Arterielle Verschlusskrankheit und Diabetes

Menschen beim Blutdruck messen

„Schaufensterkrankheit“ einfach erkennen und Leben verlängern

Diabetes-Patienten haben ein doppeltes Risiko an einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) zu erkranken wie Menschen ohne Diabetes. Durch den einfachen rechnerischen Vergleich des Blutdrucks an Arm und Bein lässt sich eine bestehende PAVK der Beine erkennen. Selbst beschwerdefreie PAVK-Patienten sind hochgradig gefährdet, innerhalb weniger Jahre einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Eine aktuelle Studie bestätigt den Nutzen des Tests. Experten fordern deshalb für ältere Menschen Reihenuntersuchungen.  

Bei dem Test misst der Arzt zunächst den Blutdruck an der Wade, knapp oberhalb des Fußgelenks. Diesen „Knöchel-Wert“ teilt er durch den Blutdruck des Arms. Das Ergebnis ist der Knöchel-Arm-Index, der sogenannte ‚Ankle Brachial Index’ (ABI). Liegt der ABI unter 0,9, spricht dies für eine Durchblutungsstörung der Beine. Diese bleibt sonst oft lange unbemerkt. Erst in späten Stadien empfinden die Betroffenen Schmerzen in den Waden. Ärzte nennen diese Krankheit auch Claudicatio intermittens –  „unterbrochenes Hinken“. Denn die Erkrankten spüren schon nach wenigen Schritten Schmerzen in den Beinen, die sie zu regelmäßigen Pausen zwingen – daher heißt sie umgangssprachlich auch Schaufensterkrankheit.

Der Knöchel-Arm-Index ist kein neuer Test. „In der Praxis wird er jedoch viel zu selten durchgeführt“, beklagen Experten. Im Rahmen der ‚getABI-Studie’ (für: German epidemiological trial on Ankle Brachial Index) wurden die Vorteile des Tests belegt. Die Mediziner nutzten dafür die Daten von 344 Arztpraxen, die im Oktober 2001 bei insgesamt 6880 Patienten im Alter über 65 Jahren den Knöchel-Arm-Index bestimmt hatten. Jeder fünfte untersuchte Senior hat, oft ohne es zu wissen, eine arterielle Verschlusskrankheit. „PAVK ist eine der wichtigsten Markererkrankungen für eine koronare Atherosklerose und das damit assoziierte Risiko für Herzinfarkt oder plötzlichen Herztod“, sagt der Kardiologe Professor Dr. med. Harald Darius vom Vivantes Klinikum Berlin-Neukölln. Dieses Risiko sei für Menschen mit PAVK sogar höher als für Diabetiker.

Die Patienten werden seit Beginn der Studie regelmäßig nachuntersucht. Dies macht die getABI-Studie zu einer der größten epidemiologischen Hausarztstudien weltweit. Zu den jüngsten Erkenntnissen von getABI gehört, dass eine PAVK die Lebenserwartung älterer Menschen mehr verkürzt als eine Diabeteserkrankung: In den ersten fünf Jahren der Nachbeobachtung starben 12,9 Prozent der Patienten mit Diabetes und 17,5 Prozent der Patienten mit PAVK. Lagen beide Krankheiten vor, betrug die Sterberate sogar 28,2 Prozent. Ebenso wie ein Diabetes gilt die periphere arterielle Verschlusskrankheit zwar als Vorbote eines Herzinfarkts. Die Konsequenz, gezielt nach den Patienten zu suchen, werde jedoch zu selten gezogen. 

Die Experten fordern deshalb Reihenuntersuchungen – insbesondere für ältere Menschen. Der Test eigne sich für ein solches Screening besonders, da er schnell, einfach und unblutig durchzuführen ist. Eine frühe und die umfassende Behandlung von Risiken, die eine arterielle Verschlusskrankheit begünstigen, könne vor Folgen wie Schlaganfall und Herzinfarkt schützen. Dies wiederum bewahre Patienten vor Behinderung und verlängere Leben.

Quelle: Pressemitteilung der DGIM, S. 3

Die Aufklärungskampagne „Verschlusssache PAVK“

PAVK Logo

Die Aufklärungskampagne „Verschlusssache PAVK“ informiert über die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK). Auch diabetesDE ist seit dem 12. Februar 2010 offizieller Unterstützer dieser Aktion.

Die Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA) hat am 12. Februar 2010 symbolisch die „Verschlusssache PAVK“ geöffnet und damit die Informationskampagne über die Krankheit gestartet. Bei PAVK kommt es zu einer krankhaften Verengung der Arterien im Becken oder in den Beinen. Sie wird umgangssprachlich auch „Schaufensterkrankheit“* genannt und fristet in der öffentlichen Wahrnehmung, der ärztlichen Diagnostik und im Informations-angebot des Gesundheitswesens ein Schattendasein. Ziel der deutschlandweit unabhängigen Informationsoffensive zu PAVK ist es, gezielt über die Krankheit und ihre Präventionsmöglichkeiten aufzuklären. Die Kampagne wird von einem Partnernetzwerk, der „Initiative gegen PAVK“, getragen.