Schwangerschaft und Diabetes

Expertenchat mit Dr. med. Jens Stupin

Am 16. November 2017 findet der Experten-Chat zum Thema „Schwangerschaft und Diabetes" mit Dr. med. Jens Stupin statt. Er beantwortet Ihre Fragen live am Donnerstag zwischen 17 und 19 Uhr.

Dr. med. Jens Stupin, Berlin
Dr. med. Jens Stupin, Berlin

Dr. med. Jens Stupin

Charité – Universitätsmedizin - Virchow-Klinikum
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin
Protokoll der Sprechstunde

Betreff: Insulinbedarf / Low Carb

Kathi S. fragt: 

Ich habe Typ 1 Diabetes, trage eine Insulinpumpe und habe ein CGMS. In meiner ersten Schwangerschaft hatte ich einen 10-fach erhöhten Insulinbedarf zum Ende hin, hatte immense Wassereinlagerungen und nahm ca. 60 kg zu trotz hervorragender Ernährung und Lebensweise. Bei mir gab es keinen "typischen" Verlauf (im ersten Trimester etwas geringerer Bedarf und ab dem 2. Trimester steigend). Nun zu meiner Frage: ich bin erneut schwanger und würde dem ganzen gerne vorbeugen, da es wirklich schwierig war die 60 kg wieder abzunehmen und es auch gesundheitliche Risiken gibt, denen ich bereits jetzt positiv entgegenwirken möchte. Ist es ratsam bereits recht frühzeitig so wenig Kohlenhydrate wie möglich zu sich zu nehmen? Es gibt in anderen Ländern schwangere Diabetikerinnen, die zusätzlich Metformin bekommen. Wäre eine solche Zusatztherapie sinnvoll? Ich würde gerne bereits jetzt schon etwas tun und freue mich auf Ihre Antwort. Herzliche Grüße

Dr. med. Jens Stupin antwortet: 
Sehr geehrte Frau S.,
 
zu Ihren Fragen:
 
Die von Ihnen aufgenommene Kohlenhydratmenge sollte den unteren empfohlenen Bereich von ca. 40% der Tageenergiemenge nicht unterschreiten.
 
Metformin ist in Deutschland in der Schwangerschaft nicht zugelassen, kann aber im Rahmen des "off-label-use" gegeben werden: dazu müssen Sie Ihrem Diabetologen eine  Einverständniserklärung unterzeichnen.
In einer Langzeituntersuchung wurden keine negativen Auswirkungen auf die Kinder gesehen.
Metformin ist bei Typ-1-Diabetikerinnen  in mehreren randomisierten Studien verwendet worden und zeigte positive Effekte: Der Insulinbedarf war um bis zu 6 IE pro Tag vermindert. Allerdings war der HbA1c bzw. die Blutzuckereinstellung nicht verbessert.
Insgesamt wurde auch eine leichte Gewichtsabnahme gesehen. Es gibt dazu einen Review von Vella et al. in Diabetologia.
Sprechen Sie also Ihren Diabetologen darauf an.
 
Ich wünsche Ihnen eine gute, erfolgreiche Schwangerschaft!
 
Beste Grüße
Dr. Jens Stupin

Betreff: Ab wann zum Arzt?

Simone G. fragt: 

Solte man gleich bei positivem SS-Test zum Diabetologen ? oder erst nach dem man beim Frauenarzt war?

Dr. med. Jens Stupin antwortet: 
Sehr geehrte Frau G.,
 
Sie schreiben leider nicht ob Sie Diabetikerin sind (Typ 1 oder Typ 2 ?)
Wenn ja, sollten Sie Ihren Diabetologen bereits dann aufsuchen, wenn Sie eine Schwangerschaft planen (zwecks Stoffwechseloptimierung, HbA1c!), also lange vor dem positiven Schwangerschaftstest!
Ansonsten gilt: wenn Sie in der vorangegangen Schwangerschaft einen Gestationsdiabetes hatten, dann sollten bereits im 1. Trimenon auf GDM gestestet werden (auch bei Risiken wie Adipositas oder Diabetes in der Familie), sonst zwischen 24.-28. Schwangerschaftswoche.
 
Beste Grüße
Dr. Jens Stupin

Betreff: Diabetes und Schwangerschaft

Veronica fragt: 

Ich habe nun in der 24 SSW einen Zuckertest gemacht, der ergab, dass ich wahrscheinlich Zucker habe. Jetzt wird noch mal ein Nüchtern Test gemacht. Eigentlich weise ich keinerlei Risikofaktoren auf ,daher bin ich auch überrascht. Hatte ich in der ersten SS auch nicht gehabt. Viel Bewegung oder Sport fällt leider aus ,da ich noch zusätzlich nen Notching bds. habe und viel liegen muss und eine Praeklampsie entwickelt sich. Können Sie mir einen Tipp geben, was ich am besten auch ernährungstechnisch machen kann, damit ich bessere Werte bekomme und mein Kind nicht schädige? Veronica

Dr. med. Jens Stupin antwortet: 
Hallo Veronica,
 
ich nehme an, Sie hatten einen 50-g-Glukosetest (das heißt: Ihnen wurde eine Stunde nach Trinken einer Zuckerlösung Blut entnommen?) Bei positivem Ergebnis (also zu hoher Wert: >135 mg/dl) sollten Sie einen oralen Glukosetoleranztest mit 75 g Zuckerlösung erhalten, nicht nur eine Nüchternzuckerbestimmung. Sprechen Sie Ihrem Frauenarzt darauf an, weil dieser Test ein genaueres Bild ergibt.
 
Was können Sie sonst tun:
Eine gesunde vollwertige Ernährung ist wichtig: also wenig schnell resorbierbareren Zucker wie in Schokolade, Kuchen, Gummibärchen, auch sollten Sie Eistee, Cola, Fata etc. vermeiden. Trotzdem auf Kohlenhydrate nicht verzichten:  ca. 40-50% der Tagesenergie sollten langsam wirkende Kohlenhydrate ausmachen: z.B. Nudeln, Kartoffeln. Außerdem viel Gemüse. Vorsicht bei süßem Obst wie Weintrauben, Banane, Melone: lieber einen Apfel essen. Auf keinen Fall hungern oder "Diät" machen.
 
Und zur Bewegung: schauen Sie mal ins Internet: da gibt es das Programm "Aerobic mit Bauch" zum herunterladen, das wäre auch in Ihrer Situation zu empfehlen.
 
Eine gute Schwangerschaft wünscht Ihnen
Dr. Jens Stupin
 

Betreff: Diabetes und Schwangerschaft

Carola fragt: 

Vor 4 Wochen wurde bei mir eine schwere Schwangerschaftsdiabetes festgestellt. Meine Werte lagen morgens nüchtern bei 120, abends nach dem Essen teilweise über 200. Ich habe dann nach einer Woche Insulin bekommen (Huminsulin normal). Ich bin aber sehr unsicher da meine Diabetologische Praxis empfahl mittags sechs Einheiten Insulin zu spritzen - egal was ich esse (auch wenn es nur eine Semmel ist!). Wenn ich das mache, rassele ich zwei Stunden später in nden Unterzucker. daher lasse ich das jetzt weg weil ich ohne Insulin mittags eigentlich gute Werte habe (esse eh nicht viel mittags). Nach dem essen sind die Werte dann so um die 135. Abends spritze ich seit letzter Woche 8 Einheiten Insulin. Die Werte waren mit dieser Einheit immer in Ordnung, nur gestern wieder bei über 200 und ich weiß nicht warum! Morgens bin ich nüchtern immer noch bei über 100. Erst einmal war ich nüchtern unter 100! Ich esse morgens meistens 2 Vollkornbrötchen. Die Werte sind nach dem Frühstück trotzdem bei 180. Das ist aber auch unterschiedlich - obwohl ich immer das gleiche Essen.

Woran liegt das? Es gab auch Tage, an denen die Werte nach dem Frühstück in Ordnung waren. Soll ich morgens auch 8 Einheiten Insulin spritzen? Wenn ich weiß, dass ich mittags mehr esse, soll ich dann auch vorsichtshalber Insulin spritzen? Außerdem habe ich Angst vor Unterzuckerung. Der Arzt meinte, das Insulin wirkt 4 Stunden. Danach ist es weg. Kann ich nachts unterzuckern, wenn ich abends um 19 Uhr das Insulin gespritzt habe? Ich bin verzweifelt weil ich meine Werte einfach nicht in den Griff bekomme und das Baby jetzt schon einen zu großen Bauchumfang hat. Laut Frauenarzt verwächst sich das wieder bis zur Geburt dank der Insulintherapie. Aber wie, wenn die Werte immer noch zu hoch sind? Ich hoffe, Sie haben einen Rat für mich.

Danke und viele Grüße Carola

Dr. med. Jens Stupin antwortet: 
Hallo Carola,
 
Sie haben relativ hohe Blutzuckerwerte, so dass evtl. zu vermuten ist, dass Sie bereits vor der Schwangerschaft eine gestörte Glukosetoleranz hatten. Insofern ist die Insulintherapie zusammen mit viel Bewegung und Ernährungsumstellung sehr wichtig.
 
Zur Insulintherapie kann ich Ihnen aus der Ferne nur eine grobe Auskunft geben, dass müssen Sie unbedingt mit Ihrem Diabetologen fein abstimmen!
 
Grundsätzlich sollten Sie abends Basalinsulin spritzen: derzeit spritzen Sie ja 8 IE, das reicht scheinbar nicht aus, sollte also erhöht werden. Sie sollten das Basalinsulin auf jeden fall sehr spät spritzen (ca. 23 Uhr) und zusätzlich eine "Spätmahlzeit, z.B. ein Scheibe Brot mit Käse essen.
Da das Basalinsulin langsam wirkt, ist eine Unterzuckerung nachts eher unwahrscheinlich. Im Zweifelsfall sollten Sie ca. zwischen 2-3 Uhr nachts einmal den Blutzucker messen.
 
Das Normalinsulin sollte vor jeder Mahlzeit gespritzt werden. Evtl. kann Sie Ihr Diabetologe auf ein intensiviertes Schema umstellen: das heißt: Sie messen erst den BZ und spritzen dann, auch in Abhängigkeit davon, wieviel Sie essen wollen.
Ansonsten bei einem starren Schema: Vor dem Frühstück benötigen Sie sicher mehr Einheiten Normalinsulin als vor dem Mittag, bei dem sie ja weniger essen. Wenn Sie dies beachten, werden Sie auch nicht unterzuckern.
Wie gesagt bitte fein abstimmen mit dem Diabetologen.
 
Wichtig ist eine Einstellung auf normale Werte: Ziel: Nüchtern < 95 mg/dl, 1 h nach dem Essen < 140 mg/dl, um zu verhindern, dass das Kind zu groß wird.
 
Ich hoffe, ich konnte Ihnen damit erst einmal helfen. Eine gute Schwangerschaft
 
Dr. Jens Stupin

Betreff: Diabetes und Schwangerschaft

Sabrina fragt: 

Bei mir wurde in der 25. SSW Gestationsdiabetes festgestellt. Nun spritze ich Insulin und habe meine Ernährung umgestellt. Besteht nun dennoch die Gefahr für Komplikationen bzw. kann mein Kind (auch wenn ich noch so gute Werte habe) Diabetes bekommen oder hat die Neigung dazu? Außerdem: Kommt es dann trotzdem größer zur Welt? Derzeit liegt es per Ultraschall über dem Durchschnitt... Danke und Gruß Sabrina

Dr. med. Jens Stupin antwortet: 
Hallo Sabrina,
 
erst einmal: bitte keine Sorgen machen, im Moment scheint ja alles im grünen Bereich zu sein.
 
Achten Sie bitte auf die Blutzuckerwerte: Nüchtern < 95 mg/dl, 1 h nach dem Essen < 140 mg/dl.
Ultraschall sollte regelmäßig gemacht werden, alle 2-3 Wochen. Sollte sich der Trend fortsetzen, dass das Kind zu groß wird (Bauchumfang im Ultraschall >75. Perzentile, fragen Sie danach Ihren Frauenarzt), dann muss evtl. die Insulindosierung erhöht werden. Und bitte auf die Ernährung achten!
 
Wenn das gut eigestellt ist, bleibt das Gewicht des Kindes im Normalbereich. Das ist auch das Beste, was Sie für die Zukunft des Kindes tun können. Bei gut eingestellten Diabetes und normalem Gewicht ist das Risiko für einen Diabetes des Kindes im späteren Leben genauso wie bei Kindern von Schwangeren ohne Diabetes.
Und außerdem wichtig: Bitte stillen Sie Ihr Kind ca. 4-6 Monate ausschließlich mit Ihrer Muttermilch!
 
Alles Gute für die Schwangerschaft!
 
Dr. Jens Stupin
 

Betreff: Diabetes und Schwangerschaft

Frage: 

Sehr geehrter Herr Dr. Stupin,

ich messe meinen BZ mit dem Gluco Test Plus. Meine Nüchternwerte sind immer gut (65-75). Aber seit etwa 3 Wochen sind die Werte eine Stunde nach Beginn der Mahlzeiten zu hoch (130 bis 180), ebenso 2 Stunden danach (130 bis 150). Mit einem Bluttest hat der Arzt gestern bei mir 1,5 Stunden nach der Mahlzeit 97 und 2 nach der Mahlzeit 94 gemessen. Also ja normal. Der Arzt sagte, dass alles ok sei. Jetzt meine Frage: Kann das sein? Dann müßte aber doch auch der Nüchtern-Wert zu hoch sein? Mein Langzeitzuckerwert ist 5,3, Fructosamin steht noch aus. Ich mache mir Sorgen, daß es doch Diabetes ist, da ich Glukose im Urin habe, mein Ungeborenes sehr groß ist, ich nachts viel Durst habe und oft auf Toilette muss.

LG Ruth

Antwort: 
Sehr geehrte Ruth,
 
ich verstehe Ihre Frage nicht ganz: Sie messen bereits Blutzucker? Sie hatten also bereits einen oralen Glukosetoleranztest mit 75 g Glukose? Ist darin ein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt worden oder nicht?
 
Auf jeden Fall sind Werte >140 mg/dl eine Stunde nach dem Essen gemessen zu hoch. In Kombination mit einem zu hohen Gewicht des Kindes im Ultraschall ist das ein Hinweis auf Schwangerschaftsdiabetes.
Dabei müssen die Nüchternwerte nicht zwingend erhöht sein. Es gibt Schwangere mit GDM, die wie Sie hohe Werte nach dem Essen, aber normale Nüchternwerte haben.

Glukose im Urin und auch der Fructosamin-Test bringen nichts.

Ihr Langzeitblutzucker HbA1c ist 5,3%, was gegen einen vorbestehenden Diabetes spricht.
 
Sie sollten jetzt also versuchen, Ihre Werte nach dem Essen unter 140 zu senken (Ernährungsumstellung, weniger Zucker in Form von Kuchen, Schokolade, Cola, Eistee etc., eventuell benötigen Sie zur Unterstützung Normalinsulin, das Sie vor der Mahlzeit spritzen, fragen Sie Ihren Frauenarzt oder lassen sich bei einem Diabetologen beraten)
Zusätzlich sollte das Gewicht und vor allem der Bauchumfang des Kindes im Ultraschall weiter kontrolliert werden und auch davon abhängig gemacht werden, ob Sie Insulin benötigen.
 
Ich wünsche Ihnen einen guten Schwangerschaftsverlauf,
 
Dr. Jens Stupin

Betreff: Diabetes und Schwangerschaft

Jasmin fragt: 

Lieber Herr Dr. Stupin,

ich habe vor meiner SS eine Insulinresistenz diagnostiziert bekommen. sollte daher gestern vorsorglich zum OGTT, gemessen wurden aus der Vene: nüchtern: 76 Nach1 std (75mg Zucker): 145 Nach 2 std: 131 Die Tabelle der WHO sagt aus dass diese Werte unter den Werten eines Schwangerschaftsdiabetes liegen ... nur irritiert mich dass der letzte wert nur so langsam runter gegangen ist... gelten die Werte der WHO auch für den Blutzucker der aus den Venen gemessen wurde? Ich habe irgendwo gelesen dass man erst eine Insulinresistenz haben kann , wenn der Nüchternwert bei über 100 liegt? Stimmt das?

MfG Jasmin

Dr. med. Jens Stupin antwortet: 
Liebe Jasmin,
 
ja, der oGTT ist bei Ihnen richtig durchgeführt worden. Gemessen wir im venösen Plasma, die Werte werden automatisch aus Vollblut umgerechnet.
Alle drei Werte liegen im Normalbereich, auch der Wert nach 2 Stunden (< 153 mg/dl). Also erst einmal Glückwunsch!
Wegen der diagnostizierten Insulinresistenz sollten Sie sich erst einmal nicht sorgen. Es wäre aber ratsam den Blutzucker in der Schwangerschaft im Auge zu behalten bzw. den oGTT nach einigen Wochen (28.-32. SSW) noch einmal zu wiederholen, außerdem regelmäßig im Ultraschall das Gewicht/Bauchumfang des Kindes zu messen.
 
Eine gute Schwangerschaft wünscht Ihnen
Dr. Jens Stupin

Betreff: Diabetes und Schwangerschaft

Franziska fragt: 

Ich bin aktuell mit meinem 2. Kind schwanger, 34. SSW. Vor 8 Wochen habe ich die Diagnose erhalten. Der OGTT zeigte folgende Werte: Nüchtern: 90 Nach 1h: 135 Nach 2h: 165 Ja Sie lesen richtig: nach zwei Stunden war er höher als nach einer Stunde! So blieb es auch bis heute und ich verstehe nicht warum. Hier die Details: Ich habe durch die Therapie die Werte wieder einigermaßen in den Griff bekommen aber ab der 30. SSW wurden die Werte wieder schlechter. Ich sollte auch vor den mahlzeiten messen um den Durchschnittswert zu ermitteln. besonders vormittags sind die Werte aber sehr langsam am sinken. Nach 3-4h immernoch über 100. Ich fing dann an, zusätzlich nach 2h zu kontrollieren und stellte wieder fest, dass in 90% der Messungen mein 1h-Wert zwar top (unter 140, i.d.R. so ca bei 110-120), aber mein 2h-Wert immer mindestens genauso hoch, eher sogar noch höher war. Sehr oft lag ich vormittags nach 2h bei über 120, manchmal auch über 130. Ich hab die Kohlehydrate weiter reduziert, insbesondere morgens gab es nur noch ein Quark-Joghurt-Beeren-Gemisch mit etwas Müsli, was allmählich auch zu schlechteren Werten führte. Aus dem Grund sind wir dann vor 2 Wochen mit Insulin (Insuman rapid) eingestiegen, einfach, damit ich mal wieder entspannter essen kann. Aber das half auch nix. Ich steigerte die Dosis, von 3 auf 5 auf 8 auf mittlerweile 12iE vor dem Frühstück. Meine Werte verbessern sich aber nicht merklich. Der 1h-Wert ist nachwievor sehr gut, der nach 2 Stunden weiterhin häufig über der Grenze. Er sinkt dann zwar soweit, dass er vor dem Mittag wieder im Nüchternbereich ist, aber mMn dauert das deutlich zu lang. Können Sie mir sagen, wie es sein kann, dass ein BZ nach 1 Stunde perfekt und nach einer weiteren Stunde wiederum zu hoch sein kann? Wie kann ich das denn ändern, bzw. ist das normal??? Mit freundlichen Grüßen Franziska

Dr. med. Jens Stupin antwortet: 
Hallo Franziska,
 
so ungewöhnlich ist das nicht! In der großen HAPO-Studie, an der 23000 Schwangere weltweit teilnahmen, wurden immerhin 8% der Frauen mit einem isoliert erhöhten 2-Stunden-Wert als Gestationsdiabetikerinnen erkannt...
 
Leider schreiben Sie nichts über das Gewicht des Kindes bzw. den Bauchumfang im Ultraschall. Wenn da alles normal ist (sprich Bauchumfang nicht >75. Perzentil, fragen Sie Ihren Frauenarzt danach!) können Sie entspannt sein.
 
Der Blutzucker ist eben nur eine Seite der Medaille. Und Werte von 130 mg/dl nach 2 h sind in diesem Fall tolerierbar.
 
Wenn das nicht der Fall, also das Kind zu groß ist, dann sollte das Normalinsulin noch etwas erhöht werden, um auch im 2-h-Bereich Normalwerte zu erreichen.
 
Eine gute Schwangerschaft!
 
Dr. Jens Stupin
 

Betreff: Diabetes und Schwangerschaft

Alina A. fragt: 

Hallo, ich hatte Schwangerschaftsdiabetes und musste Insulin spritzen. In der Schwangerschaft wurden GAD-Antikörper bei mir festgestellt, allerdings nur 40. Seit zwei Monaten ist meine Tochter gesund und munter auf der Welt. Am Anfang waren meine BZ-Werte noch sehr hoch aber ein paar tage später waren sie wieder super. danach habe ich nicht mehr allzu regelmäßig gemessen aber seit einiger Zeit fällt mir auf dass die Wewrte wieder hoch sind. Nüchtern oft um die 100 und nach dem essen bis zu 180. Während der SS hatte ich durch die Therapie auch gute Werte. Deutet das jett auf Diabetes hin??? Kann das alles noch mit den Schwangerschaftshormonen zusammenhängen? Eine Bekannte musste noch 3 Monate nach der Geburt Insulin spritzen, jetzt ist alles weg. Ich weiß, ich muss zum Diabetologen, einen Termin für Dezember habe ich auch schon. Ich will mich nur schon mal etwas drauf "einstellen". Wäre das dann Typ I oder Typ II? Worin unterscheiden sich die beiden Diabetes-Typen? Beste Grüße Alina

Dr. med. Jens Stupin antwortet: 
Sehr geehrte Frau A,
 
Antikörper gegen Glutaminsäure-Decarboxylase (=GAD) sind Autoantikörper, die beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstören und auf einen spät entstehenden Typ 1 Diabetes hinweisen (in den meisten Fällen sind ja bereits Kinder betroffen, aber auch im späteren Lebensalter kann sich ein Typ 1 Diabetes manifestieren, ein sog. LADA.)
 
Die jetzt wieder erhöhten Blutzuckerwerte deuten ebenfalls in diese Richtung.
 
Zwei Monate nach der Entbindung ist die Wirkung der Schwangerschaftshormone nicht mehr relevant.
 
Sie sollten also auf jeden Fall den Termin im Dezember wahrnehmen. Dann werden Sie durch weitere Diagnostik Klarheit bekommen.
 
Ich wünsche Ihnen alles Gute, Dr. Jens Stupin

Betreff: Diabetes und Schwangerschaft

Emma H. fragt: 

Lieber Herr Dr. Stupin, ich hatte einen Zuckertest in meiner 24. SSW und der ist falsch gelaufen weil ich den nüchtern gemacht hatte. Wusste nicht dass man was essen darf :-( Jetzt war der Nüchternwert aber sehr gut. Lag bei 90 oder so und die gynäkologin meinte ich bräuchte nun keinen weiteren Test machen. das Baby sei auch völlig normal entwickelt und ich habe in der Familie keine Vorbelastungen. Ist das ok so? Oder sollte ich auf einem weiteren Test beharren? Emma Hauser

Dr. med. Jens Stupin antwortet: 
Liebe Frau H.,
 
welchen Test hatten Sie denn?
 
Sie hatten wahrscheinlich einen 50 g Test, bei dem Sie eine Zuckerlösung getrunken haben und nach einer Stunde gemessen wurde?
 
Hier muss man in der Tat nicht nüchtern sein. Aber nüchtern sein schadet auch nicht.
 
Und ein Nüchternwert von 90 mg/dl liegt noch unter der Grenze für einen Schwangerschaftsdiabetes (>92 mg/dl).
 
Insofern scheint alles normal zu sein.
 
Sicherheitshalber können Sie natürlich den Test wiederholen lassen, der 50 g Test ist ja nicht aufwendig...
 
Also bitte keine Sorgen machen. Alles Gute für die Schwangerschaft!
 
Dr. Jens Stupin

Betreff: HbA1c und Hypos

Maike G. fragt: 

Hallo, ich habe 2 Fragen : 1.Mit welchem HbA1c sollte man optimaler Weise in die Schwangerschaft gehen? 2.Schaden häufige nächtliche Hypos der geistigen und/oder körperlichen Entwicklung des Kindes? Vielen Dank!

Dr. med. Jens Stupin antwortet: 
Hallo Maike,
 
ich nehme an, Sie haben einen Diabetes Typ 1?
 
Optimal wäre es, wenn Sie Ihre Schwangerschaft planen und etwa drei Monate vor der Empfängnis einen HbA1c unter 7%, besser noch unter 6,5% erreichen könnten. Kontaktieren Sie bitte dazu Ihren Diabetologen.
 
Im Laufe der Schwangerschaft werden immer wieder Hypos auftreten. Sofern Sie selbst nicht davon beeinträchtigt (Bewußtseinsverlust usw.) sind, schadet das erst einmal dem Kind nicht. Allerdings sollte durch regelmäßigen Ultraschall das Wachstum des Kindes kontrolliert werden, um eine Mangelentwicklung (Wachtumsrestriktion) frühzeitig zu erkennen). Wichtig ist hier auch die mittlere Blutglukose (MBG), die zwischen 85-105 mg/dl liegen sollte.
 
Alles gute für die Zukunft!
 
Dr. Jens Stupin
 

Betreff: Diabetes und Schwangerschaft

Ruth fragt: 

Vielen Dank für Ihre Antwort. Ja ich hatte einen OGTT und der war unauffällig. Da ich aber diesen Durst, das zu große Kind und nachts immer auf Toilette muss, hat der Arzt einen Bluttest gemacht. Der war ja normal. kan das sein, dass die Werte auch bei einem vorliegenden DFiabetes mal normal sein können und ich einfach nur zur Zeit der Blutmessung "pech" hatte, dass man das nicht sah? Aber dagegen spricht ja der Hba1c Wert, der ja auch normal ist... ich weiß einfach nicht was los ist... Viele Grüße Ruth

Dr. med. Jens Stupin antwortet: 
Hallo Ruth,
 
der oGTT ist eigentlich sehr zuverlässig, aber natürlich gibt es Fälle, wo durch unsachgemäßen Transport oder weitere Umstände (z.B. wie lange man vor dem Test nüchtern war, ob man sich kohlenhydratreich ernährt hat oder nicht usw.) aber in seltenen Fällen auch Vertauschung der Proben die Ergebnisse falsch sind...
 
Ein HbA1c von 5,3% spricht gegen einen vorbestehenden Diabetes also Typ 2 oder Typ 1, aber nicht gegen einen Schwangerschaftsdiabetes (GDM)
 
Bei einem GDM ist der HbA1c zumindest als diagnostischer Test nicht verwertbar.
 
Insofern haben Sie wahrscheinlich einen GDM. Achten Sie wie gesagt auf gesunde Ernährung und Bewegung und wahrscheinlich müssen Sie wegen des hohen Kindsgewichts (auf jeden Fall sollte auch der Bauchumfang gemessen werden! Fragen Sie Ihren Frauenarzt) Insulin erhalten...
 
Alles Gute
 
Dr. Jens Stupin

Betreff: Diabetes typ 2

Frage: 

ich bin unerwartet Schwanger etwa 5 ssw . Daher war es nicht geplannt. Mein langzeit wert lag das letzten jahr immer zwischen 6,2 und 6,7. In meiner letzten SS hatte ich eine SS-Diabetes insolinpflichtig. Im Moment nehme ich nichts . Wann sollte ich zum Diabetologen ?

Antwort: 
Hallo,
 
ein Langzeitwert (HbA1c) von 6,2-6,7% ist erst einmal gut für den Start in die Schwangerschaft!
 
Da Sie einen Typ 2 Diabetes haben, messen Sie wahrscheinlich regelmäßig Blutzucker. Und Sie haben ja Ihren Diabetes mit Ernährung/Bewegung im Griff.
Es kann aber sein, dass Sie wieder, abhängig von Ihren Blutzuckerwerten, Insulin benötigen.
Auf jeden Fall sollten Sie deshalb so bald wie möglich einen Termin bei Ihrem Diabetologen vereinbaren und sich auch bei Ihrem Frauenarzt (zwecks Vorsorge und Ultraschall) vorstellen.
 
Ich wünsche Ihnen eine gute, erfolgreiche Schwangerschaft!
 
Dr. Jens Stupin