Rund um die Diabetestherapie

Expertenchat mit Prof. Dr. med. Thomas Haak

Am 19. Juli 2018 findet der Experten-Chat zum Thema "Rund um die Diabetestherapie" mit Professor Dr. med. Thomas Haak statt. Er beantwortet Ihre Fragen live am Donnerstag zwischen 17:00 und 19:00 Uhr.

Prof. Thomas Haak, Bad Mergentheim
Prof. Thomas Haak, Bad Mergentheim

Prof. Dr. Thomas Haak

Chefarzt der Diabetes Klinik am Diabetes Zentrum Mergentheim
Diabetesklinik Bad Mergentheim
Theodor-Klotzbücher-Str. 12
97980 Bad Mergentheim
Protokoll der Sprechstunde

Betreff: Insulinresisdenz

Sigrid W. fragt: 

Was kann man dagegen tun. Mein Insulin was ich spritze sammelt sich schon seit Jahren im Bauch und Oberbauch an und kommt nicht dort an wo es gebraucht wird in der Bauchspeicheldrüse. Meine Werte schwanken sehr habe einen HbA1C Wert von 8,2. Bin insulinpflichtig seit 1991, da war ich 39 Jahre und spritze mich immer noch aber keine guten Werte. Bei AOK Bayern bekomme ich keine REHA, ich soll 4 Jahre warten und bis es der MDK entscheidet. Meine letzte Reha für Diabetes war 2010 in Lindenberg. Die nächste REHA 2014 wegen Knie-OP, hatte wenig mit Diabetes zu tun

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Insulin sammelt sich eigentlich nicht an der Spritzstelle an, sondern verteilt sich im ganzen Körper, wo es ja auch gebraucht wird. Ich vermute, dass bei Ihnen Verhärtungen in der Bauchhaut, die sogenannten Lipodystrophien, dafür verantwortlich sind, dass Ihr Insulin nicht richtig wirkt. Wechseln Sie daher die Spritzstelle weitläufig ab. Besprechen Sie das auch mit Ihrem Diabetologen. Ein HbA1c-Wert von über 8 % ist auf die Dauer nicht gut. Wenn die ambulanten Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, kann Ihr Diabetologe Sie auch in ein Fachkrankenhaus einweisen. Dies ist ein akutstationäre Behandlung und hat nichts mit einer REHA-Behandlung zu tun. Daher ist die Einweisung auch nicht durch die Krankenkasse genehmigungspflichtig.

Betreff: Thema Metformin

Franz S. fragt: 

kann Metformin die Typ1 Therapie unterstützen und falls ja auf welche Art und Weise bzw wie kann sich das auswirken?

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Metformin ist ein Medikament, das nur für den Typ 2-Diabetes zugelassen ist. Demnach darf es bei Typ 1-Diabetes offiziell nicht verordnet werden. Es gibt aber immer mehr Patienten mit gesichertem Typ 1-Diabetes, die auch die Erbanlagen für den Typ 2-Diabetes besitzen. Wenn diese Patienten älter, inaktiver und übergewichtig werden, entsteht die Typ 2-Diabetes-typische Insulinresistenz. Dies erkennt man daran, dass der tägliche Insulinbedarf über 100 Einheiten liegt. In diesem Fall besteht ein sogenannter „Doppeldiabetes“. In diesem Fall verwenden auch wir Metformin zusätzlich zum Insulin. Man muss aber beachten, dass Metformin die Zuckerneubildung in der Leber hemmt. Es kann daher sein, dass es unter Metformin leichter zum Unterzucker kommt. Dies gilt umso mehr, wenn die Insulinresistenz abnimmt und der Insulinbedarf sinkt.

Betreff: Diabetestherapie

Jermaine fragt: 

Hallo, heute habe ich gelesen, dass es bald evtl. die Insulintablette geben soll. Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein? Ist es wieder so eine Aufmerksamkeitsheischerei wie wir es in der Diabetesforschung oft erleben oder ist da mal etwas mehr Evidenz mit im Spiel? Was glauben Sie, wann es in die therapie übergehen könnte? Und könnten davon dann alle Patienten profitieren oder nur "frisch Erkrankte"? Viele Grüße Jermaine, seit 21 Jahren Diabetiker Typ 1

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Eine Tablette mit Insulin ist nicht in Sicht und wird vermutlich auch schwierig zu entwickeln sein. Die Tablette landet ja im Magen und die dort vorhandenen Salzsäure würde das empfindliche Insulin zersetzen. Insulin müsste also irgendwie verpackt durch den Magen geschleust werden. Dazu kommt, dass die Insulindosierung sich ständig ändert. Man müsste daher viele unterschiedliche Insulinkonzentrationen in einer Tablette haben oder viele einzelne Tabletten schlucken. Somit kann ich Ihnen wenig Hoffnung auf eine Insulintablette machen.
Andererseits haben wir so viele technische Neuerungen in letzter Zeit bekommen, dass das Leben mit Diabetes (obwohl es eine chronische Erkrankung ist) doch viel leichter geworden ist, oder?
 
Ganz herzliche Grüße
Ihr Thomas Haak

Betreff: Berechnung von Hülsenfrüchten

Elisabeth M. fragt: 

Sehr geehrter Dr. Haak,

trotz 32-jähriger Diabetesdauer (Typ 1) gelingt es mir noch immer nicht, Hülsenfrüchte so zu berechnen, dass mein Blutzuckerprofil stabil bleibt. Berechne ich die Kohlenhydrate komplett, unterzuckere ich. Folge ich dem Rat von Diabetologen, einen Teller Linsensuppe nicht anzurechnen, oder spritze deutlich weniger an Insulin für die Hülsenfrüchte, folgen deutliche Hyperglykämien. Da ich Vegetarier bin, stellen Hülsenfrüchte eine wichtige Proteinquelle für mich dar. Haben Sie einen Rat für mich? Vielen Dank im Voraus! Mit freundlichen Grüßen Elisabeth Mohr

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Hier hätte ich folgenden Rat für Sie: Berechnen Sie von Ihren Hülsenfrüchten die ersten 100 g (Feuchtgewicht!) nicht. Alle weiteren 100 g berechnen Sie dann als eine Kohlenhydrateinheit. Bei den meisten Patienten klappt das ganz gut. Probieren Sie es einfach einmal aus. Viel Erfolg Ihr Thomas Haak

Betreff: Diabetestherapie

B: S. fragt: 

Guten Tag.

Mein Vater und mein Bruder haben Diabetes 1. ich bin 18 Jahre alt und lebe mit meiner Mutter und den beiden in einem Haus. Das Problem ist, dass mein Vater die Krankheit in keinster Weise Ernst nimmt. Er war in der Nacht auf meinen 18. Geburtstag sehr stark unterzuckert <2 mmol.. usw.. seitdem war es 2-3 mal schon wieder so und in einer Nacht musste sogar der Notarzt kommen, nachdem ich ihm die Notfallspritze verabreicht habe. Seit dieser Nacht, ca. 5 Monate her, kann ich keine Nacht durchschlafen, schwitze und habe Albträume. Während meiner Prüfungszeit für das Abitur hätte ich besonders zu kämpfen. Meine Mutter, selbst chronisch krank, ist am Ende. Er hört nie auf uns. Ich schreibe Ihnen gerade weil ich die Reißleine ziehen muss, ich habe schreckliche Angst dass er es wieder nicht merkt und wir ihn bald nicht mehr retten können. Ich kann nicht mehr. Ich möchte bald wegziehen zum Studieren, aber kann das eigentlich nicht verantworten. Er verspricht, er würde es ernster nehmen.. alles erfolglos, er hat die Krankheit seit über 5 Jahren und es wird immer schlimmer. Bitte helfen Sie uns. Was kann man nur tun? Wir sind an einem Punkt, an dem es nicht mehr weitergeht. Ich hoffe, jemand ließt meine hier niedergeschriebenen Worte. In der Hoffnung, alles könnte sich zum Guten wenden..

Freundlichst B.S.

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Lieber B.,
 
das hört sich nicht gut an. Offenbar checkt Ihr Vater nicht, was seine Unterzuckerungen für den Rest der Familie bedeuten. Er weiß vermutlich nicht, wie schrecklich Angehörige einen Menschen krampfend im Unterzucker erleben. Zunächst die gute Nachricht: So schrecklich ein Unterzucker auch aussieht, so gering ist auch die Gefahr, dass man bei jedem schweren Unterzucker dem Tode nahe ist. Dennoch sind Unterzuckerungen eine ernste Sache und sollten behandelt werden. Dies geschieht zum einen durch eine Korrektur der Therapie, damit Unterzuckerungen erst gar nicht auftreten. Falls ein Patient Unterzuckerungen nicht bemerkt, gibt es Sensoren, die einen warnen, wenn Grenzwerte des Zuckers unterschritten werden. Last not least gibt es die Möglichkeit, an einem Unterzuckerungswahrnehmungstraining teilzunehmen, um Unterzuckerungen besser zu bemerken und sachgerecht zu behandeln.
 
Überzeugen Sie Ihren Vater, dass es so nicht weitergehen kann…
 
Viel Glück und Kopf hoch

Betreff: Dawn-Phänomen

Brigitta B. fragt: 

Habe seit Nov. 2017 Diabetes Typ 1 (bin 52) HbA1c 8,4 und laut Arzt aufgrund eines Dawn-Phänomens nicht einstellbare BZ-Werte. (Insuline Humalog und Toujeo - morgens 9 Einheiten) Momentane Therapie: BE Faktor 2 - 1 -1,5 / Korrektur 30 - 50 - 40 4:00 Uhr 5 Einheiten Humalog bei Werten über 250 - danach zum Frühstück BE-Faktor 2 - trotz ausreichneder Insulinmenge steigt der BZ bis ca. 380. Bei sportlicher Betätigung starker Abfall der BZ-Werte (z.B. Beginn BZ 352 - 1 Std. Nordic Walking - BZ 86) Welche Möglichkeiten gibt es die BZ Werte besser einzustellen.

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Liebe Brigitta,
 
Sie haben kein Dawn-Phänomen, sondern schlichtweg einen nächtlichen Insulinmangel. Die Toujeodosis von 9 E morgens reichen nicht über 24 h. Ich würde daher Toujeo um 22.00 Uhr abends spritzen mit einer Startdosis von 9 E. Morgens lassen Sie Toujeo zunächst weg. Dann steigern Sie die abendliche Toujeodosis in Zweierschritten bis die Werte morgens und auch im Tagesverlauf stimmen. Sollte der Blutzucker nachts zu tief absinken, aber tagsüber ansteigen, empfiehlt es sich, Toujeo morgens und abends zu spritzen mit in etwa gleicher Dosis. Besprechen Sie diese Vorschläge mit Ihrem Arzt.
 
Herzliche Grüße
 

Betreff: Ernährung bei Diabetes (Untergewicht)

Kerstin K. fragt: 

Seit einem Jahr habe ich Diabetes II, allerdings produziert meine Bauchspeicheldrüse zu wenig Insulin, sodass ich auf jeden Fall Insulin spritzen muss. Im Moment Toujeo, was auch zeitweise gut, zeitweise weniger gut wirkt. Mein Problem ist allerdings, dass ich im im Gegensatz zu den meisten Diabetikern nicht übergewichtig, sondern untergewichtig bin (47 Jahre, 1,68 m groß, ca. 49 kg) und zunehmen sollte (Metformin wurde abgesetzt, da ich nach Einnahme an Gewicht verloren habe). Die Gewichtszunahme geht bei mir sehr langsam, und v. a. kann ich mich nicht so ernähren, wie ein übergewichtiger Diabetiker. Könnten Sie mir einen Rat erteilen, wie ich trotz diabetesgerechter Ernährung zunehmen kann? Zu viele Kohlenhydrate vermeide ich auf jeden Fall.

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Ich habe den Verdacht, dass Sie eher einen Typ 1- als einen Typ 2-Diabetes haben, denn Sie haben ja einen nachgewiesenen Insulinmangel und keinen Insulinwirkverlust wie bei einem Typ 2-Diabetes. Falls das stimmt benötigen Sie sicher eine Intensivierte Insulin Therapie bestehend aus Toujeo und einem Mahlzeiteninsulin. Hierfür sollten Sie eine Schulung erhalten und die Therapie gemeinsam mit Ihrem Diabetologen einleiten. Dazu gehört auch eine Ernährungsberatung. Kohlenhydrate zu meiden, ist der falsche Ansatz. Um zuzunehmen sollten Sie ausreichend Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett als Energieträger essen. Das geht in Ihrem Falle aber nur mit einer gut konzipierten Insulintherapie.

Betreff: Diabetes Typ3 c

Dieter L. fragt: 

Ist ein CGC-System bei TYp 3c besser als bisheriges System ? Wie schankt die Wirkung von Insulin rund um die Tageszeiten? Eine Antwort an dieter1420@freenet.de wird gewünscht Nachts wirkt Insulin nur beschränkt. MfG Dieter Lönnies

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Man unterscheidet ein CGM, das den Gewebezucker kontinuierlich auf ein Lesegerät oder Smartphone sendet von einem FGM, bei dem man aktiv mit einen Scanner oder Smartphone über den Sensor fahren muss. CGMs müssen in der Regel täglich kalibriert werden, während das FGM werkskalibriert ist. CGMs verwendet man durch die damit verbundenen Warnmitteilungen bei Über- oder Unterschreiten von Grenzwerten für Patienten mit Unterzuckerungswahrnehmungsstörungen. Ein FGM wird als Ersatz für die Blutzuckermessungen in der Routine verwendet. Sie sehen, das die Auswahl des richtigen Systems von vielen Dingen abhängt. In jedem Fall liefern beide Systeme einen viel größeren Überblick über den Zuckerverlauf und man muss daher auch lernen, aus diesem Mehr an Wissen die richtigen Schlüsse für die Therapie zu ziehen.

Betreff: Zuckertherapie mit Insupad Fenste r

Wolfram W. fragt: 

Ich bin Diabetiker Typ II und behandle meinen Diabetes seit vielen Jahren u. a. mit " Insupad Fenster".Die Behandlung erfolgt auf Anraten meiner Diabetologin und ist sehr erfolgr- eich.Seit Anwendung dieser Therapie haben sich meine Zuckerwerte um ein Drittel gebessert.Gleichzeitig ging der Insulinbedarf ebenfalls um ein Drittel zurück.Nach Aussage meiner Apotheke ist das Produkt plötzlich vom Markt genommen worden und wird wohl auch nicht mehr hergestellt werden.Ist Ihnen dieser Vorgang bekannt?Gibt es eventuell eine Ersatztherapie?

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Lieber Herr W.,
 
leider kann ich zu dem Vertrieb des Produktes nichts sagen. Es gibt allerdings auch kein anderes Produkt, das über die Erwärmung der Einstichstelle die Insulinresorption verbessert. Es gibt aber ein relativ neues Insulin, das als besonders schnelles Analoginsulin bezeichnet wird. Ihre Diabetologin kennt es sicher. Sprechen Sie mit Ihr darüber.
 

Betreff: Diabetestherapie

Gitta fragt: 

Hallo, Was hat es mit der Gila Echse auf sich??? Hab mal daon gehört und kann mir nix darunter vorstellen. Danke und Gruss Gitta

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Das ist eine komplizierte Frage verbunden mit einer langen, aber interessanten Geschichte.
Das Gila Monster ist eine Riesenechse, die z. B. in Arizona lebt. In deren Speichel hat man eine Substanz namens Exenatide (Name ähnelt dem Wort Echse!!!) gefunden, die dem menschlichen Hormon mit dem Namen Glucagon-like-Peptide-1, abgekürzt GLP-1, ähnlich ist.
GLP-1 wird in den Zellen des Dünndarms gebildet und immer dann freigesetzt, wenn der Mensch Kohlenhydrate gegessen hat. GLP-1 bewirkt eine Freisetzung von Insulin und eine Hemmung der Freisetzung des Gegenspielers von Insulin, dem Glucagon. Dadurch sinkt der Blutzucker.
Leider wird menschliches GLP-1 sehr schnell abgebaut und daher wirkt es beim Menschen nur, wenn es ständig neu gebildet wird.
Anders verhält es sich aber mit Exenatide, was über mehrere Stunden wirkt. Daraus entwickelte die pharmazeutische Industrie das Diabetesmedikament Byetta, das für den Typ 2-Diabetes eingesetzt wird und zweimal am Tag gespritzt werden muss. Mittlerweile gibt es mehrere ähnliche Medikamente, die wie Exenatide wirken, aber deren Wirkung länger anhält. Dazu zählen Victoza, das nur einmal pro Tag injiziert wird, und Bydureon und Trulicity, die nur einmal pro Woche gespritzt werden.
 
Alles verstanden, liebe Gitta?

Betreff: Diabetestherapie

Jessika fragt: 

Guten Abend, ich habe eine kleine Nachbarin, die ist 10 Jahre alt und trägt Pumpe, weil sie Typ 1 Diabetes hat. Ich gebe ihr regelmässig etwas Nachhilfe und erkenne langsam, wann sie Probleme mit ihrem Zucker hat und wann nicht. Ich möchte ihr gerne einen Ausflug in den Freizeitpark schenken weil sie ihre noten so toll verbessert hat. Ihre Eltern sind auch sehr begeistert von der Idee. Nun meine Frage ist, worauf soll ich bei diesem Ausflug achten ? Sind die Fahrgeschäfte geeignet für sie ? Klingt vielleicht etwas dumm, aber ich kenne diese Krankheit bis jetzt nur aus dem Fernsehn und weiß sie nicht richtig einzuordnen, da das Mädchen sie im Alltag einigermassen im Griff hat. Die Kommunikation mit den Eltern ist leider sprachlich bedingt auch nicht so einfach. Sie kommen aus dem Iran. Daher kann ich mich nicht an sie wenden. Können Sie mir einen Tipp geben, was ich beachten muss und ob ich mich in eine Situation begebe, die vielleicht zu naiv von mir ist? Danke und herzliche Grüße Jessika

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Liebe Jessika,
 
das mit dem Ausflug ist eine gute Idee. Die meisten unserer kleinen Patienten sind gut geschult und kennen sich in der Handhabung ihrer Pumpe meist gut aus. Grundsätzlich sind Fahrgeschäfte im Freizeitpark auch für Menschen mit Diabetes geeignet. Was kann passieren? Der Insulinkatheter kann herausrutschen, daher sollte man einen Ersatzkatheter mitnehmen. Viel wahrscheinlicher ist, dass es durch das Herumlaufen im Park zu einem Absinken des Blutzuckers kommt. Daher sollte der Blutzucker im Park alle Stunde gemessen werden und man sollte Traubenzucker mitnehmen. Bei einem Unterzucker nimmt man davon 4 - 6 Plättchen. Außerdem braucht man auch Kohlenhydrate zum Essen, z.B. in Form von Bananen oder Apfelsaftschorle.
 
Wenn Sie noch nie etwas mit Diabetes zu tun hatten, schlage ich vor, dass Sie vor dem Parkbesuch sich einen Termin beu der Diabetesberaterin Ihres Schützlings machen und gemeinsam besprechen, was das Kind kann und was nicht. Sie gibt Ihnen auch Tipps und vielleicht etwas Infomaterial, das auch Lehrer und Kindergärtner an die Hand bekommen. Ich glaube, danach können Sie es wagen und der Freizeitpark kann kommen.
 
Finde ich toll, wie Sie sich kümmern…

Betreff: Diabetestherapie

Kay F. fragt: 

Lieber Herr Prof. Haak,

im Februar wurde bei mir Typ-3 (Mody) festgestellt. habe erstmal Repaglinid genommen, was super war, aber die BKK nicht mehr zahlen will. Seit heute versuche ich es mit Glimepirid 1mg. Kann es sein, dass bei dem Wirkstoff erst ein Spiegel erreicht sein muss? Habe kaum etwas gegessen heute und trotz der Medikation morgens und abends immer Werte um 250-300. Es ist, als würde mein Körper gar nicht darauf reagieren!!! Wie viele Tage muss ich das wohl testen? Bin einigermaßen ratlos, da ich vorher 10 Jahre als angeblicher Typ 1 gespritzt habe und mich mit den Sulfonylharnstoffen (?) gar nicht auskenne. beste Grüße Kay

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Hallo Kay,
 
Glimepirid kann man deutlich höher dosieren und es wird empfohlen, dass man es morgens und abends gibt, z. B. 2 mg morgens und 1 mg abends. Die Dosis kann bis auf 4 mg morgens und 2 mg abends gesteigert werden. Höhere Dosen bringen meist nichts. Die Hauptnebenwirkung von Glimepirid ist die Unterzuckerung, die oft lange anhält und mit schnell wirkenden  Kohlenhydraten behandelt werden muss. Gefahr droht meist, wenn man wenig Kohlenhydrate gegessen hat, nach körperlicher Belastung oder nach Alkoholgenuss.
 
Übrigens, auch bei MODY kann es sein, dass Sulphonylharnstoffe ihre Wirksamkeit verlieren und man doch wieder Insulin braucht.
 
Herzliche Grüße
Ihr
 
Prof. Haak

Betreff: Diabetestherapie

Jens fragt: 

Hallo, habe eine Frage, ich habe mich bei einer Wassergymnasik angemeldet, muß ich jetzt vorher meinen Blutzucker messen- oder mehr Insulin spritzen? Ich habe Angst das ich Unterzucker, was kann ich machen-- was ist richtig?? MfG Jens

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Ja klar müssen Sie vor jedem Sport Ihren Zucker messen und schauen, dass er ausreichend hoch ist. Bei einem Ausgangsblutzucker von etwa 180 mg/dl kann man ungefähr 30 min sporteln. Viele müssen dann für längeren Sport etwas nachessen. Aber das ist bei jedem Menschen und bei verschiedenen Sportarten unterschiedlich. Was Sie vor dem Sport keinesfalls machen sollten, ist mehr Insulin zu spritzen, denn Sport senkt ja den Blutzucker.

Betreff: Diabetestherapie

Adela K. fragt: 

ich habe beim Arzt einen Prädiabetes diagnmostiziert bekommen und soll erst einmal Gewicht reduzieren. Versuche es natürlich auch übers Essen in den Griff zu bekommen. Ist es möglich, dass man dadurch seine Werte wieder ins "normale" bekommt? Kann es dann sein, dass man keinen Diabetes mehr hat oder wie muss ich mir das vorstellen? Im Moment habe ich echt Angst, dass ich mein leben lang jetzt "abgestempelt" bin und davon nicht weg komme - Lebenseinschränkungen und Folgeerkrankungen etc. - davon träume ich schon nachts!!! Ich bin erst 31 Jahre alt und habe Angst vor dem Sterben. Kann man denn mit Diabetes alt werden? Wenn ich vernünftig esse, sind meine Werte immer normal. Habe aber die letzten Jahre nicht wirklich darauf geachtet. Meinen HbA1c hab ich von 7.8 auf 7.3 innerhalb von 3 Monaten runter. Anscheinend hatte ich desöfteren hohe Werte. Wie lange muss man Diabtes schon haben damit sich die Spätschäden zeigen können? Ich bin die ganze Zeit nur am Grübeln und habe auf nichts mehr Lust. Bin schon etwas depressiv dadurch. Können Sie mir dauzu was sagen und was raten Sie mir als "frisch gebackenen" Patienten? Vielen Dank für Ihre Hilfe und herzliche Grüße aus dem Rheinland Adela

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Hallo Adela,
 
Sie haben keinen Prädiabetes, sondern Diabetes. Ab einem HbA1c von über 6,5 % liegt ein Diabetes vor. Da Sie es geschafft haben, Ihren HbA1c mit Lebensstiländerung zu senken, handelt es sich vermutlich um einen Typ 2-Diabetes. Aber da fragen Sie besser nochmals bei Ihrem Arzt nach. Bei einem Typ 2-Diabetes können Sie mit Gewichtsreduktion und 3 -4 h Sport in der Woche viel erreichen. Wenn es gut läuft, verschwindet der Diabetes wieder und es bleibt nur die Veranlagung zu Diabetes.
 
Aber unabhängig davon kann man mit allen Formen des Diabetes lange und gut leben, fast so wie ohne den Diabetes. Sie müssen also keine Angst vor Folgeschäden und frühen Tod haben. Folgeschäden treten erst nach einer schlechten Blutzuckereinstellen von mehreren Jahren auf. Alle Diabetesformen sind heute gut behandelbar. Nur „schleifenlassen“, „verdrängen“ und sich nicht kümmern ist ungut. Bleiben Sie dran du suchen Sie sich einen guten Diabetes-erfahrenen Arzt an Ihre Seite…
 
Liebe Grüße

Betreff: Diabetestherapie

Heide L. fragt: 

Lieber Herr Professor Haak, welches Statin ist besser für Diabetiker geeignet? Ich kenne jetzt einen Diabetiker Typ 2 bei dem soll der Cholesterin Wert verbessert werden,das soll mit Atorvastatin 20mg. gemacht werden. Im Internet steht:Atorvastatin ist nicht das beste wenn jemand Diabetiker ist. Und, Pravastatin oder Simvastatin sei besser bei Diabetes. Ich Google also und,da gibt es ja eine ganze Reihe von "Statin" . Können Sie mir einen Tipp geben? LG Heide

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 
Liebe Heide,
 
falls Sie sich bei Google bereits eine Meinung gebildet haben, so holen Sie die Zweitmeinung bitte bei Yahoo ein…
 
Spaß beiseite, es gibt keine Statine, die bei Diabetes mehr oder weniger geeignet sind. Statine unterscheiden sich in ihrer individuellen Verträglichkeit und in ihrer Wirksamkeit. Die meisten meiner Patienten vertragen Atorvastatin sehr gut und haben eine gute Wirkung. Daher verordne ich es sehr oft. Aber auch die anderen Statine können versucht werden, wenn Nebenwirkungen wie Muskelschmerzen auftreten oder der gewünschte Effekt ausbleibt.
 
Herzliche Grüße