Unsere Kinder werden in der Schulzeit zu dick
6. April 2011 Berlin
Zum Weltgesundheitstag macht diabetesDE auf das Fehlen einer vorbeugenden Gesundheitspolitik aufmerksam
Im Grundschulalter steigt die Zahl übergewichtiger Kinder deutlich an. Dieses Ergebnis wird nun fünf Jahre nach Veröffentlichung der ersten repräsentativen Studie an Kindern in Deutschland erneut bestätigt. Der Anteil übergewichtiger Kinder lag bei der Einschulung bei 12 Prozent, am Ende der Grundschulzeit bereits bei 18 Prozent und darüber. Die Gewichtszunahme dürfte bedingt sein durch einen neuen Tagesablauf, Bewegungsmangel, veränderte Essgewohnheiten und die Zunahme von Stress. diabetesDE regt daher dringend die Einführung von systematischen gesundheitlichen Präventionsmaßnahmen in Schulen an: täglich eine Stunde Sport und Unterricht in Gesundheit und Ernährung. Je früher ausreichende Bewegung und gesunde Ernährung selbstverständlich in den Tagesablauf integriert werden, umso leichter kann den modernen Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs im Erwachsenenalter vorgebeugt werden.
An der Universität Kiel wurden Daten von 34.000 deutschen und anderen europäischen Kindern im Alter von 3 bis 17 Jahren aus vier Studien ausgewertet. An einer Studie der Kinder- und Jugendklinik Datteln nahmen 1.300 Kinder im Alter von 7 bis 11 Jahren teil. Der Anteil der übergewichtigen Kinder lag hier in der 4. Klasse sogar bei 20 Prozent.
diabetesDE nimmt die Studien zum Anlass, auf das Fehlen einer systematischen, vorbeugenden Gesundheitspolitik in Deutschland aufmerksam zu machen. "Im deutschen Gesundheitssystem fehlt die klare Zuständigkeit für eine gesundheitliche Primärprävention", so Dr. Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von diabetesDE. "Die heute vielfach durchgeführten Projekte haben nicht genügend Breitenwirkung. Sie schaffen keine nachhaltigen strukturellen Veränderungen und erreichen die Menschen nicht systematisch", kritisiert Garlichs. "Unser Gesundheitssystem greift erst, wenn Folgekrankheiten schon da sind – also viel zu spät. Dabei könnten viele chronische Erkrankungen vermieden werden, wenn es gelingt, das Problem Übergewicht in den Griff zu bekommen."
Da der Lebensstil im frühen Kindesalter geprägt wird, bestehen für Maßnahmen in Kindergärten und Schulen die besten Chancen, den Lebensstil günstig zu beeinflussen: "Dies ist besonders wichtig für Familien aus bildungsfernen Schichten, die einen gesundheitsfördernden Lebensstil nicht vorleben und daher auch nicht an die Kinder weitergeben können", erklärte Garlichs.
Die größte Rolle für das Entstehen von Übergewicht bei Kindern spielten das Übergewicht der Eltern und der soziale Status (niedriges Bildungsniveau, Familien mit Migrationshintergrund, Alleinerziehende), so die Kieler Autoren.
Quellen:
1) Verbundprojekt PreVENT, 2011 (www.kompetenznetz-adipositas.de)
2) Geisler, A. et al.: Nimmt das Übergewicht im Grundschulalter zu? …
Aktuel Ernährungsmed 2011; 36:18-22
mehr Informationen zu Projekten "Diabetesprävention bei Kindern" des VDBD

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