Die richtige Therapie bei Kindern mit Diabetes

Experten-Chat mit Professor Reinhard Holl

Bis zum 19. September 2012 findet unsere Experten-Sprechstunde mit Professor Reinhard Holl zum Thema „Die richtige Therapie bei Kindern mit Diabetes" statt. Er beantwortet Ihre Fragen live am Mittwoch, dem 19. September zwischen 17 und 19 Uhr.

Professor Reinhard Holl, Ulm
Professor Reinhard Holl, Ulm

Professor Reinhard Holl

Albert-Einstein-Allee 41
89081 Ulm
Protokoll der Sprechstunde

Betreff: Die richtige Therapie bei Kindern mit Diabetes

Ines fragt: 

Sehr geehrter Herr Prof. Holl,
unser Sohn bekommt seit Jan 201o Insulin mit einer Pumpe.
Leider konnten wir noch keine ausreichende Erklärung finden, warum er beim Verzehr von 2 tierischen Eiweißen (Wurst / Käse) rasant im BZ ansteigt bzw. überhaupt bei Fleisch / Fisch / Käse / Wurst zusätzlich Insulin benötigt und zwar in der Zeit ab ca. 2 -4 Uhr morgens. Haben Sie da eine Idee?
Besten Dank
Viele Grüße
Ines

 

Professor Reinhard Holl antwortet: 

Sie sidn mit Ihrer Erfahrung nicht alleine: Aus Eiweiß können im
Körper Kohlenhydrate gebildet werden (glukoplastische Aminosäuren),
und es gibt deshalb Behandlungssysteme, bei denen nicht nur die
Kohlenhydrate berechnet werden und in die Insulindosis eingehen,
sondern auch Eiweiss und Fett.  Wie das z.B. aussehen kann können Sie
hier nachlesen:
http://www.diabetes-ratgeber.net/Blutzucker/Auch-Fett-und-Eiweiss-koennen-den-Blutzucker-beeinflussen-125209.html
Bevor Sie das ausprobieren, besprechen Sie es aber unbedingt mit Ihrem
Kinderdiabetologen.

mit freundlichen Grüßen

R. Holl

Betreff: Die richtige Therapie bei Kindern mit Diabetes

Birgit K. fragt: 

Hallo Professor Holl,

zu Insulinpumpen hätte ich auch zwei Fragen: Von einer Mutter aus meinem Bekanntenkreis, die ebenfalls ein Kind mit Diabetes hat, habe ich gehört, dass sich die Stelle, an der die Nadel der Insulinpumpe in den Bauch eintritt, häufig entzündet. Wir stehen gerade vor der Überlegung, ob wir es bei unserer Kleinen auch einmal mit einer Insulinpumpe versuchen.  Wie kann ich solchen Entzündungen vorbeugen und wird eine Insulinpumpe  von der Krankenkasse bezahlt?

 

Professor Reinhard Holl antwortet: 


Da sprechen Sie zwei Dinge an:  Häufig ist ja ein relativer Begriff,
die meisten Kinder vertragen die Insulinkatheter, einige wenige aber
nicht.  Da gibt es die Möglichkeit, verschiedene Kathetertypen
auszuprobieren (Stahl oder Teflon, unterschiedliche Winkel,
unterschiedliche Befestigungssysteme. Meist findet sich ein Modell mit
dem man gut zurechtkommt. Vor der Entscheidung für eine Pumpentherapie
sollte man sich aber schon gut beraten lassen über Vorteile, aber auch
Aufwand und mögliche Probleme.  Bei klarer Indikationsstellung
übernehmen die Kassen meistens die Kosten.  Es besteht aber auch die
Möglichkeit, eine Pumpe erst mal zur Probe zu tragen um
herauszufinden, ob dies wirklich der richtige Weg ist, und erst danach
einen Antrag bei der kasse zu stellen.

Mit freundlichen Grüßen

R. Holl

Betreff: Die richtige Therapie bei Kindern mit Diabetes

M. S. fragt: 

Lieber Professor Holl,

durch unseren Umzug bedingt musste unser 10-jähriger Sohn vor fast genau einem Jahr die Schule wechseln. Zu dieser ungewohnten Situation kommt hinzu, dass es für ihn immer noch schwer zu begreifen ist, dass er lebenslang auf das Insulinspritzen angewiesen sein wird. Er frisst seine Probleme regelrecht in sich hinein. Spielkameraden hat er so gut wie keine. Wir machen uns Sorgen, dass er zu einem Außenseiter in seiner Klasse wird. Was kann ich dagegen machen? Das Gespräch mit seiner Lehrerin am letzten Elternabend war leider auch nicht sehr hilfreich. Soll ich selbst auf die Eltern der anderen Kinder zugehen? Über Ratschläge würde ich mich sehr freuen.

Vielen Dank!

M. S.

Professor Reinhard Holl antwortet: 

Da kommen viele Probleme zusammen:  Der Umzug, die Diabeteserkrankung,
die Sie noch nicht wirklich akzeptieren können, dass Ihr Sohn nicht so
leicht auf Gleichaltrige zugehen kann, und dass die Lehrerin hier
offensichtlich nicht wirklich helfen konnte oder wollte.  Da dies ja
schon einige Zeit so ist, würde ich Ihnen empfehlen, ein Gespräch mit
einem Kinderpsychologen oder einer Erziehungsberatungsstelle zu
suchen.  Wahrscheinlich kann Ihr Kinderdiabetologe hier einen
Ansprechpartner oder eine Adresse vermitteln, denn viele Familien
benötigen im Lauf der Diabeteserkrankung kurzfristig, manchmal aber
auch über einen längeren Zeitraum eine psychologische Hilfe. Die
Herausforderungen durch den Diabetes sind ja auch nicht zu
vernachlässigen - und das zusätzlich zu Dingen wie Schule und neues
Lebensumfeld! Warten Sie nicht zu lange zu, lassen Sie sich beraten.
Glücklicherweise gibt es mittlerweile fast überall in Deutschland
entsprechende Angebote.

Mit freundlichen Grüßen

R. Holl

Betreff: Die richtige Therapie bei Kindern mit Diabetes

Gerhard B. fragt: 

Sehr geehrter Herr Professor Holl,

 

mein Sohn, 12 Jahre alt, hat Diabetes Typ 1. Er mag sehr gerne Sport und betreibt Leichtathletik im Verein.  Er möchte nun gern das Training intensivieren und in Richtung Leistungssport gehen. Worauf sollte geachtet werden, wenn Kinder mit Diabetes Leistungssport ausüben möchten? Ändert sich die infolgedessen die Therapie?

Mfg

Professor Reinhard Holl antwortet: 

Leistungssport bei Typ-1-Diabetes ist durchaus möglich, und sowohl
Bundesligaprofis als auch Olympiasieger mit Typ-1-Diabetes sind
bekannt.  Die konkreten Empfehlungen sind natürlich abhängig von der
Sportart, Leichtathletik kann ja Sprint, 10000m-Lauf oder Kugelstoßen
bedeuten.  Eine Grundregel ist dass intensive körperliche Belastung
den Insulinbedarf senkt - aber nie ganz ersetzt!  Für die
Wettkampfsituation müssen spezielle Regeln ausgearbeitet werden, hier
müssen natürlich Unterzuckerungen absolut vermieden werden.
Diabetologe und Sportmediziner können Sie und Ihren Sohn da gemeinsam
beraten.  Es gibt auch spezielle Bücher über Hochleistungssport bei
Typ-1-Diabetes.Mit freundlichen Grüßen

R. Holl

Betreff: Die richtige Therapie bei Kindern mit Diabetes

Jens fragt: 

Guten Abend Professor Holl,

 

Unsere Tochter, die seit sieben Jahren Typ-1-Diabetes hat, steckt mitten in der Pubertät. Dass sie sich immer mehr zurückzieht und aufmüpfig reagiert, ist für dieses Alter wahrscheinlich „normal“. Jedoch misst sie ihre Blutzuckerwerte nur noch unregelmäßig und trägt auch mal falsche Werte in ihr Tagebuch ein. Sie darauf anzusprechen, ist zwecklos – „wir sollen sie nicht kontrollieren“. Was nun? Vor der Pubertät klappte die Therapie fast ohne Probleme, nun wird der Umgang damit immer schwieriger...

Professor Reinhard Holl antwortet: 

Diese Erfahrung machen viele Eltern, mal mehr, mal weniger.  Die Frage
ist, was ist noch normal, wann muss ich Hilfe suchen?  Wenn sich die
Pubertätsprobleme deutlich auf den Diabetes auswirken, die
Stoffwecheleinstellung nicht mehr akzeptabel ist, dann sollten Sie mit
Ihrem Diabetologen besprechen, ob eine psychologische Beratung
hilfreich sein könnte, wie Sie sich am besten verhalten, ob eine
erneute, altersgemäße Schulung Ihrer Tochter helfen könnte, ob
eventuell eine Diabetikerfreizeit für Jugendliche oder ein
Reha-Aufenthalt sinnvoll sein könnte.  Für jedes Kind ist die Pubertät
eine aufregende und oft schwierige Phase, zusätzlich den Diabetes
meistern zu müssen macht das Ganze nicht einfacher.  Bleiben Sie
Ansprechpartner für Ihr Kind, kümmern Sie sich weiter gemeinsam um den
Diabetes - es hat sich als ungünstig herausgestellt wenn Eltern zu
früh die Verantwortung auf das Kind alleine übertragen.  Jede Familie
erlebt in der Pubertät einige Aufs und Abs, meist gelingt die
Diabetesbehandlung aber trotzdem in einem "akzeptablen" Bereich.
Aufwand und Zielwerte sind aber meist höher als vor der Pubertät.
Wenn Sie sich unsicher sind - lassen Sie sich frühzeitig beraten,
nicht erst wenn sich alles verhärtet hat!

Mit freundlichen Grüßen

R. Holl

Betreff: Die richtige Therapie bei Kindern mit Diabetes

Bianka fragt: 

Hallo Herr Professor Holl,

 

Gelten für Kinder mit Diabetes andere Ernährungempfehlungen als für erwachsene Diabetiker? Sollten sie bestimmte Lebensmittel besonders häufig essen (wegen Wachstum und Entwicklung), andere hingegen vielleicht gar nicht (Süßigkeiten?). Wir sind als Eltern eines Sohnes mit Diabetes Typ 1 deswegen verunsichert.

Professor Reinhard Holl antwortet: 

Zunächst gibt es einen großen Unterschied zwischen Menschen mit
Typ-2-Diabetes (wo eine Ernährungsumstellung eine große Rolle spielt)
und Patienten mit Typ-1-Diabetes: Diese sollten sich weitgehend wie
Stoffwechselgesunde ernähren und müssen auf (fast) keine Lebensmittel
verzichten.  Ausnahmen sind große Mengen Süßigkeiten oder stark
gesüßte Limonaden (Cola, Fanta), die zu einem so raschen
Blutzuckeranstieg führen dass die Insulinwirkung nicht ausreicht.
Kochzucker generell ist aber nicht verboten sondern kann in der
Ernährung in vernünftigen Mengen vorkommen, möglichst zusammen mit
anderen Nachrungsbestandteilen. Wichtig für Sie ist eine altersgemäße
Ernährungsberatung, bei der Sie konkret die Ernährung Ihres Sohnes
besprechen können.  Fragen Sie Ihren Kinderdiabetologen danach.  Da
sich in der Wachstumsphase der Ernährungsbedarf rasch ändert, muss
diese Beratung von Zeit zu Zeit wiederholt werden und gegebenenfalls
die Empfehlungen angepasst werden.

Mit freundlichen Grüßen

R. Holl

Betreff: Die richtige Therapie bei Kindern mit Diabetes

R. K. fragt: 

Sehr geehrter Herr Professor Holl,

Können Kinder auch mit Insulinpumpen behandelt werden? Falls ja: Wie alt müssen sie dafür sein? Welche Vor- bzw. Nachteile gibt es ggf. dabei?

Herzlichen Dank!

R. K.

Professor Reinhard Holl antwortet: 

Ja, gerade sehr junge Patienten, Kinder unter 5 Jahren, verwenden sehr
häufig eine Insulinpumpe, in Deutschland sind es über 60 %.  Vor- und
Nachteile muss jede Familie in einem oder mehreren Gesprächen mit
einem Kinderdiabetologen abwägen.  Für manche Patienten ist die
größere Flexibilität wichtig, andere bevorzugen das Katheterwechseln
alle 2 Tage gegenüber drei, vier oder 5 täglichen Insulininjektionen.
Es gibt aber auch viele Familien, die mit Insulininjektionen sehr gut
zurechtkommen, und den zusätzlichen Aufwand einer Insulinpumpe
scheuen.  Beide Behandlungswege können zu einer guten Diabetestherapie
führen.

Mit freundichen Grüßen

R. Holl

Betreff: Die richtige Therapie bei Kindern mit Diabetes

Nicole R. fragt: 

Hallo Herr Dr. Holl,

 

Müssen Kinder mit Diabetes häufiger zu Kontrolluntersuchungen als Erwachsene? Wie können Folgeerkrankungen bereits im Kindesalter vorgebeugt werden?

Professor Reinhard Holl antwortet: 

Stoffwechsel-gesunde Kinder sollten an den Vorsorgeuntersuchungen beim
Kinderarzt teilnehmen. Kinder mit Diabetes sollten häufiger beim
Kinder-Diabetologen vorgestellt werden, um die Behandlung zu
überprüfen und natürlich auch um frühe Folgeerkrankungen des Diabetes
rechtzeitig zu erkennen.  Es ist in Deutschland in vielen
Einrichtungen üblich, dass Kinder mit Diabetes alle 3 Monate zu einer
Kontrolle vorbeikommen.  Dies heisst aber nicht, dass alle 3 Monate
Blut abgenommen oder die Augen untersucht werden müssen - hier genügen
meist Untersuchungen in größeren Abständen.

Mit freundlichen Grüßen

R. Holl

Betreff: Die richtige Therapie bei Kindern mit Diabetes

Katharina D. fragt: 

Hallo Prof. Holl,

meine Tochter kommt nächstes Jahr in die Vorschule. Sie hat seit einem Jahr Diabetes Typ 1 und trägt eine Pumpe. ich würde mich gerne vorab informieren, was ich von Erziehern erwarten kann und welche Aufgaben ich selbst übernehmen muss. Ich habe bei der Diagnose meinen Job aufgegeben, um erst mal für meine tochter da zu sein. Komme aber mit dem Geld nicht gut klar und würde jetzt gerne wieder anfangen zu arbeiten. Was raten Sie mir, wie geh ich am besten an die Situation ran?

ich freu mich auf Ihre Mail.

herzliche Grüße aus München,

Katharina D.

Professor Reinhard Holl antwortet: 

Sehr geehrte Frau D.,

suchen Sie früh den Kontakt zur Vorschule, die meisten Erzieherinnen
wie auch Grundschullehrer sind sehr hilfsbereit und bemühen sich, alle
Kinder gut zu integrieren. Je nach deren Vorwissen ist vielleicht eine
kurze Schulungseinheit über Diabetes hilfreich, z.B. durch eine
Diabetesberaterin oder das Kinder-Diabetes-Team.  Dies sollte nicht an
finanziellen Grenzen scheitern, es gibt Stiftungen die solche Besuche
in der Vorschule unterstützen. Auch wenn die Eltern
verständlicherweise zunächst Sorgen haben - für die allermeisten
Kinder klappt es in Kindergarten und Vorschule trotz Diabetes ganz
gut.  In besonderen Fällen besteht auch die Möglichkeit einer
Integrationshilfe - besprechen Sie das mit Ihrem Kinderdiabetologen.

mit freundlichen Grüßen

R. Holl

Betreff: Prof. Holl

Nadine fragt: 

Meine Mutter ist zuckerkrank. Kann ich testen lassen, ob mein Kind in den nächsten Jahren ebenfalls Diabetes bekommen wird? Wenn ja: Wie sieht der Test aus, führen Allgemeinärzte diesen durch und ist er kostenpflichtig?

Professor Reinhard Holl antwortet: 

Ja, so eine Untersuchung gibt es, die Typ-1-Diabetes bei Kindern die
Diabeteserkrankung mit großer Wahrscheinlichkeit (aber nicht mit 100
%) vorhersagen lässt.  Man muss sich das gut überlegen, denn leider
gibt es zur Zeit noch kein gesichertes Verfahren, um die
Typ-1-Diabeteserkrankung zu verhindern.  Die erste Frage ist, ob bei
Ihrer Mutter ein Typ-1 oder ein Typ-2-Diabetes vorliegt.  Wenn Ihr
Haus- oder Kinderarzt nicht genau weiss, wie und wo die Untersuchung
durchgeführt wird, dann bitten Sie um eine Überweisung zu einem
Beratungstermin bei einem Kinderdiabetologen in Ihrer Nähe.
Medizinisch indizierte Untersuchungen werden von der Krankenkasse
übernommen.

Mit freundlichen Grüßen

R. Holl

Betreff: Die richtige Therapie bei Kindern mit Diabetes

Janine fragt: 

Ich habe folgende Fragen: Welche besonderen Komplikationen treten bei Kindern mit Diabetes auf? Haben Unterzuckerungen bei Kindern zum Beispiel andere Folgen als bei Erwachsenen?
Name: Janine G

Professor Reinhard Holl antwortet: 

Das ist natürlich eine sehr umfassende Frage und man könnte ein ganzes
Buch darüber schreiben.  Sie fragen speziell nach Unterzuckerungen:
Sehr junge Kinder können Frühzeichen von Unterzuckerungen oft schwer
zuordnen, so dass die Eltern hier besonders gefordert sind.
Verhaltensänderung, speziell ungewohnte Aggressivität,  ist nicht
selten ein Zeichen von Unterzuckerungen bei Kindern.  Auch mögliche
Auswirkungen auf das Wachstum und die Pubertätsentwicklung sind eine
Diabetesfolge, die es so bei erwachsenen Menschen nicht gibt.

mit freundlichen Grüßen

R. Holl

Betreff: Diabetes 1 bei meinem Bruder

Katharina G. fragt: 

Mein älterer Bruder (inzwischen 68 Jahre alt) hat seit über 50 Jahren Diabetes Typ 1 und kam bis vor ca. 15 Jahren gut damit zurecht. Er spritzte sich 2 x täglich, ernährte sich vernünftig und führte ein relativ regelmäßiges Leben. Doch seitdem gerät die Sache mehr und mehr außer Kontrolle und die behandelnden Ärzte scheinen ebenso ratlos zu sein wie wir und er selbst. Immer öfter gerät er in den Unterzucker, und zwar sowohl für ihn als auch für seine Umgebung oft ohne vorherige Ankündigung oder bemerkbare Anzeichen, so dass man kaum gegensteuern kann. Die Abstände dazwischen verringern sich immer mehr, und inzwischen passiert es schon fast wöchentlich. Vor wenigen Tagen ist er dabei in der Stadt gestürzt und hat sich Nase und Ellenbogen gebrochen.
Mein Verdacht ist, dass dies durch eine altersbedingte hormonelle Umstellung passiert.
Meine Frage: Haben Sie irgendwelche Erfahrungen damit und vielleicht Ratschläge, wie man damit umgehen, d.h. wie man das in den Griff bekommen könnte? Kann es gelingen, ihn wieder so gut wie früher einzustellen, damit diese ständigen Abstürze aufhören? Wir als Familie machen uns große Sorgen, und auch seine Lebenspartnerin scheint allmählich mit dem Ganzen überfordert.
Für eine baldige Auskunft wäre ich dankbar.
Mit freundlichen Grüßen

Professor Reinhard Holl antwortet: 

Sehr geehrte Frau G.

Die Sorge um Ihren Bruder kann ich gut nachvollziehen.  Zweifellos ist
die Insulinbehandlung zur Zeit nicht optimal, und die vielen schweren
Unterzuckerungen müssen rasch beendet werden.  Mittlerweile gibt es
gerade für Menschen die Unterzuckerungen nicht mehr wahrnehmen,
spezielle Schulungsprogramme.  Zusätzlich muss aber wahrscheinlich
auch die Insulinbehandlung angepasst werden.  Auch eine hormonelle
Ursache, eine Nebennierenrindeninsuiffizienz, könnte in Frage kommen.
Bitten Sie Ihren Bruder, dies offen mit dem behandelnden Diabetologen
zu besprechen, und wenn das nicht weiterhilft, anderswo eine
spezialisierte Behandlung zu suchen. Vielleicht hilft auch ein
Aufenthalt in einer Diabetes-Fachklinik oder Rehaklinik weiter.

Ich wünsche Ihnen und Ihrem Bruder alles Gute

R. Holl