Wie Selbsthilfe bei der Diabetes-Therapie unterstützen kann

Berlin, 25.01.2011

diabetesDE-Vorstandsmitglied Albert Pollack am 3. Februar im Experten-Chat:

Bei chronischen Krankheiten reicht die medizinische Versorgung den Betroffenen oft nicht aus. Denn sie wünschen sich mehr Zeit, um Erfahrungen auszutauschen und verständliche Informationen zu ihrer Therapie zu diskutieren. Selbsthilfeorganisationen sind für viele Menschen mit Diabetes und ihre Angehörigen daher eine wichtige Anlaufstelle. Hier helfen sich Betroffene gegenseitig die Krankheit zu bewältigen und sich Einschränkungen und psychosozialen Problemen zu stellen. Wie Diabetes-Selbsthilfegruppen den Arztbesuch sinnvoll ergänzen, erklärt Albert Pollack, Vorstandsmitglied von diabetesDE und Leiter der Selbsthilfegruppe „Die Stechmücken“, Hungen, im nächsten Experten-Chat. Fragen können ab sofort gestellt werden.

In Deutschland gibt es etwa 70 000 bis 100 000 Selbsthilfegruppen, davon aber nur 800 bis 1500 im Bereich Diabetes. Dabei leiden allein acht Millionen Menschen in Deutschland an dieser chronischen Krankheit. „Eine Selbsthilfegruppe kann Menschen mit Diabetes eine große Unterstützung im Alltag sein. Immer dann, wenn der Arzt nicht an der Seite des Betroffenen sein kann, springt die Selbsthilfe ein“, so Albert Pollack. Denn chronisch Kranke wie Diabetiker müssen ständig Entscheidungen über ihre Behandlung treffen, eventuelle Alternativen abwägen und sich mit möglichen Folgen ihrer Erkrankung wie zum Beispiel Berentung oder Umschulung auseinandersetzen. Selbsthilfeorganisationen geben darüber hinaus Hinweise auf Lücken und notwendige Verbesserungen der medizinischen Versorgung und tragen damit zur Weiterentwicklung des Gesundheitssystems bei.

Dennoch erhält der Bereich Patienten-Selbsthilfe noch zu wenig Unterstützung. Zwar ist zum 1. Januar 2008 ein neuer Paragraph (§ 20 c SGB V) in Kraft getreten. Er erleichtert unter anderem das Antragsverfahren zur Selbsthilfeförderung. „Die Stärkung der Selbsthilfe ist jedoch eine Gemeinschaftsaufgabe, an der sich neben den Krankenkassen vor allem auch Länder, Gemeinden aber auch die Betroffenen selbst beteiligen müssen“, so Pollack. In seiner Selbsthilfegruppe vermittelt er den 40 Teilnehmern deshalb, Eigenverantwortung zu übernehmen. Denn er selbst musste erfahren, welche Folgen schlecht eingestellte Blutzuckerwerte haben können: Im Jahr 2006 drohte er zu erblinden. Dank einer guten ärztlichen Behandlung konnte seine Sehkraft jedoch bis zu 60 Prozent erhalten bleiben.

Heute hat er die Krankheit im Griff und teilt sein Wissen und seine Erfahrungen mit anderen Betroffenen. Wie Menschen mit Diabetes von einer Selbsthilfegruppe profitieren, welche Probleme sie beschäftigen und wie sie selbst eine solche Gruppe gründen können, erklärt Albert Pollack am 3. Februar 2011 im diabetesDE-Experten-Chat. Der gelernte Industriekaufmann erkrankte vor 34 Jahren und hat alle Insulin-Therapieformen von Spritze, über Pen bis zur Pumpe miterlebt. Vor fünf Jahren gründete er eine Selbsthilfegruppe. Die Mitgliederzahl stieg seitdem von anfänglich 8 auf über 40. Die Gruppe ist dabei Orientierungspunkt für Typ 1 und Typ-2-Diabetiker, Pumpenträger und Eltern diabetesbetroffener Kinder sowie deren Angehörigen geworden.

Bei diabetesDE hat er mit seinem Ressort Selbsthilfe nun den ersten „Leitfaden zum Thema Selbsthilfe bei Diabetes“ herausgebracht - mit praktischen Tipps zur Gründung einer Selbsthilfegruppe. Der Leitfaden steht ab Anfang Februar zum download bereit.

Der Diabetes-Chat steht allen Internet-Nutzern kostenfrei zur Verfügung. Protokolle der letzten Sprechstunden können Sie hier abrufen. Eine weitere wichtige Anlaufstelle ist das Diabetes Gesundheitstelefon. Unter der Nummer 0180 250 5205 (6 Cent/Anruf aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 42 Cent/Minute) stehen täglich 24 Stunden Experten bereit.

 

Terminhinweis:
Experten-Chat zum Thema „Warum Selbsthilfe so wichtig ist" mit Albert Pollack
Donnerstag, den 3. Februar 2011 von 17.00 bis 19.00 Uhr