Warum brauchen wir einen Nationalen Diabetesplan?

Weltdiabetes Tag 2010 - Prof. Dr. Thomas Danne

„Wir fordern einen Nationalen Diabetesplan!“ Wenn Sie regelmäßig unseren Newsletter lesen oder sich auf unserer Webseite informieren, dann haben Sie diese Forderung wahrscheinlich schon öfter gehört. Doch wie soll so ein Nationaler Diabetesplan genau aussehen? Was wird darin geregelt und wozu ist ein Nationaler Diabetesplan gut? Diese Fragen, die schon mehrfach an uns herangetragen wurden, möchten wir im Folgenden beantworten.

Ziel eines Nationalen Diabetesplans ist, die Grundlage dafür zu schaffen, dass sowohl die Prävention und Früherkennung von Diabetes als auch die Versorgung von Menschen mit Diabetes verbessert wird. Wie ein Nationaler Diabetesplan im Detail aussehen wird, kann derzeit noch niemand beantworten, denn noch existiert ein solcher Plan ja nicht. Dennoch gibt es verschiedene Quellen, die Anhaltspunkte geben, was in einem Nationalen Diabetesplan stehen könnte. So gibt es bereits einen Nationalen Krebsplan, dessen Umsetzung 2012 vom Bundestag verabschiedet wurde. Aus unserer Sicht muss es einen derartigen Plan auch für Diabetes geben.

Diabetesschulung 3 - Messgerät

Deshalb hat diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe gemeinsam mit vielen anderen Akteuren im Gesundheitssystem bereits ein Basispapier erstellt, in dem einige Grundzüge des Plans sowie verschiedene Handlungsfelder beschrieben werden. Wir brauchen eine bessere Primärprävention des Diabetes, also eine frühzeitige Verhinderung im Kindesalter, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Wir brauchen eine bessere Früherkennung und Sekundärprävention des Typ-2-Diabetes, also begleitende Maßnahmen, wenn ein Diabetes festgestellt wurde.

Und wir brauchen den Aufbau eines nationalen Diabetesregisters, das durch die bundesweit anonymisiert eingetragenen Patientendaten Rückschluss gibt, wie viele Menschen mit welcher Diabetesform überhaupt in Deutschland betroffen sind und an welchen Folgeerkrankungen sie leiden. Hierfür benötigen wir auch eine bessere Versorgungsforschung, um eine optimale Versorgungsstruktur und Qualitätssicherung zu gewährleisten. Am allerwichtigsten aber ist eine breite Aufklärungskampagne mit verständlichen Patienteninformationen sowie die Festlegung regelmäßiger Patientenschulung und der Ausbau des Selbstmanagements.

Auge um Auge, Fuß umd Fuß

 

Was der Vorteil eines Nationalen Diabetesplans ist, kann am besten an einem Beispiel aus der Praxis erläutert werden: Für unsere Kampagne „Diabetes STOPPEN – jetzt!“ wollten wir wissen, bei wie vielen Menschen mit Diabetes jedes Jahr Zehen, Füße oder Beine in Folge der Diabetes-Erkrankung amputiert werden. Da diese Daten in Deutschland nur hier und da regional, aber nicht bundesweit gesammelt werden, konnten wir nur anhand von Gesprächen mit verschiedenen Experten  die Zahl von 40 000 diabetesbedingten Amputationen pro Jahr schätzen.

Das muss sich ändern, denn Sie können sich sicherlich vorstellen, wie schwierig es ist, ohne verlässliche Zahlen zu planen. Wenn nicht bekannt ist, wie viele Amputationen oder Erblindungen es gibt, dann kann man auch nicht feststellen, ob diese Anzahl steigt oder sinkt. Man kann keine regionalen Unterschiede ermitteln oder Vergleiche zwischen verschiedenen Therapiemöglichkeiten anstellen. Bei einer Volkskrankheit mit immer mehr Betroffenen wie Diabetes ist es aber entscheidend, dass wir das vorhandene Geld so sinnvoll wie möglich einsetzen. Auch für jeden einzelnen Betroffenen und alle Menschen mit einem erhöhten Diabetes-Typ-2-Risiko heißt das, dass gezielte Maßnahmen zur Prävention und besseren Versorgung nur dann sinnvoll geplant werden können, wenn verlässliche Daten vorliegen. Ein Register als Teil eines Nationalen Diabetesplans könnte uns diese Zahlen liefern.

Das ist einer der vielen Gründe, warum wir überzeugt sind: Wir brauchen einen Nationalen Diabetesplan für Deutschland.