Mein Kind hat Diabetes Typ 1. Worauf muss ich in der Schule achten?

Experten-Chat mit Professor Dr. Thomas Danne

Bis zum 14. Januar 2010 findet unsere Experten-Sprechstunde mit Professor Thomas Danne zum Thema "Mein Kind hat Diabetes Typ 1. Worauf muss ich in der Schule achten?" statt. Er ist Vorsitzender von diabetesDE und Chefarzt am Kinderkrankenhaus auf der Bult, Hannover. Er beantwortet Ihre Fragen live am Donnerstag, den 14. Januar zwischen 17 und 19 Uhr.

Prof. Dr. Thomas Danne, Hannover
Prof. Dr. Thomas Danne, Hannover

Prof. Dr. Thomas Danne

Chefarzt am Kinderkrankenhaus auf der Bult, Hannover

Kinderkrankenhaus auf der Bult
Janusz-Korczak-Allee 12
30173 Hannover
Protokoll der Sprechstunde

Betreff: Alkohol

Maren S. fragt: 

Betreff:   Alkohol
In diesem Jahr steht für unseren 17jährigen Sohn (Typ1) eine Abschlussfahrt mit Klassenkameraden an. Obwohl Lehrer zur Betreuung dabei sein werden und Alkohol auf der Fahrt verboten ist, habe ich Bedenken dass die Jugendlichen zu viel Alkohol trinken. Welche Mengen an Alkohol sind für meinen Sohn verträglich? Darf er überhaupt Alkohol konsumieren? Wenn ja, unter welchen Bedingungen?

Prof. Dr. Thomas Danne antwortet: 

Ihr Sohn sollte über die Hypoglykämiegefährdung bei Alkohol aufgeklärt werden. Insbesondere die Kombination aus alkohol- und hypoglykämiebedingter Einschränkung der Handlungsfähigkeit kann ungünstige Folgen haben. Alkohol kann initial den Blutzucker erhöhen und später zu einer Hypoglykämie durch Hemmung der Zuckerneubildung in der Leber führen. Dabei kommt es zu einer erhöhten Ketosegefährdung und einem Anstieg der Bluttfettwerte. Da Verbote nicht sinnvoll sind, sollte der kontrollierte moderate Konsum altersentsprechend geschult werden Falls er Alkohol trinkt, sollte es nur so viel sein, dass er trotzdem noch klar denken und sicher entscheiden kann. Gefährlich kann eine Insulintherapie dann werden, wenn er so betrunken ist, dass er nicht mehr überblickt, was er gerade mit seiner Pumpe/Spritze oder Pen gemacht hat und völlig chaotisch Insulin gibt. Dagegen hilft nur, die eigenen Grenzen zu kennen. Aber das gilt für jeden, egal ob mit oder ohne Diabetes. Eine „sichere“ Alkoholmenge, die allgemein gilt, gibt es nicht.

Betreff: Mein Kind hat Diabetes Typ 1. Worauf muss ich in der Schule achten?

Dietrich H. fragt: 

Lieber Herr Professor Danne, unser kleiner Sohn hat seit seinem 4. Lebensjahr Diabetes Typ 1. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kommen er und wir als Eltern gut mit der Erkrankung und ihrer Therapie klar. Dieses Jahr wird Max sieben und soll im Herbst eingeschult werden. Wir machen uns allerdings etwas Sorgen, ob Diabetes seine Leistungsfähigkeit einschränkt und er vielleicht nicht so schnell lernen kann wie vollkommen gesunde Kinder. Gibt es hierzu Erfahrungswerte? "Hinken" Kinder mit Diabetes in der Schule eher "hinterher"? Sollten wir unseren Sohn direkt von Anfang an zusätzlich fördern, zum Beispiel statt auf eine öffentliche auf eine private Schule mit kleineren Klassen schicken? Oder von vornherein Nachhilfe einplanen?

Prof. Dr. Thomas Danne antwortet: 

Kinder mit Diabetes sind in der Schule genauso leistungsfähig wie ohne Diabetes. Es gibt keine Hinweise, dass Kinder mit Diabetes eingeschränkte intellektuelle Fähigkeiten durch den Diabetes haben. Insofern gibt es keine Veranlassung Ihrem Kind wegen des Diabetes eine Sonderrolle in der Schule zu geben. Dazu gehört auch die Teilnahme an Aktivitäten wie Sportunterricht oder Klassenfahrten. Nachhilfe ist nur nötig, wenn Sie sich aus anderen Gründen sorgen machen müssen, das klingt aber eigentlich nicht so. Einen guten Start wünsche ich Ihnen und schauen Sie auch mal in die Broschüre, die ich schon mehreren Chattern empfohlen habe!

Betreff: Zöliakie

Matthias F. fragt: 

Betreff:   Zöliakie
Sehr geehrter Professor Danne, unsere Tochter (8 Jahre, DM1 seit 3 Jahren) hat bei der letzten Jahresuntersuchung Hinweise auf Zöliakie gezeigt. Die Jahre davor waren die Antikörper im Blut normal. Symptome hat sie aber sonst keine.
Jetzt sollen wir weitere Untersuchungen machen. Sogar eine Dünndarmspiegelung. Ist das wirklich nötig. Unsere Tochter soll dafür eine Vollnarkose bekommen. Reichen denn die Blutwerte nicht aus als Diagnose? Welche Standarduntersuchungen empfehlen Sie bei Kindern mit Diabetes? Welche sind unbedingt notwendig und welche nur bei speziellen Anzeichen?

Und noch eine Frage zur Zöliakie: ich habe gelesen, dass sie lebenslang besteht. Gibt eine Therapie in Aussicht? Kommt es vor, dass die Unverträglichkeit nach Jahren verschwindet, wenn man sich strikt an die Diät hält? Bei anderen Lebensmittelunverträglichkeiten passiert das ja manchmal.

Prof. Dr. Thomas Danne antwortet: 

Kinder und Jugendliche mit Diabetes sollen bei Diabetesmanifestation und im weiteren Verlauf im Abstand von 1-2 Jahren sowie bei entsprechenden Symptomen auf Zöliakie untersucht werden. Eine dänische Studie an Kindern mit Typ-1-Diabetes ergab eine (durch Biopsie (Dünndarmspieglung) gesicherte) Zöliakie-Häufigkeit von 12,3 % . Bei positiven Antikörpern soll bei klinischer Vereinbarkeit mit der Verdachtsdiagnose Zöliakie soll eine Dünndarmbiopsie zur weiteren Sicherung der Diagnose durchgeführt werden. Nur auf der Grundlage erhöhter Blutwerte rate ich nicht zum Beginn der erforderlichen Diät. Die feingewebliche Untersuchung der Biopsie erlaubt dann die Diagnosestellung und den Therapiebeginn. Die Diagnose wird erst im Therapieverlauf durch Besserung der Symptome und Nachweis rückläufiger Antikörpertiter abschließend gesichert.

Durch eine glutenfreie Diät sind bei befriedigender Diätdurchführung bei stabilem oder verbessertem HbA1c-Wert gute Einflüsse auf den Krankheitsverlauf nachgewiesen: Verbesserung gastrointestinaler Symptome, Zunahme von Körpergewicht und -länge, Zunahme von Hämoglobinkonzentration und Serumeisen . Nich dem Darm zugehörige Symptome der Zöliakie (wie z. B. die sogenannte Dermatitis herpetiformis) können ebenfalls von einer glutenfreien Ernährung profitieren. Eine Studie zeigte bei Dermatitis herpetiformis ein gesenktes Malignitätsrisiko bei Patienten mit glutenfreier Diät im Vergleich zu nicht mit Diät behandelten Patienten.

Für asymptomatische Patienten wird deshalb eine ausführliche Aufklärung zusammen mit  der Familie unter Darlegung der Studienlage empfohlen. Die Beratung sollte gemeinsam mit einem Gastroenterologen durchgeführt werden. Auch die weitere Verlaufskontrolle einer Zöliakie sollte zusammen mit dem Gastroenterologen erfolgen. Wenn Antikörper über längere Zeit negativ sind und keine Symptome bestehen, kann man sich dann im Verlauf zu einer erneuten Glutenbelastung entschließen.

Betreff: Sport

Birgit K. fragt: 

Betreff:   Sport
Meine Tochter (12 Jahre) hat Diabetes Typ 1 seit ihrem 1. Lebensjahr. Sie kommt prima klar und ist auch super eingestellt. Nun hat sie ihre Leidenschaft fürs Basketball spielen entdeckt und möchte regelmäßig trainieren (zweimal die Woche) und auch an Wettkämpfen teilnehmen. Hier haben wir schon Bedenken, dass es zuviel für sie sein könnte. Was müssen wir beachten?

Prof. Dr. Thomas Danne antwortet: 

Überhaupt keine Bedenken, finde ich super!  Kinder mit Diabetes sollen und können ohne Einschränkungen an üblichen Sportaktivitäten teilnehmen. Die Leistungsfähigkeit ist durch den Diabetes nicht eingeschränkt. Und wie man eine Unterzuckerung erkennt und behandelt hat Sie doch nach 11 Jahren Diabetes gelernt, nicht wahr! Es gibt viele Leistungssportler und Olympiasieger mit Diabetes – vielleicht gehört Ihre Tochter eines Tages dazu. Auch wenn es beim Hobby bleibt, es gibt Selbstvertrauen und ist daher enorm wichtig!

Betreff: Schulausflüge als Typ-I-Diabetiker alleine mitmachen

Claus K. fragt: 

Betreff:   Schulausflüge als Typ-I-Diabetiker alleine mitmachen
Im normalen Schulalltag klappt es bei Kindern mit Typ-I-Diabetes meistens ganz gut. Pausen, Messzeiten, Sport u.s.w. sind im allgemeinen im voraus bekannt, es spielt sich eine Routine ein. Die Kinder kommen gut zurecht. Bei eintägigen Schulausflügen wird es schon schwerer. Wie ist Ihre Meinung zum Alter eines Typ-I-Kindes, ab dem es mehrtägige Schulausflüge wie z.B. Landschulheim oder Skiausfahren alleine meistern sollte? Gibt es hierzu Tipps zum Management?

Prof. Dr. Thomas Danne antwortet: 

Das ist natürlich von Kind zu Kind verschieden. Zur Sicherheit wird man an einem solchen Tag etwas weniger Insulin geben, da mehr Bewegung wahrscheinlich ist und eine Unterzuckerung oft zu großer Unruhe fühlt. Mit 6-7 Jahren und einer Handynummer für Rückfragen schaffen das viele Kinder.

Harri fragt:

Sollte ich mich lieber vorher mit den Eltern absprechen, wie viel weniger Insulin das Kind bekommen hat? Was kann passieren, wenn ein Kind mal das Messen oder spritzen vergisst?

Professor Danne:

Ja, unbedingt mit den Eltern über die Behandlung sprechen. Viele Eltern werden Ihnen auch eine Handynummer für den Rückruf geben, wenn wirklich mal eine Schwierigkeit auftritt. Vergessen der Kontrollen führt entweder zu erhöhten oder zu niedrigen Werten, weil die entsprechende Anpassung fehlt. Dabei senken Bewegung und Insulin(-Spritzen) den Blutzucker und Essen erhöht ihn. Aber ernstzunehmende Probleme bei vergessenen Kontrollen oder einer einmal vergessenen Spritze sind selten.

Betreff: Skifreizeit anfang februar, nach feststellung der Krankheit an weihnachten?

Christian S. fragt: 

Betreff:   Skifreizeit anfang februar, nach feststellung der Krankheit an weihnachten?
Ich bin Sportlehrer einer Schülerin, die ihre weihnachtsferien leider im krankenhaus verbrachte, weil bei ihr auch Diabetes festgestellt wurde. Nun fahren wir mit ihrer stufe auf eine skifreizeit anfang februar und ich wollte wissen, wie gross das Risiko für sie ist. Es ist ja bekannt, dass es eine weile dauert, bis sich patient und körper an das leben daran gewöhnt haben und der blutzucker doch sehr stark schwanken kann. Die mutter würde zur not mitfahren. Wie gross ist das risiko für uns lehrer und was würden sie uns und der mutter raten. Das mädchen ist wohl anfang dieser woche entlassen worden bzw. mitte dieser Woche.

Prof. Dr. Thomas Danne antwortet: 

Das kann man natürlich aus der Ferne schlecht entscheiden. Gerade kurz nach dem Schock der Erkrankung ist es natürlich wichtig, wieder Selbstvertrauen durch die Normalität des Schulalltags erleben zu können. Und so eine Skifreizeit ist ja klar ein Höhepunkt des Schulalltags, so dass wir uns gemeinsam mit den Eltern immer sehr bemühen, die Kinder auch relativ kurz nach Erkrankungsbeginn teilnehmen zu lassen. Wenn die Mutter mitfährt ist dies natürlich eine Sonderrolle, die nicht unbedingt das Selbstvertrauen fördert. Hier sollte man gemeinsam mit den Eltern und gegebenenfalls dem behandelnden Team die beste Lösung suchen. Vielleicht beruhigt Sie ja auch was ich Alfons P zum Thema „Schutz als Lehrer“ geschrieben habe.

Betreff: Mein Kind hat Diabetes Typ 1. Worauf muss ich in der Schule achten?

Carola S. fragt: 

Guten Tag, ich bin Kindergärtnerin und betreue immer häufiger Kinder mit Diabetes Typ 1. Gibt es spezielle Fortbildungsangebote für Pädagogen und Betreuer, bei denen man den richtigen Umgang mit betroffenen Kindern, besonders im Notfall, lernt?
Vielen Dank schon einmal für die Auskunft.

Prof. Dr. Thomas Danne antwortet: 

Wie ich schon zu Katja gesagt habe, empfehle ich die Broschüre „Kinder mit Diabetes im Kindergarten“ von der Webseite der AGPD: http://www.diabetes-kinder.de/modularx/include/module/dateimanager/data/kigainfo150. Viele Kinderdiabetes-Zentren bieten auch Schulungen für Betreuer an. Fragen Sie die Eltern der betroffenen Kinder oder suchen Sie sich ein von der Deutschen Diabetes Gesellschaft anerkanntes Zentrum in ihrer Nähe unter

http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/redaktion/einrichtungen/einrichtungen.php

Danke für Ihr Interesse!

Carola S. fragt:

Kosten diese Schulungen etwas? Und wenn ja, wer könnte die Kosten erstatten?

Professor Danne:

Dass ist von Fall zu Fall verschieden. Gegebenenfalls kann man über die Krankenkasse des Kindes eine Beteiligung erreichen. Aber eine garantierte Kostenübernahme gibt es nicht. Besprechen Sie es mit den Eltern!

Betreff: Mein Kind hat Diabetes Typ 1. Worauf muss ich in der Schule achten?

Familie fragt: 

bei unserer 10-jährigen Tochter wurde jetzt Diabetes mellitus festgestellt. Sie war vorher wochenlang ständig müde, hatte großen Durst etc. Sie wird jetzt auf Insulin eingestellt. Die Schule haben wir schon informiert, dass Tanja künftig auch dort Insulin spritzen und Blutzucker messen muss. Unsere Tochter hat große Angst davor, wie ihre Schulkameraden auf ihre Krankheit und das Spritzen reagieren könnten. Wie können wir ihr helfen, dass sie in der Klasse mit ihrer Krankheit akzeptiert und nicht plötzlich abgelehnt wird? In der Schule haben die Lehrer bislang keinerlei Erfahrung mit Diabeteskranken Kindern.
 

 

Prof. Dr. Thomas Danne antwortet: 

Der Diabetes eines Kindes sollte nicht verheimlicht werden. Ebenso wenig hilft es einem Kind, wenn ständig darüber gesprochen wird. Gemeinsam mit Ihrem Kind sollten Sie dies also mit dem Klassenlehrer besprechen. Dabei hilft wieder die Schulbroschüre: http://www.diabetes-kinder.de/modularx/include/module/dateimanager/data/lehrerinfo150.pdf.

Wenn Diabetes in einer Unterrichtseinheit angesprochen wird, dann sollten die Informationen Verständnis wecken und für zusätzliche Sicherheit sorgen. Übertriebenes Mitleid ist nicht gut für das Selbstbewusstsein und kann Ihr Kind zu einem Außenseiter machen. Sprechen Sie mit dem Diabetesteam über geeignete Strategien und Materialien!

Betreff: juristische Absicherung

Johannes R. fragt: 

Betreff:   juristische Absicherung
Hallo Herr Prof. Danne, ich habe gelesen, dass Sie sich bereits beim EU-Parlament für die juristische Absicherung und Schulung von Lehrern und Typ 1 Kindern einsetzen. Wie genau soll diese Absicherung aussehen und wie stehen die Chancen, dass sich hier etwas tut? Ich selber hatte im letzten Schuljahr ein Kind mit Typ 1 in meiner Klasse. Glücklicherweise war für dieses Schuljahr kein mehrtägiger Ausflug geplant, so dass ich mich nicht mit der großen Verantwortung auseinandersetzen musste. In Zukunft werden wir das im Kollegium aber sicherlich tun müssen. Mit freundlichen Grüßen
Johannes R.

Prof. Dr. Thomas Danne antwortet: 

In einigen Ländern, wie z.B. Schweden, gibt es Regelungen zur Ausbildung und rechtlichen Absicherung des Schulpersonals, um die Beaufsichtigung des Diabetes-Selbstmanagements während der Schulzeit zu gewährleisten.

In der Schwedischen Bildungsordnung wird eine klare Unterscheidung zwischen der Selbstbehandlung self care und der medizinischen Behandlung medical care definiert. Selbstbehandlung schließt alle Maßnahmen ein die üblicherweise auch unter der Aufsicht der Eltern oder durch die Eltern durchgeführt werden, wenn Sie dementsprechend durch das Behandlungsteam geschult worden sind. Diese Selbstbehandlung soll auch während der Schulzeit mit Unterstützung durch das Schulpersonals oder eines Schulhelfers gewährleistet sein. Medizinische Behandlung betrifft alle Maßnahmen, die nur von entsprechendem Fachpersonal durchgeführt werden dürfen.

Wenn die Behandlungsaufgaben als Selbstbehandlung durch den Arzt eingestuft wurden, dann liegt die Verantwortung zur Durchführung bei den Erziehungsberechtigten. Ist ein Kind nicht in der Lage diese Aufgabe selbständig zu erfüllen, dann ist es die Aufgabe der Schulleitung entsprechendes Personal zur Schulung durch das medizinische Personal zu benennen, damit die Selbstbehandlung auch während der Schulzeit in Vertretung der Eltern durchgeführt werden kann. Korrespondierende Reglungen wurden für Kindergarten und Hortaktivitäten geschaffen.

Da die Diabetesbehandlung in Schweden als Selbstbehandlung eingestuft wird, erhalten die Kinder während der Schulzeit und Klassenfahrten auf Veranlassung der Schulleitung entsprechende Unterstützung.

Ich hoffe sehr, dass wir eine solche Reglung auch in Deutschland umsetzen können. Dazu brauchen wir aber bei diabetesDE die Unterstützung vieler Betroffener, um bei den Politikern Gehör zu finden.

Betreff: Schutz als Lehrer

Alfons B. fragt: 

Betreff:   Schutz als Lehrer
Was kann mir als Lehrer im schlimmsten Fall passieren (rechtlich), wenn ein Kind mit Typ1 Diabetes unter meiner Aufsichtspflicht unterzuckert und ins Koma fällt?

Prof. Dr. Thomas Danne antwortet: 

Sie werden dann unter den Notarztwagen rufen. Er kann das Kind sofort behandeln, so dass auch dadurch keine bleibenden Schäden zu befürchten sind. Rechtlich könnten Sie für grob fahrlässiges Verhalten oder unterlassene Hilfeleistung belangt werden. Ein solcher Fall ist mir in 25 Jahren Kinderdiabetologie noch nicht untergekommen.

Betreff: Kind mit Diabetes Typ 1 in Kindergartengruppe

Katja R. fragt: 

Betreff:   Kind mit Diabetes Typ 1 in Kindergartengruppe
Lieber Herr Prof. Danne, seit kurzem ist ein Kind mit Diabetes Typ 1 in meiner Kindergartengruppe. Da ich in meiner Berufslaufbahn als Erzieherin in dieser Hinsicht noch keine Erfahrungen gemacht habe, würde ich mich gerne detaillierter informieren: Haben Sie einen Literaturtipp für mich? Worauf muss ich achten bei der Betreuung des Kindes? Wie verhalte ich mich in Notfällen korrekt?
Freundliche Grüße, Katja R.

Prof. Dr. Thomas Danne antwortet: 

Laden Sie Sich die Broschüre „Kinder mit Diabetes im Kindergarten“ von der Webseite der AGPD: http://www.diabetes-kinder.de/modularx/include/module/dateimanager/data/kigainfo150.pdf

Da steht vieles drin. Viel Erfolg!

Betreff: Pumpe ab welchem Alter?

Paula M. fragt: 

Betreff:   Pumpe ab welchem Alter?
Hallo, unsere Tochter Luise hat Typ 1 seit sie 10 Monate alt ist. Heute ist sie 7 Jahre alt und spritzt seit 3 Jahren selbst Insulin. Allerdings ist sie nicht immer so genau bei den Mengen und isst gerade in der Schule auch mal außerhalb Ihrer „Diät“. Ich weiß, dass Sie theoretisch alles essen darf, nur dann muss sie natürlich auch öfter spritzen und das funktioniert nicht so richtig. Wir überlegen jetzt auf eine Pumpe umzustellen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Ist das bei einem Kind in ihrem Alter angebracht? Wie sind ihre Erfahrungen bei Kindern mit Pumpe?

Prof. Dr. Thomas Danne antwortet: 

Der Deutsche Gesundheitsbericht Diabetes 2010 ist erschienen. Der jährliche Bericht beinhaltet die neuesten Zahlen und Entwicklungen zur Erkrankung Diabetes mellitus in Deutschland: http://profi.diabetesde.org/gesundheitsbericht/2010/

Sie können darin sehen, dass immer mehr Kinder in Deutschland mit einer Insulinpumpe behandelt werden. Vorraussetzung ist natürlich der Wille des Kindes und die Betreuung durch ein erfahrenes Team. Bei folgenden Indikationen sollte eine Insulinpumpentherapie erwogen werden:

 

  • kleine Kinder, besonders Neugeborene, Säuglinge und Vorschulkinder,
  • Kinder und Jugendliche mit ausgeprägtem Blutzuckeranstieg in den frühen Morgenstunden (Dawn-Phänomen),
  • schwere Hypoglykämien, rezidivierende und nächtliche Hypoglykämien (trotz intensivierter konventioneller Therapie = ICT),
  • HbA1c-Wert außerhalb des Zielbereichs (trotz ICT),
  • beginnende mikro- oder makrovaskuläre Folgeerkrankungen,
  • Einschränkung der Lebensqualität durch bisherige Insulinbehandlung,
  • Kinder mit Nadelphobie,
  • schwangere Jugendliche (bei geplanter Schwangerschaft idealerweise präkonzeptionell),
  • Leistungssportler,
  • große Fluktuationen des Blutzuckers unabhängig vom HbA1c-Wert (trotz ICT).

Insgesamt sind die Erfahrungen mit der Insulinpumpentherapie in unserem Zentrum sehr positiv. Von den 600 durch uns betreuten Kindern haben mehr als die Hälfte eine Pumpe.

Betreff: Mein Kind hat Diabetes Typ 1. Worauf muss ich in der Schule achten?

Familie fragt: 

Nachricht: Guten Abend Herr Professor Danne, unser Sohn Jochen hat seit 10 Jahren Diabetes Typ 1. Bis vor etwa einem Jahr lief die Therapie gut. Seit geraumer Zeit vernachlässigt er jedoch das Blutzuckermessen und auch das Spritzen. Wenn wir ihn fragen, behauptet er oft, er hätte daran gedacht. Ich sehe aber zum Beispiel, ob er Teststreifen verbraucht hat oder nicht. Was können wir als Eltern tun, um ihn ohne Streit wieder zu motivieren? Der umgang mit ihm ist generell momentan sehr schwierig, nicht nur auf die Krankheit bezogen.

Prof. Dr. Thomas Danne antwortet: 

Ihr Sohn Jochen kommt nun in ein Alter, in dem er sich wie viele andere Kinder auch mit sich selbst auseinandersetzt und mit anderen vergleicht. Jochen wird nun bewusst, dass der Diabetes Ihn von anderen unterscheidet, und er fürchtet deshalb abgelehnt zu werden. Diese Sorge haben auch viele Kinder, die z. B. etwas kleiner, größer, dicker oder weiter entwickelt sind als die anderen Mädchen und Jungen in ihrer Klasse. Meist sind diese Sorgen unbegründet und finden vor allem in der Vorstellung der besorgten Kinder statt. Jochen beginnt nun aber auch zu verstehen, dass er mehr für seine Gesundheit tun muss als andere und dass seine Stoffwechselstörungen nicht wieder verschwinden werden. Das zu akzeptieren und seelisch zu bewältigen braucht Zeit und Unterstützung durch Eltern und Freunde. Für manche Kinder, wie auch Jochen, scheint es zunächst eine Lösung zu sein, so zu tun, als sei der Diabetes nicht mehr da, d.h. nicht in der Schule zu messen oder das „Spritzen“ zu „vergessen“. Es muss nicht gesagt werden, dass diese vergeblichen  Versuche nur zu einem schlechten Gewissen, schwankenden Blutzuckerwerten, Unausgeglichenheit und Streit mit besorgten Müttern und Vätern führen.

Als Eltern können Sie Jochen unterstützen, indem Sie ihm Mut machen, weiter ganz selbstverständlich überall Blutzucker zu messen. Sich gut um sich zu kümmern, ist nicht peinlich, sondern klug und „cool“ – wie Jochen es vielleicht sagen würde. Es kann auch helfen, mit Jochen genau zu verabreden, wie oft er pro Woche mindestens messen soll und dafür eine Belohnung vereinbaren, z. B. ein Kino- oder Zoobesuch, wenn er es vier Wochen lang geschafft hat.

Betreff: Mein Kind hat Diabetes Typ 1. Worauf muss ich in der Schule achten?

J.G. fragt: 

Hallo, unsere Tochter ist 15 und hat seit 7 Jahren Diabetes Typ 1, seit 4 Jahren benutzt sie eine Insulinpumpe. Nächstes Jahr steht die erste Klassenfahrt an. Es geht wahrscheinlich nach Österreich und es sollen auch einige sportliche Nachmittage stattfinden – also wandern und Rafting. Unsere Tochter kommt ganz gut klar mit der Pumpe. Wir müssen sie allerdings immer kontrolieren und oft kommt es vor, dass sie vergisst zu testen oder abzudrücken. Wie können wir die Lehrer am besten auf die Situation vorbereiten. Wir wollen ungern, dass unsere Tochter auf die Klassenfahrt verzichten muss.

Prof. Dr. Thomas Danne antwortet: 

Auch Ihnen möchte ich die AGPD-Broschüre zu Diabetes und Schule empfehlen:

http://www.diabetes-kinder.de/modularx/include/module/dateimanager/data/lehrerinfo150.pdf

Hier steht alles drin, was Lehrer wissen müssen. Und wenn Sie dann mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen, wie die Insulindosis (Basalrate) im Falle der sportlichen Aktivitäten reduziert werden soll, mache ich mir bei einem15jährigen Diabetesprofi in der Regel keine Sorge, auch wenn sie im häuslichen Umfeld öfter mal an die Aufgaben erinnert werden muss.

Betreff: Mein Kind hat Diabetes Typ 1. Worauf muss ich in der Schule achten?

Kerstin B. fragt: 

Lieber Herr Danne, ich habe eine Frage wegen meinem 4 Jahre alten Sohn. Vor einem Jahr wurde Typ 1 diagnostiziert. Er macht eine ICT mit Novorapid (1,8) und Levemir (0,5) als Basal. Diese Einstellung hat bisher gut gepasst. Jetzt schwanken seine Werte zunehmend. Sein Nüchternwert liegt morgens um die 100 – höchstens 125 und mittags etwas niedriger. Wir waren erst kürzlich beim Diabetologen und haben die Werte angepasst, also den Morgens-Faktor erhöht. Jetzt aber stimmen sie schon wieder nicht – vor allem morgens. Das liegt wahrscheinlich am Wachstum. Aber warum morgens? Sollten wir mit unserem Diabetologen besprechen, ob wir das Insulin wechseln? Welche Ursachen könnte das haben? Oder müssen wir uns daran gewöhnen, dass wir alle paar Monate neue Faktoren ausrechnen müssen?

Für einen Rat wären wir dankbar. Mit freundlichen Grüßen Kerstin B.

Prof. Dr. Thomas Danne antwortet: 

Ja, tatsächlich ist bei vielen Kindern der Stoffwechsel sehr schwankend und man muss die Faktoren häufig anpassen. Das findet sich besonders in Wachstumsphasen und der Pubertät, weil Wachstumshormon und Sexualhormone die Insulinwirkung beeinflussen. Beim Dawn-Phänomen kommt es durch eine verschlechterte Insulinempfindlichkeit zu einem Anstieg des Blutzuckers in den frühen Morgenstunden (Aufstehen ist für den Körper Stress und bei Stress wirkt Insulin nicht so gut). Wenn dies sehr ausgeprägt ist, kann das eine Indikation zur Pumpentherapie sein. Insulinpumpen liefern rund um die Uhr eine präzise basale Insulinrate, die variabel dosiert werden kann. Die variable Dosierung ist zum Beispiel zur Behandlung des Dawn-Phänomens von großem Nutzen.

Betreff: Mein Kind hat Diabetes Typ 1. Worauf muss ich in der Schule achten?

Melanie P. fragt: 

Sehr geehrer Prof. Danne, wir sind uns unsicher, ob wir unseren Sohn gegen Schweinegrippe impfen lassen sollen. Er ist 5 Jahre alt und hat seit einem Jahr Typ1, d.h. er würde in die Risikogruppe fallen. Bei Impfungen ist mir nicht ganz wohl zumute und zudem scheint die Schweinegrippe nicht wirklich gefährlich zu sein. Zudem steht die Überlegung an, falls wir uns für eine Impfung entscheiden sollten den speziellen Impfstoff für chronisch Kranke in Anspruch zu nehmen (Celtura, Focetria) Besteht die Möglichkeit diesen auch in Deutschland zu bekommen? Danke Melanie P.

Prof. Dr. Thomas Danne antwortet: 

Wir empfehlen die Impfung gegen Schweinegrippe:

http://musterseite.diabetesde.org/presse/diabetesde_pressemitteilungen/detail/zurueck/pressemitteilungen-6/artikel/diabetesde-empfiehlt-impfung-bei-geschwaechtem-immunsystem/

Der bisherige Verlauf der Schweinegrippe weltweit zeigt, dass die Krankheit deutlich milder verläuft als befürchtet. Trotzdem ist es wichtig, dass sich Menschen mit Diabetes besonders vor der Krankheit schützen. diabetesDE empfiehlt deshalb, dass sich insbesondere auch Kinder mit Diabetes ab drei Jahren nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt impfen lassen. Sie ist zurzeit die beste Option für Menschen mit Diabetes, sich vor der Erkrankung zu schützen. Auch bei der spanischen Grippe, die zur Jahrhundertwende so viele Menschen hat sterben lassen, gab es zwei „harmlose“ Wellen und eine dritte Welle, bei der es zu den vielen Todesfällen kam. Dagegen haben sich in unserer Familie meine Frau und ich und die Kinder durch die Impfung geschützt.

Betreff: Typ 1 Diabetes

Familie L. fragt: 

Betreff: Typ 1 Diabetes
Sehr geehrter Herr Professor Danne, unser Sohn (13 J.) hat seit ca. 7 Jahren Diabetes Typ1 und trägt seit knapp 1 Jahr eine Insulinpumpe.Zur Jahresuntersuchung im Nov.2008 wurden bei ihm erhöhte Schilddrüsenwerte festgestellt. Im Zuge der stationären Pumpeneinstellung im Februar 2009 wurden diese nochmals kontrolliert, ebenso wurde ein Ultraschall der Schilddrüse durchgeführt. Alles lag im Normbereich und war i.O. Zur letzten Jahresuntersuchung im Nov. 2009 waren die Werte erneut erhöht, Antikörper waren negativ. Demnächst folgt wieder ein Ultraschall der Schilddrüse. Nun zu meinen Fragen: sind solche Schwankungen möglich? Welchen Einfluß hat eine mögliche Unterfunktion der Struma auf den Diabetes ( unser Sohn ist schlank und sehr rege- zeigt eigendlich keine typichen Symptome einer Unterfunktion)?Was kann eine Unterfunktion der Stuma überhaupt auslösen?
Mit freundlichen Grüßen Fam. L.

Prof. Dr. Thomas Danne antwortet: 

Die Häufigkeit von Schilddrüsenerkrankungen ist bei jungen Menschen mit Typ-1-Diabetes im Vergleich zu Vergleichspersonen ohne Diabetes erhöht. Diese Erkrankungen können auftreten, ohne dass offensichtliche klinische Symptome vorhanden sind. Um Schilddrüsenerkrankungen frühzeitig zu erkennen, stehen Standardbluttests zur Verfügung. Der Nachweis von Schilddrüsenautoantikörpern (TPO-Ak, Tg-Ak) identifiziert Patienten mit einem erhöhten Risiko für eine klinisch manifeste Autoimmunerkrankung der Schilddrüse (sogenannte Hashimoto-Thyreoiditis). Der Nachweis von Autoantikörpern gegen Schilddrüsengewebe korreliert stark mit dem Alter von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes. So war der Nachweis von Autoantikörpern gegen Schilddrüsengewebe in einer Auswertung deutscher und österreichischer Daten bei Kindern unter fünf Jahren in 3,7 % positiv, jedoch bei Jugendlichen zwischen 15 und 20 Jahren in 25,3 %. Die Messung von TSH ist der sensitivste Parameter zur Erfassung einer Schilddrüsenfunktionsstörung. Bei Vorliegen von TPO-Autoantikörpern und/oder TSH-Erhöhung soll eine Sonographie der Schilddrüse durchgeführt werden. Wann genau man mit einer Behandlung mit Schilddrüsenhormon beginnen soll, sind sich die Wissenschaftler nicht einig, da die Werte schwanken können, wie bei Ihrem Sohn. Bei ansteigenden TSH-Werten ist von einer fortschreitenden Funktionseinschränkung auszugehen und es sollte eine Substitution mit L-Thyroxin erfolgen. Einen Einfluss auf die Diabeteseinstellung besteht bei solchen Verläufen wie bei Ihrem Sohn nicht.