Wechselwirkungen zwischen Diabetes und chronischer Zahnfleischentzündung

Gesunde Zähne

Seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts sind die Zusammenhänge zwischen chronischen Erkrankungen und Mundhygiene wissenschaftlich belegt.

Eine chronische Zahnfleischentzündung mit ausgedehntem Knochenabbau (Zahnbettentzündung = Parodontitis) zählt heute zu den häufigsten Erkrankungen der Mundhöhle und gilt deshalb als Volkskrankheit. Dieses Wissen findet noch wenig Beachtung in der Bevölkerung und unter Medizinern. Ebenso gilt Diabetes als Volkskrankheit und steht mit 8 Millionen Betroffenen in Deutschland an vorderster Stelle der chronischen Erkrankungen.

Die mikrobakterielle Besiedlung der Mundhöhle (hauptsächlich im Zahnbelag = Plaque) ist die entscheidendste Ursache für eine chronische Zahnbettentzündung. Gesellt sich eine schlechte Mundhygiene dazu, beeinflusst dies den Verlauf des Diabetes und die Einstellung einer wirkungsvollen Therapie.

Einfluss von Bakterien auf den Blutzuckerspiegel und die Insulinwirkung

Die Eintrittspforte für Bakterien ist ein geschädigtes Zahnfleisch (Gingiva). Die Schädigung wird einerseits durch die Entzündung und andererseits durch  mechanische Verletzungen z.B. durch unsachgemäße Zahnreinigung oder durch Zahnentfernungen hervorgerufen. Bakterien gelangen auf diesem Weg in die Blutbahn. Wir sprechen dann von einer Bakteriämie. Bei gesunden Menschen ist eine Bakteriämie im allgemeinen unproblematisch. Bei Personen mit einer verminderten Abwehr oder einer chronischen Erkrankung können pathologische Prozesse initiiert oder die Grunderkrankung negativ beeinflusst werden. Verschiedene Keime aus der Mundhöhle sind u.a. auch an künstlichen Herzklappen zu finden. Sie lagern sich gerne an vorhandenem Plaque an. Diesen Patienten gelten als Risikopatienten und es ist im Vorfeld einer umfassenden Zahnbehandlung eine antibiotische Abschirmung empfehlenswert.

Rezidivierende (wiederkehrende) chronische oder akute Entzündungen der Gingiva führen zu Stoffwechselveränderungen. Giftstoffe (Toxine), welche Bakterien produzieren, können die Insulinwirkung beeinträchtigen und zum Entgleisen des Blutzuckerspiegels führen.

Hanny Deda
Dr. Hanny Deda

Viele wissenschaftliche Studien aus den 90 er Jahren belegen positive Effekte einer guten Mundhygiene auf die Einstellung und Kontrolle des Blutzuckerspiegels bei insulinpflichtigen Patienten. Der HbA1c Wert (Normalwert liegt zwischen 4,5% und 6,5%) kann um 0,4% gesenkt werden. Es gilt deshalb eine Bakteriämie zu reduzieren oder zu vermeiden.

Mögliche Folgen des Diabetes

Der Diabetes wiederum begünstigt seinerseits eine Verschlechterung einer vorhandenen Parodontitis und kann ebenfalls als Ursache für diese angesehen werden. Die chronische Hyperglykämie führt zur Bildung von glykämischen Endprodukten, den sogenannten AGEs (advenced glycation endproducts). Diese Endprodukte schädigen auf Dauer die großen und kleinen Blutgefäße. Wir sprechen hier von Mirko- und Makro Angiophatien. Die Folgeerkrankungen zeigen sich an den Augen, Nieren und Nerven. Ebenfalls zählt die Zahnbettentzündung zu den Folgeerkrankungen, denn die AGEs sind in der Gingiva und im Knochen nachgewiesen. Diabetiker haben ein dreifach erhöhtes Risiko, an Parodontitis zu erkranken und der Krankheitsverlauf ist erschwert.

Eine gute Mundhygiene ist das A und O

Mit einer guten Mundhygiene wird der Diabetesprozess positiv beeinflusst und das Risiko an Begleiterscheinungen zu erkranken, wird verringert. Zu einer guten Mundhygiene gehört der regelmäßige Kontrollbesuch beim Zahnarzt, eine Zahnsteinentfernung und Prophylaxbehandlungen.

Diese nennen wir Zahnärzte: Professionelle Zahnreinigung - PZR. Neben einer gründlichen Reinigung der Zähne (sichtbare und unsichtbare Plaque-Entfernung, die mit der normalen Zahnpflege nicht erreichbar ist) , gehört die Politur und die anschließende Fluoridierung dazu, um die Zähne zu schützen und einer eventuellen Zahnempfindlichkeit entgegenzuwirken. Ein wesentlicher Aspekt bei der PZR ist eine individuelle Mundhygieneberatung. Diese umfasst nicht nur eine Hilfsmittelerklärung, Handhabung der unterschiedlichen Utensilien und Zahnputzerklärungen, sondern schließt auch eine Ernährungsberatung mit ein.

Die genannten Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen Diabetes und Parodontitis lassen nur eine Schlussfolgerung zu: gemeinsame Aufklärung und Zusammenarbeit zwischen Diabetologen und Zahnmedizinern zum Wohl unserer Patienten.

Ein Erfolg stellt sich aber auch nur dann ein, wenn Betroffene mit Disziplin und Ausdauer ihrer Verantwortung nachkommen und nicht warten, bis sich erste Schmerzen einstellen!

Dr. Henny Deda
www.zahnarzt-deda.de