Rund um die Diabetestherapie

Experten-Chat mit Prof. Dr. med. Thomas Haak

Am 31. August 2017 findet der Experten-Chat zum Thema „Rund um die Diabetestherapie" mit Prof. Dr. med. Thomas Haak statt. Er beantwortet Ihre Fragen live am Donnerstag zwischen 17 und 19 Uhr.

Prof. Thomas Haak, Bad Mergentheim
Prof. Thomas Haak, Bad Mergentheim

Prof. Dr. Thomas Haak

Chefarzt der Diabetes Klinik am Diabetes Zentrum Mergentheim
Diabetesklinik Bad Mergentheim
Theodor-Klotzbücher-Str. 12
97980 Bad Mergentheim
Protokoll der Sprechstunde

Betreff: Mikroalbuminurie

Anja F. fragt: 

Guten Tag,

ich bin eine normalgewichtige Typ 2 Diabetikerin (53 J.) mit einem Langzeitwert von 5,9. Jetzt hat meine Hausärztin 3 mal erhöhte Eiweißwerte festgestellt und auf mein Nachfragen gemeint, dass man bei der Schädigung nichts weiter machen könne (außer das, was ich jetzt mache, also Normalgewicht, bewegen etc.). Nun habe ich recherchiert und gelesen, dass die Ernährung wenig Eiweiß enthalten darf. Bisher hatte ich in den letzten Wochen durch das Buch "Ernährungs-Docs Diabetes" gut abgenommen und gedacht, ich hätte die ideale Ernährung für Diabetiker gefunden. Was soll ich nun essen? Und muß ich jetzt "abwarten", bis aus der Mikro- eine Makroalbuminurie wird?? Meine Medikation: morgens halbe Tabl. Bisoprolol 5, 1 Tabl. Euthyroxin 137 und abends halbe Tabl. Lisinopril 10. Was genau kann ich jetzt tun? Vielen Dank für Ihre Antwort!!

MfG Anja F.

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Liebe Frau F.,
 
ich empfehle Ihnen eine Beratung durch eine erfahrene Diätassistentin, damit Sie konkrete Empfehlungen in Bezug auf den Eiweißgehalt Ihrer Nahrung erhalten. Es ist richtig, dass Sie bei einer Mikroalbuminurie keine „Eiweißbomben“ zu sich nehmen sollen. Es wäre also falsch, sich ausschließlich von Eiweiß zu ernähren. Aber rund 1 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpernormalgewicht sind auch in Ihrem Falle erlaubt. Da der Diabetes offenbar sehr gut eingestellt ist, sollten Sie bei einer Mikroalbuminurie vor allem auf den Blutdruck achten. Dieser sollte in Ihrem Falle in den Selbstmessungen zwischen 140/90 und 130/80 mmHg liegen. Ist er höher müsste man die Blutdruckmedikamente anpassen. In vielen Fällen kann bei der richtigen Ernährung und einer guten Blutdruckkontrolle die Eiweißausscheidung im Urin auch wieder verschwinden.
Herzliche Grüße
Prof. Thomas Haak

Betreff: HAB1C

Uwe G. fragt: 

Ich habe eine Erstdiagnose Diabetes bei einem HAB1C Wert von 10,8. Ich bin 54 Jahre alt und stark adipös. Gibt es eine Chance, mit besserer Lebensführung wieder ohne Tabletten Normwerte zu bekommen?

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Lieber Herr G.,
 
Sie haben die besten Chancen, Ihren Diabetes auch wieder loszuwerden. Dies geschieht über eine Lebensstiländerung hin zu 3 bis 4 Stunden Sport pro Woche. Hier ist Schwimmen, Radfahren, Ergometertraining oder Nordic Walking ideal. Sie sollten beim Sport gut Schwitzen, aber nicht in Atemnot kommen. Der zweite Baustein ist die Gewichtsreduktion. Hier hilft Kalorienzählen. Pro Tag sollten Sie 500 kcal weniger verzehren als Sie verbrauchen. Was Sie verbrauchen berechnen Sie nach der Faustformel (Körpergröße in cm minus 100) mal 30. Bei 180 cm Größe wären dies z. B. 2400 kcal. Es gibt viele Apps für das Smartphone, mit denen Sie einfach Ihre Kalorienzufuhr aufzeichnen können (z. B. fatSecret).
 
Bei einem völlig entgleisten Blutzucker benötigen Sie aktuell vermutlich Medikamente zum Senken des Blutzuckers. Diese sollten keine Unterzuckerungen hervorrufen. Geeignet ist zum Beispiel Metformin, SGLT-2-Hemmer oder DPPIV-Hemmer. Wenn Ihre Lebensstiländerung fruchtet, werden die Medikamente wieder abgesetzt. Überprüfen sollte Ihr Arzt auch, ob der Blutdruck und die Blutfette in Ordnung sind. Dies ist oft nicht der Fall und muss daher ebenso konsequent behandelt werden.
 
Für die Umsetzung des geschilderten Programms helfen Schulungen, z. B. das Medias basis Schulungsprogramm. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt, der Sie ggf. für einen Teil der Maßnahmen an einen Diabetologen weiter überweist. Und denken Sie daran, der Diabetes ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.
 
Herzliche Grüße
Prof. Thomas Haak

Betreff: Rund um die Diabetestherapie

Henriette o. fragt: 

Hallo!

Komme in der letzten Zeit mit meinen Diabeteswert nicht klar. Ich gehe abends so gegen 24 Uhr zu Bett mit einem Wert von 124 .Sehe dann morgens im Verlauf in meinem Free Style Libre,dass ich um ca 2Uhr im roten Bereich gelegen bin und habe bei meiner Morgenmessung um ca. 8Uhr15 einen Wert von 166.Ist das nicht viel zu hoch?

Vielen Dank für eine Antwort Ihre H.op de Hipt

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Liebe Frau op de Hipt,
 
es sieht so aus, als ob Sie nachts unterzuckern und im Rahmen der Gegenregulation Ihres Körpers der Blutzucker dann morgens zu hoch ist. Hier gibt es mehrere Lösungen
 
1.       Insulin zu Nacht um 2 Einheiten reduzieren
2.       Vor der Nacht noch eine Kohlenhydrateinheit, z. B. einen Joghurt oder eine Rippe Schokolade essen
3.       Das Nachtinsulin so spät wie möglich spritzen
4.       Das Insulin auf ein Insulin mit flachem Wirkprofil wechseln
 
Ich hoffe, dass einer der Tipps helfen wird.
Herzliche Grüße
Prof. Thomas Haak

Betreff: Rund um die Diabetestherapie

Jan fragt: 

Guten Tag,

ich bin männlich, 30 Jahre alt, wiege 80 kg und bin 1,78 m groß. Ich hatte kürzlich einen Blutcheck, den ich alle paar Jahre mache. darin wurde ein hoher Nüchternblutzucker festgestellt. Der Arzt machta daraufhin zwei Glukosetoleranztests, die beide nicht sehr gut ausgefallen sind. Danach wurden dann noch die C-Peptide, der Hba1-Wert und irgendwelche Antikörper bestimmt, die den Diabetestyp diagnostizieren. Jedenfalls hat mein Arzt danach gesagt, es wäre Typ 2. Da der Hba1-Wert bei 5,9 lag muss sich der Diabetes erst vor kurzem entwickelt haben. Habe nun Metformin seit 4 Wochen und nehme das mit der Höchstdosis von 3 g nach der Hauptmahlzeit. Irgendwie wirkt das aber nicht so gut. Ich liege immer etwa zwischen 120 und 140 mg/dl. Es hat sich also nichts geändert, denn vor der Mediaktion hatte ich diesselben Wette!!! Auch der Nüchternwert morgens ist bei rund 140 mg/dl doch sehr hoch! Und da habe ich etwa 10 Stunden nix mehr gegessen! Können Sie mir sagen, woran das liegt, ob das normal ist und ob ich nicht eventuell eine andere Diabetesform habe etc.?

Mit besten Grüßen Jan

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Hallo Jan,

es wäre besser, wenn ich alle Blutwerte hätte. Grundsätzlich ist nach den Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft ein normaler HbA1c-Wert unter 5,6 %. Bei einem Wert über 6,5 % liegt ein Diabetes vor. Sie liegen mit 5,9 % im Graubereich. Wenn alle Blutwerte für einen Typ 2-Diabetes mellitus sprechen, brauchen Sie bei diesem Wert keine Medikamente, sondern der Diabetes wird durch Ernährungsoptimierung und 3 - 4 Stunden Sport pro Woche behandelt. Erst wenn der HbA1c-Wert deutlich ansteigt, kommen Medikamente ins Spiel. Metformin wäre richtig, es wird allerdings mit 2 x 1000 mg morgens und abends dosiert. Metformin kann dann bei unzureichender Wirksamkeit auch mit anderen Medikamenten kombiniert werden. Sprechen Sie auf keine der Medikamente an, so muss die Diagnose Typ 2-Diabetes überdacht werden.

Herzliche Grüße
Prof. Thomas Haak

 

Betreff: Rund um die Diabetestherapie

Kerstin fragt: 

Hallo,

ich habe Diabetes Typ I seit 20 Jahren und bin jetzt 27 Jahre alt. Habe mich immer etwa 3-5 mal am Tag gespritzt udn es einigermaßen im Grif gehabt. hatte immer schnelle und viele Unterzuckerungen. daher habe ich seit 6 Jahren auch eine Insulinpumpe. Jetzt habe ich seit 3 Jahren eine Insulinallergie, also nicht wegen der Zusatzstoffe. Das wurde getestet. Auch an den kanülen kann es nicht leigen - alles ausprobiert. Die Allergie äußert sich nach ca. 3 bis 10 Stunden nach Setzen eines neuen Katheders mit Schmerzen, Verhärtungen, Quaddeln und Rötungen an der Kathederstelle. Nach Entfernen des Katheders breiten sich die schmerzhaften Stellen auf ca. 10 - 15 cm aus. Besserung erst nach ca. 3 Tagen. Gewechselt habe ich früher den Katheder nach 3 - 4 Tagen, nun muss ich ihn manchmal sogar nach ein paar Stunden wieder austauschen. Eine freie Stelle zu finden entwickelt sich zu einem großen Problem, da mir diese mittlerweile ausgehen. Ich habe auch viele kurzwirksame Insuline getestet. Ein stationärer Krankenhausaufenthalt mit Desensibilisierung, Eigenblutserum eines Heilpraktikers usw... Was ich noch nicht versucht habe, ist die Beimischung von Fenistil ins Insulin, weil es geheißen hat, dass dies nicht so lange wirken würde (ca. 5 Wochen). Was halten Sie davon? Vor dem DiaPort schrecke ich ein wenig zurück, weil es damit angeblich viele Nebenwirkungen (wie Entzündungen der inneren Organe durch Keime) ggeben soll!!??. Da ich bereits zweimal Keime mit dem Katheder in meinen Körper gebracht habe, obwohl ich sehr darauf achte, dass alles steril bleibt, habe ich davor wirklich große Angst. Was können Sie mir raten? Ich habe große Angst, was falsch zu machen und noch mehr Probleme dadurch zu bekommen.

Mit freundlichen Grüßen Kerstin

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Liebe Kerstin,
das ist in der Tat ein schwieriges Problem. Aus meiner Sicht ist der DiaPort wirklich die naheliegende Lösung. Den DiaPort gibt es mittlerweile in der zweiten Generation und die bekannten Probleme mit Entzündungen sind sehr viel geringer geworden. Ein DiaPort wird in einer kurzen Operation in Vollnarkose implantiert und leitet das Insulin dann direkt in die Bauchhöhle. Ein Kontakt mit der Haut ist dann nicht mehr vorhanden. Wenn Sie mir mitteilen, in welchem Großraum in Deutschland Sie wohnen, informiere ich Sie gerne über das für Sie nächstgelegene DiaPort-Zentrum, wo Sie sich umfassend und in einem persönlichen Gespräch informieren können.
Herzliche Grüße
Prof. Thomas Haak

Betreff: Rund um die Diabetestherapie

Gerdtrude R. fragt: 

Seit ca. 9 Jahren habe ich Typ 2 mit leichtem Übergewicht. Ich bewege mich viel an der frischen Luft. Hatte vor einigen Jahren einen Herzinfarkt und lebe seitdem bewusster und gesünder. In den letzten 6 Jahren habe ich viele verschiedene Medikamente einnehmen müssen. Mit mäßigem Erfolg, da ja irgendwann die Bauchspeicheldrüse nicht mehr so mitmacht. Ausserdem gab es da das Problem mit der ständigen Unterzuckerung und dem dagegen angehenden Essen... Mein Arzt verschrieb mir nun BYETTA in Verbindung mit Metformin 1000 (2xtägl). 4 Wochen hatte ich BYETTA 5 und seit 3 Tagen BYETTA 10. Es stellen sich jedoch wieder Nebenwirkungen ein, wie anfangs mit dem BYETTA 5. Meine BZ-Werte sind aber gut! Mein HBA1c ist nach 4 Wochen von 8,4 auf 6,9 heruntergegangen und ich habe abgenommen! Übelkeit und die Verdauungsprobleme sind aber dafür da! Lässt das noch nach oder vertrage ich die Dinger einfach nur nicht und muss wieder umsteigen??? Danke und freundliche Grüße Gertrude Reinicke

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Liebe Frau Reinicke,

dass nach der Dosissteigerung die Nebenwirkungen wieder zunehmen ist fast zu erwarten. Gedulden Sie sich noch ein paar Tage, denn der Erfolg der Therapie ist schon beeindruckend. Sollten die Beschwerden bleiben, so gibt es noch zwei weitere Präparate auf dem Markt, die wie Byetta wirken, nämlich Victoza und Trulicity. Diese können Sie dann versuchsweise ausprobieren. Vielleicht vertragen Sie diese dann besser.

Herzliche Grüße
Prof. Thomas Haak

Betreff: Rund um die Diabetestherapie

Richard K. fragt: 

Hallo, ich nehme seit 2 Tagen Metformin 1000. 1. Tag: 1 Tabl morgens - müde, wenig gegessen, Abends nach dem Essen Übelkeit und gezittert. 2.Tag: 1/2 morgens und abends. Müde, leichten Magendruck, Durchfall, kann kein Fleisch essen, Portionen klein, fühle mich als hätte ich Magendarmvirus. Habe ich aber nicht. Ich habe leider erst in zwei Wochen einen Termin beim Diabetologen. Können Sie mir evtl. schon sagen, ob es an den Tabletten hängt? Heute am 3. Tag liege ich im Bett und hoffe, dass es besser wird. Nüchternzucker war 240. Viele Grüße Richard K.

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Lieber Herr K.,
Metformin muss man „einschleichen“. Beginnen  Sie mir einer halben Tablette abends nach dem Essen. Wenn Sie das nach einigen Tagen vertragen zusätzlich eine halbe Tablette morgens nach dem Essen. Danach eine halbe morgens und eine ganze abends. Zum Schluss die Enddosis mit zwei ganzen. Da es Ihnen aktuell schlecht geht, sollten Sie Ihren Arzt kontaktieren und den Versuch mit Metformin noch einmal starten, wenn die Beschwerden abgeklungen sind. Falls Sie dann die gleichen Probleme wieder bekommen, gibt es zahlreich Alternativen, die deutlich besser verträglich sind, z. B. DPPIV-Hemmer oder SGLT-2-Hemmer. Metformin ist allerdings zu Beginn einer Diabetestherapie besonders effektiv, weswegen Ihr Arzt Ihnen diese zu Recht verordnet hat.
Herzliche Grüße
Prof. Thomas Haak

Betreff: Rund um die Diabetestherapie

Oskar S. fragt: 

Im Juni habe ich die Diagnose Typ-3 (Mody) bekommen. Der Arzt verschrieb mir Repaglinid. Das hat gut geholfen aber miene Krankenkasse zahlt nun nicht mehr. Seit heute versuche ich es mit Glimepirid 1mg. Kann es sein, dass bei dem Wirkstoff erst ein Spiegel erreicht sein muss? Obwohl ich kaum was heute gegessen habe und trotz Medikation morgens und abends habe ich immer Werte um 250-300. Es ist, als würde mein Körper gar nicht darauf reagieren! Wie viele Tage muss ich das testen bzw. ist es dann überhaupt das richtige Medikament für mich? Ich habe jetzt seit 15 Jahren schon Diabetes (vorher als vermeintlicher Typ 1er) und habe keine Erfahrung mit Sulfonylharnstoffen.

Vielen Dank für Ihre Hilfe und beste Grüße

Oskar

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Hallo Oskar,
die Dosis von Glimepirid ist mit 1 mg recht niedrig. Versuchen Sie einmal 2 mg morgens, ggf. sogar 3 mg. Auch eine Aufteilung auf 2 mg morgens und 1 mg abends kann hilfreich sein. Seien Sie aber gerüstet, dass unter diesen Dosen auch Unterzuckerungen auftreten können. Für diesen Fall sollten Sie immer 4 bis 6 Plättchen Traubenzucker bereithalten. Dies gilt insbesondere vor und nach körperlichen Belastungen oder Alkoholgenuss.
Herzliche Grüße
Prof. Thomas Haak

Betreff: Rund um die Diabetestherapie

Maria S. fragt: 

Lieber Herr Professor Haak, bin seit über 30 Jahren Diabetikerin und muss spritzen, was ganz gut funktioniert. Seit 3 Monaten hab ich mit der Pille aufgehört da ich in den Wechseljahren bin, seither ist mein Blutzucker komplett aus der Spur! Meine Werte sind oft über 400 ohne das ich was esse, muss ständig nur nachspritzen. Ich hatte zuerst ein Hormonpflaster und seit 1 Woche nehme ich Hormone. Wie lang dauert das bis es sich wieder einpendelt? Liegt es an den Hormonen? MfG Maria S.

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Hallo Frau S.,

dieser Blutzuckerverlauf ist ungewöhnlich. Eigentlich sind die weiblichen Hormone Gegenspieler des Insulins, der Zucker müsste daher eher niedrig sein. Aber das ist nur Theorie. Warten Sie nicht darauf, dass die weiblichen Hormone, die Sie seit einer Woche nehmen, den Zucker wieder ins Lot bringen, sondern lassen Sie den entgleisten Zucker durch einen Diabetologen durch Anpassung der Insulindosis wieder einstellen.

Herzliche Grüße
Prof. Thomas Haak

Betreff: Rund um die Diabetestherapie

Karolina fragt: 

Guten Tag!

ich weiß nicht ob ich Diabetes habe. Ich hatte mal interessehalber Blutzucker gemessen weil ich immer so schlapp und durstig bin, was ja auch auf Diabetes hinweisen kann. Jetzt hatte ich tatsächlich die Auffälligkeit dass ich nüchtern fast immer die selben BZ_Werte wie nach dem Essen habe. Also immer so um 80 herum. hatte auch schon nüchtern nur 49. Ich nehme kein Insulin oder andere Medikamente. Ich benutze ein MediTocuh2-Gerät. Nur noch kurz zu meinem Hintergrund: Ich habe seit knapp 5 Jahre verschiedene Beschwerden: Atemnot, Herzrasen und Herzklopfen, Konzentrationsschwierigkeiten, das Gefühl von Druck auf dem Kopf, plötzlich starker Schweißgeruch, wache müde auf und bin den ganzen Tag weiterhin müde, Gewichtszunahme ohne Änderung an der Diät, chronische Blasenentzündung, bin oft ohne Grund gereizt usw. Ich bin weiblich, 24 Jahre alt, wiege 71 kg und bin 1,66 m groß. Ich war beim Hausarzt, mehreren Kardiologen, ein Internist (wegen der Schilddrüse), Lungenfacharzt, Orthopäde und ein Chiropraktiker (falls ein Nerv geklemmt sein sollte), Gastroenterologie (es wurden Magen und Darum untersucht). Weiterhin wurde ein MRT an Kopf und Rückenmark gemacht (da ich eine Sehnerventzündung hatte). Ich wurde immer ohne Befund nachhause geschickt oder mit einer Überweisung zur Psychotherapie. Die amche ich auch, bringt aber nix. Auf der Suche nach dem Grund meiner Symptome bin ich auf Diabetes gestoßen. Ich habe ein bisschen über Diabetes gelesen und habe mir ein Messgerät (kostet nicht die Welt und ist auch interessant mal die Werte zu sehen) und Urinteststreifen gekauft. Laut den Urinteststreifen gibt es keine Glukose im Urin, bzw. die Werte sind im Normalbereich. Ich weiß dass die Werte unter 120 mg/dl normal sind, aber ist auch 49 noch normal? Mich irritiert auch, dass eine Stunde nach dem Essen (wo der Höhepunkt sein sollte) die Werte sich nur mit etwa 10 mg/dl erhöhen. Sollten die nicht über 110 sein? Sollte ich nun noch einen Diabetologen aufsuchen? Sind die oben genannten Symptome denn für Diabetes typisch bzw. könnte das in Frage kommen? Ich danke herzlich im Voraus für einen Tipp/Hinweis. Viele Grüße Karolona B.

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Liebe Frau B.,
Diese Symptome sind ganz und gar nicht typisch für den Diabetes. Auch die gemessenen Blutzuckerwerte liegen innerhalb der Norm und der Messgenauigkeit dieser Messgeräte. Da sie schon bei sehr vielen Ärzten waren und diese alle samt keinen krankhaften Befund erheben konnten, sollten Sie ehrlich zu sich sein und auch überlegen, ob nicht psychosomatische Beschwerden eine Erklärung wären. Besprechen Sie dies doch einmal mit Ihrem Arzt

Herzliche Grüße
Prof. Thomas Haak

Betreff: Rund um die Diabetestherapie

Thomas fragt: 

Sehr geehrter Herr Professor Haak,

ich hatte vor drei Jahren eine totale Entgleisung meiner Blutwerte und im Krankenhaus wurde Diabetes diagnostiziert. Bin jetzt 45 Jahre alt. Meine Nüchternwerte morgens liegen bei 120-140 und mein Langzeitwert ist immer 6.5 (also ja gut!) Ich spritze morgens und abends je 5 Einheiten Basal und zu den Mahlzeiten Humalog. Ich bin mir nicht sicher ob ich oft zu viel Spritze oder zu wenig. Die Ärzte meinen meine Bauchspeicheldrüse funktioniert noch jedoch nicht mehr zu 100 Prozent. Gibt es da einen Richtwert bei einem Langzeitwert von 6.5? Die Ärzte meinten das muss ich selbst rausfinden da dies individuell ist. Stimmt das oder kann ich irgendwo einen Richtwert/Anhaltspunkt/Erfahrungswertte nach schauen?

Herzliche Grüße Thomas

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Lieber Thomas!
Die Werte, die sie messen sind insgesamt sehr gut. Auch der perfekte HB A1 C Wert spricht dafür, dass ihre Bauchspeicheldrüse noch kräftig mitarbeitet. Es ist allerdings nicht so entscheidend zu wissen, wie viel die Bauchspeicheldrüse noch arbeitet. Wenn sie es denn noch herausfinden wollen, so muss ihr Arzt den C-Peptid-Wert messen. Dieser ergibt einen Anhalt dafür, wie viel Eigenleistung Ihre Bauchspeicheldrüse noch hat.

Herzliche Grüße
Prof. Thomas Haak

Betreff: Rund um die Diabetestherapie

Elke fragt: 

Lieber Herr Professor Haak,

vor knapp einer Woche hat mein Diabetologe mir Januvia 50mg verordnet, um meinen Diabetes Typ 2 Blutzuckerwert zu senken. Bereits am ersten Tag hatte ich Kopfschmerzen und Benommenheit davon. Dies hat sich die Tage noch verschlimmert und ich kann keine Arbeiten ausführen, weil ich zudem noch Muskelschmerzen in Armen und Beinen sowie Rückenschmerzen bekommen habe. Habe keine Kraft in den Beinen Armen und Krämpfe obwohl ich täglich 3 Liter Wasser trinke. Meine Magnesium-Werte sind okay. Abgesehen davon, schwindet auch die Sehstärke. Was ist denn da los? Liegt das alleine am neuen Medikament?

Beste Grüße Elke

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Liebe Elke!
Das sind sehr ungewöhnliche Beschwerden, die eigentlich keine bekannten Nebenwirkungen von Januvia sind. Sie sollten sicherheitshalber mit Ihrem Arzt besprechen, ob sie Januvia absetzen und gegen ein anderes Präparat tauschen. Vielleicht haben ihre Beschwerden aber auch ganz andere Ursachen, denen man nachgehen sollte.

Herzliche Grüße

Prof. Thomas Haak

Betreff: Rund um die Diabetestherapie

Dominik S. fragt: 

Sehr geehrter Herr Prof. Haak,

ich bin derzeit 34 Jahre alt, wiege 90 kg und bin männlich. Ich habe in den letzten Monaten 6 Kg abgenommen, hatte eine Ketose und 5 Wochen lang unglaublichen Durst. Vor 4 Wochen wurde ich dann zum Diabetologen geschickt, der einen Blutzuckerwert von 420 feststellte und Langzeitwert von 12,4. Ich ernähre mich seitdem kohlehydratarm und gesund und fahre ganz gut damit. Tagsüber spritze ich nun 4 I.E Humalog zu den Mahlzeiten, und abends 8 IE Lantus. Morgens 500mg, Abends 1000mg Metformin. Anfänglich war er der Meinung, es handele sich um Typ-2, da die BSP noch Insulin produziert (C-Pep wert 1.6), gestern kam jedoch die Info aus dem Labor, dass Antikörper vorhanden wären, was eindeutig Typ-1 bedeutet. Nun meinte der Arzt, dass die Kasse dann Metformin nicht mehr übernimmt sonden nur noch die Insulintherapie. Ich solle noch ein halbes Jahr warten, dann produziert die BSD nix mehr und ich müsste dann zur Insulinschulung. Metformin kann er mir nicht mehr verschreiben, weil es ja eindeutig ein Typ-1 sei. Ein C-Pep Belastungstest wurde nicht gemacht. Auch hält der Hausarzt eine Ernährungsberatung nicht für notwendig, da es auf Typ1 ja eh keine Auswirkung hat. Hausarzt und Diabetologe sind der Meinung, dass ich untätig abwarten soll bis die BSD nix mehr produziert, den Verlauf nicht aufhalten oder verzögern könne. Ich zur Not Metformin selber zahlen soll. ist das korrekt? ich denke doch, dass es jetzt sinnvoll wäre, jetzt abzunehmen und die Bauchspeicheldrüse zu schonen. Sport geht noch sehr gut ohne BZ-Ausreißer, jetzt die Ernährung auf träge Kohlenhydrate umstellen um später dann Spitzen zu vermeiden. Und mich jetzt schon in der BE/KH-Materie schulen. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass Budget und Kostenorientierung in meine Falle zu weit im Vordergrund stehen. Zudem sind LADA-Diabetiker ja nicht allzu häufig - sind die Ärzte fachlich evtl. überfordert? Besser in eine Klinik (Uniklinik?) für eine Zweitmeinung? Außer Ultraschall wurde keine Abklärung auf organische Ursachen gemacht. Ist das ausreichend? Ich hoffe, Sie können mir weiterhelfen. Ich habe Angst, dass ich nicht alle Möglichkeiten vorgeschlagen bekommen habe.

Danke und Gruß Dominik S.

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Lieber Herr S.,
 
Da ich ihre Größe nicht kenne, weiss ich nicht, ob sie übergewichtig sind. Falls dies der Fall ist und der Diabetes sich unter Gewichtsreduktion besserte, dann müsste unter einer weiteren Gewichtsabnahme der Blutzucker stabil bleiben. Wenn sich unter Metformin auch die Blutzuckerwerte gut stabilisiert haben,  würde ich weiterhin von einem Typ 2-Diabetes ausgehen.
 
Falls es sich bei den Antikörpern und GAD-Antikörper gehandelt hat, so weiss man, dass diese auch bei Typ 2-Diabetes unspezifisch vorkommen. Sie beweisen daher nicht unbedingt das Vorliegen eines Typ 1-Diabetes.
 
Meine Empfehlung ist daher, dass sie weiterhin als Typ 2-Diabetiker zu deklarieren und die Metformin-Therapie so lange fort zu führen, bis diese nicht mehr wirkt. Bei einem Typ 1-Diabetes wird dies relativ rasch der Fall sein, bei einem Typ 2-Diabetes eher nicht. 
 
Unabhängig davon ist eine Therapie mit Metformin nicht nur viel angenehmer für Sie, sondern für die Krankasse auch viel preisgünstiger als eine Insulintherapie. 
 
Herzliche Grüße
Prof. Thomas Haak

Betreff: Diabetes Typ I und Novo Rapid + Toujeo

Rainer H. fragt: 

Sehr geehrter Herr Dr.

ich hatte viele Probleme mit den Unterzuckerungen beim Levemir. Nun habe ich Toujeo und spritze abends vor dem Schlafengehen 16 i.E. Allerdings passiert es tagsüber sehr oft, daß kurz nach dem Essen der Zucker sehr hochspringt und es sehr lange dauert bis er heruntergeht. Wenn ich dann aufgrund der Höhe noch ein paar Einheiten Novo Rapid nachspritze ist er sehr oft wieder im Keller, dann muß ich schnell Traubenzucker zu mir nehmen. Was kann das sein? Auch tags habe ich nun mal sehr niedrigen Spiegel, also grenzwertig. Ist vielleicht das Rapid nicht mehr passend? Das Toujeo wirkt ja über 24 Stunden, also auch am Tag aber wie? Ich hatte 2014 einen Schlaganfall und jetzt vor 2 Wochen den zweiten Schlaganfall. Durch die ambulante Reha habe ich tags nun viel Bewegung und sehe, da ich das Freestyle Libre besitze, nun daß der Zucker immer wieder im roten Bereich fällt. Vielleicht können Sie mir weiterhelfen. Vielen Dank im voraus.

Mit freundlichen Grüßen Rainer Hofelich

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Lieber Herr höflich!
Ich müsste wissen, wie viel Einheiten Sie zu den Mahlzeiten spritzen. Ich habe den Eindruck, dass die Toujeododid zu niedrig dosiert ist. Dies führt dazu, dass der Blutzucker tagsüber ansteigt. Wenn sie dann mit Novorapid korrigieren, landen Sie im Unterzucker. Ich empfehle daher, gemeinsam mit Ihren Diabetologen zu überprüfen, ob das Verhältnis von Mahlzeiten-Insulin und Basis1Insulin stimmt. Vielleicht ist es auch hilfreich, wenn Sie die Toujeo-Dosis auf eine Portion morgens und abends aufteilen.
Herzliche Grüsse
Ihr Thomas Haak