Schulstart 2016 – Was Eltern von Kindern mit Diabetes zur Einschulung beachten sollten

Experten-Chat mit Andrea Witt

Am 31. März 2016 findet der Experten-Chat zum Thema "Schulstart 2016 – Was Eltern von Kindern mit Diabetes zur Einschulung beachten sollten" mit Diabetesberaterin Andrea Witt statt. Sie beantwortet Ihre Fragen live am Donnerstag zwischen 17 und 19 Uhr.

Protokoll der Sprechstunde

Betreff: Tauchen mit Diabetes Typ 1

Yvonne E. fragt: 

Bei meinem Sohn, 18 J., wurde vor 4 Wochen Typ 1 im Anfangsstadium diagnostiziert.
Da er im Abitur ist, geht gerade Lernen erstmal vor und zu den schwanken Werten noch keine genaue Einweisung. Er nimmt Basisinsulin 6 EH und Bolus nach Bedarf (ca. jeden 2.Tag). Nun hatte er sich schon im letzten Jahr für eine Tauchreise nach Spanien angemeldet. Er ist bereits im Besitz eines Tauchausweises (25 Tauchgänge), sprich, er ist kein erfahrener Taucher. Er möchte unbedingt zu dieser Tauchfreizeit und ich möchte ihm nicht alle Hoffnung rauben, wo er momentan sowie schon mit allen Dingen großen Kummer hat. Können Sie sagen, ob das Tauchen in dieser unruhigen "Wertzeit" überhautpt für ihn möglich ist? Sprich: er überhaupt eine Tauchtauglichkeit bescheinigt bekommt?

Antwort: 

Ich würde Ihren Sohn mitfahren lassen, denn er hat sich sicherlich sehr darauf gefreut. Wenn er nicht mit fahren würde, gäbe er dem Diabetes die Schuld und dann hat er noch mehr Schwierigkeiten den Diabetes zu akzeptieren.
Aber ob ich ihn tauchen lassen würde? Nach nur 4 Wochen Diabetesdauer? und noch kein sehr erfahrener Taucher? Ich glaube eher nicht. Aber ich kenne Ihren Sohn nicht. Ich würde das Diabetes-Team fragen was diese empfehlen würden. Dann empfehle ich Ihnen noch ein  Buch von Ulrike Thurm: Sie schreibt über Extrem-Sport und über das Tauchen. Sie selbst taucht auch. Dort stehen sicherlich noch wichtige Informationen, die Ihnen und Ihrem Sohn helfen eine Entscheidung zu treffen. Und in der Tauchschule würde ich auch nachfragen, welche Bescheinigungen die brauchen um ihm das Tauchen zu erlauben. Eine Bescheinigung vom Diabetesteam brauchen Sie sicherlich auch, wenn diese der Meinung sind ,dass er mit tauchen darf. Ich hoffe, dass ich Ihnen weiter helfen konnte.

Betreff: Schulstart 2016

Jutta W. fragt: 

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein 15-jähriger Sohn (Typ 1 Diabetes) besucht die 10. Klasse eines Gymnasiums und hat seit 2 Jahren einen Nachteilsausgleich. Dieser muss jetzt für die Oberstufe verlängert werden. Die Schulleitung wies uns darauf hin, dass dann automatisch ein entsprechender Vermerk im Abiturzeugnis auftauchen wird. Ist das korrekt oder können wir das abwehren? Wenn ja, mit welcher rechtlichen Grundlage?
Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir mit einem entsprechenden Urteil, einem Link o.ä. weiterhelfen könnten.

Vielen Dank im Voraus und beste Grüße 

Antwort: 

Hallo Frau W.,

ich habe in den 15 Jahren, die ich jetzt Kinder-Diabetologie mache, noch nie von solch einem Fall gehört. Damit bin ich überfragt. Müssen Sie denn unbedingt diesen Ausgleich verlängern? Unsere Kinder in der Klinik machen alle ohne diesen Ausgleich ihr Abi.
Ich würde im Internet recherchieren ob es dort ähnliche  Fälle gibt. Ansonsten hätten Sie , wenn Sie bei Diabetes.de oder dem DDH-M Mitglied sind,  Anspruch auf eine Rechtsberatung. Fragen Sie doch bitte dort. Z. Beispiel kennt sich Rechtsanwalt Herr Ebert  gut mit diesen Dingen aus.

Betreff: Schulstart 2016

Regina M. fragt: 

Hallo Frau Witt,

unser Sohn hat seit zwei Jahren Diabetes Typ 1 und wird mit einer Insulinpumpe behandelt. Er kommt zwar erst nächstes Jahr in die Schule (also Herbst 2017), aber wir wollen uns trotzdem schon mal informieren. Wenn wir Kontakt mit der Grundschule aufnehmen, was sollten wir bei der Schulleitung ansprechen, gibt es da eine Checkliste? Eventuell kommt auch mehr als eine Schule infrage. Wie finden wir die passende, auch auf den Diabetes bezogen?

Vielen Dank und schönen Abend!

Antwort: 

Hallo Frau M.,ja, wie finden Sie die richtige Schule? Erstmal toll, dass Sie eine Wahl haben, das ist ja sehr selten. Ich würde mit jeder Schule sprechen. Sicherlich haben die Schulen auch schon Erfahrungen mit Diabetes-Kindern. Ich würde dann nach Bauchgefühl handeln. Sicherlich können Sie auch den Schulen anbieten, dass das DiabetesTeam in die Schule kommt (oder die Lehrer in die Klink). Wenn Lehrer etwas verhalten zu dem Thema Diabetes sind, liegt es immer nur daran, dass sie zu wenig Wissen haben. Sind die Lehrer aber erstmal geschult fühlen sie sich sicher. Es gibt im Internet von der Firma Novo-Nordisk eine Schulbroschüre. Die können Sie runterladen und mit in die Schule nehmen. Dort steht alles wichtige drin, als Leitfaden sozusagen. Wovon ich nicht viel halte ist eine Schulbegleitung. Diese sollte man nur im äußersten Notfall einbeziehen.Aber haben Sie keine Angst, Ihr Kind wird es in der Schule richtig toll machen, die Kinder wachsen daran. Sie können unbesorgt zu Hause bleiben oder zur Arbeit gehen. Es ist immer wieder toll zu sehen was diese kleinen "Steppkes" so alles können.

Betreff: Schulstart 2016

Selina M. fragt: 

Guten Abend Frau Witt,

meine Tochter mit Diabetes kommt dieses Jahr in die Grundschule. Wir sind soweit ganz zuversichtlich, ich bin nur wegen des Sportunterrichts etwas unsicher. Wie häufig kommen deswegen Unterzuckerungen bei Kindern vor und wie kann man sie am besten verhindern?

Viele Grüße

Antwort: 

Hallo Frau M.,

Wenn es zu einer Unterzuckerung in der Schule kommen sollte, dann ist die größte Gefahr beim oder nach dem Sport. Das ist klar. Ist Ihr Kind aber sowieso eher Sportlich und den ganzen Tag körperlich aktiv ist es viel einfacher. Und wenn Sie vorher das Insulin reduzieren, oder die BE-Faktoren reduzieren, oder eine Sport-BE geben, kann eigentlich nichts passieren.

Es kommt natürlich auch darauf an , ob ihr Kind eine Pumpe hat, das wäre dann noch einfacher, weil man mit den Basalraten "spielen" könnte. Besprechen Sie das doch mal mit Ihrem DiabetesTeam. Auch das Gespräch mit dem Sportlehrer wäre wichtig. Man müsste wissen was dieser bereit ist zu tun/aufzupassen. Aber die Lehrer haben ja noch 20 andere Kinder dabei, dann wird es für den Lehrer schwieriger auf ein einzelnes Kind aufzupassen. Das einfachste wäre wahrscheinlich die Sport-BE.

Betreff: Schulstart 2016

Andrea S. fragt: 

Sehr geehrte Frau Witt,

meine Frau und ich sind Eltern eines Jungen mit Diabetes Typ 1. Er freut sich schon sehr auf die Schule im Herbst. Wir haben aber ein bisschen Sorge, ob er bis dahin schon selbstständig mit Messen und Spritzen inder Schule zurechtkommt. das ist ja alles erst mal wieder neu und ungewohnt im Tagesablauf. Ich habe gehört, dass man einen Pflegedienst bestellen kann, der quasi wie ein ambulanter Pflegedienst nach Hause auch in die Schule kommt und beim Messen und Spritzen hilft. Stimmt das? Muss man diesen bei der Krankenkasse beantragen oder wie geht das?

vielen Dank, mit freundlichen gRüßen

Antwort: 

Hallo Herr S.,

ich weiß nicht , ob Sie die anderen Chat-Fragen schon gelesen haben. Da ging es einmal um das ähnliche Problem.

Also, ich bin der Meinung, dass ein sechs Jahre altes Kind mit Diabetes schon allein messen kann. Wenn das Kind eine Insulinpumpe hat , kann es diese auch schon allein bedienen. </div>Das sollte Ihr Ziel sein: Insulinpumpe und das Kind bis August so fit machen ,dass es das alleine kann. So habe ich das mit meiner Tochter auch gemacht. Es hat alles super geklappt. Die "Kleinen" können das !</div>Dann kann ich Ihnen noch das Programm "Fit für die Schule" ans Herz legen. In Hannover auf der Bult werde die Kleinen auf die Schule vorbereitet. Auch Eltern von weiter weg machen diese Schulung für das Kind möglich. Ich würde mal in Hannover auf der Bult fragen. Fragen Sie nach Kerstin Remus, Diabetesberaterin. Die wird es Ihnen genauestens erklären. Von einer Schulbegleitung oder einem Pflegedienst halte ich persönlich gar nichts. Sie machen Ihr Kinder damit evtl. zum Aussenseiter. Die anderen Kinder merken, dass Ihr Kind einen Sonderstatus hat, das mag keiner gern. Ich bin der Meinung, dass Ihr Kind das alleine schafft. Auf jeden Fall....die sind so schlau, so selbstständig....Sie werden sich wundern. Wenn es unbedingt der Pflegedienst sein soll, müssen Sie dieses bei der Krankenkasse beantragen. Aber denken SIe nochmal darüber nach und besprechen das mit Ihrem Diabetesteam.