Bericht vom IDF Europe Youth Leadership Camp 2017 von Mira Stübing

Vom 10. bis zum 16. Juli 2017 hat das 7. Youth Leadership Camp in Cluj-Napoca in Rumänien stattgefunden.

Das Youth Leadership Camp verfolgt das Ziel, junge Botschafter der europäischen Mitgliedsorganisationen der IDF in Kontakt zu bringen, sie in ihren Führungsqualitäten zu fördern und auf Führungsrollen in ihren Heimatorganisationen vorzubereiten sowie sie zu einer internationalen Zusammenarbeit zu motivieren. Organisiert und durchgeführt wird das Camp von der IDF Europe, der Europa-Region der International Diabetes Federation (IDF). Dieses Jahr haben 24 Botschafter aus 24 europäischen Ländern teilgenommen.

Am Anreisetag wurden die Teilnehmer von Elisabeth Dupont, der Projektkoordinatorin der IDF Europe, und Christina Petrut, Vorstandsmitglied der IDF Europe, herzlich begrüßt. Ein erstes gemeinsames Treffen fand zum Abendbrot statt, wobei einige Teilnehmer eine eher kurze Anreise von 1-3 Stunden und andere bereits seit den frühen Morgenstunden unterwegs waren und mehren Flüge hinter sich hatten.

IDF Europe Youth Leadership Camp 2017

Am Folgetag ging es dann mit den ersten Seminaren los. Nach dem Frühstück wurden jeweils zwei Seminare, nach dem Mittagessen vier Seminare und nach dem Abendbrot erneut ein Seminar angeboten. Zum körperlichen Ausgleich gab es mehrere Sporteinheiten über den Tag verteilt. Zuerst stellte sich die IDF als Organisation vor und es wurden die Möglichkeiten der Projektarbeit und Projektzusammenarbeit auf nationaler und internationaler Ebene aufgezeigt. Bei weiteren Seminaren ging es um die „Projektarbeit mit verschiedenen Partnern“, wobei Maurizio Guidi, der Verantwortliche der Firma Lilly für internationale Projekte in Europa und Kanada („external engagement leader“) per Skype zugeschaltet wurde. Hier wurden die verschiedenen Gesundheitssysteme in Europa vorgestellt und es wurden Aspekte zur Thematik der Diskriminierung von Menschen mit Diabetes in Europa behandelt. Des Weiteren erhielten die Teilnehmer Grundlagen zum „Präsentieren“, zum „Führen“ und zur „Advocacy“, wobei die Inhalte der Theorieeinheiten anschließend in Praxisbeispielen mit Hilfe von Gruppenarbeiten vertieft wurden. Über die Woche stellten pro Tag jeweils vier Teilnehmer des Camps sich selbst, das Gesundheitssystem ihres Lands sowie den Umgang mit der Diabeteserkrankung in ihrem Land, ihre Diabetesorganisation und die Projekte, die sie bislang durchgeführt haben und in naher Zukunft durchführen wollen, vor. So konnten die Teilnehmer die während der Gruppenarbeit erworbenen Präsentationsfertigkeiten direkt umsetzen und den Zuhörern einen Überblick über die verschiedenen Arten der Diabetesversorgung in den europäischen Ländern, in europäischen Diabetesorganisationen und bei größeren Veranstaltungen für Menschen mit Diabetes vermitteln. Hierbei entstand, aus einer Initiative der Teilnehmer heraus, eine umfassende, vergleichende Übersicht der Vorgehensweisen in den Ländern Europas. Zum Erstaunen Aller konnten gravierende Unterschiede in der Diabetesversorgung und -behandlung in den verschiedenen Ländern festgestellt werden.

Ich fand es super spannend zu erfahren, dass es auf internationaler Ebene Organisationen wie die IDF Europe gibt, die sich überregional für die Rechte von Menschen mit Diabetes einsetzt und dass diese Organisation sehr viele Angebote für Menschen mit Diabetes (in Form von Newslettern), internationale Vernetzungsangebote (Veranstaltungskalender) und internationale Jobmöglichkeiten (Praktikumsmöglichkeiten im Hauptoffice für junge Menschen mit Diabetes) bereithält.

Sehr interessant fand ich, wer auf der politischen Ebene Entscheidungen über Richtlinien der (inter-)nationalen Diabetesversorgung trifft und an wen man sich auf der Suche nach Unterstützung bei nationalen und internationalen Projekte wenden kann. Bezüglich der Problematik der „Diskriminierung“ war ich erstaunt, wie unterschiedlich ausgeprägt das Thema in den verschiedenen Ländern ist. So berichteten einige Camp-Teilnehmer davon, dass Menschen mit einer Diabeteserkrankung in ihrem Land stigmatisiert werden, weshalb sie selbst auch ihre Krankheit nicht öffentlich kundtun. In anderen Ländern wurde v.a. von Problemen beim Schulbesuch oder der Beantragung eines Führerscheins berichtet und alle Teilnehmer berichteten von sozialen Einschränkungen für Menschen mit Diabetes bei der Berufswahl.

Wir erhielten einen guten Überblick über die Grundlagen der Projektplanung im Seminar zum „project management“. Hilfreich waren hier für mich besonders Handlungshinweise zur organisierten Projektplanung, die für eine qualitative und übersichtliche Projektplanung sehr nützlich sind. Da ich bereits an einem größeren Projekt gearbeitet habe, weiß ich jetzt schon, dass ich sie in meine nächsten Projekte (diabetische und private) mit einfließen lassen werde.

IDF Europe Youth Leadership Camp 2017

Extrem spannend fand ich auch das Seminar, das die Grundlagen von Gesundheitssystemen behandelte und verschiedene Gesundheitssysteme in Europa vorstellte. Hierbei war ich geschockt darüber, dass eine Diabeteserkrankung selbst in den vermeintlich reichen europäischen Ländern ein Grund sein kann, dass der Betroffene und dessen Familie in die Armut rutscht. So gibt es in Europa eine große Versorgungsspanne zwischen Ländern, die über ein Gesundheitssystem verfügen, in dem die Betroffenen alle Therapiemittel ohne großen Aufwand erhalten, bis hin zu Ländern, in denen fast alle Medikamente und Hilfsmittel privat gezahlt werden müssen. Weiter gibt es in Europa Länder, in denen verschiedene Medikamente, wie Analoginsuline und Glukagonspritzen sowie Hilfsmittel wie Insulinpumpen und Sensoren nicht verfügbar oder sogar gar nicht bekannt sind. Eine Teilnehmerin berichtete dazu, dass sie noch auf eine „konventionelle Therapie“ mit 5x Essen am Tag (und entsprechend wirksamen Insulinen) eingestellt ist und dass sie auf dem Camp das erst Mal in ihrem Leben eine Insulinpumpe gesehen habe. Dass diese Unterschiede in der Versorgung nicht nur „weltweit“ so auftreten, sondern bereits innerhalb Europas hat mich sehr getroffen. Neben den Theorie-Seminaren gab es jeden Tag mehrere Sportangebote – einen kreativen Mix aus traditionellen Sportarten (Volleyball, Basketball, Fußball, Schwimmen, Wandern und Gymnastik), der von den Teilnehmern sehr gut angenommen wurde.

Als Highlight des Camps gab es in der Mitte der Woche einen Ausflug zu einem Salzbergwerk; hier veranstalteten die Camp-Teilnehmer einen spontanen Flash-Mob, der sogar später auf der Homepage des sazbergwerks erschien. Danach hatten wir Zeit, die Stadt Cluj-Napoca zu erkunden. Das Camp endete mit einer Abschlussveranstaltung am letzten Abend, bei dem einige Teilnehmer kleine Vorführungen präsentierten, kleine Video- und Fotozusammenschnitte der Woche gezeigt wurden und jeder Teilnehmer eine Urkunde erhielt. Zum Abschluss gab es noch eine riesige Kaffee-Schokotorte mit einem Gruppenfoto von allen drauf. Der Abend lief in einem lustigen und entspannten Zusammensein aus, bis die ersten Teilnehmer um 3 Uhr morgens bereits wieder den Weg zum Flughafen finden mussten um den Heimweg anzutreten.

IDF Europe Youth Leadership Camp 2017

Insgesamt war das IDF Europe Youth Leadership Camp für mich eine sehr schöne, sehr informative Veranstaltung und ich fühle mich enorm geehrt, dass ich teilnehmen durfte. Ich habe sehr viel Neues erfahren und konnte erstmals einen Blick über die Diabetesversorgung jenseits der Grenzen Deutschlands werfen.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen Beteiligten und vor allem dem Organisationsteam der IDF Europe für die super angenehme und familiäre Atmosphäre vor Ort.

Nächstes Jahr wird das Camp erneut stattfinden – in einem anderen europäischen Land - und ich kann jeder/m, der/die sich für die internationale Diabetes Community sowie Projektarbeit auf nationaler und internationaler Ebene interessiert, nur empfehlen sich für das Camp zu bewerben! Bei Fragen rund um das Camp stehe ich gerne zur Verfügung.