Risiko Schlaganfall bei Diabetes

Experten-Chat mit Priv.-Doz. Dr. med. Christian Berg

Am 8. Mai 2014 findet unsere Experten-Sprechstunde mit Priv.-Doz. Dr. med. Christian Berg zum Thema "Risiko Schlaganfall bei Diabetes" statt. Er beantwortet Ihre Fragen live zwischen 17 und 19 Uhr.

Priv. Doz. Dr. med. Christian Berg, Mettmann
Priv. Doz. Dr. med. Christian Berg, Mettmann

Privatdozent Dr. med. Christian Berg

Chefarzt Innere Medizin am Evangelisches Krankenhaus Mettmann, Schwerpunkt Endokrinologie – Diabetologie – Angiologie

Evangelisches Krankenhaus Mettmann
Gartenstr. 4-8
40822 Mettmann
Protokoll der Sprechstunde

Betreff: Risiko Schlaganfall bei Diabetes

H. fragt: 

Lieber Herr Dr. Berg, ich habe Diabetes Typ 2 und habe jetzt im Internet gelesen, dass die Mittelmeerdiät das Risiko für Schlaganfall bei Diabetes deutlich senken kann. Ist das tatsächlich nachgewiesen? Nahrungsmittel, die irgendwelchen Krankheiten vorbeugen sollen machen mich immer stutzig. Diäten sind nicht so meine Sache. Hat noch nie beim Abnehmen geholfen. Dann doch lieber Medikamente, da ist der Nutzen wenigstens nachgewiesen...würde ich denken. Herzlichst, H.

Privatdozent Dr. med. Christian Berg antwortet: 

Sehr geehrter Herr H., vermutlich ist in diesen Untersuchungen die sog. mediterrane Kost gemeint. Das heißt eine ausgewogene Mischkost, wie man sie bei gesunder Ernährungsweise sowieso zuführt. Sie haben Recht, spezielle Nahrungsmittel oder Ergänzungsmittel haben keinen direkten Schutz vor Schlaganfall, vielmehr geht es um die ausgewogene gesunde Ernährung mit ausreichend körperlicher Bewegung. Mit freundlichen Grüßen, Dr. Berg

Betreff: Risiko Schlaganfall bei Diabetes

Erika fragt: 

Sehr geehrter Herr Dr. Berg,
als insulinpflichtiger Diabetiker möchte ich bitte folgende Fragen erläutert bekommen:
a) Besteht ein Unterschied zwischen den Frühwarnzeichen (TIA) und den Symptomen für einen Schlaganfall ?
b) Wenn ja, welche sind die Frühwarnzeichen und welche sind die Symptome für einen Schlaganfall ?
c) Gibt es unterschiedliche Anzeichen bei Frauen und Männern ?
d) Wenn ein Symptom für einen Schlaganfall auftritt, wie sollte die neurologische Untersuchung aussehen ?
Vielen Dank für die Beantwortung.

Privatdozent Dr. med. Christian Berg antwortet: 

Sehr geehrte Frau B.,

zu a) Eine TIA kann sich als Kurzes (zum Teil nur wenige Minuten anhaltendes) Symptom eines Schlaganfall äußern oder

sich kaum von einem Schlaganfall unterscheiden, die Diagnose einer TIA kann oft nur rückwirkend getroffen werden (Rasche Rückbildung der Symptome).

b) Die Symptome eines Schlaganfalls können sehr vielschichtig sein, z.B. eine Sprachstörung, ein hängender   Mundwinkel, eine Schluckstörung, eine Schwäche oder Gefühlsstörung der Arme und Beine, eine unsicherer Gang, eine Gleichgewichtsstörung oder auch Sehstörungen und Ausfälle des Gesichtsfeldes.

c) Die möglichen Symptome eines Schlaganfalls unterscheiden sich Männern und Frauen nicht.

d) Wenn man ein Symptom eines Schlaganfalls bemerkt (Bei sich oder auch z.B. den Angehörigen) sollte prinzipiell der Rettungsdienst alarmiert werden, hier ist v.a. ein möglicher Zeitverzug zu vermeiden (Man sagt "Time is brain") und in diesem Falle gilt sicher "Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig" professionelle Hilfe in Anspruch genommen zu haben. Die neurologische Untersuchung sollte dann auf die Entdeckung der möglichen Symptome abzielen und der Patient sollte in Regel auf einer speziellen Schlaganfall-Station behandelt werden ("Stroke Unit").

Mit freundlichen Grüßen

Betreff: Risiko Schlaganfall bei Diabetes

Selina fragt: 

Hallo Herr Dr. Berg, ich habe gelesen, dass Diabetiker ein erhöhtes Schlaganfallrisiko haben. Aber anscheinend auch Menschen mit Prädiabetes. Wann spricht man von Prädiabetes? Ich bin etwas übergewichtig (1,68m um die 80kg, 38 Jahre), meine Blutfettwerte sind aber OK, habe kürzlich ein Blutbild machen lassen. Mein Arzt meint, ich wäre dennoch ein Kandidat für Diabetes 2 und sollte mich mehr bewegen und natürlich abnehmen. Muss das sein? Ich meine wenn meine Blutzuckerwerte doch OK sind. Ist das nicht etwas übertrieben??

 

Danke und Grüße, Selina

Privatdozent Dr. med. Christian Berg antwortet: 

Hallo, zunächst einmal ist es absolut richtig, dass Diabetiker ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko aufweisen. Von "Prädiabetes" oder einer sogenannten gestörten Glukosetoleranz spricht man im Allgemeinen wenn die Blutzuckerwerte in einem Bereich unterhalb  der Diagnose eines manifesten Diabetes, aber in einem Bereich über den definierten Normwerten, liegen. Dies kann z.B. durch einen "Zuckerbelastungstest" oder auch durch die Bestimmung der Nüchernglukose festgestellt werden und erfordert dann zunächst Maßnahmen die ein weiteres Fortschreiten verhindern, z.B. eine Gewichtsreduktion, Bewegung usw. Auch dieser Prädiabetes ist eben durch das Risiko der Entwicklung eines manifesten Diabetes im Prinzip schon ein Risikofaktor für die dann auftretenden Folgeerkrankungen eines Diabetes (z.B. auch der Schlaganfall).

Die Entwicklung eines Diabetes ist durch viele Risikofaktoren begünstigt, dazu gehört gerade auch  das Übergewicht, v.a. zusammen mit einem etwaigen Bewegungsmangel. Dies ist sicherlich was ihr Hausarzt meint und er möchte mit einem frühzeitigen Eingreifen eine (mögliche!) Entstehung eines Diabetes verhindern ( im Sinne einer Prävention). Mit freundlichen Grüßen

Betreff: Risiko Schlaganfall bei Diabetes

Sandra fragt: 

Sehr geehrter Herr Dr. Berg,
meine Vater hatte im letzten Jahr einen Schlaganfall. Er wurde gleich ins Krankenhaus gebracht und alles ist den Umständen entsprechend gut verlaufen. Mein Vater zeigt seit einem Jahr die ersten Anzeichen einer Demenz. Jetzt wurde auch noch eine Diabetes-Vorstufe erkannt. Hängt das alles zusammen? Wir stehen jetzt vor dem Problem, dass wohl viele haben, nämlich dass viele Medikamente gegen alles mögliche genommen werden sollen. Können Sie bei dieser Kombi eventuell eine Empfehlung geben. Worauf sollte der Therapieschwerpunkt gelegt werden?

 

Privatdozent Dr. med. Christian Berg antwortet: 

Sehr geehrte Frau I., häufig gehen diese Probleme Hand in Hand. Schlaganfall begünstigt Demenz, Diabetes begünstigt Demenz und umgekehrt. Sicher ist eine optimale Therapie der Demenz und bezgl. des Schlaganfalls primär sinnvoll, insbesondere um die Gehirnfunktionen zu stabilisieren bzw. zu verbessern, Die Medikamente wie ASS etc. sind dringend notwendig. Der Diabetes sollte langfristig ebenfalls gut eingestellt sein, also alles zusammen durch Internisten und Neurologen und Diabetologen intensiv behandelt werden. Mit den besten Wünschen, Dr. Berg

Betreff: Risiko Schlaganfall bei Diabetes

Frau S. fragt: 

Hallo Herr Dr. Berg, ich habe einen Beitrag in der Ärzte Zeitung gelesen, dass Frauen ein wesentlich höheres Schlaganfallrisiko haben als Männer mit Diabetes. Warum das so ist, ist aber noch nicht bekannt. www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/schlaganfall/article/859637/schlaganfall-hoeheres-risiko-frauen-diabetes.html

Eine Vermutung wird geäußert: Unterschiede bei der Koagulation und Fibrinolyse.
Was ist das und wie kann ich das beeinflussen? Ich habe selbst Typ 2 Diabetes und auch Fälle von Schlaganfall in der Familie und würde mich daher gerne schützen, so weit es eben möglich ist.
Ich freue mich auf Ihre Antwort,
herzliche Grüße aus Bayern, Schubert

Privatdozent Dr. med. Christian Berg antwortet: 

Sehr geehrte Frau S., in der Tat sind Männer und Frauen hier sehr verschieden. Es gibt Unterschiede in der Blutgerinnung (Koagulation) und der Auflösungsgeschwindigkeit von Gerinnseln (Fibrinolyse).

Wichtig ist, dass man seine Risikofaktoren überprüfen lässt, also ob z.B. Bluthochdruck oder eine Fettstoffwechselstörung vorliegt. Dies sollte alles optimal behandelt und eingestellt sein. 
Viele Grüße, Dr. Berg