Alles über blutzuckersenkende Medikamente

Tabletten

Die meisten Menschen mit Diabetes Typ 2 benötigen blutzuckersenkende Medikamente. Bei dieser Therapie mit Tabletten gibt es drei Ansätze:

  1. Die Körperzellen sind zu wenig empfindlich für Insulin - Das Medikament macht die Zellen wieder empfindlicher.
  2. Die Bauchspeicheldrüse schüttet zu wenig Insulin aus - Das Medikament fördert die Ausschüttung.
  3. Nach dem Essen treten zu hohe Blutzuckerwerte auf - Das Medikament verzögert die Aufnahme von Glukose über den Darm ins Blut.

Die wichtigsten Vertreter

Acht Gruppen von Medikamenten stehen zur Einzel- und Kombinationsbehandlung zur Verfügung und sind hier mit ihren wichtigsten Vertretern (Wirkstoffen) aufgeführt.

 

oral:

  • Alpha-Glucosidasehemmer: Glucobay, Miglitol
  • Biguanide: Metformin (Phenformin und Buformin 1978 aus dem Handel genommen)
  • Sulfonylharnstoffe: 
    1. Generation: Tolbutamid, Acetohexamid, Tolazamid (alle ausser Handel) Chlorpropamid (Diabiformin®, ausser Handel)
    2. Generation: Glibenclamid (Daonil®, Generika), Glibornurid (Glutril®), Glipizid (Glibenese®, ausser Handel), Gliclazid (Diamicron® /-MR, Generika)
    3. Generation: Glimepirid (Amaryl®, Generika)
  • Glinide: Nateglinid, Repaglinid
  • Insulinsensitizer (Glitazone): Pioglitazon, Rosiglitazon
  • SGLT-2-Hemmer (Gliflozine): Canagliflozin (Invokana®), Dapagliflozin (Forxiga®), Empagliflozin (Jardiance®), Ipragliflozin (Suglat®, Erstzulassung 2014 in Japan), Tofogliflozin (Apleway®, Deberza®, Erstzulassung 2014 in Japan)
  • Gliptine (Dipeptidylpeptidase-4-Inhibitoren, DDP-4-Hemmer): Saxagliptin (Onglyza®, Kombiglyze®, Duoglyze®, 2010), Sitagliptin (Januvia®, Janumet®, Xelevia®, Velmetia®, 2007), Vildagliptin (Galvus®, Galvumet®, 2008 – in Deutschland nicht mehr verfügbar), Linagliptin (Tradjenta®, 2012), Alogliptin (Vipidia®, 2013)

subkutane Injektion:

  • Inkretin-Mimetika: Exenatide (Byetta®, Bydureon®), Liraglutid (GLP-1-Analog, Victoza®), Dulaglutid (Trulicity®)

Wie wirken blutzuckersenkende Medikamente?

Diese Medikamente haben unterschiedliche Wirkmechanismen, die sich zum Erreichen einer möglichst guten Diabeteseinstellung sinnvoll kombinieren lassen.

Alpha-Glucosidasehemmer verzögern die Aufnahme von Kohlenhydraten aus dem Darm ins Blut, senken so den Blutzuckerspiegel nach dem Essen und wirken damit Insulin sparend bzw. entlasten die Bauchspeicheldrüse bei der Insulinabgabe ins Blut. Die Tabletten werden mit Beginn der Mahlzeit eingenommen (nicht vorher).

Biguanide bremsen die Zuckerabgabe der Leber und verbessern außerdem die Zuckerverwertung in der Muskulatur. Sie senken den Blutzucker sowohl nüchtern als auch nach dem Essen und wirken Insulin sparend. Sie sind mit dem Essen bzw. unmittelbar danach einzunehmen.

Sulfonylharnstoffe steigern die Insulinabgabe aus der Bauchspeicheldrüse ins Blut (enthalten aber selbst kein Insulin). Mit dem Mehr an Insulin werden die Blutzucker nüchtern nach dem Essen gesenkt. Das Standardpräparat Amaryl wird mit Beginn des Frühstücks eingenommen.

Glinide haben ähnliche Wirkung wie Sulfonylharnstoffe. Sie regeln die Insulinausschüttung gezielt zu den Mahlzeiten, d. h.: eine Hauptmahlzeit – eine Tablette, keine Hauptmahlzeit – keine Tablette.

Insulinsensitizer bewirken, dass das noch vorhandene Insulin oder auch gespritztes Insulin besonders effektiv den Blutzucker senkt, indem sie z.B. die Blutzuckeraufnahme durch Insulin in die Muskulatur steigern. Sie werden mit dem Essen eingenommen.Inkretin-Mimetika: Seit 2007 gibt es dieses neue Medikamente auf dem Markt. 

SGLT-2-Hemmer sind seit 2012 sind diese Medikamente auf dem Markt. Ihre Wirkung unterscheidet sich zu anderen Antidiabetika. Denn sie ist von Insulin unabhängig. Sie führen zu einer verstärkten Harn-Ausscheidung der Glucose über die Niere und senken so den Blutzuckerspiegel bei Menschen mit Diabetes Typ 2 und erhöhen den Kalorienverlust. So können SGLT-2-Hemmer das Körpergewicht senken. Sie werden deshalb vor allem bei übergewichtigen Menschen mit Diabetes Typ 2 empfohlen.

Gliptine (DPP-4-Hemmer) sind zur Behandlung von Diabetes Typ 2 zugelassen. Sie wirken ähnlich wie das körpereigene Inkretin. Dieses Darmhormon steuert über die Nahrungsaufnahme abhängig vom Blutzuckerspiegel die Insulinausschüttung aus der Bauchspeicheldrüse und auch die Aufnahme der Glukose in die Körperzellen. Gliptine hemmen das Enzym DPP-4, das Inkretine durch Spaltung innerhalb weniger Minute abbaut. Hemmen Gliptine das Enzym DPP-4 steigt daher die Konzentration der Inkretine an und ihre antidiabetische Wirkung verstärkt sich.

Inkretin-Mimetika sind seit 2007 sind diese Medikamente auf dem Markt. Inkretin-basierte Medikamente erhöhen die Konzentration bestimmter Darmhormone (Inkretine), welche die Insulinfreisetzung regulieren. So bewirken sie, dass die Bauchspeicheldrüse vermehrt das Blutzucker senkende Hormon Insulin freisetzt. Außerdem verlangsamen sie die Magenentleerung und die Patienten nehmen unter diesen Medikamenten nicht zu. Sie eignen sich deshalb vor allem für übergewichtige Typ-2-Diabetiker, deren Blutzuckerspiegel und deren Gewicht sich trotz veränderten Lebensstils und Medikamenten nicht senken lassen.

Der Arzt kann ganz individuell das richtige Medikament für Sie auswählen und dabei das Für und Wider abwägen. Zu Beginn der Behandlung mit Blutzucker senkenden Tabletten wird man bevorzugt Medikamente einsetzen, die insulinsparend wirken.

 

Stand: 9. März 2015/Prof. Haak