Tipps für den Sport mit Diabetes

Eine Person in schwarzer Sportleggins und pinkem Sportoberteil steckt ein Handy in eine Bauchtasche. Sie trägt eine Smartwatch und Kopfhörer.

Sport ist gesund – und Menschen mit Diabetes profitieren ganz besonders von den positiven Effekten einer regelmäßigen körperlichen Betätigung: Gewicht, Blutdruck und Blutfettwerte im Normalbereich. All diese Faktoren wirken sich positiv auf den Diabetes aus. Menschen mit Diabetes können aber nicht einfach ihre Sportschuhe schnüren und loslegen. Vielmehr müssen beispielsweise einige Sportler*innen mit Diabetes ihre Sporteinheiten planen und ihre Therapie dafür anpassen – etwa, indem sie ihr Insulin vorab reduzieren oder zusätzliche Kohlenhydrate zu sich nehmen.

Dann steht dem Training aber nichts mehr im Weg. Oder doch? Ein paar praktische Fragen bleiben: Wie geht man beispielsweise mit Unterzuckerungen während des Sports um und welches Equipment ist besonders hilfreich? Hier ein paar Tricks und Tipps, damit man auch mit Diabetes als ständig anwesendem Trainingspartner immer gut im Ziel ankommt und unterwegs keine Probleme mit seiner Diabetes-Ausrüstung und -therapie bekommt. Unabhängig davon sollte man seine Trainingspartner und Mitsportler*innen immer über seinen Diabetes informieren:

Schnelle Hypohelfer

Um während des Sports schnell auf Unterzuckerungen („Hypoglykämien“) reagieren zu können, sollte man als Mensch mit Diabetes immer schnellwirksame Kohlenhydrate bei sich haben. Einzeln verpackte Traubenzuckerstücke in der Hektik des Sports auszupacken, kann aber (zu) umständlich sein. Daher eignen sich für Sportler*innen mit Diabetes eher flüssige Zuckerarten in Gel-Form, verpackt in Tuben oder Einzelpackungen. Diese kann man schnell aufdrehen oder -reißen und den Inhalt zu sich nehmen. Außerdem gibt es Gels mit wiederverschließbarem Schraubverschluss, wenn man den Inhalt portionieren will. Flüssige Kohlenhydrate müssen außerdem nicht gekaut werden und der Körper nimmt sie schneller auf. Aber Achtung: Nicht jede*r verträgt flüssige Kohlenhydrate gleich gut!

Gut verstaut an Mann und Frau

Drei, zwei, eins und los geht es mit dem Joggen, Skaten oder mit anderen Sportarten. Aber wohin mit den schnellen Hypohelfern, dem Blutzuckermessgerät, CGM-Lesegerät oder Smartphone, wenn man damit die Glukosewerte seines Sensors empfängt? Diverse Sporttaschen eignen sich gut, um alle Utensilien so zu verstauen, dass sie auch bei starker Bewegung nicht stören und dass man die Hände frei hat. Spezielle Taschen für Smartphones lassen sich zum Beispiel via Klettverschluss am Oberarm tragen. Besonders viel Stauraum bieten elastische Bauchtaschen mit mehreren Fächern – teils mit Reißverschluss –, die wie ein breiter Gürtel getragen werden. Für einige Insulinpumpen gibt es zudem exakt passende Sporttaschen.

Schutz für Sensoren und Katheter

Um auch bei Schweiß und Bewegung den sicheren Halt von Pumpenkathetern und CGM-Sensoren auf der Haut nicht zu riskieren, helfen Fixiertapes und -pflaster wie Physiotapes und Fixomull, die man während des Sports auf den Sensoren und Kathetern anbringen kann. Für einige Sensoren gibt es darüber hinaus herstellerspezifische, passgenaue und individuell einstellbare Fixiersysteme. Es gilt, ein wenig auszuprobieren, mit welcher Lösung man am besten zurechtkommt.

Armband für Notfälle

Notfall-Armbänder, die auf die Diabetes-Erkrankung hinweisen, sind gerade bei sportlicher Betätigung sinnvoll. Denn wenn bei Kreislaufproblemen, akuten Blutzuckerentgleisungen oder anderen medizinischen Notfällen Hilfe von Dritten nötig werden sollte, wissen die Helfer*innen sofort, dass sie es mit einem Menschen mit Diabetes zu tun haben, und können richtig reagieren. Armbänder aus Silikon sind auch bei schweißtreibenden Einheiten problemlos tragbar.

Ab aufs Wasser!

Segeln, Kayakfahren, SUPen: Für Wassersportler*innen aller Art lohnt es sich, wasserdichte Taschen anzuschaffen, in denen beispielsweise die Insulinpumpe verstaut werden kann. Dafür gibt es eigens Lösungen mit Kabeldurchführungen. Anregungen findet man in Shops für Diabetes-Zubehör.

Smarte Uhren

Mit einer Fitnessuhr, Laufuhr oder Smartwatch hat man vor, während und nach dem Training seine Vitalwerte im Blick: Wie hoch ist der maximale Puls, wie schnell beruhigt sich die Herzfrequenz nach der Belastung wieder? Und habe ich mich heute eigentlich schon genügend bewegt? Der Schrittzähler verrät es. Vereinzelt ist es je nach Smartwatch, CGM-Sensor und Smartphone auch möglich, sich seinen aktuellen Glukosewert auf seiner Smartwatch anzeigen zu lassen – ein echter Vorteil, wenn sich der Blutzucker bei hoher oder langer Belastung schnell verändert.

Tagebuch für Denksport

Den Blutzucker während des Sports im Griff zu behalten, ist nicht einfach – und genau wie der Sport selbst Trainingssache. Es gilt daher auszuprobieren, wie viele zusätzliche Kohlenhydrate man für seine üblichen Sporteinheiten benötigt, um wie viel Prozent man sein Insulin vorab reduzieren muss oder welche temporäre Basalrate am besten zu seinem Lieblingssport passt. Um auf dem Weg zur perfekten, individuellen Strategie nicht den Überblick zu verlieren, lohnt es sich, gerade in der Anfangszeit in einem speziellen Sport-Tagebuch alle Parameter festzuhalten, um daraus zu lernen: Blutzucker vor und nach dem Sport, Dauer der Betätigung, ergriffene Maßnahmen vorab / währenddessen etc.

 

Text: Susanne Löw, freie Journalistin