Zum Weltdiabetestag am 14. November inkl. Statement Claudia Middendorf

Weiterhin Pflegenotstand in der Diabetesversorgung nicht nur in NRW

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Duisburg/Berlin

11 Millionen Menschen mit Diabetes gibt es aktuell in Deutschland inklusive Dunkelziffer. Der Weltdiabetestag am 14. November ist für die Selbsthilfeorganisation Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) Anlass genug, erneut auf den Pflegenotstand in der Diabetesversorgung nicht nur in Nordrhein-Westfalen hinzuweisen. Der Fachkräftemangel in Altenarbeit und Pflege verschärft sich ambulant und stationär seit Jahren kontinuierlich. Laut Deutschem Pflegerat fehlen aktuell circa 500.000 Pflegekräfte, während die Zahl der pflege- und hilfsbedürftigen Menschen weiter steigen wird. Die Prävalenz des Diabetes in Pflegeheimen Deutschlands liegt je nach Quelle zwischen 30 und 40 Prozent.(1) Für Menschen mit Diabetes ist der Versorgungszustand mitunter lebensbedrohlich, da es flächendeckend an diabetologischer Nachqualifikation des Pflegepersonals durch Fort- und Weiterbildung fehlt. Aus Sicht der DDH-M passiert es nicht selten, dass beim Pflegepersonal kein Fachwissen zu moderner Insulintherapie vorhanden ist. Gemeinsam mit der gemeinnützigen Gesundheitsorganisation diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und anderen Bündnispartnern fordert die Selbsthilfe daher ein radikales Umdenken der Politik.

Seit 2015 bietet die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ein Basis-Fortbildungsprogramm (Basisqualifizierung Diabetes Pflege DDG) für Pflegekräfte sowie weiterführende Weiterbildungen zur Diabetes-Pflegefachkraft DDG für die ambulante Langzeitpflege beziehungsweise für die Klinik an, doch aufgrund des Fachkräftemangels und ökonomischer Defizite werden immer weniger Pflegefachkräfte für Weiterbildungen freigestellt. Dass im Bereich der Pflege die Defizite in der diabetologischen Ausbildung besonders hoch sind, besorgt den Landesvorsitzenden der Selbsthilfeorganisation DDH-M, Norbert Kuster, umso mehr: „Gegenwärtig ist jeder zweite Mensch mit Diabetes mellitus Typ 2 über 65 Jahre alt, entsprechend hoch ist auch die Zahl Pflegebedürftiger mit der Stoffwechselerkrankung. Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 stehen bei Aufenthalten in Kliniken und Pflegeeinrichtungen jedoch häufig vor dem Problem, dass Pflegekräfte unzureichend im Umgang mit der Stoffwechselerkrankung geschult sind.“

Auch die Politik ist angesichts der steigenden Diabetes-Zahlen alarmiert: Die Beauftragte der Landesregierung für Menschen mit Behinderung sowie für Patientinnen und Patienten in Nordrhein-Westfalen, Claudia Middendorf, stellt allgemein fest: „Diabetes ist für die Gesellschaft eine enorme Herausforderung. Als Landesbehinderten- und -patientenbeauftragte möchte ich den Weltdiabetestag dafür nutzen, die Menschen auf die Folgen eines unbehandelten Diabetes mellitus aufmerksam zu machen und Erkrankten Mut zu zusprechen. Betroffene können der komplexen Grunderkrankung die Stirn bieten, indem sie auf ihr Gewicht und eine ausgewogene Ernährung achten, vor allem aber auch auf Bewegung setzen. Wichtig sind eine frühzeitige Diagnose sowie eine aufmerksame Begleitung der Erkrankung, dann können die Einschränkungen und Folgen stark minimiert werden.“

Inzwischen hat der Landesverband DDH-M NRW ein Positionspapier, entstanden aus einer AG „Diabetes & Pflege“, veröffentlicht, das sowohl dem Gesundheitsminister von NRW, Karl-Josef Laumann, als auch dem Gesundheitsausschuss vorliegt. „Zu den Forderungen zählen unter anderem eine diabetologische Nachqualifikation professionell Pflegender durch Fort- und Weiterbildung und die Schaffung von Anreizsystemen für eine Teilnahme an diesen Qualifikationen“, erklärt Kuster. Und die Geschäftsführerin von diabetesDE –Deutsche Diabetes-Hilfe, Nicole Mattig-Fabian ergänzt: „Es scheint der politische Wille in letzter Konsequenz zu fehlen, anders ist nicht zu erklären, dass bislang ein radikales Umdenken hinsichtlich des Pflegenotstandes noch nicht stattgefunden hat.“  

Hintergrundinfo:
Der Weltdiabetestag am 14. November ist neben dem Welt-AIDS-Tag der zweite offizielle Tag der Vereinten Nationen (UN), der einer Krankheit gewidmet ist. Er wurde im Dezember 2006 von der UN-Generalversammlung angesichts der weltweit dramatisch steigenden Zahlen von Menschen mit Diabetes beschlossen. Während andere Tage wie Weltherztag oder Weltnierentag von den jeweiligen Fachorganisationen ins Leben gerufen wurden oder Tage wie „Tag der gesunden Ernährung“ oder „Tag der Rückengesundheit“ eher Tage sind, die von Marketingabteilungen erfunden wurden, dient der Weltdiabetestag zur Fokussierung auf eine chronische Erkrankung, die nicht heilbar ist. Jedes Jahr steht der Weltdiabetestag unter einem neuen Motto, das Thema für den Weltdiabetestag 2021–23 lautet „Zugang zur Diabetesversorgung“.

Quellen:

  1. Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2023 S. 153 ff.: gesundheitsbericht_2024_endversion.pdf (diabetesde.org)
  2. Positionspapier Diabetes und Pflege: https://nrw.menschen-mit-diabetes.de/_Resources/Persistent/c/9/1/0/c910…