälle weltweit und für 86 Prozent aller Todesfälle in Europa. In den nächsten zwanzig Jahren werden sich diese „stillen Killer“ weiter ausbreiten, was zu einer enormen Belastung von Familien, Gesundheitssystemen und Volkswirtschaften führen wird.

Immer dringlicher wird es deshalb, effektive Strategien zur Gesundheitsförderung und Krankheitsvermeidung nicht nur in Europa, sondern weltweit einzusetzen. Denn die nichtübertragbaren Krankheiten können wirksam eingedämmt werden: durch einen gesundheitsförderlichen Lebensstil, insbesondere die Vermeidung der Risikofaktoren: Tabakkonsum, ungesunde Ernährung, mangelnde Bewegung, Übergewicht, schädlicher Alkoholkonsum sowie durch Früherkennung und frühzeitige Behandlung.

„Mit dem UN-Gipfel haben wir jetzt die historische Gelegenheit, diese tickende Zeitbombe zu entschärfen und so zukünftig unnötige Schmerzen und Leiden von Millionen von Menschen weltweit einzudämmen“, so Danne. „Um dieses gemeinsame Ziel zu erreichen, brauchen wir  den Einsatz der Regierungen der Länder, einschließlich unserer eigenen Regierung.“

Die Organisationen der Allianz gegen Nichtübertragbare Krankheiten fordern gemeinsam mit ihren internationalen Organisationen der NCD Alliance die Regierungsvertreter auf, sich auf folgende Punkte zu verständigen:

 

(1)  Das grundsätzliche Ziel, bis zum Jahr 2025 die Zahl der vermeidbaren Todesfälle durch nichtübertragbare Krankheiten um 25% zu reduzieren.

 

(2)  Die Festlegung eines klaren Zeitplans zur Bekämpfung der Ausbreitung der vier wichtigsten nichtübertragbaren Krankheiten Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen (COPD).

 

(3)  Maßnahmen zur Reduktion der Risikofaktoren Tabakkonsum, ungesunde Ernährung, mangelnde Bewegung, Übergewicht und schädlicher Alkoholkonsum.  Dazu gehören auch steuerpolitische Maßnahmen, wie eine erhöhte Steuer auf Tabakprodukte und adipogene Lebensmittel.

 

(4)  Eine gemeinsame Initiative und Kooperation auf hoher Ebene von Regierungen, Organen der Vereinten Nationen und der Zivil-gesellschaft, um den Prozess zu befördern und bewertend zu begleiten.

 

 

Hinweis für die Redaktion:

Über nichtübertragbare Krankheiten (noncommunicable diseases = NCDs)

Jedes Jahr sind die nichtübertragbaren Krankheiten weltweit Haupt-todesursache – mit 36 Millionen Todesfällen waren sie im Jahr 2008 für 63 Prozent aller Todesfälle weltweit verantwortlich. Die vier wichtigsten nichtübertragbaren Krankheiten sind Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen (COPD). Nichtübertragbare Krankheiten sind zudem Ursache für die Hälfte aller Behinderungen weltweit, einschließlich Blindheit und Amputationen. Sie bürden Familien, Gesundheitsversorgungssystemen, Unternehmen und nationalen Wirtschaften enorme Kosten auf. Die im Zusammenhang mit nichtübertragbaren Krankheiten stehende Belastung durch Tod und Behinderung steigt aufgrund von sich verändernden Lebens- und Arbeitsstrukturen in allen Ländern an. Der größte Anstieg wird in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen verzeichnet, verschärft wiederum die Armut und blockiert das Erreichen der UN-Milleniums-Entwicklungsziele. Der Global Risks Report von 2010 des Weltwirtschaftsforums identifiziert die nichtübertragbaren Krankheiten als die zweitgrößte Bedrohung für die Weltwirtschaft und als ein globales Risiko, das hinsichtlich der Kosten vergleichbar sei mit der derzeitigen weltweiten Finanzkrise.

 

Über die Internationale NCD Alliance

Die NCD Alliance führt die weltweite Bewegung der Zivilgesellschaft im Kampf gegen vermeidbare Behinderungen und Todesfälle durch nichtübertragbare Krankheiten an. Die NCD Alliance gründet Koalitionen, erzielt Einigungen, erbringt Nachweise und setzt sich für Lösungen im Zusammenhang mit der Problematik der nichtübertragbaren Krankheiten ein. Zu den Gründungs-partnern der NCD Alliance zählen die International Diabetes Federation, die International Union Against Tuberculosis and Lung Disease, die Union for International Cancer Control und die World Heart Federation.

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.ncdalliance.org.

 

Über die Deutsche Allianz gegen Nichtübertragbare Krankheiten

Die Deutsche Allianz gegen Nichtübertragbare Krankheiten hat sich Ende 2010 zusammengeschlossen, um gemeinsam die Vorbereitungen zum UN-Gipfel zu begleiten und sich für nachhaltige Gesundheitsförderung in Deutschland, Europa und der Welt einzusetzen.

 

Der Deutschen Allianz gegen Nichtübertragbare Krankheiten gehören die folgenden Organisationen an:

diabetesDE, Deutsche Diabetes Gesellschaft, Deutsche Krebsgesellschaft e.V., Deutsche Herzstiftung e.V., Westdeutsches Tumorzentrum, Deutscher Hausärzteverband, Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungs-medizin, Verband der Diabetes- Beratungs- und Schulungs-Berufe in Deutschland, Deutsche Adipositas-Gesellschaft.

 

Über den Gipfel der Vereinten Nationen zu den Nichtübertragbaren Krankheiten

Das erste Gipfeltreffen der Vereinten Nationen zu Prävention und Kontrolle der nichtübertragbaren Krankheiten, das vom 19. – 20. September in New York stattfinden wird, geht auf Forderungen der NCD Alliance zurück. An diesem Spitzentreffen werden Regierungsoberhäupter und Regierungen aus allen Teilen der Welt teilnehmen. Hier bietet sich die historische Gelegenheit, sicherzustellen, dass nichtübertragbare Krankheiten zu einem zentralen Bestandteil der langfristigen, weltweiten Entwicklungsagenda werden, hochrangige und nachhaltige politische Verpflichtungen hinsichtlich einer koordinierten weltweiten Antwort auf nichtübertragbare Krankheiten eingegangen, Ressourcen für nichtübertragbare Krankheiten erhöht und Millionen Menschen vor gesundheitlichen und ökonomischen Belastungen geschützt werden. Eine am Ende des Treffens von den teilnehmenden Mitgliedstaaten zu unterzeichnendes Abschlussdokument wird weltweit zukunftsweisend für Strategien zu nichtübertragbaren Krankheiten sein.

 

Referenzen

[1] World Health Organization, Global Status Report on noncommunicable diseases 2010, letzter Zugriff am 15. August 2011 unter http://www.who.int/nmh/publications/ncd_report2010/en/