Besonderheiten bei Schwangeren mit Diabetes Typ 1 und Typ 2

Schwangere beim Blutzuckermessen

Was sind Besonderheiten bei einer Schwangerschaft mit Diabetes?
Was muss ich bei meiner Ernährung beachten?
Was muss ich außerdem beachten, wenn ich Diabetes Typ 1 habe?
Was muss ich außerdem beachten, wenn ich Diabetes Typ 2 habe?

Auch wenn sich Diabetes Typ 1 und Typ 2 stark voneinander unterscheiden, gelten während der Schwangerschaft von Frauen mit beiden Typen trotzdem ähnliche Regeln. Die Ernährung während der Schwangerschaft einer Diabetikerin entspricht der Ernährung einer stoffwechselgesunden Frau und orientiert sich an den allgemeinen Regeln für gesunde Ernährung. Ein großer Vorteil, den Sie durch Ihren Diabetes haben: Sie kennen sich schon sehr gut mit Ihrer Ernährung aus. Sie tappen nicht so schnell in Zucker- und Fettfallen und beschäftigen sich von Haus aus schon mehr mit den Lebensmitteln, die Sie essen. Das kommt nun Ihnen und Ihrem Kind zu Gute!

Wenn im Folgenden nicht zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes unterschieden wird, gelten die Ratschläge und Informationen für beide Diabetes-Typen.

Was sind Besonderheiten bei einer Schwangerschaft mit Diabetes?

Der Diabetes braucht während der Schwangerschaft ein besonders gutes Management: Je besser Ihr Blutzuckerspiegel eingestellt ist, desto besser geht es Ihrem Kind. Die Bauchspeicheldrüse Ihres Babys funktioniert einwandfrei. Wenn Sie einen hohen Blutzuckerspiegel haben, hat auch Ihr Baby viel Glukose im Blut und produziert entsprechend viel Insulin. Das kann allerdings Folgen für Ihr Kind haben:

  • Die Bauchspeicheldrüse Ihres Kindes „gewöhnt“ sich daran, zu viel Insulin zu produzieren. Durch diese „Fehlprogrammierung“ fällt es Ihrem Kind später schwerer, ein normales Gewicht zu halten.
  • Durch die überhöhte Insulin-Produktion und dem vielen Zucker im Blut legt Ihr Kind schon in Ihrem Bauch ordentlich an Gewicht zu (sogenannte Makrosomie). Das kann zu Problemen bei der Geburt führen, da Ihr Kind schlicht zu groß für den Geburtskanal ist. Das hohe Gewicht bei der Geburt ist ein zusätzlicher Risikofaktor für späteres Übergewicht und damit für Typ-2-Diabetes.
  • Direkt nach der Geburt kann Ihr Kind unterzuckern, da die überhöhte Insulinproduktion erst „runtergefahren“ werden muss.

Schwangerschaften von Frauen mit Diabetes sind immer Risiko-Schwangerschaften und müssen engmaschig überwacht werden. Aber nicht nur Ihr Kind hat ein erhöhtes Risiko: Auch Sie müssen nun speziell auf Folgeerkrankungen achten. Behalten Sie also u.a. Augen und Nieren immer im Blick.

Suchen Sie sich ein starkes Unterstützer-Team aus Diabetologe, Gynäkologe, Geburtshelfer, Augenarzt uvm., damit Sie und Ihr Baby in guten Händen sind. Die Geburt sollte auf jeden Fall in einer spezialisierten Klinik mit einer Kinderstation erfolgen.

Was muss ich bei meiner Ernährung beachten?

Insulinbedarf (Typ 1 und insulinpflichtiger Typ 2)

Durch die Schwangerschafts-Hormone wird die Wirkung des Insulins abgeschwächt. Es kann sein, dass Sie mehr Insulin spritzen müssen als vorher. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Diabetologen. Das Insulin kann die Plazentaschranke nicht durchqueren, es wirkt also nur an Ihren Zellen. Ihr Baby produziert sein eigenes Insulin, und nutzt so den Zucker aus Ihrem Blut als Energiequelle.

Unterzuckerungen

Im ersten Drittel der Schwangerschaft kann es öfter zu Unterzuckerungen kommen. Ob Unterzuckerungen Ihrem Baby schaden, ist noch nicht abschließend erforscht. Versuchen Sie daher mit einer guten Stoffwechseleinstellung Unter- und Überzuckerungen möglichst zu vermeiden. Erklären Sie Ihrem Umfeld erneut, was bei einer Unterzuckerung getan werden muss, wo Sie Ihre Notfall-Glukagon-Spritze aufbewahren usw. Nächtliche Unterzuckerungen vermeiden Sie, indem Sie vor dem Schlafengehen eine kleine Spätmahlzeit mit Kohlenhydraten und Eiweiß essen. Das kann z.B. Obst mit Joghurt, Gemüse mit Dip, Vollkornbrot mit Quark o.ä. sein.

Jod

Während der Schwangerschaft ist der Jodbedarf generell erhöht. Bei Diabetes ist der Bedarf noch ein Stück höher: Bei Frauen mit Diabetes kann es während der Schwangerschaft zu Störungen in der Schilddrüsenfunktion kommen, außerdem hat Ihr Baby ein erhöhtes Risiko für eine Schilddrüsenunterfunktion. Jod unterstützt Sie und Ihr Baby dabei, eine möglichst normale Schilddrüsenfunktion zu erreichen. Um den erhöhten Bedarf zu decken, benötigen Sie 200 µg Jod/Tag als Tablette (statt 100-150 µg/Tag bei Stoffwechsel-Gesunden). Zusätzlich sollten Sie auf eine jodreiche Ernährung achten (Seefisch, jodiertes und fluoridiertes Speisesalz).

Stillen

Stillen ist für Sie und Ihr Baby gesund. Ihr Nährstoffbedarf ist weiterhin erhöht und ihr Körper braucht zusätzliche Flüssigkeit [Link zu Ein gesunder Start ins Leben], am besten trinken Sie zu jeder Stillmahlzeit ein Glas Wasser. Während der Stillzeit kann der Insulinbedarf geringer sein, sprechen Sie mit Ihrem Diabetologen.

Was muss ich außerdem beachten, wenn ich Diabetes Typ 1 habe? 

Als Typ-1erin kennen Sie sich mit Ihrem Diabetes schon gut aus. Essen Sie weiterhin gesund und ausgewogen und achten Sie bei der Kohlenhydratauswahl darauf, möglichst langsame Kohlenhydrate zu wählen. Vollkornprodukte lassen nämlich nicht nur den Blutzuckerspiegel weniger stark ansteigen und halten länger satt, Sie bringen auch gleichzeitig noch viel mehr Nährstoffe mit als blasses Toastbrot und Co.

Was muss ich außerdem beachten, wenn ich Diabetes Typ 2 habe? 

Vielleicht haben Sie noch nicht lange Diabetes und sind schwanger. Lassen Sie sich besonders intensiv beraten, um sich schnell mit dem Diabetes vertraut zu machen – denn je besser Sie in managen, desto besser geht es Ihnen und Ihrem Baby. Wie auch bei Frauen mit Diabetes Typ 1 gilt für Sie: Bevorzugen Sie bei Brot, Nudeln und Co immer die Vollkornvariante. Sie lässt den Blutzuckerspiegel weniger stark steigen, hält länger satt und bringt gleichzeitig viel mehr Nährstoffe mit, als bei den blassen Sorten. Wenn Sie übergewichtig sind, tun Sie Ihrem Kind einen großen Gefallen, wenn Sie vor der Schwangerschaft ein normales Gewicht anstreben. Während der Schwangerschaft ist eine Gewichtsabnahme aber tabu!

 

[Stand: September 2017, KR]

Quellen:

DDG, „Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)“, 04/2012
DDG, „Diabetes und Schwangerschaft | Evidenzbasierte Leitlinie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft“, 12/2014
DDG, „Diabetes und Schwangerschaft |Patientenversion der Leitlinie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft“, 04/2008