Diabetes und Sport: Mit Bewegung in den Frühling starten

Experten-Chat mit PD Dr. med. Axel Preßler

Bis zum 1. März 2016 findet unsere Experten-Sprechstunde mit PD Dr. med. Axel Preßler zum Thema "Diabetes und Sport: Mit Bewegung in den Frühling starten" statt. Er beantwortet Ihre Fragen live am Dienstag, 1. März zwischen 17 und 19 Uhr.

PD Dr. med. Axel Preßler, München
PD Dr. med. Axel Preßler, München

Priv.-Doz. Dr. med. Axel Preßler

Törringstr. 6
81675 München
Protokoll der Sprechstunde

Betreff: Diabetes und Sport

Walter fragt: 

Hallo Herr Dr. Preßler,

ich bin Anfang 50, habe Diabnetes Typ 2 und leider auch Übeergewicht. Mein Arzt rät mir, mit sport anzufangen. Ich war auch zum Probetraining in einem Studio mit Schwerpunkt Gesundheitssport. Dort sagte man mir, dass ich dreimal die Woche einen "Milon-Zirkel" mitmachen soll. das ist so ein Gerätepark, wo man abwechselnd Kraftübungen und Kreislauftraining macht. Was halten sie davon, ist das zum abnehmen geeignet? Meine Ernährung passe ich auch besser an, habe dazu eine Beratung bekommen.

MfG

Walter

Priv.-Doz. Dr. med. Axel Preßler antwortet: 

Lieber Walter,

grundsätzlich ist gegen einen Milon-Zirkel auch als Diabetiker wahrscheinlich nicht unbedingt etwas einzuwenden. Das Prinzip ist hier allerdings, in möglichst kurzer Zeit ein möglichst effektives Training an verschiedenen Geräten durchzuführen. Für Diabetiker ist die Effektivität eines solchen Trainings zumindest in Studien aber bisher nicht belegt. Ich plädiere daher eindeutig für ein "normales" Training im Studio, d.h. allmähliches Heranführen an Ausdauereinheiten bis 30-45 min auf den klassischen Geräten wie Fahrrad oder Crosstrainer und ergänzendes Kraft-Ausdauer-Training an den wichtigen Muskelgruppen an 5-6 Geräten.

Viel Erfolg! Axel Preßler

Betreff: Diabetes und Sport

Selina fragt: 

Guten Abend Herr Dr. Preßler,

meine Mutter hat Diabetes Typ 2 und um ihr das Thema Bewegung etwas schmackhafter zu machen, würde ich ihr gerne etwas Motivierendes schenken, ich dachte dabei an ein so genanntes "Wearable". Das sind ja solche Fitnessarmbänder, die rund um die Uhr die gesamte Bewegung aufzeichnen, oder? Diese sollen sogar erkennen, ob man schläft. Können Sie so etwas empfehlen? Kommen auch ältere Leute (ab 60) damit klar?

Viele Grüße

Selina

Priv.-Doz. Dr. med. Axel Preßler antwortet: 

Hallo Selina,

Wearables können durchaus auch für ältere Menschen eine Motivationshilfe darstellen, die Auswahl ist ja heute riesengroß und die Bedienbarkeit ist meistens nicht schwer. Leider sprengt es den Rahmen, hier mehr darüber zu sagen, die Geräte bieten natürlich unterschiedliche Varianten und Möglichkeiten und ich kenne auch nicht alle. Ich bin mir aber sicher, dass man Sie im Fachhandel dazu gut beraten kann. Man muss sich ein wenig darüber im Klaren sein, dass auch solche Geräte bisher in Studien nicht wirklich bewiesen haben, dass sich Leute damit auch über einen längeren Zeitraum zum Sport motivieren lassen, aber als Einstiegshilfe kann man es in jedem Fall empfehlen.

Viele Grüße

Axel Preßler

Betreff: Diabetes und Sport

Sina fragt: 

Lieber herr Dr. Preßler,

seit 10 Jahren bin ich Typ-1-diabetikerin und komme an sich gut klar. Bislang mache ich ganz gern Ausdauersport wie Fahrradfahren und Schwimmen. Freunde von mir haben mit "Freeletics" angefangen, dabei trainiert man nach einer App. Man kann Muskel- oder Ausdauertraining machen oder auch beides kombinieren und bekommt dafür von der App Trainingpläne und Workouts. Allerdings hat man da keinen Trainer an der Hand, sondern nur Beschreibungen oder kurze Videos der Übungen. Meine Freunde finden es toll und ich würde es auch gern probieren, weil man damit sehr unabhängig ist und überall trainieren kann. Allerdings habe ich noch nie "Burpees", "Squads" etc. gemacht und bin unsicher, ob man damit ohne Anleitung anfangen kann. Zumal das Training auch jedes Mal auf Zeit geht. Was meinen Sie?

Schöne Grüße

Sina

Priv.-Doz. Dr. med. Axel Preßler antwortet: 

Liebe Sina,

ich kann Ihre Skepsis zunächst gut verstehen, vor allem gibt es meines Wissens hier auch keine speziellen Erfahrungen oder Untersuchungen mit solchen Übungen bei Diabetikern. Durch die zum Teil hohe Intensität muss man auch besonders auf den Blutzucker aufpassen. Insgesamt denke ich aber, dass es sehr wohl möglich ist, solche Übungen auch ohne größere Anleitung durchzuführen; ich finde Freeletics grundsätzlich auch nicht schlecht, auch wenn es zum Teil fast zu intensiv ist und meines Erachtens mehr einen aktuellen Trend denn ein wirklich optimaleres Training darstellt.Zusammengefasst würde ich Ihnen raten, die Übungen zusammen mit Ihren Freunden zu probieren mit natürlich gerade anfangs intensiverer Überwachung des Blutzuckerspiegels. Bleiben Sie aber trotzdem in jedem Fall auch bei den von Ihnen genannten Ausdauersportarten.

Viele Grüße

Axel Preßler

Betreff: Diabetes und Sport

L. K. fragt: 

Sehr geehrter Dr. Preßler,

neulich habe ich gelesen, dass man mindestens "10.000 Schritte" pro Tag zurücklegen soll. Das erscheint mir ganz schön viel: So habe ich meinen Arbeitsweg gemessen und komme pro Strecke auf 1,6 Kilometer bei etwa 2.000 Schritten. Heißt, ich lege täglich hin und zurück 3,2 Kilometer zurück und etwa 4.000 Schritte. Um auf 10.000 zu kommen, müsste ich zweieinhalbmal so viel gehen, was etwa 9-10 Kilometer wären, oder? Das schaffe ich leider nicht, zumindest nicht jeden Tag.
Oder stimmt das mti den 10.000 Schritten gar nicht? Erscheint mir jedenfalls sehr hoch.

Viele Grüße

L. K.

Priv.-Doz. Dr. med. Axel Preßler antwortet: 

Lieber Ludwig,

doch, die Botschaft ist korrekt. Die "10.000" gelten allerdings natürlich im Grunde auch als eine Richtzahl, um mit einer gut merkbaren Zahl auf die mangelnde Bewegung in unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen. Es ist natürlich auch schon hilfreich, annähernd in die Nähe dieser Zahl zu kommen.Wichtig ist aber, dass damit wirklich alle Schritte gemeint sind, die Sie an einem Tag tun, also nicht nur z.B. der Arbeitsweg, sondern auch die Schritte, die Sie in der Arbeit und auch zuhause tun. Damit ist es durchaus möglich (wie ich aus eigener Erfahrung weiß), eine solche Zahl zu schaffen, auch wenn man sich zum Teil zwischendurch motivieren muss, gerade bei einem sitzenden Job.

Viele Grüße

Axel Preßler

Betreff: Diabetes und Sport

Barbara M. fragt: 

Guten Tag Herr Preßler,

meine Tochter mit Diabetes Typ 1, 17 Jahre, würde gerne bei einem "Fitness Bootcamp" mitmachen: Sie ist durch eine Freundin darauf gekommen und ich habe mir das mal angeschaut. Das ist Sport in einer Gruppe bis zu 15 Leuten, die draußen in Parks unter Anleitung eines Personal Trainers trainieren. Solche Gruppen kommen in immer mehr Städten auf. An sich hätte ich nichts dagegen, mache mir aber Sorgen wegen Unterzuckerung. Denn ich bezweifle, dass die Trainer Ahnung davon haben. Wie könnte meine Tochter dem vorbeugen? Im normalen Schulsport hatte sie bisher keine Probleme, aber die Bootcamps tranieren ja mit "High Intensity".

Herzlichen Gruß

Barbara M.

Priv.-Doz. Dr. med. Axel Preßler antwortet: 

Liebe Frau M.,

es gibt seit einiger Zeit den Trend, Sport vor allem als kurze intensive Einheiten auszuüben mit dem Ziel, möglichst in kurzer Zeit angeblich besonders effektiv zu trainieren. Dies steht im Gegensatz zu dem von uns ja langjährig ausgeübten vorwieged umfangsorientierten und moderatem Training. Grundsätzlich gibt es für beide Trainingsformen Argumente, wobei man beachten muss, dass aus wissenschaftlicher Sicht die immer noch meisten positiven Daten im Diabetesbereich für moderaten Ausdauersport vorliegen und dieses auch primär empfohlen wird.Auch Ihr Hinweis auf die Unterzuckerung ist wichtig. Bei Freeletics etc. ist durch die hohen Intensitäten mit einer verstärkten Stresshormon-Ausschüttung zu rechnen, welche die Zuckerregulation unter Umständen etwas unkontrollierter werden lässt. Allerdings wird es dadurch eher zu Anstiegen des Blutzuckers kommen und weniger zu einer Unterzuckerung. Daher sollte man v.a. darauf achten, nicht mit zu hohen Ausgangswerten (> 180) in eine solche Belastung zu gehen, damit der Zuckerspiegel nicht zu stark ansteigt.Insgesamt ist also unter Beachtung der individuellen Zuckerreaktion durchaus die Teilnahme an einem solchen Camp möglich.

Viele Grüße

Axel Preßler

Betreff: Diabetes und Sport

Marianne B. fragt: 

Hallo Herr Preßler,

haben Sie Tipps, welcher Sport für Diabetiker gut ist, die schon eine Neuropathie an den Füßen haben? Laufen/Walken ist dann nicht so gut, wegen der Schuhe?

Danke für einen Rat.

Priv.-Doz. Dr. med. Axel Preßler antwortet: 

Liebe Frau B.,

sicher ist bei einer Polyneuropathie die Belastung der Füße beim Sport möglichst gering zu halten. Das einfachste im Ausdauerbereich wäre hier das Schwimmen, aber auch Radfahren ist in Ordnung. Man sollte sich allerdings wenn möglich auch nicht vom wichtigen Walking abhalten lassen, sofern garantiert ist, dass passendes Schuhwerk getragen wird und die Füße regelmäßig inspiziert werden. Am meisten Belastung tritt natürlich beim Joggen auf, das würde ich tatsächlich zurückhaltend sehen.
Aber auch im Fitnessstudio kann an nahezu allen Geräten und zum Beispiel auf dem Crosstrainer trainiert werden, der ja die Belastung auf den Füßen zu einem größeren Teil abfängt.

Viele Grüße

Axel Preßler

Betreff: Diabetes und Sport

Maren S. fragt: 

Hallo lieber Dr. Preßler,

in 2014 habe ich mit dem Laufen angefangen und richtig Freude daran! Dieses Jahr würde ich gern mal an einem längeren Lauf teilnehmen, am liebsten an einem Halbmarathon. Ich habe verschiedene Laufbücher mit Trainingsplänen drin. Laut diesen wäre es realistisch, wenn ich auf einen Lauf im Herbst hin trainieren würde. Aber leider findet man keine speziellen Trainingstipps für Typ-1-Diabetiker. Kann ich ganz normal nach diesen Plänen trainieren oder sollte ich mich besser gesondert beraten lassen? Ich hatte überlegt, mal eine Leistungsdiagnostik in einem Sportzentrum machen zu lassen. Ach ja, ich bin weiblich, Mitte 30, schlank und trage Insulinpumpe.

Schönen Gruß,

Maren S.

Priv.-Doz. Dr. med. Axel Preßler antwortet: 

Liebe Maren,

ich stimme in jedem Fall zu, dass mit einer guten Vorbereitung die Teilnahme an einem Halbmarathon im Herbst möglich ist, das ist ein ausreichender Zeitraum, wenn Sie schon seit 2014 laufen.Die Nutzung der Trainingspläne ist ohne Probleme grundsätzlich auch für Typ-1-Diabetiker möglich. Hier ist es ja vor allem wichtig, die eigene Zuckerreaktion auf Laufbelastungen verschiedener Art zu kennen bzw. kennenzulernen (ggf. verstärktes Monitoring, Tagebuch etc., das kennen Sie sicherlich), daher sind pauschale Tipps in solchen Büchern letztlich auch kaum möglich.Der Sinn einer Leistungsdiagnostik liegt für mich weniger darin, als Diabetikerin spezielle Tipps zu erhalten, sondern durch Kennenlernen der individuellen Trainingsbereiche noch gezielter trainieren zu können - also eigentlich wie für alle. Die ermittelten Pulsbereich können dann ja auch in die Trainingspläne eingesetzt werden. Weiterhin können natürlich auch medizinische Risiken erkannt werden. In Ihrer Altersgruppe rechne ich bei gut eingestelltem Zucker und Beschwerdefreiheit zwar eigentlich nicht unbedingt damit, aber das wäre sicherlich trotzdem zu überlegen, wenn man in intensiveres Training einsteigt.

Viele Grüße

Axel Preßler

Betreff: Diabetes und Sport

Dieter H. fragt: 

Hallo Dr. Preßler,

zweimal die Woche gehe ich Radfahren und einmal die Woche Schwimmen. Grundsätzlich tut mir beides gut, mein HbA1c ist viel besser als vor einem Jahr. Ich habe nur nach dem Schwimmen (ungefähr eine Stunde Brustschwimmen in Bahnen) sehr großen Hunger. Nach dem Radfahren (genauso lang) ist das nicht so.
Woran kann das liegen?

MfG

Priv.-Doz. Dr. med. Axel Preßler antwortet: 

Lieber Herr H.,

Schwimmen stellt insgesamt eine deutlich intensivere Belastungsform dar als Radfahren, alleine schon durch den starken Einsatz der Armmuskulatur, welcher ja beim Radfahren nicht vorhanden ist. Relativ zur eingesetzten Trainingszeit ist damit 1 Stunde Brustschwimmen hinsichtlich des Energieverbrauchs deutlich höher einzuschätzen als Radfahren, auch wird durch den verstärkten Muskeleinsatz mehr Glucose in die Zellen aufgenommen. Damit ist es durchaus erklärbar, dass Sie nach dem Schwimmen einen größeren Hunger verspüren.Sie könnten dem durch eine vermehrte Kohlenhydrataufnahme ca. 30min vor dem Sport ggf. etwas entgegensteuern.

Viele Grüße

Axel Preßler