Wenn Diabetes ans Herz geht

Experten-Chat mit Prof. Dr. med. Stephan Jacob

Bis zum 29. September 2015 findet unsere Experten-Sprechstunde mit Professor Jacob zum Thema "Wenn Diabetes ans Herz geht" statt.

Prof. Stephan Jacob, Villingen-Schwenningen
Prof. Stephan Jacob, Villingen-Schwenningen

Prof. Dr. med. Stephan Jacob

Brombeerweg 6
78048 Villingen-Schwenningen
Protokoll der Sprechstunde

Betreff: Wenn Diabetes ans Herz geht

Barbara M. fragt: 

Hallo,

mein Mann hat Diabetes Typ 2 und Übergewicht (105 kg bei 183 cm) - hab den BMI jetzt nicht ausgerechnet. Er schnauft immer sehr viel beim Treppensteigen und wenn er sich mal länger intensiver bewegt. Sein Langzeit-BZ-Wert ist wohl nicht ideal, wie der Arzt meinte (ich weiß nicht genau, so 7,2 - kann das sein?) Er nimmt jeden Tag 2 mal Metformin. Habe Angst dass er Herzinfarkt-gefährdet ist. Kann man dafür Symptome erkennen oder wie kann man vorbeugen??? Er ist auch nicht zum Sport zu bewegen und seine Ernährung lässt auch zu wünschen übrig. Ist er stark gefährdet bzw. kann man das Risiko senken, wenn er vielleicht sein Diabetes-Medikament höher dosiert? Davon sprach der Arzt wohl nicht.

Danke und freundliche Grüße
B. Meisner

Prof. Dr. med. Stephan Jacob antwortet: 

HALLO!

Tja, das ist leider ein nicht seltenes Problem, dass die Betroffenen das Ganze nicht so ernst nehmen und aus den alten Gewohnheiten nicht rauskommen. Zumal der Zucker, der Blutdruck und die Fettstoffwechselstörungen ja selbst nicht weh tun. Da hilft eines sicherlich: wenn er darüber informiert wird, welches Risiko ein schlecht behandelter Diabetes mit sich bringt und -ANDERERSEITS - welche CHANCEN eine gute Behandlung für die Menschen mit Diabetes bringen! Um zu sehen, wo alles Baustellen sind und wie hoch seine Gefährdung bezüglich des Herz-Kreislauf- und Herzinfarkt-Risikos ist, sollen alle Risikofaktoren mal zusammen betrachtet werden, denn wenn er ein sogenanntes Metabolisches Syndrom hat, also von jedem etwas (Übergewicht/Bäuchlein, Zucker, der Blutdruck und die Fettstoffwechselstörungen), dann geht das Risiko entsprechend hoch und dann sollte umso konsequenter was dagegen gemacht werden. Ein häufiger Fehler im Alltag ist allerdings, dass wir dann bei Lebensstiländerungen, immer alles gleich auf einmal haben wollen und das geht meist schief, denn alte Gewohnheiten zu ändern, einen Pantoffelhelden zum Olympiasieger im Langstreckenlauf zu machen :-) klappt nie. Aber beim Lebensstil etwas /(und hier zählt jeder extra Schritt) mehr bewegen, etwas anders essen - z.B. mal viel mehr Salat oder Gemüse statt Brot und Kartoffel etc. - das alles sollte mit dem Betroffenen GEMEINSAM mal genau angeschaut und besprochen werden - was ER ändern könnte und dann auch ändern will. Weiterhin, neben einer besseren Lebensweise, sollte er auch - wenn vorhanden - den Blutdruck und die Blutfette gut von Hausarzt "einstellen" lassen. Da wird der Hausarzt und sicher auch der Diabetologe ihm gut helfen können. Einfach die Medikamentendosis (auch noch von alleine) zu erhöhen bringt nichts, kann sogar sehr gefährlich werden. Metformin ist ein sehr gutes Medikament, aber wenn das nicht ausreicht und die Änderungen beim Essen "ausgereizt" sind, dann wird der Hausrzt ihm sicher ein weiteres Medikament dazugeben, das über einen anderen Wirkmechanismus den Blutzucker senkt. Wir achten heute besonders darauf, dass die Diabetesmedikamente keine ungünstigen Effekte auf Gewicht und Unterzuckerungen haben, denn die sind nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich. Also: informieren, nicht drohen, erzählen von den Chancen, die sich durch eine gute (Selbst-) Behandlung ergeben und dann auch konsequent am Ball bleiben mit etwas gesünderem Lebensstil, Kontrolle der Risikofaktoren und regelmäßigen ärztlichen Kontrollen! Und: gemeinsam geht's besser. Daher zusammen den regelmäßigen Abendspaziergang zum Ritual machen :-)

Viel Erfolg und besten Gruß

Ihr SJ

Betreff: Wenn Diabetes ans Herz geht

Herr L. fragt: 

Sehr geehrter Herr Professor Jacob,

kürzlich wurde bei mir Diabetes Typ-2 diagnostiziert. Zusätzlich habe ich Bluthochdruck, "dickes Blut", bin übergewichtig, rauche und trinke täglich abends Alkohol. Ernährungsumstellung und Bewegung/Sport schaffe ich. Mit dem Rauchen und Trinken konnte ich noch nicht aufhören. Seit 8 Tagen nehme ich morgens Metformin. Die ersten beiden Tage ging es mir erstaunlich gut, seitdem aber zunehmend schlechter (Übelkeit, Schwindel, Sehschwäche, Brustschmerzen). Ich habe gelesen, dass Metformin in Verbindung mit Alkohol schwerwiegende Nebenwirkungen hat. Jetzt ist Samstag, ich kann frühestens Montag zu meiner Ärztin. Einen Notarzt möchte ich möglichst vermeiden.
Nun meine Frage: wäre es sinnvoll, das Medikament bis zum nächsten Arztbesuch weg zu lassen?

 

Prof. Dr. med. Stephan Jacob antwortet: 

Hallonun... das mit der Übelkeit und Brustschmerzen etc beim RAuchenden Diabetiker soll man ernst nehmen, dahinter kann sich auch ein Herzinfarkt verstecken.daher schon die Empfehlung: zum Hausarzt und die Beschwerden abklären lassen!!alles GUTEIhr SJPS als Erstes das "RAUCHEN" lassen (das verbessert ürbigens auch die Diabeteseinstellung, denn jede Zigarette vernmindert die Wirkung des eigenen Insulins um fast 30%!!), danach das "Trinken" angehen, meist klappt BEIDES zu stoppen selten gleichzeitig....

Betreff: Wenn Diabetes ans Herz geht

Marianne B. fragt: 

Guten Tag!
Seit einiger Zeit bizzelt es immer in meinen Händen und Füßen. Ich achte aber immer auf meine BZ-Werte. Die sind ok und der Arzt meinte vor einer Woche noch, das mein HBa1c-Wert optimal bei 6,5 liege. Kann das dennoch ein Anzeichen für so eine Nervensache sein oder ist vielleicht auch mit dem Herzen etwas? kann es trotz guter Einstellung zu Organschäden bei Diabetes kommen? habe immer Angst, dass mich sowas mal einholt!!!
Danke für Ihre Antwort und freundliche Grüße
Marianne B.

 

Prof. Dr. med. Stephan Jacob antwortet: 

Hallonun, klar, ich verstehe Ihre Sorgen. doch -... wenn es in beiden Händen bizzelt, klingt das nicht nach Herzen :-)es könnte auch Orthopädisch oder neurologisch zu erklären sein.bei gut eingestelltem BLutzucker kann dennoch ein Mangel an Vitamin B12,. Folsäure und sogar Vitamin D und MAgnesium solche Beschwerden verstärrken, daher würde ich die auch abchecken lassen...wodurch wird das Ganze besser?wie lange dauern dei Beschwerden?gibt es Auslöser für die Beschwerden?das sind so Punkte, die man auch noch anguggen sollte!alles gute!Ihr SJ

Betreff: Wenn Diabetes ans Herz geht

Brigitte N. fragt: 

Ich abe gehört, dass es Diabetes-Medikamente gibt, die schädlich für das Herz sein können. Stimmt das? Welches sind sie? Ich nehme Rampiril.

 

Prof. Dr. med. Stephan Jacob antwortet: 

hallo!

Diabetesmedikamente, meinen Sie damit Blutzuckersenker oder grundsätzlich Medikamente, die menschen mit DM häufig erhalten?

bei den Blutzuckersenkern gibt es in der Tat einiges Substanzen, für die es Hinweise (aber keine festen Beweise) für ungünstige Wirkungen gibt, allen voran Medikamente, die Unterzuckerungen verursachen, denn diese sind viel gefährlicher, als wir das früher dachten... daher eher INDIREKTT SCHLECHT!
eine direkte Schädigung des Herzens oder der Gefäße... dafür gibt es keine Hinweise!
Nun, ich kann Sie beruhigen, dennh das Ramipril (=ein BLUTDRUCKSENKER) ist eines der supergut untersuchten Medikamente, das gerade bei Menschen mit Diabetes eine serh gut Wirkung gezeigt hat, so gut, dass fast jeder Mensch mit Diabetes heutzutag Medikamente aus dieser Wirkstoffgruppe z.B. zur Behandlung von Hochdruck  und auch zum Nieren und Gefäßschutz haben sollte!

okay?? wichtig sind aber auch, dass die Blutdruckwerte GUT eingestelt sind; sprechen Sie daher das mit Ihrem Arzt gut durch, denn leider sehen wir häufig, dass zwar Medikamente verschrieben und genommen  werden, aber die ZIELWERTE für Blutdruck (aber auch für Zucker und Blutfette) NICHT erriecht werden...Alles Gute Ihr SJ

Brigitte N. fragt:

Vielen Dank für Ihre Antwort. Ja stimmt. Ich habe mich missverständlich ausgedrückt. Ich meine generell Medikamente die Menschen mit Diabetes einnehmen. Ich nehme Metformin einmal abends ein. Und das Rampiril einmal morgens. Also die Kombination ist üblich und auch verträglich?

Ich habe derzeit sehr gute Blutdruckwerte 120/80 und manchmal auch 110/70. Jetzt habe ich aber gehört, dass ein zu niedriger Blutdruck bei älteren menschen (ich bin 67) und auch bei Diabetikern gar nicht so gut sein soll. ist das noch ok oder sollte der höher sein?

Professor Jacob:

 

Hallo nochmals,
NÖÖÖ, das ist so alles GUT!! :-)!

der Blutdruck steigt ja häufig unter Belastung doch deutlich an, daher sollte der Bltdurkc von 120/80 gut sein, aber wenn Sie Schwindel etc hätten... mit dem Arzt sprechen ... vielleicht kann man ja Ramipril auf 2 portionen halbieren (morgens und abends ) viel Erfolg weiterhin!Ihr SJ

Betreff: Wenn Diabetes ans Herz geht

Irene fragt: 

Lieber Herr Professort Jacob,
ich bin 34 Jahre alt und habe seitdem ich 10 Jahre alt bin Diabetes. Habe bisher keine großen Probleme gehabt. Jetzt kann ich seit einiger Zeit nicht mehr gut einschlafen weil mein Herz so extrem pocht. habe das Gefühl als würde es gleich aus meiner Brust springen. Was kann das sein? ich habe zugegebenermaßen etwas stressige Wochen hinter mir aber sowas hatte ich selbst bei anderen stressigen Zeiten nie gehabt. Habe ich Herzrhythmusstörungen oder kann es an meinem Diabetes liegen? Bin ich jetzt Herzinfarkt-gefährdet?

 

Prof. Dr. med. Stephan Jacob antwortet: 

Liebe Frau K,

nun, meistens sind das -durch Stress- mit ´bedingte harmlose extraschläge, die wir sonst auch haben, vielleicht nicht in der Intensität wahrnehmen...Aber, wenigstens EINMAL sollte da dennoch ein EKG gemacht werden und der Azrt sollte mal draufguggen... manchmal kann auch eine Schilddrüsenüberfunktion dahinterstecken... aber wie gesagt, ...einmal kurz abklären lassen...der Diabetes als solches macht dieses Herzrasen nicht :-)---- (es sei denn, Sie hätten ne Unterzuckerung, aber das kennn Sie ja ....herzlichen Gruss und auf dass der Stress bald vorbei ist! Ihr SJ

Betreff: Wenn Diabetes ans Herz geht

Martha fragt: 

Lieber Herr Professor Jacob,
immer wieder lese ich dass Diabetes das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt erhöht. Wie kann das denn sein? Was hat denn der Blutzucker mit dem zu tun? Ist jeder Diabetiker gefährdet? Ich habe Typ 1 und bin auch nicht übergewichtig. Trifft das nur auf Typ 2 zu?
Viele Grüße Martha

 

Prof. Dr. med. Stephan Jacob antwortet: 

Hallo, Frau M
nun , das ist richtig, der Zusammenhang zwischen Schlaganfall und Diabetes ist besonder bei typ 2 da: weil dann auch häufig noch Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen vorliegen...
ein gut eingestellter Zucker bei DM Typ 1 (und wenn nötig eine gute Blutdruckkontrolle) sind die besten Schutzmechanismen vor einem Schlaganfall.
Lassen Sie daher neben dem HbA1c auch den Blutdruck und die Blutfette regelmäßig kontrollieren..
die EDIC Studie hat das auch bei Typ 1 Diabetes TOLL gezeigt!
okay?
alles Gute
Ihr SJ

Betreff: Wenn Diabetes ans Herz geht

Walter D. fragt: 

Ich habe gehört, dass es Stents am Herzen gibt, die Medikamente freisetzen. Kommen die schon zum Einsatz und gibt es da was für Diabetiker oder sind das die gleichen Medikamente??
MfG
Walter D.

 

Prof. Dr. med. Stephan Jacob antwortet: 

Hallo Herr Ddie DRUG ELUTUNG STENTS gibt es auch für Diebetiker, die setzen spezielle SUbstanzen frei, die die Gerinnung und damit den Verschluss des Stents vermindern...Studien zeigen, dass diese gerade bei Menschen mit Diabetes besonders gut sind...eine immer diskutierte Frage ist, ob der Mensch mit Diabetes eher von einem Bypass, also einer Operation , profitiert, auch hier zeigen die Studien, dass -wenn mehrere GEfäße betroffen sind- die OP sogar bei DM besser ist...aber - falls es da bei Ihnen Probleme gibt, wird das immer mit dem Kardiologen besprochen ...und ich hoffe, dass SIE das nicht brauchen!herzlichen GrussIhr SJ

Betreff: Wenn Diabetes ans Herz geht

Tom K. fragt: 

Sehr geehrter Herr Professor Jacob,
können Sie mir sagen, wie der aktuelle Stand der Wissenschaft ist was Herzkreislauferkrankungen und Diabetes betrifft? Meine Frage vor allem: Wie deutlich ist der Zusammenhang, zu welchem Anteil spielen genetische Faktoren eine Rolle, gibt es zu diesem Thema auch epigenetische Erkenntnisse? Wenn Sie Literaturhinweise haben, wäre ich sehr froh. Ich arbeite derzeit an einer Biologie-Arbeit in der 12. Klasse.
Vielen Dank und freundliche Grüße
Tom K.

 

Prof. Dr. med. Stephan Jacob antwortet: 

:-) das ist ein sehr enger Zusammenhang, die Fachgesellschaften in Europa der Kardiologen und der Diabetologen reden von zwei Seiten einer Medallie. dazu gibt es sogar ein sehr umfangreiches Paper auf englisch (guuuuggen Sie mal) im Internet: "European Heart Journal (2013) 34, 3035–3087...
da gibt es ja auch die common soil hypothesis
okay?
viel Spass und Erfolg!
Ihr SJ

Betreff: Wenn Diabetes ans Herz geht

Oskar R. fragt: 

Ich habe jetzt aktuell gelesen dass Empagliflozin das Risiko eine Herzkreislauf-Erkrankung zu bekommen reduziert. Auch soll es gegen Übergewicht helfen. Da ich stark übergewichtig bin und auch bereits einen Betablocker einnehme - Bisoprolol und Metformin nehme: Können Sie dieses Empagliflozin empfehlen? Kann ich darauf umstellen?
Oskar R.

 

Prof. Dr. med. Stephan Jacob antwortet: 

Hallo Herr Rja, da haben Sie richtig gelesen: wir waren alle sehr begeistert , als wir in Stockholm die Frohe Botschaft der EMPAREG STudie hörten: das neue Wirkprinzip, der SGLT2-Hemmer hat bei Menschen mit sehr hohem Herz-Kreislauf Risiko (also solche, die bereits ein Herzinfarkt, schlaganfall etc gehabt haben), die  Sterblichkeit sehr deutlich reduziert!besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt, der Gewichts verlust ist schön, aber im Mittel2-3kg... zwar nicht so superviell - aber sicherlich eine guteUnterstützung, wenn Sie selbst abnehmen wollen...da die Substanz, wie Metformin, auch keine Unterzuckerungsgefahr hat, ist sie gut geei´gnet, wenn Sie sich vermehrt bewegen oder Ihr Essen umstellen, denn es droht KEINE UNTERZUCKERUNG...warum haben Sie einen Betablocker? denn wenn es "nur" um Blutdruck geht, da haben wir was Besseres :-)besprechen Sie das mit Ihrem Arzt!! ....die SGLT2-Hemmer SENKEN übrigens auch den Blutdruck!!!ok??Herzlichen GrussIhr SJ

Betreff: Wenn Diabetes ans Herz geht

Jeremy fragt: 

kann man alternativ zum Blutdruck eigentlich auch den Puls messen? Wie aussagekräftig ist eigentlich der Puls für Herzkreislaufprobleme?
(Ich hoffe dass klingt jetzt nicht zu doof?)
Jeremy

 

Prof. Dr. med. Stephan Jacob antwortet: 

...tja, der Puls sagt  leider NIX zur DRUCKBELASTUNG der Gefäße und derf ARBEITSBELASTUNG des Herzens, daher MUSS immer  auch der Blutdruck gemessen werfde :-)okaygrussIhr SJ