IDF- Young Leaders Summercamp in Arnhem/Niederlande, vom 13. bis 19. Juli 2015

Diabetes ist ein weltweites Phänomen und ein sich stetig ausbreitendes Problem. Warum also nicht auch auf internationaler Ebene zusammenarbeiten und gemeinsam gegen Diabetes kämpfen? Der europäische Regionalverband der International Diabetes Federation hat sich genau das zur Aufgabe gemacht. Mit dem Ziel, junge DiabetesaktivistInnen in Europa zu vernetzen und weiterzubilden wird seit fünf Jahren das „IDF Young Leaders Summercamp“ organisiert… und ich (Arthur) durfte daran teilnehmen. Von 50 BewerberInnen wurden 25 junge Männer und Frauen mit Typ-1 –Diabetes, zwischen 18 und 30 Jahren alt, zu dem Camp eingeladen. Pro Land wurde eine Person ausgewählt. Von England bis Usbekistan war fast alles dabei. 

Dieses Jahr wurden die Teilnehmenden in ein Sporthotel/Olympiastützpunkt in der Nähe des niederländischen Arnhem eingeladen. Von morgens um 9 bis teilweise 22 Uhr fanden Workshops und Präsentationen statt, immer wieder unterbrochen von sportlichen Aktivitäten (wer Lust hatte konnte sich sogar schon um 6:30 zum 20km Lauf treffen). Während uns die IDF Wissen von Projektmanagement über Diabeteslobbying auf nationaler und internationaler Ebene, bis zu neuen Erkenntnissen aus der Wissenschaft vermittelte, sorgte die „basvandegoor foundation“ für das sportliche Rahmenprogramm. Abgesehen von den morgendlichen Laufgruppen kamen wir jeden Nachmittag für mindestens eineinhalb Stunden ins Schwitzen. Sogar eine exklusive, mehrstündige Trainingseinheit mit dem Volleyball-Olympiasieger (und Typ-1er) Bas van de Goor war Teil des Programms. Natürlich gab es unter den Teilnehmenden, neben den 6 Marathonläufern, auch weniger ambitionierte Hobby-Sportler. Wir liefen eben morgens die 5km Runde. 

Neben den neuen Erkenntnissen aus den Vorträgen und Workshops, war ich begeistert von den Präsentationen der anderen „Young Leaders“. Jeder von uns stellte dabei sein/ihr persönliches Leben mit Diabetes, die Situation der Diabetesversorgung im jeweiligen Land und die eigenen Projekte vor. Ich war überrascht, welch fantastische Arbeit diese jungen Menschen, neben Studium/Beruf innerhalb ihrer (teils selbst-gegründeten) Diabetesorganisationen leisteten. Ich konnte viele neue Ideen mit nach Deutschland nehmen oder Bestehende weiterentwickeln. Auf der persönlichen Ebene war es sogar noch bereichernder und unglaublich motivierend mit welch lebensbejahender Einstellung so viel auf die Beine gestellt und erreicht werden konnte. All das trotz Diabetes oder gerade dadurch angespornt. Denn auch wenn es selbst in Deutschland nicht einfach ist mit Typ-1 zu leben -  in Ländern wie Usbekistan oder Kirgisistan kann es sogar vorkommen, dass monatelang Insulinknappheit herrscht, oder es werden trotz Insulingabe nur 50 Teststreifen pro Monat verschrieben (Jugendliche/ junge Erwachsene benötigen aber für eine angemessene Blutzuckerkontrolle unter Insulingaben mind. 120 Stück/ Monat). 

In Deutschland sind wir glücklicherweise weit von solchen Zuständen entfernt, jedoch gibt es auch bei uns immer noch großen Verbesserungsbedarf; z.B. in der psychologischen Betreuung, bei der Deutschland im europäischen Vergleich weit hinterherhinkt. 

Ich bin dankbar für diese lehrreiche und inspirierende Woche aus der sogar neue Freundschaften hervorgegangen sind. Die nächste Station in meinem Leben ist ein einjähriger Erasmusaufenthalt in Lyon. Es wird sicher nicht einfach, meine gewonnene Motivation von dort aus in konkrete Aktionen umzusetzen. Aber der Kampf für ein besseres Leben mit Diabetes ist international. Das Internet wird mir eine große Hilfe sein und ein erster Kontakt zur französischen Jugendorganisation ist hergestellt. Eines ist klar: spätestens seit dem Camp bin ich ein europäischer Diabetesaktivist. Arthur Haus, 21 Jahre, Student der Politik- und Verwaltungswissenschaft, Praktikant bei diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe von März bis Juli 2015.