Diabetes mellitus Typ 2 vorbeugen
Experten-Chat mit Professor Dr. med. Peter Schwarz

- Prof. Dr. med. Hans-Peter Hammes
Bis zum 27. Oktober 2011 findet unsere Experten-Sprechstunde mit Professor Dr. med. Peter Schwarz zum Thema "Diabetes mellitus Typ 2 vorbeugen" statt. Er beantwortet Ihre Fragen live am Donnerstag, dem 27. Oktober zwischen 17 und 19 Uhr.
R. fragt:
Hallo Herr Dokor, in meiner Familie haben 2 Verwandte (Vater und dessen Bruder) Diabetes Typ 2 im Alter bekommen. Ist das vererbbar? Ich bin fit und nicht übergewichtig. Ab welchem Alter empfehlen Sie mir regelmäßig Tests zu machen?
Professor Schwarz:
Vielen Dank für Ihre Frage. Nachdem was Sie beschreiben haben, haben Sie schon alleine durch Ihre Familiengeschichte ein erhöhtes Diabetesrisiko. Wenn Ihr Vater und dessen Bruder an Typ 2 Diabetes erkrankt sind, haben Sie per se ein erhöhtes vererbtes Risiko auch einen Diabetes mellitus zu bekommen. Der Typ 2 Diabetes ist mit hoher Wahrscheinlichkeit eine vererbte Erkrankung, wobei aber nicht die Erkrankung sondern eine Veranlagung dazu vererbt ist. Stellen Sie sich ein Glas vor, welches kontinuierlich gefüllt wird. Wenn das Glas voll ist, bekommen Sie Diabetes mellitus. Durch Ihre Veranlagung haben Sie unter Umständen schon einen Füllstand von 30% des Glases erreicht. Weitere Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel aber eben auch steigendes Lebensalter füllen das Glas immer mehr und irgendwann bricht der Diabetes mellitus aus. Das Gute dabei ist allerdings, dass man gegen die Risikofaktoren etwas unternehmen kann. Das heißt in erster Linie gegen das Übergewicht und gegen den Bewegungsmangel. Insbesondere wichtig ist dabei das Bauchfett. Das sind die Fettzellen, die unter der Muskelschicht im Bauch liegen. Je mehr Bauchfett man hat desto schlimmer ist das für das Diabetesrisiko aber auch für alle anderen chronischen Erkrankungen. Am besten lässt sich das Bauchfett mit Hilfe des Taillenumfangs messen. Als Mann sollte der Taillenumfang unter 94cm liegen, als Frau unter 80cm. Wenn der Taillenumfang also beim Mann über 102cm und bei der Frau über 88cm liegt, ist das Risiko für Diabetes mellitus und anderer Erkrankungen ganz deutlich erhöht.
Der nächste Punkt ist die Bewegung. Hier empfehle ich Ihnen mal einen Schrittzähler auszuprobieren. Wenn Sie täglich 10.000 Schritte laufen und das kontinuierlich durchhalten können Sie fast sicher sein keine chronische Erkrankung wie Diabetes mellitus oder auch andere Erkrankungen zu bekommen. Durch die Bewegung bauen Sie nämlich Muskelmasse auf und reduzieren die Masse an Bauchfett, was sich dann insgesamt in vielerlei Hinsicht günstig auf Ihr Risiko auswirkt. Auf Ihre Frage hin, ab wann man sich testen lassen sollte: Grundsätzlich sollten Sie sich, wenn mehrere Risikofaktoren zusammenkommen, wie zum Beispiel die Familienanamese (ist bei Ihnen der Fall), Übergewicht, Bewegungsmangel, ein erhöhter Blutdruck oder schon mal ein erhöhter Blutzuckerwert in der Vergangenheit, dann sollten Sie sich testen lassen. Ich hoffe Ihnen ein bisschen geholfen zu haben. Der Diabetes mellitus ist eine vererbte Erkrankung, aber wenn Sie die Risikofaktoren die zu dem vererbten Risiko hinzukommen aktiv angehen, dann können Sie auch trotz des genetischen Risikos den Diabetes lebenslang verhindern. Ich Wünsche Ihnen damit viel Erfolg.
Viele herzliche Grüße
Ihr Professor Peter Schwarz
Pia fragt:
Sehr geehrter Professor Schwarz, ich bin bereits kurz vor einem Diabetes sagt mein Arzt. Bald soll cih Blutzuckersenkende Medikamente bekommen - zur Vorbeugung, wenn cih das richtig verstanden habe. Sollte ich bei meiner Ernährung weniger Zucker essen? Können Sie mir sagen, was ich anstelle von Zucker essen könnte, um den Diabetes zu verhindern? In meiner Familie gibt es bisher keine Fälle von Diabetes. Pia Lessner
Professor Schwarz:
Liebe Pia,
vielen Dank für Ihre Frage. Es ist tatsächlich so, dass große Studien gezeigt haben, dass Diabetesmedikamente den Diabetes vorbeugen können. Insbesondere gibt es dazu viele Studien zu dem Medikament „Metformin“, welches in mehr als der Hälfte der Fälle geholfen hat, bei den Studienteilnehmern Diabetes zu verhindern. Gleichzeitig führte das dazu, dass die Studienteilnehmer auch signifikant an Gewicht verloren haben. Allerdings sollte das nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Der beste Weg einen beginnenden Diabetes vorzubeugen ist Gewicht zu reduzieren und sich mehr zu bewegen. Wie auch schon in anderen Beiträgen in diesem Chat dargestellt, ist die effektivste Variante um Diabetes vorzubeugen, sich mehr zu bewegen. Wir empfehlen dazu immer wieder, dass ein Teilnehmer nicht unbedingt Sport machen muss, aber wenn man 10.000 Schritte am Tag läuft oder geht, hat man schon enorm etwas erreicht. Im Durchschnitt laufen wir heutzutage nur noch 2.000 oder 2.500 Schritte. 10.000 Schritte sind das Ziel und entsprechen etwas über 8km am Tag. Wenn Sie ein Jahr lang jeden Tag 10.000 Schritte laufen, können Sie fast sicher sein keine chronische Erkrankung zu bekommen. Der andere Aspekt ist die Gewichtsreduktion. Als Frau sollte Ihr Taillenumfang optimaler Weise unter 80cm liegen. Liegt er zwischen 80 und 88cm ist das Risiko erhöht und bei einem Taillenumfang über 88cm ist das Risiko einen Diabetes zu bekommen sehr stark erhöht. Wenn Sie in Absprache mit Ihrem Arzt ein Medikament zur Diabetesvorsorge einnehmen wollen ist das gut. Ich würde Ihnen aber sehr ans Herz legen, dass auch mit mehr Bewegung und einer gesünderen Ernährung zu kombinieren. Sie fragen ebenfalls nach dem Zucker in der Ernährung. Wenn Sie Zucker essen, macht das keinen Diabetes. Es ist viel wichtiger den Fettanteil in der Ernährung zu reduzieren, da mehr Fett zu mehr Übergewicht führt und das den Diabetes viel schneller ausbrechen lässt. Natürlich sollten Sie auch darauf achten, nicht zuviel Zucker zu essen, aber das ist genauso wie man es für einen gesunden Lebensstil jeder anderen Person auch empfehlen sollte. Gesüßte Fruchtsäfte oder zum Beispiel Coca Cola sollte man auf alle Fälle weglassen und auch zusätzliche Süßigkeiten stark reduzieren. Wichtiger aber ist darauf zu achten, dass man möglichst wenig Fett isst. Der Fettanteil in der Ernährung sollte nur 30% betragen und gesättigte Fettsäuren höchstens 10%. Insgesamt kennen wir zur Vorbeugung des Diabetes 5 Kernziele:
- Eine Reduktion des Gewichts von 5-7%
- 150 Minuten körperliche Aktivität pro Woche (das entspricht 30min täglich an mindestens 5 Tagen der Woche)
- 15g Ballaststoffe pro 1.000kcal an Ihrer täglichen Ernährung (das entspricht etwa 30-32g pro Tag)
- weniger als 30% Fett an Ihrer täglichen Ernährung
- weniger als 10% gesättigte Fettsäuren
in Ihrer täglichen Ernährung.
Wenn Sie es schafften 4 von diesen 5 Zielen kontinuierlich einzuhalten, hat keiner der Studienprobanden einen Diabetes mellitus entwickelt. Ich lege Ihnen das sehr ans Herz das in Kombination mit dem Medikament zu probieren und gegebenenfalls das Medikament nach 3 oder 6 Monaten wieder abzusetzen und mit dem gesünderen Lebensstil alleine zu Recht zu kommen.
Viele herzliche Grüße
Ihr Professor Peter Schwarz
PN fragt:
Betreff: gestörte Glukosetoleranz
Guten Tag, bei mir wurde eine gestörte Glukosetoleranz festgestellt (175 n. 2 Stunden) mein Hba1c liegt bei 5,7. In meiner Familie gibt es viele Fälle von Diabetes (beide Eltern, mind. ein Großelternteil...). Zudem habe ich ständig mit Unterzucker zu kämpfen.
Wie kann ich einer Verschlechterung vorbeugen? Ich habe z.B. gelesen, dass es helfen kann die Pille abzusetzen (welche ich seit etlichen Jahren nehme)? Würde zusätzlich eine Gewichtsreduktion helfen? Ich denke 10 kg weniger würden mir nicht Schaden (1,73 m/ 84 kg)... An Bewegungsmangel leide ich eigentlich nicht...Soll ich ein Ernährungsberatung für Diabetiker machen? Wenn ja wo kann man sowas machen?
Vielen Dank vorab....PN
Professor Schwarz:
Liebe PN,
Von dem, was Sie beschreiben haben Sie ein deutlich erhöhtes
Diabetesrisiko, wobei der Unterzucker damit nicht unbedingt etwas zu
tun hat. Sie können dem vorbeugen – dafür git es 2 Möglichkeiten.
Das eine ist die Bewegung und das andere das Gewicht – oder besser der
Taillenumfang.
Wie ich eben schon beschreiben habe - Wenn Sie merken, dass ihr
Taillenumfang steigt, dann sind Sie auf dem falschen Weg. Wenn der
Taillenumfang sinkt, dann sind Sie auf dem richtigen Weg. Das ist die
beste Lösung um herauszufinden und zu beobachten ob Sie sich gesund
ernähren oder nicht. Wenn es Ihnen schwerfällt den Taillenumfang zu
messen, können Sie das Gewicht durchaus auch als Korrelat nehmen, was
aber weniger aussagekräftig ist. Sie fragen nach einem Ernährungsplan
für die Woche. Der beste Ernährungsplan ist, wenn Sie ganz bunt
gemischt essen, aber darauf achten, dass die Nahrung die Sie zu sich
nehmen ballaststoffreich ist. 15g Ballaststoffe auf 1000kcl sind eine
sehr gute Empfehlung. Das heißt, etwa 30-32g Ballaststoffe am Tag.
Zweitens sollten Sie darauf achten, dass möglichst wenig gesättigte
Fette dabei sind (das heißt alle festen Fette, wie z.B. Butter,
sollten vermieden werden). Dann ist noch entscheidend, sind Sie
Diabetiker oder nicht? Grundsätzlich können sich Diabetiker und
Nichtdiabetiker gleich ernähren, aber der Diabetiker muss drauf
achten, regelmäßig seinen Blutzucker zu messen. Wenn diese Angaben nun
bekannt wären und Sie wirklich einen Ernährungsplan für eine Woche
wollen, kann Ihnen ein Ernährungsberater einen solchen Plan in einer
Beratung zusammenstellen. Das würde ich Ihnen dann auch sehr ans Herz
legen. Suchen Sie sich eine Diätassistentin oder einen Ökotrophologen
und besprechen Sie dieses Thema mit ihm. Unterm Strich aber sind Sie
die Person, die am allerbesten qualifiziert ist einen Ernährungsplan
für die Woche aufzustellen, wenn Sie die oben genannten Bedingungen
einhalten. Sie wissen auch am besten was Ihnen schmeckt. Sie sollten
sich einen Ernährungsplan zusammenstellen der Ihnen schmeckt und
gesund ist. Sie können gerne aber auch einige Beratungsstunden bei
einem Ernährungsberater in Anspruch nehmen, der Ihnen hilft diesen
zusammenzustellen.
Mein weiterer Vorschlag für Sie wäre, versuchen Sie es mal mit einem
Schrittzähler. Der zählt jeden Ihrer Schritte. Das Ziel sind 10000
Schritte am Tag zu schaffen. Ich kann Ihnen versprechen, wenn Sie
10000 Schritte täglich schaffen, egal ob sie schnell oder langsam
laufen und egal wo sie lang laufen, dann haben Sie durchaus die Chance
von ihrem Diabetes wieder los zukommen oder zumindest die Situation
soweit zurückzudrängen, dass Sie die Medikamente möglicherweise wieder
los werden. Ich würde es Ihnen sehr ans Herz legen. Besorgen Sie sich
einen Schrittzähler, schauen Sie einige Tage lang wie viel sie sich am
Tag bewegen und sie werden erstaunt sein, welche Zahl an Schritten
täglich dabei heraus kommt. Überlegen Sie sich dann, dies jeden Tag
ein kleines bisschen zu steigern. Das große Ziel was Sie im Laufe
eines Jahres erreichen sollten sind 10000 Schritte am Tag zu schaffen.
Wenn sie das tun, dann laufen Sie Ihrem Diabetes davon.
Viele herzliche Grüße
Ihr Professor Peter Schwarz
JG fragt:
Ich soll einen Zuckertoleranztest machen. Mein Arzt hat mir gesagt, dass ich in den Tagen davor viel Kohlenhydrate essen soll. Da ich momentan eine low carb Diät mache gefällt mir das nicht gut und ich verstehe auch den Sinn nicht. Können Sie mir das erklären und sagenw ieviel Kohlenhydrate ich essen muss.
Professor Schwarz:
Liebe(r) JG
Der Sinn eines Glukosetoleranztestes besteht darin, die Verstoffwechselung der Glukose zu messen. Wenn ein Patient nun vorwiegend Proteine zu sich nimmt oder sich fettreich ernährt, führt das zu einer starken Einschränkung der Verstoffwechselung der Kohlenhydrate und kann damit die Ergebnisse eines
Glukosebelastungstestes deutlich verfälschen. Aus dem Grund sollten Patienten 3 Tage vor dem Glukosetoleranztest kohlenhydratreich essen, um ein adäquates Bild der Glukoseverstoffwechselung zu erreichen. Tun sie das nicht, kann das dazu führen, dass der Körper in dem Test überschießend oder zu langsam reagiert und damit falsche Ergebnisse generiert und sie unter Umständen fälschlicherweise als Diabetiker oder Nichtdiabetiker eingeschätzt werden.
Viele herzliche Grüße
Ihr Professor Peter Schwarz
Kemal fragt:
Hallo Professor Schwarz, im Focus habe ich gelesen, dass nun auch Leute wie ich, die nciht die klassischen Warnhinweise haben ein Risiko für Gefäßerkarnkungen und Diabetes haben. Also eigentlich ist doch irgendwie jeder einem Risiko ausgesetzt, ob nun dick oder dünn? Wie soll man denn sein Risiko einschätzen, wenn man nicht ferade dick ist? Und was meinen die hier mit "insgesamt war der Hüftumfang größer"? Größer als was? Ist das nun ein Anzeichen - eine breite Hüfte? ich habe das Gefühl, dass mit der ehutigen Medizin bald jeder ein Risikopatient ist. www.focus.de/gesundheit/ratgeber/herz/news/herz-kreislauf-krankheiten-jung-gesund-hochrisikopatient_aid_678032.html
Professor Schwarz:
Lieber Kemal, vielen Dank für ihren Hinweis mit dem zitierten Artikel. Der Begriff Hüftumfang ist in dem Zusammenhang falsch benutzt. Es geht eigentlich um den Taillenumfang. Der Mensch hat zwei unterschiedliche Formen Fett an sich. Das eine ist das subkutane Fett (das Fett an ihrer Haut, welches Sie zwischen 2 Finger nehmen können) und das andere das viszerale Fett - das Bauchfett (das ist das Fett, welches sich unter der Muskelschicht im Bauch befindet und zwischen den Organen liegt). Der Taillenumfang misst nun indirekt, wieviel Bauchfett Sie haben. 500g sind normal. Über 1,5kg sind gefährlich, da das Bauchfett in dieser Menge anfängt Hormone zu produzieren und durch diese Hormone können Bluthochdruck, Depressionen, frühes Einsetzen einer Demenz, Zeugungsunfähigkeit und eben auch Diabetes mellitus entstehen. Wenn der Bauchumfang bei Frauen unter 80cm und bei Männern unter 94cm ist, dann ist alles in Ordnung. Wenn der Bauchumfang bei Frauen zwischen 80cm und 88cm und bei Männern zwischen 94cm und 102cm liegt, dann ist das Risiko für die eben genannten Erkrankungen, für Atherosklerose und kardiovaskuläre Erkrankungen deutlich erhöht. Steigt der Bauchumfang auf über 88cm bei der Frau und 102cm beim Mann, beinhaltet dies ein stark erhöhtes Risiko. Und das kann eben auch bei Menschen passieren die ansonsten schlank sind, weil sie wenig subkutanes Fett haben und ihr Risiko sich nur durch das Bauchfett definiert. Also messen sie den Bauchumfang. Alles was ihnen hilft den Bauchumfang zu reduzieren ist gut und minimiert ihr Risiko für die genannten Erkrankungen.
Viele herzliche Grüße
Werner fragt:
Betreff: Diabetes vorbeugen durch Sport und Ernährung?
Sehr geehrter Herr Professor Dr. med. Schwarz,
seit Dezember 2007 bin ich Diabetiker Typ 2. Seit Februar 2008 bin ich im DMP Diabetes Typ 2. Bereits meine Großmütter und meine Eltern hatten bzw. haben Diabetes Typ 2. Ich bin Mitglied bei diabetesDE sowie im Diabetikerbund. Das Diabetes Journal beziehe ich im ABO. Einmal im Monat kommt eine Podologin zu meiner Frau und mir ins Haus. Bisoprolol 10 mg nehme ich morgens wegen Bluthochdruck. Metformin 1000 mg Morgens und Abends, sowie Glipenclamid 1,75 mg morgens und mittags sind meine Diabetes Medikamente. Mein Hba1c Wert lag bisher noch nicht über 6,2. Mein letzter Hba1c Wert lag bei 6,15. Zweimal im Jahr gehe ich zum Augenarzt. Dadurch dass bereits meine Vorfahren Diabetes Typ 2 hatten bzw. haben wurde mir von meinem Hausarzt/Diabetologe erläutert, dass wahrscheinlich auch ich irgendwann Diabetes Typ 2 bekommen werde. Im Dezember 2007 war es dann soweit, dass ich ebenfalls Diabetiker mit Diabetes Typ 2 wurde. Wahrscheinlich kann man den Beginn des Diabetes bei erblicher Vorbelastung (wie bei mir) nur durch Sport und durch vernünftige Ernährung vorbeugen und den Beginn des Diabetes Typ 2 versuchen so lange wie möglich hinaus zu zögern. Oder wie sehen Sie dies Herr Professor Dr. med. Schwarz? Mit ca. 94 Kg bei 1,67 cm habe ich zu viel Gewicht. Mein Gewicht müßte ich durch Sport reduzieren. Mit Sport und Bewegung happert es bei mir.
Professor Schwarz:
Lieber Werner,
ihr Vorschlag ist vollkommen richtig. In Ihrer Situation ist es notwendig Gewicht zu reduzieren. Wie von Ihnen schon vorgeschlagen ist Sport eine sehr gute Möglichkeit das zu realisieren. Bei vielen Menschen hapert es ani der Bewegung, da viele dem Trugschluss unterliegen, sie müssen jetzt aktiv Sport machen und wie Leistungssportler durch die Gegend flitzen. Mein Vorschlag für Sie wäre, versuchen Sie es mal mit einem Schrittzähler. Der zählt jeden Ihrer Schritte. Das Ziel sind 10000 Schritte am Tag zu schaffen. Ich kann Ihnen versprechen, wenn Sie 10000 Schritte täglich schaffen, egal ob sie schnell oder langsam laufen und egal wo sie lang laufen, dann haben Sie durchaus die Chance von ihrem Diabetes wieder los zukommen oder zumindest die Situation soweit zurückzudrängen, dass Sie die Medikamente möglicherweise wieder los werden. Ich würde es Ihnen sehr ans Herz legen. Besorgen Sie sich einen Schrittzähler, schauen Sie einige Tage lang wie viel sie sich am Tag bewegen und sie werden erstaunt sein, welche Zahl an Schritten täglich dabei heraus kommt. Überlegen Sie sich dann, dies jeden Tag ein kleines bisschen zu steigern. Das große Ziel was Sie im Laufe eines Jahres erreichen
sollten sind 10000 Schritte am Tag zu schaffen. Wenn sie das tun, dann
laufen Sie Ihrem Diabetes davon.
Viele herzliche Grüße
Ihr Professor Peter Schwarz
Jens S. fragt:
Hallo Dr. Schwarz, in meiner Familie gibt es 2 Fälle von Atersdiabetes. Mein Bruder bekam es mit 52 und meine Mutter mit über 60. Wahrscheinlich hatte sie es schon vorher, nur hatten wir es nicht gemerkt. Wie hoch ist mein Risiko? Übergewicht habe ich eigenlich nicht, bin 168m und wiege 68 kg. Blutdruck ist auch OK, ich bin jetzt 48 Jahre. beste Grüße Jens S.
Professor Schwarz:
Lieber Jens S., danke für Ihre Frage. Ihr Risiko auch Diabetes zu bekommen ist sehr hoch. Das hängt mit Ihrer genetischen Veranlagung zusammen aber auch
mit dem Lebensstil den Sie im Umfeld ihrer Familie an den Tag legen. Sie haben also eine hohe Wahrscheinlichkeit Diabetes zu bekommen und sollten unbedingt einen oralen Glukosetoleranztest durchführen lassen um zu herauszufinden, ob die Erkrankung nicht gegebenenfalls schon besteht. Nichts desto trotz, egal ob schon ein Diabetes besteht oder nicht, sollten Sie mit einem gesunden Lebensstil versuchen die Erkrankung nicht an sich herankommen zu lassen. Eben habe ich beschrieben, wie gut das mit einem Schrittzähler funktionieren kann. Das wäre auch eine Empfehlung für Sie, weil mehr körperliche Aktivität und wenn es einfach nur 10000 Schritte am Tag sind dazu führen, dass mehr Muskeln aufgebaut werden und die Muskeln nehmen die Glukose auf. Das heißt, mehr Muskelmasse und weniger Bauchfett helfen Ihnen Diabetes zu verhindern und nicht an sich herankommen zu lassen. Achten Sie also bitte darauf, dass ihr Taillenumfang unter 94cm liegt und versuchen Sie mit einem Schrittzähler auf 10000 Schritte am Tag zu kommen. Dann besteht eine gute Chance, dass sie keinen oder erst sehr viel später einen Diabetes bekommen.
Cora L. fragt:
Sehr geehrter Herr Professor Schwarz, ich lese immer wieder, dass bestimmte Nahrungsmittel Krankheiten vorbeugen. Sei es nun Wein, Brokoli, Zimt oder dunkle Schokolade. Was davon ist denn wissenschaftlich bewiesen?
mit freundlichen Grüßen
Cora L.
Professor Schwarz:
Liebe Carola L.,
das ist eine gute Frage. Wenn Sie 10 Wissenschaftler in einen Raum
setzten und diese Fragen stellen, dann bekommen sie vielleicht 15
verschiedene Antworten. Was wir wissen ist, dass Kaffeekonsum Diabetes
verhindern kann. Wir wissen nicht genau warum das so ist, aber mehrere Studien haben unabhängig voneinander gezeigt, dass 5 Tassen Kaffee am Tag helfen das Diabetesrisiko zu reduzieren. Gleichermaßen ist wissenschaftlich bewiesen, dass 15g Ballaststoffe pro 1000kcal in der Ernährung helfen, Diabetes zu verhindern und das möglichst wenig gesättigte Fette (feste Fette) Diabetes ebenfalls sehr deutlich vorbeugen können. Demzufolge ist eine ballaststoffreiche und fettarme Ernährung das, was sicherlich optimal ist. Ich bin persönlich gegen Diäten, weil eine Diät in der Regel immer eine Einschränkung des Ernährungsalltags bedeutet. Sie können am besten feststellen ob ihre Ernährung hilft oder nicht. Wenn Sie mit ihrer Ernährung im Taillenumfang zunehmen, dann müssen Sie etwas ändern. Nimmt der Taillenumfang aber ab, dann ist das gut und sie tun gesundheitlich etwas Gutes für sich. Also versuchen sie so zu essen wie es Ihnen schmeckt. Versuchen sie das gesund mit vielen Ballaststoffen und wenig Fett zu gestalten und messen sie ihren Taillenumfang um festzustellen ob das funktioniert. Ich bin um auf ihre Frage zurück zu kommen bei Zimt und Brokkoli oder dunkler Schokolade zurückhaltend. In den Nahrungsmitteln sind durchaus Stoffe die gut zur Diabetesvorsorge sind, aber wenn sie 300g Schokolade essen, dann essen sie soviel Fett, das egal was in der drin Schokolade ist, das unterm Strich auch wieder schlecht ist. Hinsichtlich Rotwein gibt es Hinweise, dass der Genuss von Rotwein für ältere Menschen das kardiovaskuläre Risiko reduzieren hilft und der Mechanismus ist wahrscheinlich der gleiche wie beim Kaffee ist. Beim Rotwein sind die Studien allerdings nicht so ausgeprägt und so gut wie für den Kaffeegenuss, aber doch hoffnungsvoll. Ich wünsche Ihnen also guten Appetit und schauen Sie ihren Taillenumfang an, weil das was den Taillenumfang reduziert, hilf.
Viele herzliche Grüße
Ihr Professor Peter Schwarz
Martin S. fragt:
Betreff: Prävention/Risiko
Hallo zusammen, erst einmal finde ich es toll, daß es die Möglichkeit gibt, hier offen Fragen zu stellen! Mein "Problem": Ich, 39 Jahre alt, hatte vor einem Jahr bei einer Arbeitsmed. Einstellungsuntersuchung einen Nüchtern-BZ von 105. Daraufhin habe ich bei meinem Hausarzt einen Glukose-Toleranztest gemacht, welcher für mich positiv ausgefallen ist. Trotzdem, auch weil mein Vater (immer normalgewichtig!) mit Mitte 50 Diabetes-2 bekommen hat, habe ich mir im Drogeriemarkt ein billiges BZ-Meßgerät gekauft und messe regelmäßig meinen Nüchtern-BZ. Dieser liegt regelmäßig in den hohen 90ern. Ich treibe schon immer viel Sport (MTB- und Rennrad, mehrfach die Woche), bin normalgewichtig, d.h. 79kg bei 181cm und esse normal. Sind diese Werte schon risikobehaftet, oder ist das noch normal? Mir kommt das schon zu hoch vor.
Professor Schwarz:
Lieber Martin S., nachdem was Sie sagen würde ich Sie an der Grenze einschätzen. Die Blutzuckerwerte sind noch nicht zu hoch. Wenn ein Diabetes beginnt, steigen als erstes auch nicht die Nüchternwerte sondern die Werte, die Sie nach dem Essen messen. Wenn Sie 2 Stunden nach dem Essen Werte von über 199mg/dl haben oder eine Stunde nach dem Essen Werte die bei 150mg/dl liegen, dann würde ich mir Sorgen machen. Ihre Nüchternwerte sind gut. Sicherlich hängt das auch damit zusammen, dass Sie so viel Sport treiben und so aktiv sind. Erhalten Sie das unbedingt aufrecht und kontrollieren Sie doch mal ein oder zwei Stunden nach dem Mittagessen oder nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit wie hoch die Blutzuckerwerte sind. Wenn die über den genannten Grenzen liegen, sollten Sie mit Ihrem Arzt dann noch einmal drüber reden. Ich wünsche Ihnen alles Gute dabei.
Viele herzliche Grüße
Ihr Professor Peter Schwarz


