Rund um die Diabetes-Therapie

Experten-Chat mit Prof. Dr. med. Thomas Haak

Am 12. Januar 2017 findet der Experten-Chat zum Thema „Rund um die Diabetes-Therapie" mit Prof. Dr. med. Thomas Haak statt. Er beantwortet Ihre Fragen live am Donnerstag zwischen 17 und 19 Uhr.

Prof. Thomas Haak
Prof. Thomas Haak, Bad Mergentheim

Prof. Dr. Thomas Haak

Finanzvorstand
 
Chefarzt der Diabetes Klinik am Diabetes Zentrum Mergentheim
Diabetesklinik Bad Mergentheim
Theodor-Klotzbücher-Str. 12
97980 Bad Mergentheim
Protokoll der Sprechstunde

Betreff: Einnahme Forxiga

Gerhard O. fragt: 

Ich bin Jahrgang 1944 u. seit 1992 in Behandlung Diabetes, nach erfolgreicher Gewichtsverringerung Jahre ohne Medikamente, seit ca. 15 Jahren mit Eucreas, aktuell Janumet 50 mg/1000mg früh und abends je 1x, seit paar Jahren dazu Forxiga 10, meine Frage: bis vor kurzem habe ich Forxiga im Laufe des Vormittags eingenommen, meine neue Hausärztin meint, Forxiga kann ich früh mit Janumet zusammen nehmen. Außerdem nehme ich für den Blutdruck Ramipril 5 mg früh eine Tablette, abends 0,5. Ich glaube, dass seit der gemeinsamen Einnahme die nüchtern gemessenen Werte (2x/Woche) von > 6,0 auf > 7,0 bis > 8,0 gestiegen sind. Mein Langzeitwert liegt bei 6,5 bis 7,0. Wie ist Forxiga einzunehmen? Mit dank und freundlichen Grüßen Gerhard O.

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Lieber Herr O.,
 
Sie können alle Tabletten, die Sie aufgezählt haben zusammen einnehmen, da diese sich gut vertragen. Das gilt sowohl für für die Blutzuckermedikamente als auch für das Ramipril in Verbindung mit den anderen Tabletten. Ihre Einstellung ist gemessen an den Langzeitwerten auch gut. Also weiter so.

Betreff: Insulinpumpe

Wolfgang H. fragt: 

Ich bin seit Juni 2015 mit über 50 Jahren Typ1 Diabetiker geworden meine einfachen Fragen: Wie muss man vorgehen um eine Insulinpumpe zu bekommen? Muss ich einen Antrag an meine Kasse stellen? Entscheidet es der Diabetologe? Oder muss ich selbst bestimmte Voraussetzungen erfüllen?

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Lieber Herr H.,
 
wenn Sie mit einer Mehrfachspritzentherapie gut eingestellt sind und gut zurechtkommen, benötigen Sie nicht unbedingt eine Insulinpumpe. Wenn es aber Probleme gibt, die sich mit Ihrer intensivierten Insulintherapie nicht lösen lassen, z. B. nächtliche Blutzuckerschwankungen, geringer Insulinbedarf oder Ähnliches, dann kann eine Pumpe helfen. Ihr Diabetologe schreibt zur Beantragung ein Gutachten an die Krankenkasse und Sie legen Ihre Blutzuckeraufzeichnungen der letzten Wochen bei. Aus diesen sollte erkennbar sein, dass die Insulintherapie mehrfach angepasst wurde, jedoch die Probleme weiterhin bestanden haben. Meist bittet die Krankenkasse um eine Stellungnahme durch den MDK und erteilt bei positiver Stellungnahme die Kostenzusage.

Betreff: FreeStyle Libre - Fragen zur Anwendung

Hans -Jürgen S. fragt: 

Sehr geehrter Herr Prof. Haak, seit ca. 6 Monaten nutze ich das FreeStyle Libre zur Kontrolle meines Stoffwechsels. Durch Parallelmessungen von Blutzucker und Gewebezucker habe ich die typischen Verhaltensweisen ermittelt. Der Gewebezucker läuft 12 bis 20 Minuten dem Blutzucker hinterher und die Abweichungen der Meßwerte liegen bei max. Plus / minus 1, 5 mmol/L. Damit ist eine ausreichende Kontrolle gegeben und ich kann "unbemerkten Schocknähen" und "Ausreisern nach oben" frühzeitig entgegensteuern. Nach 56 Jahren Typ 1 Diabetes eine sehr große Hilfe. Gelegentlich treten aber Meßwerte auf,die unerklärlich sind ( z.B.: Blutzucker 5,7 mmol/l, Gewebezucker 2,6 mmol/l, nach einer halben Stunde fast das gleiche Verhältnis ). Meine Fragen: - Gibt es neben den Blutzucker noch andere Faktoren, die Einfluß auf den Gewebezucker haben? - Besonders nach dem Setzen eines neuen Sensors sind am ersten Tag die Gewebezuckerwerte in der Regel niedriger als die Blutzuckerwerte. - Hat es Einfluß ob man einen Sensor bei sehr hohen oder niedrigen Werte setzt ? - Kann es sein das die Sensoren unterschiedlich in der Meßgenauigkeit bzw. Lage der Meßwerte sind. - Gibt es von Ihrer Seite noch Hinweise zur Anwendung dieses neuen Meßsystems ? Vielen Dank für Ihre Bemühungen Mit freundlichen Grüßen v. Hans - J. S.

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Lieber Herr S.,
 
Blutzuckermessgeräte dürfen nach der aktuellen DIN-Norm 15 % nach oben oder unten von einem Referenzlaborwert abweichen. Der Freestyle Libre hat in Studien gezeigt, dass die Abweichung rund 11.4 % im Mittel beträgt. Am Tag des Setzens weichen viele Sensoren etwas stärker als an den anderen Tagen ab, weil eine kleine Wunde entsteht. Wenn der Sensor kurze Zeit später „eingeheilt“ ist, wird die Abweichung geringer. Nun kann es sein, dass Ihr Blutzuckermessgerät nach unten abweicht und der Freestyle Libre zufällig nach oben, so dass die Differenz größer erscheint als sie ist, denn Sie testen ja nicht gegen ein Laborgerät als Standard. Aus diesem Grund sollten Sie, wenn überhaupt, nur Vergleichsmessungen machen, wenn der Trendpfeil am Freestyle Libre waagerecht ist.
 
Bei welchen Blutzuckerwerten Sie einen neuen Sensor setzen ist unwichtig. Damit der Freestyle Libre Ihnen nützt, sollten Sie darauf achten, dass Sie nicht nur auf den angezeigten Wert achten, sondern auch auf die Historie der letzten Stunden und den aktuellen Trendpfeil. Dieser drei Informationen zusammen, sollte in Ihre Therapieentscheidung mit einbezogen werden.

Betreff: Zucker messen mittels Sensor im Arm (Freestyle Lire )

Steffen D. fragt: 

Ich habe seit mehreren Jahren starke Polyneuropathie in den Füssen und seit letzter Zeit habe ich ganz starkes Krippeln u. Starke Schmerzen in den Händen. Ich bringe früh die Hände gar nicht gerade. Auch beim Abtrocknen der Hände habe ich starke Schmerzen. Das ständige Stechen in die Finger verursacht grosse Schmerzen. Nun durfte ich letztens den Freestyle Lire Sensor den man in den Oberarm setzt u. der 14 Tage hält, testen. Die Kosten sind ungefähr gleich den der Teststreifen, trotzdem übernehmen die Krankenkassen die Sensorkosten nicht. Wer sie schon mal Testen durfte, möchte sie nicht mehr missen!!! Gerade bei den starken Fingerschmerzen durch die Polyneuropathie ist das eine Erleichterung nicht mehr stechen zu müssen. Nur selber Zahlen kam man die Sensoren einfach nicht, das schafft man finanziell nicht! Auch wenn man in der Nacht mal eine Messung machen muss, wenn ein nicht gut geht.ä, hält man einfach das Gerät an den Oberarm, die Frau wird nicht gestört, durch Licht machen, Stechen und Wert ablesen!

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Lieber Herr D.,
 
da haben Sie vollkommen recht. Viele Patienten berichten das Gleiche wie Sie. Es bleibt daher wirklich zu hoffen, dass alle Krankenkassen die Kosten hierfür übernehmen. Es gibt bisher einige Kassen, die das schon tun. Näheres hierzu erfahren Sie beim Hersteller des Freestyle Libre, der Firma Abbott ind Wiesbaden-Delkenheim.

Betreff: Tierisches Insulin

Gerhard S. fragt: 

Für viele insulinabhängige Diabetiker ist die Standardbehandlung mit Humaninsulin oder Analoga lebensbedrohlich, da sie an eine Unverträglichkeit leiden. Sie sind weiter auf natürliches (tierisches) Insulin angewiesen. Weltweit gibt es aber nur noch einen Anbieter, so dass befürchtet werden muss, dass die Produktion bald ganz eingestellt wird. Für Hunderte Insuliner würde dies ein Leben in Apathie und Elend mit schweren Unterzuckerungen und letztlich den Tod bedeuten. Wie kann die Versorgung der Betroffenen mit tierischen Insulinen sichergestellt werden und welche Behandlungsalternativen gibt es im Fall der Produktionseinstellung?

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Lieber Herr S.,
 
was Sie berichten hört man immer wieder einmal, aber es ist doch eher selten. Weltweit werden Millionen von Menschen mit Diabetes mit Humaninsulin oder Insulinanaloga behandelt. Tierisches Insulin entspricht nicht dem menschlichen Insulin, sondern hat kleine Unterschiede im Aufbau. Ebenso sind Insulinanaloga so verändert, dass die Insulinwirkung erhalten bleibt, aber die Geschwindigkeit der Aufnahme des Insulins so verändert wird, dass das Insulin trotz Injektion in die Haut sich der Wirkung von körpereigenem Insulin, was ja aus der Bauchspeicheldrüse in die Blutbahn abgegeben wird, bestmöglich annähert.
 
Wenn es jetzt aber Patienten wie Sie schreiben gibt, die mit Humaninsulin nicht zurechtkommen, muss die Ursache geklärt werden, warum dies so ist. In der Regel finden wir in der modernen Diabetologie immer eine Lösung des Problems. Ein Beispiel hierfür ist, dass er seit einiger Zeit die Möglichkeit gibt, durch ein modernes Portsystem Insulin direkt in die Bauchhöhle abzugeben. Dort wird das Insulin ähnlich schnell aufgenommen wie wenn es direkt in die Blutbahn abgegeben worden wäre.
 
Daher sehe ich nicht so schwarz wie Sie. Vertrauen Sie ein wenig der modernen Diabetologie.

Betreff: Reha-Maßnahme Doppeldiagnose

André B. fragt: 

Guten Tag! Ich möchte gerne in der nächsten Zeit eine Kur/Reha-Maßnahme machen und bin deswegen auf der Suche nach einer Einrichtung, die auf die Doppeldiagnose Diabetes, Typ II mit Depression spezialisiert ist. Bisher habe ich aber leider nur (oder immerhin) das Reha-Zentrum Bad Kissingen der DRV gefunden. Welche anderen Institute sind bekannt? Danke und beste Grüße!

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Lieber Herr B.,
 
mit dieser Frage wenden Sie sich bitte am besten direkt an die Versicherung, die die Kosten für den geplanten Aufenthalt übernehmen wird. Diese hat eine Übersicht über die Einrichtungen. Wenn Sie dann eine Einrichtung herausgesucht haben, hilft Ihnen das Internet und Klinikbewertungsportale dann weiter, um sich zu informieren.

Betreff: Rund um die Diabetes-Therapie

Juliane G. fragt: 

Seit 2014 habe ich Typ 2 und nehme Metformin 500 2x täglich. Können Sie mir erklären, warum ich soviel abgenommen habe? Mein Langzeitwert ist 6,3 und 6,6. Könnte ich das Medikament evtl. absetzen?

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Liebe Frau G.,
 
die Frage ist, ob Sie gewollt oder ungewollt abgenommen haben und wie Sie sich dabei fühlen. Wenn Sie ungewollt abgenommen haben, liegt das vermutlich nicht am Metformin und man sollte die Ursache hierfür suchen.
 
Prinzipiell ist die Therapie mit Metformin eine Dauertherapie, die man nur absetzt, wenn der Langzeitwert über einen längeren Zeitraum im Normbereich, das heißt unter 5,6 % liegt.

Betreff: Rund um die Diabetes-Therapie

Monika fragt: 

Ich habe einen Hausarzt der bei mir einen angeblichen Prädiabetes festgestellt hat. ich hatte etwas höhere Insulinwerte bei einem Bluttest. Er verschrieb mir gleich einmal eine Tablette Metformin abends. Das habe ich ehrlich gesagt nicht eingehalten weil ich es übertrieben fand wegen eines einmaligen Tests gleich Medikamente zu nehmen. Jetzt habe ich nach zwei Monaten etwa wieder den Wert testen lassen und es war alles ok. ich nehme die Tabletten jetzt natürlich auch nicht. Können Sie mir sagen ob das normal ist, dass bei einem einfachen, einmaligen test gleich Medikation gegeben wird? MfG Monika

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Liebe Monika,
 
nein das ist nicht normal. Es gibt Leitlinien für die Behandlung des Typ 2-Diabetes mellitus und die besagen, dass bei der Erstdiagnose Typ 2-Diabetes zunächst eine Lebensstilberatung mit dem Ziel der Gewichtsnormalisierung und der Erhöhung der körperlichen Aktivität durchgeführt wird. Auf diese Weise kann man erhöhte Blutzuckerwerte oft wieder normalisieren. Je früher man damit anfängt, desto länger kann man dann die Einnahme von Medikamenten herausschieben.

Betreff: Rund um die Diabetes-Therapie

Tom fragt: 

Hallo, habe im Oktober 2016 Diagnose Diabetes Typ 1 bekommen. Hatte damals einen 15 Wert . Der ist mittlerweile bei 7. Habe trotzdem das Gefühl dass, das egal ist. Ich versuche immer 30 min bis 1 Std und 30 min zwischen dem Bolus und des Essen vergehen zu lassen , dennoch kommen meine Werte so gut wie immer über 200. Benutze das 4-6 Std Bolus . Befinde mich dazu sogar noch ein Remission mit 1 , 0.5 und 0,75 Faktoren was mir umso mehr das Gefühl gibt das meine Werte viel besser sein sollten da ich eben noch Eigeninsulin habe. Zwar habe ich meine Essgewohnheiten seit der Diagnose nicht verändert - also keine Vollkornprodukte oder das weglassen von Süßem. ich muss zugeben das ich mich immer noch oft an Chips , Pizza , Pommes und Schokolade bediene aber meine Süßigkeitenorgien die ich vor der Diagnose veranstaltet habe weglasse. Wie kann ich die Werte nach dem Essen im Griff behalten und meinen HBA1c Wert in einen guten Bereich bringen? Übrigens meint mein Diabetologe das ein Wert von 7-7,5 total Top ist , basierend auf einer Studie die belegt das Werte unter 7 so gut wie nix bringen und das Riskio für andere Todesursachen enorm steigern. Stimmt das??? Gruß Tom

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Lieber Tom,
 
üblicherweise misst man den Blutzucker nur vor den Mahlzeiten und nur während der Einstellungsphase auch hinterher. Hinterher heißt 2 Stunden nach der Mahlzeit. Wenn die Werte in der Routine vor den Mahlzeiten zwischen 80 und 120 liegen, ist das in Ordnung. Steigen Werte nach 2 Stunden um mehr als 60 an, liegt meistens der Wert vor der nächsten Mahlzeit auch zu hoch. Deswegen sind ständiges Messen der Werte nach den Mahlzeiten eigentlich entbehrlich. In Ihrem Falle wird der Diabetologe gemeinsam mit Ihnen nach der Remissionsphase die Insulindosen anpassen, da Sie dann schrittweise mehr Insulin brauchen. Dabei ist es wichtig, dass das Mahlzeiteninsulin und das Basisinsulin gleichmässig angepasst werden, damit Sie eine stabile Einstellung bekommen.
 
Das  Fenster für die die HbA1c-Werte liegt überlicherweise zwischen 6,5 und 7,5 %. Darüber hinaus ist es wichtig, dass Unterzuckerungen vermieden werden und Sie sich insgesamt wohlfühlen. Dann ist Ihre Therapie topp und das sollte mit der modernen Medizin auch erreichbar sein.

Betreff: Diabetestherapie

Frage: 

Habe eine kurze, knackige Frage: Was ist Victoza und wer verordnet dies ? In einem Artikel wurde darüber geschrieben dass es bei Diabetes zum Gewichtabnehmen verhilft.

Viele Grüße

Ines

Antwort: 

Victoza ist ein GLP-1Analogon, das einmal täglich injiziert werden muss. Es wird bei Typ 2-Diabetes verordnet, wenn eine Tablettentherapie nicht mehr ausreicht. Es senkt den Blutzucker und hemmt den Appetit, so dass es günstig für eine Gewichtszunahme ist. 

Betreff: Diabetestherapie

Patricia fragt: 

Guten Abend Herr Prof. Haak,

ich habe jeden tag einen bz-wert im 200er Bereich. Das macht mir etwas Angst.
Laut meinem Diabetologen ist das nix schlimmes wenn der Wert nicht länger als 1-2 Stunden hoch bleibt. Stimmt das? 
Bin sehr unsicher und habe Angst vor Folgeerkrankungen....

Bin Diabetikerin Typ 1 und spritze Novorapid und Lantus .

Viele Grüße

Patricia

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Da hat ihr Diabetologe recht. Falls der Blutzucker immer zum gleichen Zeitpunkt ansteigt, kann man den Abstand zwischen Injektion und Essensbeginn etwas verlängern oder den BE-Faktor etwas erhöhen.