5. Treffen: Rheinland-Pfalz

Treffen zur Nationalen Diabetesstrategie - Rheinland-Pfalz
PD Dr. Anca Zimmermann, Unimedizin Mainz, Dr. med. Dorothea Reichert,Diabetologin, Landau, Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Demografie, Ruth Kauer , VDBD, Prof. Dr. Matthias M. Weber, Unimediziin Mainz, Marlies und Alois Michel, DDH-M Landesverband Rheinland-Pfalz (v.l.n.r.)

Bericht über das Treffen vom 28.10.2019 im Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Rheinland-Pfalz, 13:30-14:30 Uhr im Rahmen der Gesprächsanfrage von DiabetesDE zur Nationalen Versorgungsleitlinie

Anwesend waren: Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Frau Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Ministerin für Bildung Frau Dr. Stefanie Hubig und Team (Fr. Secker, Fr, Laux, Hr. Metzner, Frau …)
Univ. Prof. Dr. M.M. Weber, Leiter des Schwerpunktes Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen, Universitätsmedizin Mainz; Frau Dr. Dorothea Reichert, Diabetologische Gemeinschaftspraxis Landau; Frau Ruth Kauer, Schwerpunktpraxis für Diabetologie und Nephrologie, Bernkasterl-Kues; Herr Alois Michel und Ehefrau, Vertreter der Patienten mit Diabetes mellitus; Frau PD Dr. Anca Zimmermann, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Diabetologie und Endokrinologie (ADE) Rheinland-Pfalz, Oberärztin im Schwerpunkt Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen, Universitätsmedizin Mainz

Am 28.10.2019 hatten Vertreter der Diabetologie Rheinland-Pfalz die Möglichkeit aktuelle Probleme des Fachgebietes und der Patientenversorgung sowie Wünsche für eine bessere Zukunftsentwicklung vor den Ministerinnen Frau Bätzing-Lichtenthäler und Frau Dr. Hubig anzusprechen. 
Der Nachwuchs in der Diabetologie war ein zentrales Thema. Mehr Studienplätze, die Stärkung der universitären Diabetologie durch bessere personelle Besetzung und Sicherung des Lehrauftrages, die Steigerung der Attraktivität des Fachgebietes durch eine bessere Zukunftsperspektive für Diabetologen sind dringend notwendige Ansatzpunkte. Die Diabetes- und Ernährungsteams in Kliniken müssen besser aufgestellt werden, um die Klinik-weite Betreuung der Patienten mit Diabetes zu sichern und die Abwärtsspirale der Personalkürzungen müsse im Sinne des Erhalts einer adäquaten Patientenversorgung aufhören. 
In RLP gibt es viele engagierte Diabetologen. Die ADE organisiert jährlich zwei Fortbildungsveranstaltungen, hat eine sehr aktive AG Fuß, die jährlich vier Fortbildungen zum DFS anbietet, hat die AG Psychodiabetologie gegründet. Wir haben in RLP gute Voraussetzungen aber es wäre sehr schade, diesen Schatz an Wissen, Kompetenz und Engagement unter dem Diktat des Sparens für die Zukunft zu verspielen. Unser Schwerpunkt Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen an der Universitätsmedizin Mainz hat die höchste Stufe der DDG-Zertifizierung erreicht. Die komplette Arbeit für die Zertifizierung wird von Ärzten und dem Diabetesteam in der Freizeit geleistet, obwohl drei Stellen seit Längerem unbesetzt sind.  Wertschätzende Signale aus der Politik in Richtung universitäre und stationäre Diabetologie wären hilfreich und willkommen um das Gebiet wieder zu stärken.
Im niedergelassen Bereich gibt es einen großen bürokratischen Aufwand für Schulungen, vor allem im Bereich von Wiederholungsschulungen. Wichtig ist auch, dass die Diabetes-Schulungskräfte regelmäßig, möglichst an regionalen Fortbildungen teilnehmen können. Noch gibt es eine staatliche Anerkennung der Diabetes-Beraterinnen in RLP. Viele Praxen bilden ihre eigenen Diabetesberaterinnen aus, unter Einsatz von viel Zeit und finanziellen Ressourcen. Wenn die Weiterbildung von der Pflegekammer übernommen wird, wird die staatliche Anerkennung verschwinden und die Zertifizierung für andere Berufsgruppen wie MFAs, Diätassistentinnen, etc. nicht mehr möglich sein. Die hochwertige Ausbildung zur Diabetesberaterin sollte weiterhin durch das Ministerium unterstützt werden.
Die Gewährleistung einer sehr guten Betreuung von Kindern mit Typ 1 Diabetes ist auch ein sehr wichtiger Aspekt (Schulen, Kitas, Reha-Klinik, telemedizinische Projekte, Unterstützung der Kinder mit Diabetes aus benachteiligten Familien). Hier ist die Kinderdiabetologie zu stärken. Auch hier gibt es einen Mangel an Fachkräften und ein noch größeres Nachwuchs-Problem. Darüber hinaus sollten die Krankenkassen und der MDK unkompliziert, rasch und unbürokratisch moderne Versorgungverfahren wie CGM-Sensoren für Menschen mit Typ 1 Diabetes und gerade für Kinder, genehmigen und so eine optimale und zeitgemäße Patientenbetreuung ermöglichen.
Die Lebensmittel sollten mit dem KE-Inhalt gekennzeichnet sein und die Ernährung in den Schulen und Kitas soll verbessert werden. Eine bessere Budgetierung für die Kinderernährung in diesen Einrichtungen würde die bereits großen Fortschritte, die durch die Schulungen des Küchenpersonals der Kitas als Wissengrundlage erreicht wurden, festigen.
Alle angesprochenen Punkte wurden durch Frau Bätzing-Lichtenthäler und Frau Dr. Hubig als relevant erachtet, werden so mitgenommen und besprochen. Auch der Wunsch zur Gründung eines Diabetes-Landesbeirates, mit Vertretern der Diabetologie und der Politik aus RLP, wird an den in Kürze neu gewählten Entscheidungsträgern weitergegeben. Bei Bedarf wurden wir gebeten wieder den Dialog zu suchen. 

Für die Vertreter der Diabetologie in RLP

PD Dr. Anca Zimmermann