Pflege und Betreuung von älteren Menschen mit Diabetes zu Hause

Experten-Chat mit Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang

Bis zum 11. Februar 2010 findet unsere Experten-Sprechstunde mit Dr. Dr. Andrej Zeyfang zum Thema "Pflege und Betreuung von älteren Menschen mit Diabetes zu Hause" statt. Er ist Chefarzt am Bethesda Krankenhaus Stuttgart, Abteilung für Innere Medizin und Geriatrie. Er beantwortet Ihre Fragen live am Donnerstag, den 11. Februar zwischen 17 und 19 Uhr.

Protokoll der Sprechstunde

Betreff: Pflegepersonal

Maren S. fragt: 

Betreff:   Pflegepersonal
Nachricht: Hallo, mein 84-jähriger Vater hat seit Jahrzehnten Diabetes und ist inzwischen ein Pflegefall. Deshalb lebt er seit drei Jahren bei mir. Er ist beinamputiert aber dennoch mit Gehhilfen in der Wohnung unterwegs. Da er immer wieder etwas umwirft, hin und wieder sogar stürzt und ich ihn nicht ständig im Auge behalten kann, befürchte ich, dass ich es nicht mehr lange alleine schaffen werde, ihn zu Hause zu pflegen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Pflegedienst damit zurecht kommen würde, bei uns in der engen Wohnung alles Nötige zu machen, das sind ja auch völlig fremde Menschen. Andererseits will ich meinen Vater nicht ins Heim abschieben. Was können Sie mir raten und gibt es auch Pflegedienste die speziell auf Diabetiker ausgerichetet sind?

Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang antwortet: 

Liebe Maren, ich glaube ein großer Teil Ihrer Fragen ist durch die vorangegangene Antwort an Alena schon beantwortet. Es ist immer schwierig, die richtige Entscheidung zu treffen - nicht nur welches Heim, sondern auch WANN ins Heim. Ich denke Sie machen das gefühlsmässig richtig: Wenn immer wieder Stürze auftreten (und möglicherweise auch die geistige Leistungsfähigkeit stark abnimmt) wird es zu Hause schwirig. Speziell wenn nachts Beaufsichtigung nötig wird, schafft man es in der regel als Familienangehöriger nicht mehr zu Hause. Solange noch Daheim: Stichworte wie Hüftschutzhosen (Safe-Hip) sinnvoll, Gehhilfsmittel wie Rollator, Haltegriffe im Bad etc... Für die Frage nach qualifizierter Pflege: Stichworte wie FoDiAl und DPFK-Ausbildung. Für die Heimsuche verweise ich auf die vorangegangenen Hinweise und Links, zusätzlich noch: http://www.diabetes-ratgeber.net/Diabetes/Diabetiker-im-Altenheim-Besser...   Viel Erfolg - Alles Gute! Andrej Zeyfang

Betreff: geschultes Pflegepersonal???

Alena fragt: 

Betreff:   geschultes Pflegepersonal???
Hallo Herr Dr Zeyfang, mein Schwiegervater ist seit 2 Jahren im Pflegeheim. Seit 5 Jahren hat er Typ 2 Diabetes. Ich habe das Gefühl, dass die Pflegekräfte dort nicht ausreichend ausgebildet sind, um eine gute Betreuung eines Diabetikers zu gewährleisten. Eine Schulung bringt in seinem Fall nichts mehr, da er sowieso alles vergisst. Man muss also immer aufpassen, was er isst und wieviel. Ich habe auch bemerkt beim letzten Besuch, dass er sich oft an den Beinen kratzt und einige rote Stellen hat. Gibt es geschultes Pflegepersonal? Und wenn ja, wo finde ich es?
Vielen Dank
 

Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang antwortet: 

Liebe Alena, ja, die Diabetes-Versorgung im Pflegeheim ist nicht immer einfach! Die Deutsche Diabetes-Stiftung und unsere Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Geriatrie der DDG haben dies schon lange erkannt - und wir sind gerade dabei, Verbesserungskonzepte umzusetzen. Bei den tausenden von Pflegeeinrichtungen wird es allerdings noch dauern, bis genügend "Fachwissen" ankommt. In Kürze: Als Reaktion auf z.B. die ProDiAl-Studie der DDS hat die AG DIabetes und Geriatrie ein Konzept zur Schulung von Altenpflegekräften entwickelt www.fodial.de Die Fortbildung wird deutschlandweit angeboten, vielleicht können Sie ja im Heim nachfragen, ob dies bekannt ist und ob schon jemand daran teilgenommen hat. Zukünftig soll es durch eine weitere, ergänzende Fortbildung ("Diabetes-Pflegefachkraft") möglicherweise auch durch die AG "anerkannte" Pflegeeinrichtungen geben. Ein paar Tipps von Dr. Friedl und mir zur Auswahl eines geeigneten Pflegeheims finden Sie hier: http://www.diabetesstiftung.de/fileadmin/dds_user/dokumente/DDS_Pflegehe...   Alles Gute! Andrej Zeyfang

Betreff: Pflege und Betreuung von älteren Menschen mit Diabetes zu Hause

Daniela M. fragt: 

Sehr geehrter Herr Dr. Zeyfang,
mein 70-jähriger Vater hat seit 15 Jahren Diabetes. Seit dem Tod meiner Mutter/seiner Frau vor kurzem zeichnet sich ab, dass er nicht mehr gut für sich selbst sorgen kann. Er isst unregelmäßig und vernachlässigt auch das Blutzuckermessen, die Einnahme seiner Medikamente etc.. Daher wird er bald bei uns einziehen, damit ich mich mehr um ihn kümmern kann. Mit den Medikamenten kenne ich mich mittlerweile ganz gut aus, doch auf muss ich in Bezug auf seine Fußpflege achten? Ich habe letztens erst wieder gehört, dass Diabetiker schneller Wunden bekommen, die schlecht heilen und im schlimmsten Fall ein Fuß amputiert werden muss! Wie kann ich das verhindern?
Vielen Dank! Daniela M.

Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang antwortet: 

Liebe Daniela, gute und wichtige Frage! Also dass der Vater zu Ihnen kommt, ist sicher sehr gut. Es klingt mir ein bisschen so, als habe er entweder geistig abgebaut ("Demenz") oder als leide er unter einer Depression nach dem Tod der Ehefrau. Es wäre sicher gut, dies einmal durch einen Neurologen/Psychiater abzuklären. Nun zum Wichtigsten Teil der Antwort: Die Füße sind extrem gefährdete Körperteile bei älteren Menschen mit Diabetes (s. auch Antwort an Cora und Ulrich). Regelmäßig, am besten täglich, inspizieren. Auch die Fußsohle. Achten Sie auf Hornhautbildung (dann nach Druckstellen im Schuhwerk sehen, ggf. mit Sandpapierfeile/Bimsstein vorsichtig entfernen) besonders aber auf Verletzungen. Nägel extrem vorsichtig schneiden, bei Verletzungen immer zum Arzt gehen - auch wenn es nicht weh tut!  Sofern es möglich ist: Speziell ausgebildete Fußpfleger ("Podologen") pflegen die Füße professionell. Verordung durch den Arzt teilweise möglich. Alles Gute, Andrej Zeyfang

Betreff: Pflege und Betreuung von älteren Menschen mit Diabetes zu Hause

Ursula G. fragt: 

ich bin 55 Jahre alt und habe seit 5 Jahren Diabetes Typ 2. Eine Brille trage ich schon lange und gehe auch immer zum Augenarzt zur Kontrolle. Er sagte beim letzten Mal, dass wir wegen meinem Diabetes sehr auf meine Augen achten müssen, weil man sonst blind werden kann. Das macht mir große Angst, wie viele Diabetiker werden denn im Laufe der Zeit blind? Verliert man von einem auf den anderen Tag sein Augenlicht?

Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang antwortet: 

Liebe Ursula, ich möchte Ihnen zunächst Ihre große Angst lindern: Man wird nicht plötzlich aus heiterem Himmel heraus blind. Und glücklicherweise entwickelt auch nicht jeder Diabetiker Folgeerkrankungen an den Augen ("Retinopathie"). Wahr ist aber leider, dass durch einen schlecht eingestellten Diabetes das Risiko steigt, mit den Jahren eine Retinopathie zu entwickeln. Da man erst spät etwas von dieser Entwicklung bemerkt, muss der Augenarzt die Netzhaut regelmässig untersuchen. Wenn Veränderungen sichtbar sind, wird Ihnen der Augenarzt eine Laserbehandlung empfehlen. Da Sie davon nichts geschrieben haben glaube ich nicht, dass Sie eine fortgeschrittene Retinopathie haben. Sicherheitshalber fragen Sie das nächste Mal Ihren Augenarzt direkt, was er damit meinte. Sie können sich jedoch recht sicher fühlen, wenn Sie: - ein gutes HbA1c haben (nahe 6,5-7%) - gute Blutdruckwerte haben (< 135/80 mmHg) - regelmäßig (mind. 1x/Jahr) vom Augenarzt den Hintergrund kontrollieren lassen Alles Gute! Andrej Zeyfang

Betreff: Pflege und Betreuung von älteren Menschen mit Diabetes zu Hause

Dieter H. fragt: 

Sehr geehrter Herr Zeyfang, vor einem Jahren hatte ich einen "kleinen" Schlaganfall. Ich bin jetzt 62 und habe es ganz gut weggesteckt. Ich rauche fast nicht mehr und bewege mich ab und zu - so gut das in meinem Alter eben möglich ist. Vor ein paar Monaten kam dann der Diabetes dazu. Mit Medikamenten allein errieche ich allerdings keinen Blutzuckerwert im Normbereich - also spritze ich bei Bedarf auch Insulin. Meine Frage ist jetzt wie sich das Insulin mit den anderen Medikamenten (zur Hemmung der Blutgerinnung) verträgt. Ich möchte auf keinen Fall mein Risiko eines zweiten Schlaganfalls provozieren.
Vielen Dank für Ihren Rat
Dieter H.
Bad Saulgau

Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang antwortet: 

Lieber Dieter, direkte Antwort auf Ihre Frage: Keine Sorge, Insulin verträgt sich bestens mit allen Mitteln zur Blutverdünnung (Aspirin, Marcumar...). Der gut eingestellte Blutzucker hilft auch dem Gehirn - auch nach einem Schlaganfall. GAnz wichtig ist der Blutdruck: Ich empfehle Ihnen die Selbstmessung und Werte unter 135/80 mmHg anzustreben.Ich wünsche Alles Gute, Andrej Zeyfang

Betreff: Pflege und Betreuung von älteren Menschen mit Diabetes zu Hause

Martin und Johanna fragt: 

Wir pflegen seit zwei Monaten meine an Typ-2-Diabetes erkrankte Schwiegermutter zu Hause. Mein Mann ist noch voll berufstätig, ich arbeite halbtags. Da meine Schwiegermutter inzwischen auch inkontinent und außerdem sehr schwer ist, ist der Aufwand sie zu pflegen erheblich. Vormittags und abends untertsützt uns zum Glück die Hauskrankenpflege mit einem Besuch. Hinzu kommt, dass wir jeden Gang zum Arzt genau planen, mitunter einen Krankentransport bestellen und jedes Mal unglaublich viel Papierkram erledigen müssen. Das reicht von den Pflegegeldanträgen, über die Transportgenehmigung bei der Kasse über die Zuzahlungsbefreiung, bis hin zu der Verordnung der Katheterbeutel, die wir in der Apotheke vorlegen müssen. Niemand sagt uns, wie wir hier am besten vorgehen sollten, damit wir dafür nicht immer soviel Zeit aufwenden müssen. Gibt es auch Pflegedienste oder andere Stellen, die einem bei diesen organisatorschen Dingen helfen können? Viele Grüße Martin und Johanna

Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang antwortet: 

Liebe Johanna und Martin, erstmal Kompliment für den Einsatz zur Pflege der Schwiegermutter zu Hause, trotz Berufstätigkeit. Es gibt wirklich eine Menge zu organisieren und zu beachten, leider kann ich nicht alle Details hier beantworten. Grundsätzlich machen Sie schon alles richtig - Miteinbeziehung von Profis (häusliche Krankenpflege), Beantragung von Pflegegeld / Einstufung in Pflegestufe usw. Es kommt ganz auf das Bundesland bzw. sogar auf Landkreis oder Kommune an, wer Ihnen welche organisatorische Hilfe anbieten kann. Ich empfehle nachzufragen- bei der Kranken/Pflegekasse - im Rathaus - ggf. auf dem Sozialamt Weiterhin empfehle ich dringend die Beratung (Pflegedienst, Kasse) bezüglich Pflegehilfsmitteln (Übergewicht - Rücken!) wie Patientenlifter, Duschstuhl, Inkontinenzmaterial oder auch zur Sturzprävention (Schutzhosen, Rollator... sowie die Broschüre "Pflegen zu Hause" der Bundesregierung. Download unter  http://www.bmg.bund.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Pflege/BMG-P-G-502-Ra...   Alles Gute! Andrej Zeyfang

Betreff: Pflege und Betreuung von älteren Menschen mit Diabetes zu Hause

Branko fragt: 

Ist und wo in Deutschland moeglich operazion machen wergen diabetes tip1 und auf insulin freiwerden?
Danke vielmals,
Branko K., Kroatien

Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang antwortet: 

Lieber Branko K., es gibt nur wenige Menschen, bei denen eine Operation (Transplantation) zur Heilung eines T1DM durchgeführt werden kann - und nur unter bestimmten Voraussetzungen. Informationen z.B. über München unter http://www.diabeteszentrum-uni-muenchen-innenstadt.de/pages/diabetes-zen... Alles Gute, Andrej Zeyfang

Betreff: Polyneuropathie

Cora fragt: 

Betreff:   Polyneuropathie
Guten Abend Herr Zeyfang, meine 75 Jahre alte Mutter hat Diabetes. Der Arzt sagt, dass sie wegen ihrer "Polyneuropathie" Spezielschuhe für ihre Füße braucht. Jetzt habe ich hier gerade gelesen, dass man bei dieser begleiterscheinung eigentlich gar nichts machen kan - außer seinen Zucker im Rahmen zu behalten. Ist das mit den Schuhen überhaupt sinnvoll und notwendig? Gruß Cora

Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang antwortet: 

Liebe Cora, JAIN - beide haben recht! Mit Medikamenten kann man gut gegen die schmerzhafte Polyneuropathie (PNP) vorgehen, gegen das Symptom Gefühllosigkeit gibt es leider keine Medikamente, außer der guten Blutzuckereinstellung, die jedoch die PNP nicht rückgängig machen kann. Auch sollte man weitere Schädigungen verhindern (kein Alkoholkonsum, nicht Rauchen) und ggf. andere Ursachen (z.B. einen Vitamin B12-Mangel oder Folsäuremangel) ausschließen. Die Schuhe allerdings bekommt Ihre Mutter nicht zur Behandlung der PNP, sondern um weiteren Gefahren vorzubeugen: Gefühllose Füße sind leider oft auch unempfindlich bis schmerzlos. Auch wenn z.B. durch enges Schuhwerk Druckstellen auftreten, wird Ihre Mutter dies nicht bemerken - bis hin zur Entstehung von schwer heilenden Wunden: Dem "Diabetischen Fuß".Möglicherweise liegen bereits Veränderungen wie starke Hornhautbildung oder Krallenzehen vor. Also: Schuhe sinnvoll und notwendig - Gratulation zum guten Arzt Ihrer Mutter! Liebe Grüße -  Andrej Zeyfang

Betreff: Pflege und Betreuung von älteren Menschen mit Diabetes zu Hause

Gerhard K. fragt: 

Anfrage per Post

Sehr geehrter Herr Dr. Andrej Zeyfang, ich bitte um eine Auskunft von Ihnen. Ich bin 81 Jahre, 160 cm groß und wiege trotz größter Entbehrungen immer noch 85 kg.
In jüngeren Jahren, noch ohne Typ 2-Diabetes, lag mein Gewicht bei 70 kg.
Bitte helfen Sie mir mit was ich die 15 kg plus wegbekomme.Mit sehr freundlichen Grüßen

Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang antwortet: 

Anfrage per Post

Sehr geehrter, lieber Herr Gerhard K.,

ich möchte Ihnen als Antwort zunächst eine Botschaft geben:

Ein leichtes Übergewicht (Body-Maß-Index 25-30 kg/m²) ist für Menschen ab 75 Jahren gesünder als Normalgewicht.
Es stellt einen Schutzfaktor gegen Gebrechlichkeit dar, die Menschen mit Typ 2-Diabetes in den letzten Lebensjahren schwer beeinträchtigen kann.

Vor diesem Hintergrund wäre ihr Zielgewicht nicht bei 70 kg, wie vielleicht im jüngeren Erwachsenenalter, sondern bei ca. 77 - 80 kg (entspricht BMI von 30 kg/m2). Es kommt ebenfalls stark darauf an, wo sich ihr Gewicht befindet:  Ist es am Bauch? Dann ist die Belastung für den Stoffwechsel wesentlich größer, als wenn es sich gleichmäßig am ganzen Körper verteilt.

Messen Sie Ihren Bauchumfang doch einmal mit einem Maßband, beträgt er über 102 cm, dann wäre es tatsächlich sinnvoll, noch etwas zur Gewichtsreduktion beizutragen.

Es gibt hierfür leider kein Patentrezept. Grundsätzlich spielt die Bewegung gerade im höheren Lebensalter, eine viel wichtigere Rolle als die Ernährung.

Ich würde Ihnen empfehlen, sich einen Schrittzähler zuzulegen und über Wochen hinweg versuchen täglich ein paar Schritte mehr zu tun, als bisher.

Zu Ihrer Therapie haben Sie leider nichts gesagt. Wichtig ist, das Insulin und insulinfreisetzende Medikamente eher die Gewichtszunahme fördern, Medikamente wie Acarbose, Metformin oder die so genannten Mimetika die Gewichtsabnahme erleichtern. Dies müssen Sie allerdings mit Ihrem behandelnden Arzt abstimmen, da ist leider keine Fern-Empfehlung sinnvoll.

Was die Ernährung anbetrifft: Ein großes Glas Wasser vor jeder Mahlzeit verbessert das Sättigungsgefühl, Spät- und Zwischenmahlzeiten sind je nach Behandlungsplan oft nicht unbedingt notwendig.
(Ich empfehle jedoch die Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt!)
Ich hoffe, diese Tipps helfen Ihnen weiter!
Mit freundlichen Grüßen
aus Stuttgart Dr. A. Zeyfang

Betreff: Pflege und Betreuung von älteren Menschen mit Diabetes zu Hause

Jakob G. fragt: 

Hallo Herr Zeyfang, seit einem halben Jahr habe ich, 64 Jahre alt und ehemaliger Kraftfahrer, Diabetes. Ich hab Übergewicht und hohen Blutdruck. Beides soll ich "drastisch senken", meinte der Doktor. Ich schlucke aber nicht gern Tabletten und vergesse sie auch mal. Abgenommen hab ich schon ein bisschen, weil ich mehr spazierengehe. Kann man auch den Blutdruck ohne Tabletten senken?

Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang antwortet: 

Lieber Jakob G., Kompliment, Sie sind genau auf dem richtigen Weg ("abgenommen hab ich schon..."). Wenn Sie es schaffen, von Ihrem Übergewicht (wahrscheinlich bauchbetont - s. Antwort an Julius H.) herunterzukommen (oft reichen bereits 5-6 kg), bessern sich möglicherweise Blutzucker und Blutdruck zugleich! Allerdings empfehle ich nicht, einfach so lange mit einer Behandlung zu warten. Nehmen Sie jetzt die nötigen Medikamente (bei Bluthochdruck sind leider oft 2-4 verschiedene Medikamente nötig) ein mit dem Ziel, diese bei erfolgreicher Gewichtsabnahme wieder zu reduzieren oder abzusetzen. Dies motiviert auch sehr! Blutdruck senken ohne Tabletten trotz bleibendem Übergewicht: Klappt meist überhaupt nicht. Viel Erfolg, Alles Gute, Andrej Zeyfang

Betreff: Diabetes im Alter

Julius H. fragt: 

Betreff:   Diabetes im Alter
Wie kann man Diabetes, speziell im Alter, vorbeugen? Ist besonders eine fleischarme oder proteinarme Ernaehrung empfehlenswert? Vielen Dank!

Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang antwortet: 

Lieber Julius H., Kurz gesagt: So wie in jungen Jahren auch: Richtig essen - Mehr bewegen. Das hilft zumindest bei der Vorbeugung des häufigen Typ-2-Diabetes. Erbanlagen und (bauchbetontes) Übergewicht sind die Hauptursache dieser Erkrankung - da man sich die Eltern eben nicht heraussucht, ist die Vermeidung von Übergewicht (richtig essen - mehr bewegen) das sinnvollste.Selbsttest: Mit Maßband vor den Spiegel stellen - Türe abschliessen ;) - in entspanntem Zustand maßband um den Bauch legen (in der Höhe des Nabels) und entspannt ein- und ausatmen - in Mittellage messen. Ein Umfang von mehr als 88cm bei der Frau und mehr als102cm beim Mann ist auch bei Älteren nicht zu empfehlen. Zum zweiten Teil: Nein, Fleisch- oder proteinarme Ernährung ist zur Vermeidung von Diabetes nicht sinnvoll. Im höheren Alter sogar schädlich, da ältere Menschen mehr Eiweiss benötigen und oft unter Abbau der Muskelmasse leiden, welche zur Gebrechlichkeit führt. Ab 75 Jahren ist ein leichtes Übergewicht (BMI 25-30 kg/m2) sogar ein Schutzfaktor. Alles Gute Andrej Zeyfang

Betreff: pflanzliche Medikamente

Biggi fragt: 

Betreff:   pflanzliche Medikamente
Hallo Herr Dr., welche pflanzlichen Mittel können Sie mir empfehlen, um den Bluzucker zu senken? Ich bin über 50, leide an D.m. Typ2, außerdem bin ich übergewichtig und vor einem jahr hatte ich noch eine Thrombose im Bein. Wäre es daher nicht besser, wenn ich anstelle chemischer Medikamente etwas pflanzliches nehme - etwas, was keine Probleme mit anderen Medikamenten macht? Gibt es hierzu Studien?

Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang antwortet: 

Liebe Biggi, leider sind mir keine Studien bekannt, bei denen pflanzliche Alternativen (Zimt, Bockshornklee, Aloe….) wirklich genauso gut wie „chemische“ Arzneimittel sind. Auch für Süssmittel wie Stevia gibt es noch keine Sicherheit, ob es mehr Nutzen als Schaden anrichtet. Alles pflanzliche, was beim Abnehmen hilft ist dafür sinnvoll: Viel Ballaststoffe, Gemüse und natürlich viel Bewegung. Hilft auch gegen Thrombose – ist also doppelt empfehlenswert.

 

Noch mehr Details und Empfehlungen habe ich hier, nach K. Scheidegger (übernommen von der Amerikanischen Diabetes-Gesellschaft ADA)

 

  • Diabetiker, welche sich gesund ernähren, haben ein sehr geringes Risiko haben, in irgendeiner Form mangelernährt zu sein. Für alte Leute, strenge Vegetarier und Diabetiker, welche während längerer Zeit eine stark hypokalorische Diät durchführen, wird als Nahrungsergänzung ein Multivitaminpräparat empfohlen.
  • Generelle, positive Empfehlungen für den Einsatz von pflanzlichen Heilmitteln werden nicht gemacht. Dafür ist der Wissensstand immer noch zu dürftig, die Wirksamkeit der Phytotherapeutika zu gering.
  • Grossen Wert legt man auf die Sicherheit der Behandlung. Man empfiehlt, nur eindeutig deklarierte Produkte mit bekannter Herkunft, welche keine sensationellen Anpreisungen enthalten, zu kaufen.
  • Die ADA fordert die Diabetiker, welche sich mit Phytotherapeutika behandeln, auf, dies nicht «im Geheimen» zu tun, sondern mit dem betreuenden Arzt zu besprechen. Ebenso ermahnt sie ihre Mitglieder, die «schulmedizinische» Behandlung nicht ohne Kenntnis des Arztes abzubrechen.
    Alles Gute! Andrej Zeyfang

Betreff: Unterzucker

Claudia S. fragt: 

Betreff:   Unterzucker
ich sebst schule immer, dass einem Diabetiker mit schwerer Hypo (bewußtlos) niemals Traubenzucker o.ä. in den Mund gelegt werden darf. Aber gerade habe ich in den Infos für Lehrer bei diabtischen Kindern gelesen, dass notfalls Traubenzucker zwischen Zähne und Wange gelegt werden soll. wie gehe ich korrekt vor?

Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang antwortet: 

Liebe Claudia S., Traubenzucker wird tatsächlich auch durch die Schleimhaut der Wange aufgenommen, die Gefahr ist jedoch immer da, dass das Plättchen in den Rachen rutscht und die Atemwege verlegt – dann wird`s kritisch!

Ich würde der üblichen Variante (bei Bewusstlosigkeit keinen oralen TZ) den Vorzug geben.

Alles Gute! Andrej Zeyfang

Betreff: Pflege und Betreuung von älteren Menschen mit Diabetes zu Hause

Ursula M. fragt: 

Hallo
ich nehme seit kurzen Forair einmal Früh und einmal Abends einen Hub .
und Abends 2 Hübe Salbutamol . Seit dem sind meine Zuckerwerte viel höher geworden . Nun meine Frage ist ob das an den Medikamenten liegt .

Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang antwortet: 

Liebe Ursula M., ich denke - ja! Forair® enthält Formoterol. Genau wie Salbutamol und andere Asthma-Sprays erhöht es oft den Blutzucker. Falls erforderlich dennoch weiter nehmen, dafür die Diabetes-Therapie anpassen. Alles Gute! Andrej Zeyfang

Betreff: HbA1c-Wert bei über 80jährigen

Iris B. fragt: 

Betreff:    HbA1c-Wert bei über 80jährigen
Sehr geehrte Damen und Herren, es gibt unterschiedliche Aussagen der behandelnden Ärzte zum  HbA1c-Wert. Einnahme Tabletten, Insulinspritzen morgens und abends.
Welcher Wert ist tolerierbar bei Nebenerkrankungen wie  Bluthochdruck, nach Herzinfarkt (Einsatz Stent)?
Wie beeinflussen Medikamente den Zuckerwert (Bluthochdruck, Demenz, Herz-Kreislauf, Oesteoporose, Ass)?

Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang antwortet: 

Liebe Iris B., Die Frage ist gut, aber leider nicht kurz beantwortbar. Bevor etwas falsch verstanden wird, hier nur eine allgemeine Antwort:
Ja, HbA1c-Zielwerte sind im Alter anders. Je nach den sonst bestehenden Krankheiten müssen die Ziele für Blutzucker, Blutdruck aber auch die Medikation sorgfältig ausgewählt werden. Schulungsmaßnahmen für Ältere müssen sich mit diesen Besonderheiten, aber auch mit Problemen wie Nachlassen des Gedächtnisses, Schwindel etc. befassen.
Das Schulungsprogramm SGS hat sich dieser Aufgabe angenommen
http://www.diabetes-ratgeber.net/Diabetes/Mit-Schwung-ins-Alter-Schulung-fuer-aeltere-Diabetiker-A080507GOK0Q076001.html

Ein Artikel zum Thema findet sich unter
http://www.senioren-ratgeber.de/Diabetes/Diabetes-Weg-von-starren-Mustern-A081015NEALP099105.html

Unter www.sgs-diabetes.de finden Sie ebenfalls verständliche Artikel zum Thema.
Zum Beispiel hier: http://www.sgs-diabetes.de/downloads/txt-diabetes-im-alter-41--12-2009.pdf

Eher professionelle Informationen befinden sich unter http://www.diabetes-im-alter.de/
und der Deutschen Diabetes-Stiftung DDS http://www.diabetesstiftung.de/dial.html

Bitte entschuldigen Sie die vielen Links, aber sonst wäre die Antwort 20 Seiten lang geworden…

Alles Gute Andrej Zeyfang

Betreff: Augenhindergrund

B. fragt: 

Betreff:   Augenhindergrund
Ich habe eine Überweisung vom Diabetologen für den Augenarzt.Muss ich den Augenhinderdruck und Gesichtsfeldmessung selber bezahlen.?
Vielen Dank

Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang antwortet: 

Liebe/r B., ich bin leider kein Augenarzt, und kann Ihnen deshalb nur unverbindlich Folgendes sagen: Soweit mir bekannt ist, zahlen alle Kassen die Augenhintergrund-Untersuchung bei Menschen mit Diabetes (wäre auch furchtbar, wenn das nicht so wäre!!). Die Augendruckmessung ist allerdings nur bei Menschen mit „grünem Star“, also einer bekannten Erhöhung des Augendrucks eine Kassenleistung, ansonsten kostet sie ca. 18€. Im Zweifelsfall: Mit Kasse sprechen! Alles Gute! Andrej Zeyfang

Betreff: Pflege und Betreuung von älteren Menschen mit Diabetes zu Hause

Ulrich S. fragt: 

die untere seite meiner fuesse  fuehlen  sich  oft  wie pappkarton an.  koennen sie  mir  dazu etwa sagem  und  beraten?mit dank  im voraus

Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang antwortet: 

Lieber Ulrich S., dies ist ein ganz häufiges Folgeproblem bei Menschen mit Diabetes.
Es nennt sich „Polyneuropathie“ und bedeutet, dass durch die erhöhten Blutzucker die für die Wahrnehmung zuständigen Nerven der Beine geschädigt wurden. Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass für das Problem „Gefühllosigkeit“ keine wirklich sinnvolle Therapie besteht (außer natürlich gute Blutzuckereinstellung – dann schreitet es wenigstens nicht fort). Man sollte auch auf einen Vitamin B12-Mangel untersuchen, und natürlich andere Schädigungen, wie z.B. durch Alkoholkonsum, vermeiden.

Wenn Sie aber auch Symptome wie „Nadelstiche“, Ameisenlaufen oder total unruhige Beine haben, dann kann man mit bestimmten Medikamenten (z.B. Cymbalta®, Lyrica®, Gabapentin®) manchmal „Ruhe“ hineinbringen.

Bei brennenden Schmerzen hilft auch Capsaicin-Salbe (=Chajenne-Pfeffer-Extrakt z.B. Capsamol®) 3 Wochen dünn und vorsichtig aufgetragen.

Auf jeden Fall würde ich Ihnen Gleichgewichtsübungen empfehlen, z.B. mit dem Wii-Board®.

Alles Gute! Andrej Zeyfang

Betreff: Einstellung der Werte

Lukas H. fragt: 

Betreff:   Einstellung der Werte
Man hat bei mir einen Wert von 7,3 festgestellt. Ich sollte dann in der ersten Woche eine Tablette, in der zweiten Woche zwei und in der dritten Woche drei Tabletten metformin 1000mg einnehmen. Mir ging es bei der Einnahme der Tabletten nicht gut.Ich habe dann nach anraten eines Diabetikers die Tabletten etwas abgesetzt und nehme jetzt eine  halbe Tablette morgens und abends ein. Ich habe jetzt einen Messwert nüchtern von 120. Meine Frage dazu ist. Nehme ich noch zuviel ein bzw wie müssen den die Werte überhaupt sein und wie rechnet man diese um (7,3 ) Ich habe kein Übergewicht und bin 53 Jahre alt.
Danke für die Beantwortung meiner Fragen Lukas

Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang antwortet: 

Lieber Lukas H., ich gehe davon aus, dass man bei Ihnen einen erhöhten Langzeit-Blutzuckerwert (HbA1c) festgestellt hat mit 7,3%. Dieser Wert hängt von der durchschnittlichen Höhe des Blutzuckers ab, also hat mehr Aussagekraft als die „Momentaufnahme“ eines einzelnen Wertes. Normbereiche fürs HbA1c sind von Labor zu Labor unterschiedlich und liegen meist zwischen 5 und 6% für Gesunde. Für Menschen mit Diabetes ist ein HbA1c unter 6,5% anzustreben, dies entspricht ca. einem mittleren Blutzucker von 130 mg/dl. Wenn Sie nüchtern bei 120 liegen, ist das schon sehr gut. Wichtig wäre es auch, ca. 2 Stunden nach dem Frühstück zu messen. Die Blutzuckerwerte sollten dann unter 160 mg/dl liegen. Ihr Wert von 7,3 entspricht ungefähr einem mittleren Blutzucker von 180 mg/dl, Sie sind mit dem Metformin also bereits wesentlich besser behandelt!

Für die „Umrechnung“ von BZ und HbA1c gibt es Rechner (z.B.:  http://www.diabetes-world.net/Portal-fuer-Fachleute-Mediziner-und-Therapeuten/Servicecenter/Rechner-/-Tests.htm?ID=2720&MID=2720 )

Metformin ist ein sehr sinnvolles Medikament. Es kann allerdings Übelkeit, Unwohlsein oder Durchfall verursachen, vor allem wenn es zu schnell oder zu stark gesteigert wird. Wenn Sie die 2x1/2 Tabletten vertragen – bleiben Sie dabei! Am besten nehmen Sie das Medikament nach dem Essen ein – und lassen Ihren Hausarzt das HbA1c kontrollieren. Es macht Sinn, den HbA1c 1x/ Quartal zu testen.

Alles Gute! Andrej Zeyfang

Betreff: Alters-Diabetes

Alexander K. fragt: 

Betreff:   Alters-Diabetes

2Wie ist der Einsatz von sog. DPP4-Hemmern (etwa "Galvus") zu bewerten? Ist eine Kombination mit Glibenclamid (Sulfonydharnstoff) zu empfehlen?

Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang antwortet: 

Lieber Alexander K., Prinzipiell: JA! Wenn die BZ-Werte unter Sulfonyharnstoffen (z.B. Euglucon®) nicht ausreichend sind, sollte entweder eine Kombination mit anderen Tabletten erfolgen – dann kommen die sog. DPP4-Hemmer wie Galvus®, Januvia® oder Xelevia® in Frage- oder bei Übergewicht vor allem auch Metformin (z.B. Siofor®), oder man kann auch gleich auf eine Spritzentherapie umsteigen – Entweder Byetta® oder Victoza® bei Übergewicht, Nachtinsulin oder Zum-Essen-Insulin oder Nachtinsulin. Die Entscheidung, welche Therapie für Sie die beste ist, sollten Sie allerdings mit Ihrem betreuenden Arzt besprechen. Alles Gute! Andrej Zeyfang