Nervenschäden und Diabetes

Nerven Grafik Nahaufnahme

Achten Sie auf Ihre Nerven!

Schäden an den Nerven sind eine häufige Folge von Diabetes mellitus. Sie treten bei jedem dritten Menschen mit Diabetes auf. Frühzeitig erkannt, können Sie schwerwiegende Folgen und Beschwerden verhindern.

Nervenleiden, die sogenannte diabetische Neuropathie, verursacht zum Teil sehr unangenehme und schwerwiegende Beschwerden. Die Störungen können alle Organsysteme des Körpers betreffen.

Es gibt zwei Hauptformen:

  • die periphere Neuropathie - Erkrankungen des willkürlichen Nervensystems
  • die autonome Neuropathie - Erkrankungen des vegetativen Nervensystems

 

Ursachen:

  • schlecht eingestellter Diabetes über mehrere Jahre hinweg mit erhöhten Blutzucker-Werten
  • Nervenschäden entwickeln sich meist lange unbemerkt. Bei den ersten spürbaren Beschwerden, liegen bereits schwerere Schäden vor.

Symptome:

  • Meistens sind die Nerven der Füße und Beine geschädigt.
  • Manchmal sind die Nerven in Händen und Armen geschädigt.
  • Schmerzen in den betroffenen Gliedmaßen können brennend, reißend, stechend, aber auch bohrend und dumpf sein.
  • Beschwerden treten bevorzugt in den am weitesten vom
    Körperstamm entfernten Regionen auf (Zehen, Füße, Finger).
  • Im Gegensatz zu Durchblutungsstörungen sind Symptome einer Neuropathie nachts stärker und bessern sich durch Bewegung.
  • Missempfindungen, Kribbeln wie „Ameisenlaufen“, Wadenkrämpfe und manchmal Muskelschwäche und Gangunsicherheit
  • Begleitsymptome wie Schlafstörungen oder Depressionen können auftreten
  • Manchmal verläuft die Neuropathie schmerzfrei.

Aber auch schmerzfrei muss die Nervenschädigung frühzeitig erkannt und behandelt werden. Denn abgeschwächte oder fehlende Empfindlichkeit der betroffenen Extremitäten verursacht Druckstellen, Geschwüre, starke Hornhautbildung, Verletzungen oder Verbrennungen. Unbemerkt und unbehandelt können Amputationen oder Teilamputationen des Fußes die Folge sein.

Die autonome Neuropathie

Sie kann nahezu jedes Organsystem befallen und ist charakterisiert durch sehr vielfältige Störungen. Ausgeprägte Beschwerden sind allerdings relativ selten und in der Regel erst nach langer Zeit zu beobachten. Ist sie so weit entwickelt, dass die betroffenen Diabetiker erhebliche Beschwerden haben, sinkt deren Lebenserwartung um etwa ein Fünftel.

Eine Übersicht der Beschwerdebilder finden Sie im 

Vorbeugen:

  • gute Blutzuckerwerte
  • wenig Alkohol
  • kein Übergewicht
  • nicht rauchen
  • Vorsorgeuntersuchung

Frühzeitige Diagnose

  • periphere Neuropathie:
    • Stimmgabeltest, die Prüfung der Muskelreflexe und die Messung der Schwelle von Kälte- und Wärmeempfinden
    • Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit, d. h. der elektrischen Leitfähigkeit der Nervenfasern
  • autonomen Neuropathie (abhängig vom betroffenen Organsystem):
    • Schäden am Herz-Kreislauf-System lassen sich etwa mithilfe des Elektrokardiogramms (EKG) ermitteln.

Die frühe Diagnose von Nervenschäden bei Diabetes mellitus ist so wichtig, weil es heute gute Behandlungsmöglichkeiten gibt. Neben Medikamenten können beispielsweise auch Geräte zum Einsatz kommen, mit denen die Nerven „trainiert” werden.

Behandlung

  • Die beste Behanldung ist eine gute Vorsorge (s. Vorbeugung).
  • Fußpflege
  • moderne Schmerztherapie (medikamentös, psychologisch)
  • elektrische Nerven- (TENS) oder mittelfrequenten Muskelstimulation (Hochtontherapie mit HiToP-Gerät)
  • Ablenkung vom Schmerz 
  • Schmerztagebuch
  • Aufgrund bislang unzureichender Daten ist die operative Nervendekompression (-entlastung) an den unteren Extremitäten, bei der an bestimmten Engstellen Gewebe durchtrennt wird, um den Nerven wieder mehr Platz zu verschaffen, nicht zu empfehlen.
  • ggf. Bettruhe, Krankengymnastik und orthopädisches Schuhwerk

Quelle: Diabetes Gesundheitsbericht 2012 (S. 98 ff)