Dem diabetischen Fußsyndrom vorbeugen

Experten-Chat mit Prof. Dr. Ralf Lobmann

Am 15. April 2016 findet unsere Experten-Sprechstunde mit Professor Dr. Ralf Lobmann zum Thema "Dem diabetischen Fußsyndrom vorbeugen" statt. Er beantwortet Ihre Fragen live zwischen 16 und 18 Uhr.

Professor Dr. med. Ralf Lobmann, Stuttgart
Professor Dr. med. Ralf Lobmann, Stuttgart

Prof. Dr. Ralf Lobmann

Prießnitzweg 24
70374 Stuttgart
Protokoll der Sprechstunde

Betreff: Dem diabetischen Fußsyndrom vorbeugen

Barbara M. fragt: 

Hallo Herr Prof. Lobmann,

ich habe mich auf Fußpflege in einem Schönheitssalon spezialisiert und würde mich gerne speziell für den Bereich Diabetes weiterbilden. Gibt es eine bestimmte Zusatzqualifikation oder anerkannte Seminare? Für einen Tipp wäre ich dankbar.

Viele Grüße
Barbara M.

Prof. Dr. Ralf Lobmann antwortet: 

Guten Tag,

Die DDG bietet entsprechende Qualifikationskurse für Podologen an.Auf der Homepage der DDG finden Sie entsprechende weitere Informationen zu Zugangsvorraussetzungen, Kursen und Kosten.Ergänzend sind sicher die Weiterbildungsveranstaltungen und Kurse des ZFD zu empfehlen.

Mit freundlichen Grüßen

R. Lobmann

Betreff: Diabetischer Fuß

Walter R. fragt: 

Ich habe schon seit einiger Zeit Neuropathie. Mein Hausarzt ist zwar auch Diabetologe aber ich habe den Eindruck, dass er nicht auf dem neuesten Forschungstand ist bzw. die neuesten Erkenntnise zu Neuropathie hat. Könnten Sie mir sagen, an wen ich mich in diesem fall am besten wenden kann? Wie erkenne ich einen Hausarzt oder Diabetologen, der sich auch mit dem Diabetischen Fuß etc. gut auskennt?

MfG
W.R.

Prof. Dr. Ralf Lobmann antwortet: 

Sehr gerhrter Walter,

Keine leichte Frage...Eine besondere Expertise findet sich sicher in den von der DDG zertifizierten Fusseinrichtungen.Die für Sie nächste Einrichtung können Sie über die Homepage der DDG oder der AG Fuss (www.ag-fuss-ddg.de) einsehen.

Mit freundlichen Grüßen

R. Lobmann

Betreff: Dem diabetischen Fußsyndrom vorbeugen

Petra S. fragt: 

Sehr geehrter Herr Professor Lobmann,

ich habe Diabetes Typ 2 und starkes Übergewicht und kann meine Füße leider nicht mehr selbst pflegen. Darum habe ich immer mal einen eingewachsenen Fußnagel und so. Leider kann ich mir aber die regelmäßige Fußpflege nicht leisten weil ich Harzt IV Empfänger bin. Bekomme ich in diesem Fall von der Krankenkasse die Fußpflege bezahlt? Ich habe schon öfter Entzündungen am Fuß gehabt und Angst dass ich was verpasse und man mir irgendwann die Füße abnehmen muss oder sowas.

Prof. Dr. Ralf Lobmann antwortet: 

Sehr geehrter Frau S.,

zertifzierte Podologen können auch auf  Rezept abrechnen. Wenn ein Gefässproblem oder eine Nervenbeeinträchtigung durch den Diabetes vorliegen oder insbesondere wenn schon Verletzungen am Fuss vorlagen, kann der Hausarzt ein Rezept ausstellen.Ein dtl. geringere  Eigenbeteiligung könnte dann evtl. noch zu tragen sein (dazu nochmals bei  Ihrer Kasse nachfragen)Das Rezept sollten Sie unbedingt aktiv  einfordern.Ihre Eigenvorsorge wird sicher auch von der Kasse mit unterstützt.

Mit freundlichen Grüßen

R.Lobmann

Betreff: Dem diabetischen Fußsyndrom vorbeugen

Dieter S. fragt: 

Können Sie mir ein gutes Pflegemittel empfehlen gegen trockene Füße? Ich habe Diabetes und will keinen Diabetischen Fuß bekommen. Einem Bekannten von mir wurde ein Fuß abgenommen weil er den hatte. Ich nehme gerade Urea-Cremes und auch die von Scholl aber gibt es da auch was spezielles für Diabetiker?

Viele Grüße
Dieter S.

Prof. Dr. Ralf Lobmann antwortet: 

Guten Tag,

Mit dem gewählten Produkt liegen Sie völlig richtig.Richtig ist ein Harnstoffanteil von 5% (Urea). Gewichtige weitere unterschiede gibt es zwischen den Herstellern m.E. nicht. Allenfalls in der Handhabung, also ob man z.B persönlich einen Schaum oder Creme lieber mag.

Betreff: Dem diabetischen Fußsyndrom vorbeugen

Johannes H. fragt: 

Hallo,wie erkenne ich erste Anzeichen für ein Diabetisches Fußsyndrom?

Prof. Dr. Ralf Lobmann antwortet: 

Das diabetische Fussyndrom (DFS) entspricht ab Stadium 1 (von 5) einer Verletzung im Bereich der unteren Extremität.

Das Stadium 0 ist der Zustand nach stattgehabter und abgeheilter Verletzung oder der Risikofuss für ein DFS:Vorliegen einer Nervenfunktionsstörung und/oder Gefäßbeteiligung (Arteriosklerose); trockene Füsse mit erheblicher Hornhautbildung (Hyperkeratosen) und/oder Störungen des Nagelwachstums (z.B. auch Nagelpilz)Für Sie ist entscheidend schon auf  die Zeichen des Risikofusses (Stadium 0) zu achten.

Betreff: Dem diabetischen Fußsyndrom vorbeugen

Micaela fragt: 

Bin 63 Jahre alt und habe Diabetes Typ 2. Ich bewege mich jeden Tag sehr viel weil ich einen Hund habe und auch mit Freunden Nordic Walking regelmäßig mache und viel spazieren gehe. meine Langzeitwerte sind immer sehr gut meint mein HJausarzt. 6,7 war mein letzter. Ich mache mir nur Sorgen weil ich in letzter Zeit so ein Kribbeln in den Füßen habe und manchml auch ein leichtes taubheitsgefühl in den Zehen (besonders im großen zeh). Kann das schon ein Anzeichen für den diabetischen Fuß sein? Ich kann mir aber gar nicht vorstellen, was ich falsch mache. das bekommt man doch nicht einfach so oder? Ich freue mich von Ihnen zu hören und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Micaela

Prof. Dr. Ralf Lobmann antwortet: 

Guten Tag, 

dies ist zwar noch kein dialektischer Fuß, aber möglicherweise  erste Zeichen einer diabetesbedingten Nervenbeeinträchtigung (Neuropathie)Die sollte vom Hausarzt oder Diabetologen weiter abgeklärt werden (neurologische Basisdiagnostik, Vibrationsempfinden mittels Stimmgabel,...).Die gute Stoffwechseleinstellung ist der beste Schutz vor einer Verschlechterung dieser Neuropathie.Sofern es sich bestätigt kann man dies neben der Blutzuckeroptimierung mit Medikamenten beeinflussen.Das Vorliegen einer Neuropathie gilt als Risiko für die Entwicklung einer Diebischen Fußes. Deshalb sollten Sie besonders auf  eine gute Hautbeschaffenheit (hier empfiehlt sich bei trockener haut eine harnstoffhaltige Salbe) und regelmäßige Inspektion der Füße auf Bagatellverletzungen und gutes, bequemes Schuhwerk.

Betreff: Dem diabetischen Fußsyndrom vorbeugen

Marion fragt: 

Lieber Herr Lobmann,

mein Vater hat seit Juli 2011 Diabetes Typ 2. Mittlerweile wurde das so schlimm daß er den linken Fuß amputiert bekommen hat und er hat gerade vor zwei Wochen Diabetiker Schuh für den anderen Fuß bekommen. Sein noch gesunder Fuß ist aber durch das Eintragen total rot und geschwollen. Die Frau im sanitätshaus meint daß es nicht gut aussieht und er zum Arzt soll. Ist das normal, wenn man diese Schuhe anfängt zu tragen oder machen wir was falsch? Muß man auf was achten? Wir sind total verunsichert und haben Angst daß er noch den zweiten Fuß verliert!!!

Prof. Dr. Ralf Lobmann antwortet: 

Ihre Sorgen sind verständlich und berechtigt.Wichtig ist, dass man die Schuhe langsam beginnt einzutragen  (zunächst 10 Minuten pro Tag und dann langsam steigernd).Wenn die Schuhe passgerecht sind sollte es nicht zur Rötung oder Schwellung kommen - von Seiten der Schuhversorgung her wäre das nicht normal...Nicht auszuschließen ist aber, dass Ihr  Vater - unabhängig vom Schuh - gerade wieder ein Problem entwickelt.Die Vorstellung beim Arzt halte ich für unbedingt (und zügig) geboten; nur dann kann das Risiko konkret beurteilt werden (wenn man den Fuß Sieht und auch anfassen kann...).Gute Besserung und mit freundlichen Grüßen

Betreff: Dem diabetischen Fußsyndrom vorbeugen

Bertram fragt: 

Hallo,

ich leide an einem diabetischen Fußsyndrom. Aktuell habe ich eine tiefe und eitrigen Wunde und Infektion an den beiden mittleren Zehen des linken Fußes. Mein Arzt hat mir Antibiotika (Clindahexal 300) verschrieben und ich behandle die Wunde noch mit Betaisodona. Was kann ich gegen die Schmerzen tun?

Grüße
Bertram

Prof. Dr. Ralf Lobmann antwortet: 

Guten Tag, 

das Antibiotikum muss ausreichend hoch dosiert ein; Betaisadona wird nur selten noch beim Dialektischen Fuß eingesetzt. Bei schwerwiegendem Infekt muss dieser Stationär behandelt werden (ins. wenn auch noch Fieber auftreten sollte).

Wichtig ist die konsequente Entlastung des Fußes; Verbandswechsel sollten bei einem so offensichtlich akutem Stadium durchaus täglich erfolgen.

Wenn es sich nicht bessert sollte eine Vorstellung in einem ambulanten Fußzentrum erfolgen.

Schmerzen sind für ein DFS nicht unbedingt typisch und könnten mit Schmerzmitteln behandelt werden.

Sofern die Schmerzen sehr stark sind, sollte rasch nochmals die Wundsituation überprüft werden, nicht dass es doch zum Gewebeschaden (Nekrose) kommt!

Betreff: Dem diabetischen Fußsyndrom vorbeugen

Marianne fragt: 

Guten Tag,

ich fahre jetzt im Juni ans Meer und würde gerne Strandspaziergänge machen.Habe aber Durchblutungsstörungen in den Beinen und oft kalte Füße etc. Mein Arzt meinte noch, dass ich wegen des Diabetes

besser aufpasse und mit Schuhen an den Strand gehe. Da habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass ich mir hierbei oft wunde Stellen hole durch den Sand der zwischen Fuß und Schuh reibt. Was würden

Sie denn empfehlen? Ich hätte halt auch Lust barfuß am Strand zu laufen. Das massiert die Füße ja immer sehr gut. Fördert die Durchblutung oder?

Gruß
Marianne

Prof. Dr. Ralf Lobmann antwortet: 

Guten Tag, 

dies lässt sich nicht einfach beantworten.Barfußlaufen ist im Prinzip gut und gesund.Als Diabetikerin sind sie aber wegen der Durchblutungsstörung und ggf. Beeinträchtigungen Nervenfunktion besonders gefährdet.Barfußlaufen (am Strand) bedeutet ein hohes Verletzungsrisiko: die Empfehlung Schuhe - die dann maximal gut passen sollten - ist also korrekt.Sofern Sie sich entscheiden barfuß zu laufen - dann nur mit größter Vorsicht und grundsätzlich sollten Sie nach jedem Spaziergang (mit und ohne Schuhe) die Füße gründlich inspizieren und pflegen.

Mit freundlichen Grüßen

Betreff: Dem diabetischen Fußsyndrom vorbeugen

Erwin B. fragt: 

Sehr geehrter Herr Professor Lobmann,

Vor einiger Zeit ist dieser "Intelligente Strumpf" für Menschen mit Diabetischen Fuß auf den Markt gekommen:

www.aerztezeitung.de/medizin/<wbr></wbr>krankheiten/diabetes/article/<wbr></wbr>816568/intelligenter-strumpf-<wbr></wbr>diabetischen-fuss.html

Das habe ich leider jetzt erst gelesen.

Können Sie schon Erfahrungswerte dazu geben. Lässt er sich über die Krankenkasse finanzieren? Ist er denn schon auf dem Markt? Ich habe das Diabetische Fußsyndrom und würde mich freuen, wenn ich ein Hilfsmittel an die Hand bekomme...

MfG
Erwin B.

Prof. Dr. Ralf Lobmann antwortet: 

Guten Tag, 

Evidenzbasierte Erfahrungswerte liegen dazu nicht vor.Auch hinsichtlich der generellen Nützlichkeit  und Kosten kann ich keine Auskunft geben.

Mit freundlichen Grüßen

Betreff: Dem diabetischen Fußsyndrom vorbeugen

Anton S. fragt: 

Guten Abend,

ich habe von einer TENS-Therapie gehört. Können Sie mir sagen, für welchen Patienten und wann das angewendet wird? Ich habe seit Jahren starke Schmerzen in den Beinen weil ich eine toxische

Neuropathie hatte. Doch kein Medikament (derzeit Morphin-Pflaster) konnte mir ausreichend helfen. Kommt also TENS für mich evtl. in Frage? An wen kann ich mich wenden?

Grüßle
Anton S.
 

Prof. Dr. Ralf Lobmann antwortet: 

Guten Tag,

TENS ist eine alternative (nicht-medikamentöse) Möglichkeit zur Behandlung auch neuropathischer Beschwerden. Auch die sog. HochTon-Therapie (z.B. HiTop) wird mit Erfolg angewendet.Die Prüfung ob eine TENS Therapie indiziert ist wird vorzugsweise von einem Schmerztherapeuten durchgeführt.Die Hochton Therapie finden sie auch in spezialisierten neurologischen und diabetologischen Zentren (wie auch bei uns in Stuttgart) 

Mit freundlichen Grüßen

Betreff: Dem diabetischen Fußsyndrom vorbeugen

Marco fragt: 

Vielleicht eine doofe Frage, aber das würde mich mal interessieren:
Kann man durch regelmäßige Massagen Neuropathie vorbeugen?

Viele Grüße
Marco

Prof. Dr. Ralf Lobmann antwortet: 

Guten Tag;

ist gar keine "dumme" Frage: aber nein (nicht in Studien).Fußgymnastik mit Stimulation der Nervenfunktion ist aber günstig --- und die Massage der Füße schadet sicher nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Betreff: Dem diabetischen Fußsyndrom vorbeugen

Peter fragt: 

Ich habe Diabetes Typ II und leide an Neuropathie. Ich nehme Metformin morgens und abends ein. Können Sie mir einen Tipp geben, ob es vielleicht bei der Erkrankung ein besseres Medikament gibt das ich nutzen kann um die Neuropathie wegzubekommen oder zumindest vor schlimmerem vorzubeugen?
Peter

Prof. Dr. Ralf Lobmann antwortet: 

Guten Tag, 

Metformin ist ein Medikament zur Behandlung des Diabetes - nichT primär der Neuropathie.Entscheidend für die Entwicklung der Neuropathie ist die Stoffwechseleinstellung.wenn Sie mit der derzeitigen Medikation gute Blutzuckerwerte und einen guten HbA1c haben, ist diese angemessen. Andernfalls sollte eine Therapieoptimierung erfolgen.Einen weitere kausale Therapie der Neuropathie besteht nicht. Neben der Gabe von B-Vitaminen werden die Beschwerden "nur" symptomatisch behandelt.Bei der Auswahl der für Sie besten Medikation hilft Ihnen Ihr Diabetologe.

Mit freundlichen Grüßen

Betreff: Dem diabetischen Fußsyndrom vorbeugen

Rüdiger fragt: 

Guten Tag,

ich leide unter dem Carpaltunnel-Syndrom. Habe auch Diabetes. Ich bin also leichtes Kribbeln in den Fingern gewohnt. Habe nur den Eindruck, daß es in den letzten Wochen schlimmer geworden ist. Wie kann ich den Unterschied zwischen dem Carpaltunnel Syndrom und Neuropathie erkennen? Man muß dazu sagen daß meine Werte im Moment auch sehr schlecht sind. Ich hatte eine Umstellung von Actrapid auf Lantus. Evtl. liegt es daran? Wie lange muß man schlechte Werte haben um die Gefahr für Neuropathie zu haben? Ich habe Angst vor Begleiterkrankunghen und will das natürlich vermeiden!

Danke und Gruß
Rüdiger

Prof. Dr. Ralf Lobmann antwortet: 

Guten Abend,

eine Differenzierung des Carpaltunnelsyndroms zur Neuropathie wird nur dem Neurologen gelingen. Die Symptomatik ist ähnlich. Carpaltunnelsyndrome treten bei Menschen mit Diabetes gehäuft auf.Die klassische Neuropathie beginnt typischerweise in den Füßen: beidseitig von den Zehen her langsam aufsteigend.Auch eine Neuropathie der oberen Extremität ist bei langdauernder Erkrankung oder schwerer Neuropathie möglich (und gar nicht so selten)Eine gute Stoffwechseleinstellung ist das A und O um Komplikationen - wie die Neuropathie - zu vermeiden oder in Ihrem Verlauf abzumildern  bzw. zu verzögern.

Mit freundlichen Grüßen