Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion (Impotenz)

Situation von Männern mit Erektionsstörungen

Die sogenannte „Kölner Studie“ hat ergeben, dass in Deutschland etwa 4,5 Millionen Männer im Alter von 30 bis 80 Jahren von länger anhaltenden Erektionsstörungen (medizinische Bezeichnung: erektile Dysfunktion, kurz ED) betroffen sind. Für rund ein Drittel dieser Männer ist die ED mit einem hohen Leidensdruck verbunden. Diabetiker sind zwei- bis dreimal so häufig von ED betroffen wie Männer ohne Diabetes und das in wesentlich jüngeren Jahren.

Seit der Markteinführung von Viagra® 1998 werden Erektionsstörungen oft in den Medien behandelt. Da könnte man meinen, dass eine ED heute kein Problem mehr ist. Wen es trifft, der geht halt zum Arzt und lässt sich ein Mittelchen verschreiben. Die Wirklichkeit sieht anders aus.

Aus verschiedenen Gründen (menschliche Entwicklungsgeschichte, Sozialisation, Stellenwert der Sexualität in der Gesellschaft) ist für viele Männer Männlichkeit gleichbedeutend mit Potenz. Fast jeder Mann mit ED stürzt daher in ein wahres Gefühlschaos, das sein Selbstwertgefühl erschüttert und sich lähmend auf Partnerschaft, soziale Kontakte und Arbeitsfähigkeit auswirkt. Selbst der Arztbesuch und das offene Gespräch mit der Partnerin werden aus Scham zu einer fast unüberwindbaren Hürde. Das alles ist aus folgenden Gründen tragis

  • Der Penis ist ein empfindliches Frühwarnsystem. Eine erektile Dysfunktion kann ein erstes, auffälliges Symptom einer gefährlichen Krankheit wie beispielsweise Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen oder Depressionen sein. Studien haben z.B. gezeigt, dass eine ED einem Herzinfarkt oft mehrere Jahre vorausgeht. Bei Diabetikern ist dieses Warnsignal besonders wichtig, da bei ihnen Herz-Kreislauf-Erkrankungen oft "stumm" (d. h. ohne bemerkenswerte Schmerzen zu verursachen) verlaufen.
     
  • Es gibt heute eine Reihe von unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten, die es praktisch jedem Mann mit ED ermöglichen, wieder Geschlechtsverkehr auszuüben.
     
  • Es gibt auch Spielarten der Sexualität, bei denen keine Erektion benötigt wird, die aber trotzdem für beide Partner zum Höhepunkt führen können. Voraussetzung dafür ist allerdings der (für Viele schwierige) offene Austausch über Wünsche, Erwartungen und Grenzen beim Sex.

Ein Ausweg

Aus der Verzweiflung und Einsamkeit, in der sich viele Männer mit Erektionsstörungen befinden, gibt es einen bewährten Ausweg: das Gespräch mit anderen Betroffenen. Die Solidarität untereinander und das Erlebnis, dass da keine "Schlappschwänze", sondern gestandene Männer zusammen­kommen, befreien und helfen, das eigene Problem in einem anderen Licht zu sehen. "Mann" sitzt halt nicht mehr allein zu Hause und hadert mit seinem Schicksal, sondern jeder bekommt durch die Gruppe viele Anregungen für eine trotz ED befriedigende Sexualität. Umgekehrt kann jeder erleben, dass auch seine Erfahrungen und Beiträge wichtig sind.

Mit Unterstützung des Informationszentrums für Sexualität und Gesundheit (ISG) e.V. in Freiburg konnten wir ab 2006 weitere Gruppen in Berlin, Essen, Köln und Stuttgart etablieren. Unabhängig von uns ist im Herbst 2009 eine Selbsthilfegruppe in Hannover gegründet worden.

Die Gründung von weiteren Selbsthilfegruppen ist für uns ein wichtiges Anliegen. Wir bitten interessierte Männer, sich bei uns zu melden. Sobald sich in einer Stadt genügend Männer gefunden haben, werden wir die Gruppe initiieren und sie auch danach unterstützen.

Wer keine Gruppe in seiner Nähe hat oder nicht zu einem Gruppentreffen kommen will, dem bieten wir Kontakt per E-Mail und Telefon an. Dieses Angebot gilt auch für Partnerinnen. Wir haben inzwischen auf diesem Weg mehr als 4 000 Männer und Frauen beraten. Dabei geht es einerseits um viele sachliche Fragen, wie sie bei jeder Krankheit auftauchen: Arztsuche, Erfahrung mit Behandlungsmethoden, Kostenübernahme durch Krankenkasse, usw. Andererseits geht es um die persönliche und partnerschaftliche Bewältigung des Problems. Dazu haben wir natürlich keine Patentrezepte, vielmehr suchen wir mit den Betroffenen zusammen nach Wegen, die der konkreten Situation angepasst sind.

Weitere Informationen

Kontakt per Telefon: 08142-597 099 und 030-76 68 95 21
Kontakt per E-Mail: kontakt@impotenz-selbsthilfe.de