Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Älterer Herr wird mit Stethoskop untersucht
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Sowohl Typ-1- als auch Typ-2-Diabetes erhöhen das Risiko für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Diese gehören wiederum zu den häufigsten Begleit- und Folgeerkrankungen des Diabetes.

Ursache vieler Beschwerden sind Ablagerungen aus Fetten, Cholesterin, Kalk und Bindegewebe an der Innenwand von Blutgefäßen. Diese sogenannten „Plaques“ führen zur Arteriosklerose (umgangssprachlich „Gefäßverkalkungen“), die unter anderem durch erhöhte Blutzuckerwerte begünstig wird.

Daneben liegen vor allem bei Typ-2-Diabetes oft noch weitere Risikofaktoren wie Bluthochdruck (Hypertonie), Fettstoffwechselstörungen und Übergewicht vor. Außerdem spielen genetische Faktoren eine wichtige Rolle, ob jemand eine Herz-Kreislauf-Erkrankung entwickelt. Um Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems vorzubeugen, ist neben einer normnahen Blutzuckereinstellung auch die konsequente Behandlung der weiteren Risikofaktoren wichtig.

Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Überblick

  • langfristig erhöhter Blutzucker
  • Bewegungsarmut
  • zu hohe Blutfette
  • Alltagsstress
  • zu hoher Blutdruck
  • Rauchen
  • Übergewicht
  • falsche Ernährung

Häufige Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems

Erkrankungen der Blutgefäße haben zur Folge, dass das Blut schlechter durch die Gefäße fließt und die Organe nicht mehr optimal mit Sauerstoff versorgt werden. Je nachdem, welche Gefäße betroffen sind, kommt es unterschiedlichen Erkrankungen.

  • Koronare Herzkrankheit (KHK): Kalkablagerungen in den Herzkranzgefäßen können dazu führen, dass Teile des Herzens nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Bei diesen Engpässen in den Arterien oft tritt ein Gefühl der Brustenge („Angina pectoris“) auf, das auch Vorbote eines Herzinfarkts sein kann.
  • Herzinfarkt: Wenn es in einem der Herzkranzgefäße zu einem Gefäßverschluss kommt, gelangt kein Blut mehr in den von diesem Gefäß versorgten Abschnitt des Herzens. Wenn die Durchblutung nicht schnell wieder hergestellt wird, stirbt das betroffene Herzmuskelgewebe ab und es kommt zum Herzinfarkt. Die klassischen Anzeichen für einen Herzinfarkt sind plötzlich auftretende Brustschmerzen. Gefährlich ist, dass bei Menschen mit Diabetes, aber auch bei Frauen sowie bei alten Menschen häufig diese typischen Schmerzen nicht auftreten.
  • Schlaganfall: Ein Schlaganfall entsteht, wenn Teile des Gehirns nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Er kann durch Blutgerinnsel und Verkalkungen in den Blutgefäßen oder durch das Platzen von Äderchen ausgelöst werden. Bei Menschen mit Diabetes sind meist Gefäßablagerungen in den Halsschlagadern die Ursache. Diese Adern versorgen das Gehirn mit Blut, die Ablagerungen führen daher zu einer Durchblutungsstörung des Gehirns. Je nachdem, wie stark und wie lange die Durchblutung bei einem Schlaganfall beeinträchtigt ist, kann die betroffene Gehirnregion ihre Aufgabe entweder zeitweilig oder dauerhaft nicht mehr erfüllen.
  • periphere artielle Verschlusskrankheit (PAVK): Auch bei der PAVK sind Ablagerungen aus Kalk und Fett die Ursache, hier meist in den Beinen. Die dahinter liegenden Gewebe werden nicht mehr gut durchblutet und die Füße werden nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Dadurch entstehen Schmerzen beim Gehen, die zu einer Pause zwingen, was der Krankheit ihren umgangssprachlichen Namen „Schaufensterkrankheit“ gegeben hat. Durch die schlechte Durchblutung der Füße entsteht bei einigen Betroffenen auch ein diabetisches Fußsyndrom.
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche): Diabetes schädigt nicht nur die Blutgefäße, sondern kann sich auf Dauer auch auf das Herz selbst auswirken, vor allem als Folge eines Herzinfarkts. Vor allem Menschen mit Typ-1-Diabetes leiden im fortgeschrittenen Alter oft an einer Herzschwäche, einer gestörten Pumpfunktion des Herzens. Typische Anzeigen sind Atemnot bei Belastung wie z.B. Treppensteigen oder in der Nacht. Hohe Blutzuckerwerte können bestimmte Vorgänge im Stoffwechsel des Herzens stören, sodass das Herz nicht ausreichend Energie gewinnen kann.

Therapie der Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Die Behandlung der verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zielt zum einen darauf ab, durch Gabe von Medikamenten den Blutfluss zu verbessern und die weitere Schädigung der Gefäße durch die Arteriosklerose zu verhindern. Zum anderen sollten auch die zugrundeliegenden Erkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes angemessen behandelt werden.

Weitere Maßnahmen umfassen eine Veränderung des Lebensstils, wie z.B. eine gesunde und ausgewogene Ernährung, Reduktion von Übergewicht sowie regelmäßige Bewegung. Für RaucherInnen ist der Rauchstopp die wichtigste Maßnahme.

Wichtig: Bei einem plötzlich auftretenden Gefäßverschluss, vor allem bei Herzinfarkt und Schlaganfall, ist schnelles Handeln entscheidend.

Regelmäßig zur Kontrolle!

Je normnäher der Diabetes behandelt und der Stoffwechsel eingestellt wird, desto kleiner ist die Gefahr für solche Spätfolgen. Ein niedriger Blutdruck schont die Gefäße. Durch eine gewissenhafte Blutzuckerkontrolle und regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Facharzt können Gefäßveränderungen frühzeitig erkannt und behandelt werden. Daher sollten Menschen mit Diabetes ein- bis zweimal im Jahr ihre Blutfettwerte (LDL- und HDL-Cholesterine sowie Triglyzeride) bestimmen und ihre Gefäße untersuchen lassen:

Indem der Arzt oder die Ärztin den Puls an Beinen und Hals tastet und mit dem Stethoskop abhört, kann er oder sie ermessen, ob eventuell eine Arterienverkalkung vorliegt. Ein genaueres Bild gibt eine Ultraschall-Doppleruntersuchung der Beinarterien und ein Elektrokardiogramm (EKG). Menschen mit Diabetes sollten bei ihren Kontrolluntersuchungen mit dem Diabetes-Team besprechen, ob und wann bei ihnen auch eine Ultraschalluntersuchung des Herzen notwendig ist. Außerdem kann ein Belastungstest auf dem Fahrradergometer (Belastungs-EKG)  klären, ob bei ihrem Herzen noch alles in Ordnung ist. Umgekehrt führen KardiologeInnen bei HerzpatientInnen einen Blutzuckerbelastungstest (siehe oGTT) durch. Dabei wird untersucht, wie stark nach einem zuckerhaltigen Getränk der Blutzucker steigt.