Wenn Diabetes an die Nieren geht

Expertenchat mit Dr. med. Bertil Oser

Am 14. März 2019 findet der Experten-Chat zum Thema "Wenn Diabetes an die Nieren geht" mit Dr. med. Bertil Oser statt. Er beantwortet Ihre Fragen live am Donnerstag zwischen 17:00 und 19:00 Uhr.

Dr. Bertil Oser
Dr. Bertil Oser, Bernkastel-Kues

Dr. Bertil Oser

Karl-Binz-Weg 12
54470 Bernkastel-Kues
Protokoll der Sprechstunde

Betreff: Nephrologie

Gerd B. fragt: 

Ich habe einen Nüchternkrea-Wert von 1,62, welche diätischen Grundregeln muss ich beachten? Nüchtern mit Wasser zur Einnahme der Medikamente habe ich einen Krea-Wert von 1,24. Welche Medikamente schlagen Sie vor. Zur Zeit nehme ich Jardiance 10 mg, Sitagliptin 50 mg und Telmisartan 80mg.

Mit besten kollegialen Grüßen Gerd B.

Dr. Bertil Oser antwortet: 

Hallo Herr Kollege B.,

die beiden bei Ihnen gemessenen Kreatininkonzentrationen 1,24mg% und 1,62mg% je nach Flüssigkeit weisen schon mal darauf hin, welche Rolle eine ausreichende Trinkmenge wahrscheinlich nicht nur für die Labordiagnostik spielen kann. Die Werte liegen beide im sogenannten "kreatininblinden Bereich". Wir achten in  der Nephrologie zunehmend auf den GFR Wert und setzen dabei eine ausreichende Trinkmenge voraus. Die Beurteilung der GFR hat nun wesentlich auch mit Ihrem Alter, mit der Stoffwechselkontrolle, mit dem Bluthochdruck zu tun. Wichtig ist es, bei jeder Laborkontrolle auch den Urin auf Eiweißausscheidung zu untersuchen. GFR und Proteinurie zusammen bezeichnen den Grad einer möglichen Nierenfunktionsstörung.
Unabhängig von diesen Überlegungen bietet die gewählte Medikation bei chronischer Nierenerkrankung durch Diabetes Typ 2 nephroprotektive Effekte, sowohl durch den SGLT² Inhibitor Empagliflozin, wie auch durch das Sartan. In regelmäßiger Kontrolle sicher eine kluge Kombination.

 

Betreff: Schädigung der Nieren durch Zucker

Alois K. fragt: 

Guten Tag,

mir wurde gesagt das meine Nieren eine Schädigung haben durch den Zucker. Sehr viel Eiweiß im Harn. Was kann ich dagegen tun. Danke und Freundliche

Grüße K.

Dr. Bertil Oser antwortet: 

Hallo Herr K.,

auch bei Ihnen gilt es, die Nierenfunktion mit dem Kreatininwert bzw der GFR zu messen und auch die Höhe der Eiweißauscheidung.

Ganz oben auf der To do Liste stehen dann das Ziel eines guten Blutdrucks, sicher kleiner als 135/85mmHg zuhause in Ruhe gemesen. Das ist letztlich entscheidend. Dazu braucht es ausreichend Bewegung und salzreduzierte Kost und sicherlich auch spezielle Blutdruckmedikamente: es muss geprüft werden, ob Sie z.B. ACE Hemmer oder Sartane einnehmen können. Rauchen wäre ganz ungeschickt.

Wenn Sie Diabetes Typ 2 haben, gibt es aktuell Hinweise, dass verschiedene Medikamente zur Zuckersenkung bei der Niere, die Eiweiß verliert Vorteile zeigen. Dazu haben die europäische zusammen mit der amerikanischen Diabetesgesellschaftjüngst ein Positionspapier veröffentlicht. Sie weisen darauf hin, dass bei chronischer Nierenerkrankung einige Zuckermedikamente besser sind als andere. (SGLT² Inhibitoren und GLP 1 RA) - besprechen Sie das bitte mit Ihrem Diabetologen!

Es ist wirklich möglich, dann das Fortschreiten einer diabetischen Nierenerkrankung aufzuhalten.

Wichtig ist es dann aber auch, nach Herz- und Kreislauferkrankungen zu suchen. Diese treten nicht selten gleichzeitig mit der Nierenerkrankung auf und sind nicht immer leicht erkennbar. Alles Gute und viel Erfolg!

 

Betreff: Diabetes und Nieren

Ruth H. fragt: 

Eine Frage: Ich war beim Arzt wegen einer Routinekontrolle und bei mir wurde ein GFR-Wert (Nieren) von 60 festgestellt, also eine Form der Nierenschwäche. Nun habe ich natürlich gegoogelt weil ich noch länger auf den Ultraschall warten muss. Jetzt wundere ich mich, dass ich damit zum Urologen soll und nicht zum Nierenspezialisten. Zumal das ja wohl auch mit dem Zuckerwert - also meinem Diabetes - zusammenhängen kann. Habe ansonsten noch Ferritinwert im Keller und ganz leicht erhöhten Blutdruck. Weist das schon auf eine Nierenproblematik bei Diabetes hin oder kann das mal variieren? ich bin jetzt sehr verunsichert und würde am liebsten das alles gleich abchecken. Habe aber erst in 10 Tagen den Arzttermin. Reicht da Ultraschall oder muss ich noch auf eine andere untersuchung achten, die durchgeführt werden soll?

Danke und Gruß Ruth

Dr. Bertil Oser antwortet: 

Hallo Frau H.,

gut nachgeforscht! Urologen wie Nephrologen sind Nierenspezialisten, aber wenn es um Nierenschwäche geht, dann sollten Sie zum Nephrologen. Der kann auch den Ultraschall durchführen. Wichtig ist aber die Urinuntersuchung nach Eiweiß oder ggf. auch roten Blutkörperchen. Letztere passten nicht zur Diabetesfolgeerkrankung, beim Nachweis von roten Blutkörperchen müsste eine andere Nierenerkrankung ausgeschlossen werden.
Was sie bis zum Termin tun könnten, täglich in Ruhe den Blutdruck zuhause messen und aufzeichnen, auf salzreduzierte Kost achten und nachforschen, wie sich die GFR Werte und ggf. die Urinuntersuchung in den letzten Jahren verhalten haben.

Viel Erfolg und Gruß

Betreff: Diabetes und Nieren

Moritz fragt: 

Mein Langzeitzuckerwert ist knapp über der Grenze. Ich muss Metformin nehmen und habe mal gehört, dass dieses Medikament mit Nierenschwäche zusammenhängen kann. Stimmt das? Viele Grüße Moritz

Dr. Bertil Oser antwortet: 

Nein, Metformin bleibt die Basis der Diabetesbehandlung bei Diabetes Typ 2. In der Zwischenzeit ist Meformin sogar bei nachgewiesener Nierenfunktionsschwäche erlaubt und empfohlen
Erst bei einer Einschränklung mit einer GFR unter 30, soll es ausbleiben, weil es dann- nach getaner Arbeit-  nicht her richtig ausgeschieden werden könnte. Es würde sich dann ansammeln.
Gruß zurück!!

 

Betreff: Diabetes und Nieren

Marie-Luise fragt: 

Hallo Herr Dr. Oser,

ich habe seit über 30 Jahren Diabetes Typ 1.Jetzt habe ich erfahren, dass ich nur noch eine Nierenfilterrate von 58 habe. Vorher 66 und davor 77. Ernähre mich seitdem eiweisarm, mache mehr Sport und versuche natürlich meine Zuckerwerte so gut wie möglich zu halten. Kann ich das so wieder in den Griff bekommen und noch einige Jahre ohne Dialyse auskommen? Was kann ich och tun und wie ist ihre erfahrung mit solchen Patienten? habe sehr viel Angst davor, dass meine Nieren irgendwann den "Geist aufgeben". Ich freue mich über Ihre Antwort.

Vielen Dank und herzliche Grüße Marie-Luise

Dr. Bertil Oser antwortet: 

Eine Nierenfilterrate (auf dem Laborzettel als GFR bezeichnet) von 58ml/min ist natürlich weniger als optimal, aber noch nicht beängstigend! Wichtig ist es auch nach einer möglichen Eiweißausscheidung zu forschen.
Wenn beides vorliegen würde, GFR niedriger als normal und Eiweiverlust geht es um den Bluthochdruck. Die gesunde Kost haben Sie schon begonnen, genaus so wichtig, wie die Eiweißzufuhr zu normalisieren (nicht unbedingt ganz extrem zu reduzieren) ist die Salzzufuhr. Da gibt es doch gute Regeln (so etwa 5 g am Tag - DASH Diät). Und wenn der Blutdruck hoch wäre, dann sollten Sie unbedingt mal zum Nephrologen gehen. Mit Typ 1 Diabetes sollte man, wenn denn tatsächlich die Filterfunktion, GFR ganz verschwinden würde (also unter 15 oder 10 ml/min), auf jeden Fall über eine Transplantation nachdenken, von Niere und Pankreas und nicht über die Dialyse! Aber das ist jetzt noch bestimmt kein Thema für Sie!!

 

Betreff: Diabetes und Nieren

Alban fragt: 

Lieber Herr Dr. Oser,

bei meiner letzten Blutabnahme hat sich herausgestellt, das ich Albumin im Urin habe: 30mg/dl. Noch habe ich kein klärendes Gespräch mit dem Arzt gehabt. Bedeutet das nun, dass meine Nieren anfangen ihre Funktion einzustellen oder ob man aufgrund dieser einen Erhöhung (ich hae sowas noch nie gehabt) noch nichts über den Zustand der Nieren sagen kann. Mein Kreatinin-Wert liegt übrigens bei 0,99.

Viele Grüße Alban

Dr. Bertil Oser antwortet: 

Lieber Alban, keine Panik.
Richtig, Albumin soll nicht im Urin auftauchen. der Wert muss zunächst kontrolliert werden - unter guten Bedingungen: guter Blutzucker, normaler Blutdruck, keine anstrengende körperliche Bewegung davor - also etwa im Mittelstrahlurin frühmorgens.
Erst wenn sich das bestätigt hat kann man weiter sehen.
Gruß!!

 

Betreff: Diabetes und Nieren

Ricarda fragt: 

Ich habe Diabetes Typ 2 und die Diagfnose erst seit kurzem. Nehme seit 7 tagen täglich abends 1/2 metformin, also 500 mg. Seit zwei Tagen habe ich in der rechte Niere Schmerzen. In meiner Schwangerschaft vor fünf Jahren hatte ich einen starken Nierenstau. Ansonsten nie etwas mit den Nieren. habe von dem Nierenstau meinem Arzt nichts gesagt als er nach Nierenproblemen fragte, weil ich es vergessen hatte. kann das nun mit dem Diabetes wieder kommen bzw. sich noch verstärken? Was soll ich nun tun? kann das mit den Medikamenten zusammenhängen? MfG Ricarda

Dr. Bertil Oser antwortet: 

Hallo Ricarda,

Nierenstau bei Schwangerschaft, das kommt nicht ganz selten vor, hat aber nichts mit Diabetes oder Metformin zu tun. (Bei erneuter Schwangerschaft wäre Metformin allerdings nicht zulässig)
Metformin ist und bleibt das Basismedikament bei Diabetes 2, wenn ausreichend Bewegung (10000 Schritte pro Tag) und kaloriennormalisierte, gesunde Kost nicht ausreichen.

Nierenschmerzen müssen abgeklärt werden!
Zunächst Untersuchung des Urins: besteht ein Harnwegsinfekt? Dann aber auch Ultraschall der Nieren bei dieser Vorgeschichte. Das kann der Hausarzt machen, ggf dann auch einen Urologen zuziehen.
Alles Gute Ricarda

 

Betreff: Diabetes und Nieren

Maike fragt: 

Hallo Herr Dr. Oser,

ich litt letzte Woche unter extremer Müdigkeit. Habe meinen BZ gemessen, der war bei 270mg. Habe dann einen Urintest gemacht und der wurde dunkelgrün. Ich hatte schon ab und zu knapp 200mg aber noch nie so eine starke Färbung. Man liest ja immer so bei 160-180mg ist die Nierenschwelle, bei mir wahrscheinlich nicht, sondern höher. Ist das wie mit der Unterzuckerung, so eine Art Gewöhnung, das die Nieren das am Anfang noch länger zurückhalten können und dann später wenn man länger Diabetiker ist, das die Nierenschwelle sinkt? Ist das individuell oder wie muss man das verstehen?

LG Maike

Dr. Bertil Oser antwortet: 

Hallo Maike,

270mg% ist ja schon ein ganzes Stück mehr als 200mg%, das erkärt nicht nur die extreme Grünverfärbung, sondern auch Ihre Müdigkeit. Die Nierenschwelle, die Kapazität der Niere, Zucker im Körper zurück zu halten, liegt bei Diabetespatienten zwar etwas höher, von einem Gewöhnungseffekt wie Sie ihn überlegen, ist mir aber nichts bekannt. So hoch sollten Sie den Zucker natürlich gar nicht ansteigen lassen. Zucker im Urin bei Typ 2 Diabetes Patienten, die Empagliflozin, Dapagliflozin oder Ertugliflozin einnehmen ist wieder etwas Besonderes. Da ist die Zuckerausscheidung über den Urin das therapeutische Mittel. Also ran an den hohen Zucker mit Bewegung, gesunder Kost und je nach Diabetestyp medikamentöser Versuch einer normnahen Zuckereinstellung.

Viel Erfolg

Betreff: Diabetes und Nieren

Dorothea K. fragt: 

Ich habe mal davon gehört, dass Medikamente die Nierenschwelle bei Diabetikern senken können. Stimmt das und welche sind diese und wann kann man die einnehmen (unter welcher Voraissetzung) etc. Können Sie mir dazu ein paar infos geben?` Vielen Dank und viele Grüße Dorothea

Dr. Bertil Oser antwortet: 

Die SGLT² Inhibitoren, also Empa-, Dapa und Ertugliflozin (die drei sind in Deutschland auf dem Markt) führen bei Typ 2 Diabetes zu einer Zuckerausscheidung von ca. 80g am Tag. Dann würde sich jeder Urinteststreifen grün verfärben, unabhängig von Blutzucker. Diese Medikamente sind interessant, erste Studien zeigen sogar einen Zusatznutzen auf. Interessanterweise sogar bei Nierenerkrankungen, da gibt es schon Empfehlungen aber vor allem weitere Studien, die noch unterwegs sind. Danke für die Grüße!

Betreff: Nephropathie

Elmar B. fragt: 

Bin Dialysepatient, habe aber seit 2016 eine gute Restausscheidung. Was kann man tun. um diese möglichst lange zu erhalten? Ist es richtig, dass schon bei kleinen Mengen an angenommenem Wasser pro Dialysesitzung die Nierenleistung deutlich zurückgeht? Vielen Dank für die Antwort.

Dr. Bertil Oser antwortet: 

Hallo Herr B.,

das mit Ihrer Resturinausscheidung ist doch prima, denn auch wenn man dialysepflichtig ist macht dies einen großen Unterschied. Über den Urin geht nicht nur Flüssigkeit wieder aus dem Körper (man kann dann dementsprechend etwas mehr Flüssigkeit zwischen den Dialysesitzungen zu sich nehmen), sondern auch andere Harnstoffe und vor allem auch Kalium, was diätetisch mehr Freiheit lässt! Also richtig, die Resturinausscheidung sollte möglichst lange erhalten bleiben!

Diuretika (wasser treibende Medikamente) sollten in ausreichender Dosis eingenommen und ggf auch kombiniert werden - da gibt es verschiedene Ansatzpunkte in der Niere.
Und ja, zu viel Flüssigkeitsentzug über die Dialysemaschine in der kurzen Dialysezeit von 4-5h legt die Niere jedes Mal "trocken". Das kann mit dem Verlust der Restausscheidung einher gehen.
Nach unseren Leitlinien der Diabetes Gesellschaft stellt übrigens die Bauchdialyse ein ebenbürtiges Nierenersatzverfahren dar, bei dem die Nierenrestfunktion, insbesondere die Urinausscheidung länger erhalten bleibt.
Haben Sie nach der Möglichkeit einer Nierentransplantation gefragt?

Alles Gute für Sie!!