Gesunde Haut bei Diabetes

Expertenchat mit Dr. med. Stefanie Kamann

Am 14. November 2019 findet der Experten-Chat zum Thema "Gesunde Haut bei Diabetes" mit Dr. med. Stefanie Kamann statt. Sie beantwortet Ihre Fragen live am Donnerstag zwischen 17:00 und 19:00 Uhr.

Dr. med. Stefanie Kamann

Seewiesstraße 1
82340 Feldafing
Protokoll der Sprechstunde

Betreff: Bläschen an Händen und Füßen

Tom A. fragt: 

Hallo, bei mir bilden sich Bläschen an Händen und Füßen wodurch die Haut aufreißt und sich schält. Was kann ich an Händen und was kann ich an Füßen da gegen tun bzw. dem vorbeugen ?

Dr. med. Stefanie Kamann antwortet: 

Hallo Tom,

vermutlich handelt es sich um ein dyshidrosiformes Hand und Fußekzem. Meistens betrifft es Menschen, die auch Heuschnupfen haben, viel mit Wasser arbeiten bzw. die Hände reinigen müssen, oder schwitzen. Es hilft zB. ein kurzes gerbendes Handbad mit Tannolact bzw. Eichenrinde. Im akuten Zustand kann eine Kortisoncreme, z.B. Ecural Fettcreme 2 x tgl. gecremt werden. Später dann pflegende Handcremes. Seltener kann auch eine Kontaktallergie z.B. gegen Nickel (kann auch in Zigaretten sein).

MfG

Dr. med. Stefanie Kamann

Betreff: Diabetes

Marina B. fragt: 

Braucht die Haut mehr Fett oder mehr Feuchtigkeit bei Diabetikern , und welche Produkte können Sie empfehlen? Bei Hautausschlägen auch , oder da eher nicht ?

Dr. med. Stefanie Kamann antwortet: 

Hallo Marina,

leider hat man mit Diabetes eine Neigung zu trockenerer Haut und Juckreiz. Es gibt viele gute auf Diabetiker abgestimmte Pflegecremes, die z.B. den Wirkstoff Urea (Harnstoff), Allantoin, Nachtkerzenöl usw. enthalten. Diese Wirkstoffe pflegen und bessern gleichzeitig den Juckreiz, spezielle Produkte gibt es z.B. von Allpresan, Eucerin, Sebamed, Sixtus usw..

Bei stärkerem Juckreiz hilft auch gut z.B. Optiderm Lotio oder Creme (enthält Urea und Polidocanol). Es darf auch gelegentlich eine Kortisoncreme über wenige Tage an einzelnen Stellen genommen werden. Sie müssen sich nach dem Duschen innerhalb von 5 Minuten eincremen, und die Haut darf nicht gerubbelt werden. Füße und Hände benötigen besonders fette Substanzen, am besten richtige Salben mit 10 % Harnstoff oder Allantoin. In Frischhaltefolie gewickelt für ca 1 Stunde kann die Wirkung noch verbessert werden!

MfG

Dr. med. Stefanie Kamann

Betreff: Hauterkrankung

Susanne S. fragt: 

Hallo Frau Kamann, ich bin 56 Jahre alt und habe seit einigen Jahren Diabetes Typ 2. Da ich mich viel bewegen soll, habe ich mit Wandern angefangen. Beim Wanderurlaub vor einigen Wochen hatte ich trotz guter Wanderstiefel und -Socken zwei flüssigkeitsgefüllte Blasen, eine an der Ferse und eine oben auf dem Fuß. Ich habe mit einer Nadel reingestochen, um die Flüssigkeit abzulassen und dann jeweils ein Blasenpflaster draufgeklebt. Ein Wanderkamerad, der auch Diabetes hat, war ganz entsetzt und meinte, das darf man auf kein Fall machen (aufstechen), besonders bei Diabetes nicht?! wie soll man mit Blasen umgehen, gerade unterwegs, man will ja wegen einer Blase seinen Urlaub nicht abbrechen? Schöne Grüße Susanne S.

Dr. med. Stefanie Kamann antwortet: 

Hallo Susanne,

ich steche ebenfalls steril auf oder ziehe die Flüssigkeit ab mit einer Spritze. Auf keinen Fall darf man das Blasendach ganz wegschneiden, eventuell hat ihr Bekannter dies einmal gehört. Denn dann ist die wunde Haut offengelegt. Manchmal muss man das auch mehrmals machen. Danach mache ich gerne einen antibiotischen Salbenverband drauf, z.B. mit Fucidine oder auch Betaisodona.

MfG

Dr. med. Stefanie Kamann

Betreff: Pickel/Akne bei Diabetes Typ 1

Anna N. fragt: 

Liebe Frau Dr. Kamann, zum Thema Haut meine Frage: Meine Tochter hat seit sie Kleinkind ist Diabetes Typ 1. Sie kam immer prima damit klar, jetzt in der Pubertät (15) wird`s etwas schwieriger. Seit ein paar Monaten bekommt sie vermehrt Pickel und ist der Meinung, das liege am Insulin. Am liebsten würde sie die Dosis über ihre Insulinpumpe senken. Das finden wir Eltern natürlich nicht gut. Können die Pickel wirklich durch das Insulin bedingt sein? Andere Jugendliche haben ja auch mal unreine Haut. Gibt es etwas, das speziell bei Diabetes gegen Pickel hilft?

Dr. med. Stefanie Kamann antwortet: 

Hallo Anna,

die Akne ist ja vornehmlich in der sogenannten T-Zone lokalisiert, also Mitte Stirn, Nase und Nasenseiten und Kinn, hierbei sind auch vergrößerte Poren und Komedonen sichtbar. Man sollte mindestens 1 x tgl. reinigen, z.B. mit Waschgelen wie z.B. Effaclar Reinigungsgel und kann danach z.B. eine antikomedogene Creme wie Effaclar Duo nehmen. Wichtig ist Geduld, meist sieht man erst Erfolge nach mindestens 3 Wochen, also dranbleiben lohnt sich. Auf keinen Fall dürfen stark fettende Cremes genommen werden. Es ist auch möglich, sich über ein paar Monate ein Aknegel (zB Skinoren, Epiduo, Duac Aknegel, Nadixa etc) vom Arzt verschreiben zu lassen, das meist einen antibiotischen Wirkstoff enthält. Nur in schweren Fällen nimmt man Tabletten.

MfG

Dr. med. Stefanie Kamann

Betreff: Pilz und Diabetes

Gerd M. fragt: 

Guten Abend Dr. Kamann, bei mir wurde im Zusammenhang mit meiner Herzerkrankung Typ-2-Diabetes entdeckt. Mein Hausarzt hat mich zum Diabetologen überwiesen. Der hat mich beim ersten Besuch von oben bis unten untersucht, auch die Füße zwischen den Zehen. Dabei hat der Dr. auch Pilz festgestellt. das hat mich erstaunt und war mir unangenehm. Ich dusche jeden Tag, woher kommt denn Pilz? Gemerkt habe ich den gar nicht. Schöne Grüße G.M.

Dr. med. Stefanie Kamann antwortet: 

Hallo Gerd,

viele Menschen haben mal einen Zwischenzehenpilz, oft merkt man es kaum. Manchmal kann es aber zu kleinen Einrissen und weißlicher, feuchter, schuppiger Haut kommen, auch an den Fußsohlen. Pilzsporen sind überall und als Mensch mit Diabetes ist man anfälliger dafür. Wichtig ist immer, die Zehenzwischenräume (ZZR) trocken zu halten nach dem Duschen. Füße und ZZR können mit rezeptfreien Cremes (z.B. Selergo Creme etc.) behandelt werden 2 x tgl., manchmal ist es gut, zwischen eng anliegenden Zehen eine Kompresse einzulegen. Zehennägel werden am besten mit speziellen Lacks oder auch Tabletten behandelt. Das dauert oft 6 bis 12 Monate.

MfG

Dr. med. Stefanie Kamann

Betreff: Hautprobleme

Jenny H. fragt: 

Hallo, mein Hautproblem besteht darin, dass ich im Nacken oder am Rücken öfter sehr tiefliegende Pickel bekomme. Also keine kleinen Pickelchen, die man gut ausdrücken kann und schnell wieder weg sind, sondern sie scheinen sich unter der Haut zu bilden. Sie sind hart und dicker als Pickelchen. Es dauert sehr lang, bis sie weggehen. Ein Termin beim Hautarzt zu bekommen, dauert mehrere Monate Wartezeit. Was kann ich selbst dagegen machen? Viele Grüße

Dr. med. Stefanie Kamann antwortet: 

Hallo Jenny,

man sollte mindestens 1 x tgl. reinigen z.B. mit Waschgelen wie z.B. Effaclar Reinigungsgel oder Avene etc. und kann danach z.B. eine antikomedogene Creme wie Effaclar Duo nehmen. Wichtig ist große Geduld, meist sieht man erst Erfolge nach mindestens 3 Wochen, also dranbleiben lohnt sich. Auf keinen Fall dürfen stark fettende Cremes genommen werden. Eine geschulte Kosmetikerin kann ein Fruchsäure-Peeling zur Porenverfeinerung durchführen im Winter. Meist sind das 4-5 Termine im Abstand von ca. 2 Wochen.

Es ist auch möglich, sich über ein paar Monate ein Aknegel (z.B. Skinoren, Epiduo, Duac Aknegel, Nadixa etc.) vom Arzt verschreiben zu lassen, das meist einen antibiotischen Wirkstoff enthält. Nur in schweren Fällen nimmt man Tabletten. Jedoch kann im Winter auch mal über ein paar Wochen Minocyclin eingenommen werden, ein Antibiotikum.

MfG

Dr. med. Stefanie Kamann

Betreff: Tättowieren trotz Diabetes?!?

Sabrina T. fragt: 

Darf man sich bei Diabetes Typ 1 tättowieren lassen? Ich möchte mir sehr gerne ein Tattoo machen lassen und kenne auch viele, die ein Tattoo haben. Meine Mutter ist dagegen, denn die Farbe kann in die Lymphknoten "wandern", stimmt das? Macht das denn was aus? Auf was soll man achten, wenn man sich mit Diabetes tättowieren lässt?

Dr. med. Stefanie Kamann antwortet: 

Hallo Sabrina,

ohje, ich möchte natürlich nicht, dass ihre Mutter unzufrieden ist mit meiner Antwort. Ich kenne auch viele Typ-1-Diabetiker mit Tätowierungen. Tatsächlich wird die Farbe teils in Strukturen des Lymphsystems gefunden und letztlich gibt es keine wirklichen Untersuchungen zur Toxizität etc.. Heute wird ja sehr gut und steril gearbeitet in den Studios, so daß bei gut eingestelltem Zucker keine wesentlich erhöhte Gefahr einer Infektion besteht. Mein persönlicher, nicht medizinischer Rat: Wenn der Wunsch schon lange besteht und einem die Tätowierung große Freude bereitet, dann sollte man das machen, denn man hat doch schon genügend Einschränkungen beim Diabetes!

MfG

Dr. med. Stefanie Kamann

Betreff: Pflasterallergie bei Freestyle libre

Michael T. fragt: 

Seit ein paar Monaten verwende ich einen Freestyle Libre und finde ihn toll. Leider habe ich beim letzten Wechsel einen Hautausschlag an der Stelle, wo der Sensor war. Ich habe gegooglet und Berichte gefunden, laut denen es sich um eine allergiereaktion handeln kann. Andere Betroffene helfen sich mit Blasenpflastern, die sie drunter kleben. Gibt es andere/weitere Lösungen? Wäre schade, wenn die weitere Nutzung daran scheitert.... Danke für Tipps!

Dr. med. Stefanie Kamann antwortet: 

Hallo Michael,

Ja, das ist quasi mein Speizialthema. Es ist ein toller Senso, umso trauriger, wenn man ihn nicht mehr verträgt. Es gibt Irritationen, die viele Menschen haben. Ich würde ihn daher nochmals versuchen und auf eine gut vorgepflegte intakte Hautstelle am Oberarm applizieren. Bei beginnendem Juckreiz etc. jedoch dringend vorzeitig abnehmen. Eine Kontaktallergie wird immer schwerer und das Allergen muss gemieden werden oder abgehalten werden, Kontakt mit der Haut zu bekommen. Ja, Blasenpflaster insbes. von Hansaplast (jedoch meist nur wenn doppelt geklebt) vermögen bei meinen meisten Patienten zu klappen. Aber es sind halt auch Notlösungen. Mit der Zeit ist eine Alternative doch angenehmer. Sie können mich bezüglich dieses Themas auch noch mal über meine Praxisemail kontaktieren: info@dermatologie-feldafing.de.

MfG

Dr. med. Stefanie Kamann

Betreff: Gelbe Nägel

Tanja L. fragt: 

Sehr geehrte Frau Dr. Kamann, mein Mann hat schon lange Diabetes Typ 1. Mir ist aufgefallen, das er in letzer Zeit gelbe Nägel an Händen und Füßen bekommt. da er raucht, könnte es an den Fingern daran liegen. Aber an den Zehen eher nicht. Können das Pilzinfektionen sein? Der nächste Hautarzt ist 30 Kilometer entfernt. Welche Mittel aus der Apotheke kann man vielleicht selbst anwednen?

Dr. med. Stefanie Kamann antwortet: 

Hallo Tanja,

eine Gelbfärbung kann tatsächlich einem Pilz zugrunde liegen. Wenn man von vorne auf den Nagel schaut, sieht man meist eine Verdickung und bröckliges Material unter dem Nagel. Ein äußerliches Pilzmittel kann nicht schaden (z.B. Ciclopoli Lack oder Loceryl). Dazu können auch noch Sprays genommen werden oder auch eine Lösung z.B. von Ciclopoli. Aber diese Therapie dauert oft mindestens ein Jahr. Rauchen schürt ebenfalls Pilzinfektionen, vielleicht noch ein Argument, aufzuhören oder zu reduzieren.

MfG

Dr. med. Stefanie Kamann

Betreff: Flecken an den Beinen

Marianne B. fragt: 

Seit 30 Jahren lebe ich mit Typ1 Diabetes. Neulich in meiner Sportgruppe fielen meiner Bekannten ein paar Flecken vorne an meinen Beinen auf, etwas rötlich. Diese sind aber nicht schmerzhaft und machen auch sonst keine Probleme. Die Bekannte arbeitet im Sanitätshaus und erzählte, das die Flecken "Dermatopathie" sein können. Was ist das, muss ihc damit zum Arzt? Geht es nicht von selbst wieder weg? Danke für Hinweise!

Dr. med. Stefanie Kamann antwortet: 

Hallo Marianne,

hier könnten natürlich mehrere Dinge zugrunde liegen. Wenn sie etwas schuppig sind, sind es leichte Ekzem, auch durch Trockenheit, insbesondere der Unterschenkel. Eine Dermatopathie könnte tatsächlich am ehesten vorliegen, da sie schon länger betroffen sind von Diabetes. Sie wird ausgelöst durch eine fortschreitende Schädigung kleinster Gefäße, kann wieder besser werden bei längerer guter BZ-Einstellung. Ich würde gut pflegen mit Pflegecremes. Bei Fortschreiten, Symptomen usw. natürlich zum Hautarzt gehen, jedoch sind Diabetesberater meist auch sehr gut geschult bei diesen Dingen. Seltener gibt es eine Necrobiosis lipoidica, hier zeigt sich aber meist ein gelblicher Rand und es können sich offene Stellen bilden.

MfG

Dr. med. Stefanie Kamann

Betreff: Was tun bei Verbrennungen?

Hilde M. fragt: 

Meine Mutter ist fast 75, hat eine bestehende Neuropathie in den Händen und merkt manchmal die Wassertemperatur nicht. Sie hat sich schon manchmal die Finger verbrannt. Was darf man im Notfall auf Verbrennungen tun? Man soll nichts fettiges nehmen, ist das richtig? Nur schnell kühlen und nicht eincremen?

Dr. med. Stefanie Kamann antwortet: 

Hallo Hilde,

das Wichtigste ist sofort kühlen. Man kann auch großzügig kühlende Brandgele auftragen (z.B. Brand-und Wundgel Medice etc.). Gele kühlen ebenfalls. In der Küche ist es immer gut, eines griffbereit zu lagern! Ich trage dann eine Kombination aus einer Kortisoncreme und Antibiotikum auf (z.B. Fucicort Creme). Oder eine Kortsioncreme allein, wie z.B. Betagalen Creme. Ein Antibiotikum ist meist nur dann wichtig, wenn die Stelle gelblich belegt wird. 

MfG

Dr. med. Stefanie Kamann