Neudiagnose Diabetes

Experten-Chat mit Dr. med. Matthias Kaltheuner

Am 19. November 2015 findet unsere Experten-Sprechstunde zum Thema „Neudiagnose Diabetes" statt. Von 17 bis 19 Uhr beantwortet Dr. Matthias Kaltheuner alle Fragen live.

Dr. Matthias Kaltheuner, Leverkusen
Dr. Matthias Kaltheuner, Leverkusen

Dr. med. Matthias Kaltheuner

Kalkstraße 117
51377 Leverkusen
Protokoll der Sprechstunde

Betreff: Neudiagnose Diabetes

Stefanie S. fragt: 

Hallo, mein Papa hat gestern die Diagnose Diabetes bekommen. Wir (die Familie) vermuteten das schon lange, da er wirklich extrem viel getrunken hat. Leider besuchte er bisher keinen Arzt. Weiterhin leidet er an Hypertonie und Adipositas. Der HbA1c lag bei 11,7!!!!! Der Arzt hat ihm erstmal Metformin verordnet bis er einen Termin bei Diabetologen hat. Nun hängt er total in der Luft. Die bisher gemessenen Werte sind troz KH-freiem Essen extrem hoch. Kann so ein starker Diabetes ambulant eingestellt werden? Was meinen Sie wie lange er schon solche Werte hat? Ich freue mich auf Ihre Antwort.

 

Dr. med. Matthias Kaltheuner antwortet: 

Liebe Stefanie S.,

Männer sind oft nicht so gut darin sich um ihre Gesundheit zu kümmern. Der HbA1c ist wirklich hoch, bestimmt weil der Blutzucker schon länger hoch ist. Normalerweise kann man die Behandlung gut ambulant einleiten und insbesondere mit einer Schulung Motivation zum "Selbstmanagement" vermitteln.Wenn es sich um einen Typ 2 Diabetes handelt, sind Bewegung und Reduktion des Essens meist gut wirksam. Mit der Blutzuckerselbstmessung kann man sehen, ob man auf einem guten Weg ist und wie die Lebensmittel jeweils wirken.Falls sich zu wenig zum Guten tut, und erst recht wenn das Befinden nicht gut sein sollte, kann man mit dem Hausarzt bestimmt auch über die Vermittlung eines Notfalltermin in der Diabetespraxis sprechen. Ich wünsche gutes Gelingen

Dr. Matthias Kaltheuner

Betreff: Neudiagnose Diabetes

Babsi fragt: 

Hallo Herr Dr. Kaltheuner,

bei meinem 11-jährigen Patenkind wurde Diabetes Typ 1 diagnostiziert. Der Kleine ist gerade im Krankenhaus, seine Eltern (meine Schwester ist die Mutter des Kindes) sind dahergerade ziemlich "durch den Wind". auf was müssen sie sich nun einstellen? Das Kind muss nun lebenslang jeden Tag Spritzen bekommen? Die müssen die Angehörigen geben, da man ja nicht jeden Tag deswegen zum Arzt gehen kann. wie und wo kann man das lernen? Wir haben alle keine Ahnung von der Krankheit.

Viele Grüße

Babsi

Dr. med. Matthias Kaltheuner antwortet: 

Sehr geehrte Frau Meisner,

ca. jedes 700 Kind bekommt Typ 1 Diabetes. 11 jährige lernen meist schnell, selber alle wichtigen Handlungen durchzuführen. Ich glaube, dass es wichtig ist von vornherein im ganzen Umfeld positiv mit dem Thema umzugehen: er hat eine lebensgefährliche Erkrankung überlebt, ihm wird viel zugetraut und er kann das auch, er darf mit technischen Geräten umgehen, er ist gut, weil er das alles kann, u.ä.. Das soll nicht zynisch klingen, man (auch Kinder) kann an einer Erkrankung auch reifen.In der Schulung für Kinder mit Diabetes wird alles nötige Wissen vermitteltich wünsche Ihnen allen viel Kraft und alles gute

Dr.Matthias Kaltheuner

Betreff: Neudiagnose Diabetes

W. D. fragt: 

guten abend Herr Kaltheuner,

mein Hausarzt sagte mir vor einem Monat, dass ich Diabetis 2 habe. Nun muss ich Tabletten "Metformin" nehmen und Gewicht abnehmen. Ein Bekannter von mir hat auch jahrelang Tabletten nehmen müssen, nun braucht er Insulinspritzen. Wird mich das auch erwarten? Falls ja, wann?

mfG

W. D.

Dr. med. Matthias Kaltheuner antwortet: 

Sehr geehrter Herr D.,

Medikamente sind ja dafür da, um einem zu helfen. Man kann schon mal traurig sein, dass man sie nötig hat, es ist gut, dass sie einem zur Verfügung stehen.Diabetes neigt zur Verschlechterung über die Jahre, wobei man nie sagen kann wie schnell dieser Prozess geht. Durch Abbau von Übergewicht und mehr Bewegung kann man selbst viel tun.Je länger Sie leben, um so wahrscheinlicher werden Sie auch Insulin brauchen. Auch dies ist aber kein " Beinbruch".Gehen Sie die Erkrankung aktiv an und lassen Sie sich nicht unterkriegen!

Alles Gute
Dr. Matthias Kaltheuner

Betreff: Neudiagnose Diabetes

Marianne fragt: 

Hallo Dr. Kaltheuner,

ich habe eine Frage: Ich bin 56 Jahre alt und nehme seit 2 Jahren Medikamente gegen Diabetes 2. Eine Bekannte von mir sagte jetzt, dass nicht jeder mit Diabetes Medikamente nehmen muss beziehungsweise, dass man auch wieder davon wegkommen kann? Das verwirrt mich, mein Hausarzt hat gesagt, dass ich die Medikamente immer werde nehmen müssen, Heilung gibt es nicht? Kann das also stimmen, was meine Bekannte sagt?

Viele Grüße

Marianne

Dr. med. Matthias Kaltheuner antwortet: 

Sehr geehrte Frau Bruchstaler,

grundsätzlich ist Diabetes nicht heilbar, wenn man aber schafft  Übergewicht und Überernährung abzubauen, falls vorhanden, und schafft sich mehr zu bewegen, dann kann die Stoffwechsellage wieder in den Normalbereich wandern, dies auch für lange Zeit.Wenn man sehr übergewichtig ist und eine Operation für die Adipositas gemacht bekommt, kann die Stoffwechsellage lange auch wieder in den Normalbereich gelangen.Man muss auch ein bisschen Glück dabei haben, Ihre Bekannte hat also Recht, auch wenn dies nicht für alle zutrifft.

Ich wünsche Ihnen alles Gute
Dr. Matthias Kaltheuner

Betreff: Neudiagnose Diabetes

Hans R. fragt: 

Hallo Herr Kaltheuner,

ich habe zwar schon ein paar Jahre Diabetes, neu ist aber, dass die Tabletten nicht mehr ausreichen und ich auf Spritzen umstellen muss, so mein Arzt. Das macht mir Angst, ich bin schon über 60. ist das schwer zu lernen? Blutzucker muss ich dann auch messen und mich dafür stechen? Ich kenne jemanden mit Diabetes Typ 1, der das schon immer macht, aber ist das mit Typ 2 dasselbe?

Danke!

Dr. med. Matthias Kaltheuner antwortet: 

Sehr geehrter Herr R.,

es ist mit Typ 2 Diabetes oft ähnlich und auch noch viel ältere Menschen als Sie schaffen den Einstieg in die Insulintherapie meist erfolgreich. Eine Diabetiker Schulung hilft fast immer.Manchmal ist es aber auch so, dass die Spritze doch nicht nötig ist, wenn man seine Überernährung abbaut und sich mehr bewegt. Ob dies zutrifft, weiß ich für Sie natürlich nicht. Sprechen Sie doch noch mal mit Ihren Arzt.

Ich wünsche alles Gute

Dr. Matthias Kaltheuner

Betreff: Neudiagnose Diabetes

Michaela fragt: 

Sehr geehtrer herr Dr.,

mein großvater hatte lange Diabetes Typ 2. sonst in meiner Familie keiner. Ich habe gelesen, dass es ein erbliches Risiko gibt, wenn ein Angehöriger Diabetes hat? Wie hoch ist das Risiko, das ich auch Diabetes bekomme? Meine Ärztin sagte, ich soll mehr auf Ernährung achten.

Schönen Abend!

Michaela

Dr. med. Matthias Kaltheuner antwortet: 

Sehr geehrte Michaela,

je mehr Familienangehörige Typ 2 Diabetes habe und je näher man verwandt ist, um so größer und früher kommt die ungewollte Erbschaft. An den Genen kann man nichts machen, an Bewegung und Ernährung aber schon. So wird Ihre Ärztin wohl auch gedacht haben.

Alles GuteDr. Matthias Kaltheuner

Betreff: Neudiagnose Diabetes

Lisa fragt: 

Bei mir wurde vor 4 Monaten Diabetes Typ 2 festgestellt. Bisher hatte ich keine Gewichtsprobleme. Ich habe gehört, dass es durch die Einnahme von Insulin zu einer Gewichtszunahme kommen kann. Stimmt das?

 

Dr. med. Matthias Kaltheuner antwortet: 

Sehr geehrte Lisa,

diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten, wie man denke möchte.Bei Typ 1 Diabetes ersetzt man ja mit den Insulinspritzen wirklich fehlendes Insulin, so dass es meist kein zuviel an Insulin gibt. Zu Beginn eines Typ 1 Diabetes nimmt man meist sehr ab und dann mit dem Insulin zum Glück auch wieder zu. Man kann es dann wie jeder andere Mensch mit dem Essen übertreiben.Bei Typ 2 muss man oft Insulin spritzen, obwohl der Mangel nur gering ist, weil das Insulin im Gewebe nicht gut wirkt. Nach den DMP Daten aus Nordrhein nehmen die Menschen nur ca. 1 kg zu nach Beginn der Insulintherapie zu.Solange der Blutzucker über der Nierenschwelle liegt verliert man Zucker und damit Kalorien im Urin. Überernährung wird zum Teil ausgeglichen. Isst man unverändert weiter bei fallendem Blutzucker, nimmt man zu, weil die Kalorien nicht mehr verloren gehen.Allgemein gilt: wenn man zunimmt, hat man mehr gegessen, als man verbraucht hat.Unser Gefühl zum Essen entspricht oft nicht den Tatsachen und das macht es so schwierig.

Alles Gute

Dr. Matthias Kaltheuner

Betreff: Neudiagnose Diabetes

D. S. fragt: 

Hallo Herr Dr. Kaltheuner,

der Hausarzt hat nun festgestellt, dass bei mir Typ-2-Diabetes vorliegt. Nun soll ich Ernährung usw. umstellen. Sportlich betätige ich mich schon, Fußball "Alte Herren". Ich habe einen Bauchansatz, bin aber nicht dick. Mein Arzt sieht das Rauchen als gefährlich an, auch wenn es nicht viel ist, etwa 5 Zigaretten täglich. Muss man sofort komplett aufhören?

Grüße
D.S.

Dr. med. Matthias Kaltheuner antwortet: 

Sehr geehrter Herr S.,

Sie müssen nichts !!! Nur wenn Sie gesund bleiben wollen, dann ist es folgerichtig, das Rauchen aufzugeben, da es die Gefäße genauso wie der Diabetes schädigt. Es ist besser im Sinne der Gesundheit aufzuhören.Nehmen Sie am besten an einer Diabetiker Schulung teil, dann wissen Sie Bescheid.Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.

Dr. Matthias Kaltheuner

Betreff: Neudiagnose Diabetes

Friederike fragt: 

Schönen Abend Dr. Kaltheuner,

meine Mutter, Anfang 60, hat wohl seit einigen Monaten Diabetes Typ 2, zumindest schließe ich das daraus, dass sie Metformin nehmen muss und (erfolgreich) auf Anraten des Hausarztes ihre Ernärhung umgestellt hat. Der Arzt hat sie auch für ihren guten Hba1c gelobt, der nun bei 6 oder sogar drunter liegt. Meine Sorge ist allerdings, dass meine Mutter raucht und damit auch nicht aufhören will. Ich mache mir Sorgen wegen ihrer Blutgefäße und auch wegen ihrer Füße. Eine Frau aus dem Bekanntenkreis, die im selben Alter ist und viel raucht, hat innerhalb kürzester Zeit nach und nach ein Bein deshalb verloren, nur wegen einer anfangs kleinen Wunde am Fuß, die immer schlimmer wurde. das soll ja eine ganz typische Folge von Diabetes sein?! Oder sind das eher schlimme Einzelfälle?

Viele Grüße
Friederike

Dr. med. Matthias Kaltheuner antwortet: 

Sehr geehrte Frau S.,

natürlich haben Sie Recht darin, dass Rauchen bei Diabetes die Gefäße zusätzlich schädigt. Die Gesundheit ist halt oft nicht das höchste Gut (das Rauchen ist vielen Menschen wichtiger). Die weitere Entwicklung hängt sehr davon ab, wie der Gefäßzustand bei Ihrer Mutter jetzt schon ist, sind die Fußpulse sehr gut tastbar und hat sie sonst keine Arterienverkalkung, dann ist die Prognose viel besser, als wenn jetzt schon Verengungen vorliegen.Insofern kann eine Gefäßuntersuchung viel Aufschluss bringen. Es gibt aber auch sehr sture uneinsichtige Menschen, denen keine Bedrohung größer vorkommt als das Rauchen aufhören zu müssen. Ich schreibe dies so, weil ich nicht möchte, dass Sie sich schuldig an der Unvernunft Ihrer Mitmenschen fühlen sollen.Es ist immer schwierig, wenn sich Angehörige oder Ärzte mehr sorgen als der Betroffene selber.Aber vielleicht hat Ihre Mutter ja doch ein Einsehen.

Alles Gute

Dr. Matthias Kaltheuner

Betreff: Neudiagnose Diabetes

Peter B. fragt: 

Hallo Dr. Kaltheuner,

Letzten Monat diagnostizierte mein Arzt eher durch einen Zufall, dass ich Diabetes Typ 2 habe. Inwieweit sollte ich jetzt meine Bekannten, Freunde und Arbeitskollegen über meine Diabetes-Erkrankung informieren? Eine Schulung mache ich demnächst, aber was sollten meine Bekannten tun, wenn ich in den Unterzucker komme?

Mit freundlichen Grüßen

Peter B.

Dr. med. Matthias Kaltheuner antwortet: 

Sehr geehrter Herr B.,

Diabetes ist auch nur eine normale Erkrankung mit der man möglichst normal und angemessen umgehen sollte,

Die Gefahr von Unterzuckerung ist zu Beginn, insbesondere mit den Medikamenten, die wir heute einsetzen, sehr gering, so dass Sie sich diesbezüglich kaum Sorgen machen müssen. In der Schulung werden Sie sich bestimmt ein Bild machen können, welche Information Ihrer Umgebung sinnvoll ist.

Ich wünsche Ihnen alles Gute

Dr. Matthias Kaltheuner

Betreff: Neudiagnose Diabetes

Melanie fragt: 

Lieber Dr. Kaltheuner,

mein Vater hat Diabetes Typ 2, obwohl er noch gar nicht so alt ist. Er ist Mitte 50 und übergewichtig. Wirdachten immer, Diabetes kommt von zu viel süß, aber das isst er kaum, dafür halt gern deftig. Auf was muss er jetzt verzichten?

Liebe Grüße
Melanie

Dr. med. Matthias Kaltheuner antwortet: 

Sehr geehrte Frau K.,

Typ 2 Diabetes kommt von Vererbung und von Überernährung. Die Überernährung abzubauen und sich mehr zu bewegen ist am wichtigsten. Wenn man sich lange  überernährt hat und diese Überernährung jetzt korrigiert, ist das Wort Verzicht irgendwie komisch, wenn auch menschlich verständlich ist.Wichtig wird ein "selber aktiv werden" sein bei Ihrem Vater, Sie können ihn unterstützen, schaffen muss er es selber.
Alles Gute
Dr. Matthias Kaltheuner