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Menschen mit Diabetes können aufgrund ihrer Erkrankung und Therapie in eine Notlage geraten. Im Folgenden haben wir Informationen zu solche Notlagen und Handlungsempfehlungen zusammengetragen, wie Sie oder Ihre Angehörigen im Fall eine Unterzuckerung oder Bewusstlosigkeit am besten reagieren.

Unterzuckerungen
Bewusstlosigkeit
Glucagon
Vorbeugung
Arztsuche und weitere Anlaufstellen

 

Wie erkennt man eine Unterzuckerung und was ist bei einer Hypoglykämie zu tun?

Ob Menschen mit Diabetes in eine Unterzuckerung kommen können, hängt von ihrer jeweiligen Therapie ab. So treten Unterzuckerungen bei der Behandlung mit Insulin und Sulfonylharnstoffen häufig auf, bei einer Therapie rein über Lebensstilumstellung oder Metformin hingegen besteht kein Risiko.

Leichte Unterzuckerungen gehören für viele Menschen mit Diabetes zum Alltag. Der Körper versucht in solchen Situationen, durch Glukoseausschüttung selbst gegenzuregulieren: Das Hormon Adrenalin mobilisiert dafür Zucker, der in der Leber oder in den Muskeln gespeichert ist. Diese hormonelle Gegenreaktion, und nicht die Hypoglykämie selbst, führt dann zu den bekannten Anzeichen einer Unterzuckerung wie Schwitzen, Zittern oder Herzklopfen.

Bei welchen Blutzuckerwerten erste Symptome auftreten, hängt von vielen Faktoren ab. Nicht zuletzt spielt hier eine Rolle, wie die Blutzuckereinstellung insgesamt ist und wie häufig Hypoglykämien schon in der Vergangenheit aufgetreten sind. Als Richtwert für eine Unterzuckerung gilt ein Blutzucker unter 50 bis 60 mg/dl bzw. 2,8 bis 3,3 mmol/l, bei Symptomen auch schon unter 70 mg/dl bzw. 3,9 mmol/l.

Bei schweren Hypoglykämien kann der Zuckermangel im Gehirn zu Konzentrations-, Sprach- oder Sehstörungen, Schwindel, Krämpfen oder sogar Bewusstlosigkeit führen. Schwere Hypoglykämien sind dadurch definiert, dass sie die Betroffenen nicht mehr selbst helfen können. Daher ist es wichtig, dass Angehörige und Freunde von Menschen mit Diabetes über diese mögliche Notfallsituation aufgeklärt sind.

Bei den ersten Anzeichen (Zittern, Herzklopfen, Schwitzen) kann der oder die Betroffene durch Aufnahme von schnellen Kohlenhydraten (mind. 2 Kohlenhydrateinheiten, KHE) gegenregulieren:

  • 8 Stück Würfelzucker
  • 20 g Traubenzucker (4 Blättchen)
  • 200 ml zuckerhaltige Limonade (z.B. Cola, Fanta – keine Light-Produkte!)
  • 200 ml Fruchtsaft

Außerdem sollte er sich hinsetzen oder -legen. Nach 15 Minuten sollte der Blutzucker erneut überprüft und ggf. die Gabe von schnellen Kohlenhydraten wiederholt werden. Nach erfolgreicher Korrektur empfiehlt es sich, komplexe Kohlenhydrate (Mahlzeit oder Snack) zu sich zu nehmen, um ein Wiederauftreten der Hypoglykämie zu verhindern.

Ungeeignet zur Regulierung einer Unterzuckerung sind:

  • Diät-/Lightprodukte
  • Fetthaltige Speisen wie z.B. Schokolade (!) oder Milch, denn das Fett verzögert die Aufnahme des Zuckers.

Bei Bewusstlosigkeit

Um bei einer schweren Unterzuckerung mit Bewusstlosigkeit schnell helfen zu können, müssen Ihre Mitmenschen über Ihre Erkrankung informiert sein. Klären Sie Ihr Umfeld auf.

  • In jedem Fall sofort den Notruf verständigen (Tel. 112)
  • Bringen Sie den Bewusstlosen in die stabile Seitenlage, da Erstickungsgefahr besteht (ggf. den Kopf zur Seite halten).
  • Entfernen Sie nicht festsitzende Zahnprothesen und evtl. Speisereste.
  • Geben Sie dem Betroffenen im Fall einer Bewusstlosigkeit auf keinen Fall etwas zu essen oder lutschen und verabreichen Sie auch keine Flüssigkeit!
  • Falls vorhanden: Glucagon als Nasenpulver in die Nase geben oder Glucagon als Spritze in den Oberarm, Oberschenkel oder das Gesäß (in den Muskel) spritzen.

Wichtig! Wenn der oder die Bewusstlose zu sich kommt, sollte er sofort 2 bis 4 „schnelle" KHE zu sich nehmen, damit die Glukosevorräte in der Leber wieder aufgefüllt werden können. Ansonsten besteht die Gefahr einer erneuten Unterzuckerung.

Glucagon und seine Anwendung

Glucagon ist ein Hormon, welches die noch vorhandenen Zuckerreserven im Körper freisetzt. Es wird eingesetzt, wenn Menschen mit Diabetes bewusstlos sind und selbst keine Kohlenhydrate mehr aufnehmen können. Glucagon kann wie Insulin ins Unterhautfettgewebe gespritzt und wirkt innerhalb von 10 Minuten.

Glucagon-Nasenpulver mit dem Handelsnamen Baqsimi wird einfach in die Nase gegeben, so wie ein Schnupfenspray. Der Patient muss nicht dabei einatmen oder sich in einer bestimmten Weise verhalten. Vorsicht, nach Druck auf den Auslöseknopf wird das Nasenpulver komplett entleert. Daher bitte keine Probeabgabe vor der Verabreichung!!!

Ein Glucagon-Hypokit besteht in der Regel aus einer flüssigkeitsgefüllten Glasspritze (Lösungsmittel) und einem Fläschchen Glucagon-Pulver, welches als Gemisch verabreicht wird.

  • Zuerst entfernt man die Schutzkappe der Spritze, dann spritz man das Lösungsmittel in die mit Glucagon gefüllte Ampulle.
  • Ohne die Nadel zu entfernen, schüttelt man die Ampulle, bis sich das Pulver vollständig aufgelöst hat.
  • Nun zieht man die ganze Glucagon-Lösung in die Spritze auf.
  • Die Injektion verabreicht man senkrecht in Oberschenkel, Gesäß oder Bauch.
  • Achtung! Kinder unter 25kg erhalten nur die halbe Dosis.

Das Erste Hilfe Care-Paket für Unterwegs: Traubenzucker/Flüssigzucker, Glucagon-Spritze oder -spray und Blutzuckermessgerät

Wie beuge ich einer Unterzuckerung vor?

Um sich vor einer Unterzuckerung zu schützen, sollten Sie einige wichtige Regeln befolgen. Lernen Sie aus jeder Unterzuckerung, denn die Ursachenforschung ist für die künftige Vermeidung wichtig. Überlegen Sie, wie oder warum es zu einer Unterzuckerung kam und welche Konsequenzen sich evtl. daraus ergeben können. War der Grund z.B. Alkoholkonsum, ohne zu Essen, Sport oder eine falsche Einstellung?

Besprechen Sie Ihre Analyse mit Ihrem Diabetologen. Je mehr Sie sich mit den Ursachen auseinandersetzen und entsprechend gegenlenken, umso besser können Sie zukünftigen Unterzuckerungen vorbeugen.

Einige Tipps finden Sie in unserer Checkliste: