Ramadan-Fasten

Baklava mit Walnüssen - Fasten zu Ramadan

Ich habe Diabetes und möchte am Ramadan-Fasten teilnehmen. Was muss ich beachten?
Kann ich mit Typ-1-Diabetes fasten?
Kann ich mit Typ-2-Diabetes fasten?
Kann ich mit Schwangerschafts-Diabetes fasten?
Ich habe mein Leben lang zum Ramadan gefastet, muss ich damit aufhören?
Ich möchte gegen den Rat meines Arztes fasten. Was muss ich beachten?
Woher stammen die Informationen zum Ramadan-Fasten?
Risiko-Kategorie (nach IDF)

Ich habe Diabetes und möchte am Ramadan-Fasten teilnehmen. Was muss ich beachten?

Auch als gläubiger Muslim müssen Sie als chronisch Kranker nicht am Ramadan-Fasten teilnehmen. Stattdessen können Sie während des Ramadan einen Bedürftigen mit Essen versorgen. Es steht Ihnen allerdings frei, trotz des Diabetes am Fasten teilzunehmen. Gefährden Sie sich durch das Fasten selbst, ist es Ihnen verboten.

Die Einnahme von oralen Medikamenten ist während des Ramadan zwischen Sonnenaufgang- und -untergang verboten. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie das Behandlungs-Schema angepasst werden kann. Blutzuckermessen und Insulin spritzen ist aber den ganzen Tag erlaubt. Der Schlaf- und Mahlzeitenrhythmus wird stark verändert, was sich auf den Blutzuckerspiegel auswirken kann: Durch das Fasten und die anschließende geballte Essensaufnahme erhöht sich das Risiko für Hyper- und Hypoglykämien stark. Außerdem steigt das Risiko für diabetische Ketoazidosen, Dehydrierung (v.a. in heißen Ländern) und Thrombosen (v.a. bei körperlicher Aktivität).

Kann ich mit Typ-1-Diabetes fasten?

Wenn Sie Diabetes Typ 1 haben, zählen Sie zur Gruppe mit hohem bis sehr hohem gesundheitlichen Risiko. Es wird daher dringend vom Fasten abgeraten. Das Risiko für Hypoglykämien ist während des Fastens dreimal so hoch wie normal. Das Risiko für Hyperglykämien ist sogar fast fünfmal so hoch.

Kann ich mit Typ-2-Diabetes fasten? 

Wenn Sie Diabetes Typ 2 haben, können Sie fasten, sofern Sie zur Gruppe mit niedrigem gesundheitlichen Risiko zählen (s.u., Kategorie 3). Allerdings ist auch bei Ihnen das Risiko für Hyper- und Hypoglykämien 5-fach bzw. 7,5-fach erhöht. Wenn Sie zur hohen oder sehr hohen Risikogruppe gehören (s.u. Kategorie 1 und 2), wird vom Fasten dringend abgeraten. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, zu welcher Risikogruppe Sie gehören, und folgen Sie seinem Rat.

Kann ich mit Schwangerschafts-Diabetes fasten?

Wenn Sie schwanger sind, sollten Sie Ihrer eigenen Gesundheit zuliebe und der Ihres Babys nicht fasten. Das gilt unabhängig davon, ob Sie Diabetes Typ 1, Diabetes Typ 2, Schwangerschaftsdiabetes oder gar keinen Diabetes haben. Sollten Sie einen Schwangerschaftsdiabetes haben, der nach der Geburt Ihres Kindes komplett in Remission geht, können Sie die Fastenzeit nach dem Abstillen nachholen.

Ich habe mein Leben lang zum Ramadan gefastet, muss ich damit aufhören?

Hören Sie auf den Rat Ihres Arztes. Wenn Sie Typ-2-Diabetes haben und zur Gruppe mit niedrigem Risiko zählen (s.u., Kategorie 3), dann können Sie fasten. Gehören Sie zur Gruppe mit hohem oder sehr hohem Risiko wird allerdings dringend davon abgeraten. Durch Ihren gesundheitlichen Zustand sind Sie mit den Fastenden gleichgestellt und sollten sich nicht schuldig oder schlecht fühlen, wenn Sie nicht fasten.

Ich möchte gegen den Rat meines Arztes fasten. Was muss ich beachten?

Lassen Sie sich von einem Diabetes-Team schulen und besprechen Sie die Dosis-Anpassung Ihrer Medikamente mit dem Team oder Ihrem Arzt. Die Messung des Blutzuckers verstößt nicht gegen die Fastenregeln. Kontrollieren Sie ihn regelmäßig, besonders nach dem iftar, oder wenn Sie Anzeichen einer Über- oder Unterzuckerung bemerken. Sollten Sie eine Unterzuckerung feststellen oder Werte < 70 mg/dL (3.9 mmol/L) haben, müssen Sie das Fasten sofort unterbrechen und etwas essen. Bei Werten > 300 mg/dL (16.7 mmol/L) handeln Sie entsprechend den Anweisungen Ihres Arztes. Der Wechsel zwischen der Fastenperiode tagsüber und dem Essen bei Nacht ist für den Körper belastend. Üblicherweise werden viele zuckrige und hochverarbeitete Speisen sowie gesüßte Getränke und viele Süßigkeiten gegessen. Um Hyperglykämien zu vermeiden, sollten Sie darauf achten, dass die Mahlzeiten sich möglichst an den goldenen Regeln orientieren. Speisen wie Ghee, Samosas und Pakoras enthalten viele ungesunde Fette. Teilen Sie die Essensmenge auf zwei Hauptmahlzeiten (iftar und suhoor) und ggf. 1 bis 2 Snacks auf, damit Ihr Blutzuckerspiegel etwas entlastet wird. Bewegung tut auch während des Ramadan-Fastens gut, sollte aber eine leichte bis mittlere Belastung nicht überschreiten. Auch die Bewegung während der Tarawih Gebete zählt dazu.

Woher stammen die Informationen zum Ramadan-Fasten? 

Die Informationen zum Thema Ramadan-Fasten stammen aus der Stellungnahme der Internationalen Diabetes Föderation (IDF) zum Thema „Diabetes und Ramadan-Fasten“. Diese Stellungnahme wurde vom obersten Mufti von Ägypten (Prof. Shawky Ibrahim Allam) am 17.03.2016 bewilligt. Die Informationen sind also auf die Grundsätze des muslimischen Glaubens abgestimmt.

Risiko-Kategorie (nach IDF)

Kategorie 1: Sehr hohes Risiko

Sie zählen zu dieser Gruppe, wenn eines oder mehrere der folgenden Kennzeichen auf Sie zutrifft:

  • Schwere Hyperglykämie oder diabetische Ketoazidose in den letzten 3 Monaten (vor dem Ramadan)
  • Wiederkehrende Hypoglykämien
  • Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörungen
  • Schlecht eingestellter Typ-1-Diabetes
  • Akute Krankheit
  • Schwangerschaft, wenn vorher schon ein Diabetes diagnostiziert wurde, oder wenn ein Schwangerschaftsdiabetes mit Insulin oder Sulphonylharnstoffen behandelt wird
  • Chronische Dialyse oder chronische Nierenkrankheiten Stadium 4 und 5
  • Fortgeschrittene makrovaskuläre Komplikationen
  • Hohes Alter und schlechte Gesundheit

Patienten mit sehr hohem sollten nicht fasten. Wenn sie darauf bestehen, sollten sie folgende Punkte beachten:

  • Eine strukturierte Schulung ist notwendig
  • Eine Betreuung durch ein qualifiziertes Diabetes-Team muss vorhanden sein
  • Der Blutzuckerspiegel muss regelmäßig kontrolliert werden
  • Die Medikamenten-Dosis muss entsprechend den Empfehlungen angepasst werden.
  • Bei Hyper- oder Hypoglykämien muss das Fasten unterbrochen werden
  • Das Fasten muss komplett unterlassen werden, wenn öfter Hyper- oder Hypoglykämien auftreten oder ähnliche Komplikationen auftreten.

Kategorie 2: Hohes Risiko

Sie zählen zu dieser Gruppe, wenn eines oder mehrere der folgenden Kennzeichen auf Sie zutrifft:

  • Typ-2-Diabetes mit dauerhaft schlechter glykämischer Kontrolle
  • Gut eingestellter Typ-1-Diabetes
  • Gut eingesteller Typ-2-Diabetes, der mit Insulin behandelt wird
  • Schwangerschafts-Diabetes, der nur durch diätetische Maßnahmen oder Metformin behandelt wird
  • Chronische Nierenkrankheiten Stadium 3
  • Stabile makrovaskuläre Komplikationen
  • Patienten mit weiteren Krankheiten und Risikofaktoren
  • Menschen mit Diabetes, die schwere körperliche Arbeit leisten
  • Behandlung mit Medikamenten, die die kognitiven Fähigkeiten beeinflussen

Patienten mit hohem Risiko sollten nicht fasten. Wenn sie darauf bestehen, sollten sie folgende Punkte beachten:

  • Eine strukturierte Schulung ist notwendig
  • Eine Betreuung durch ein qualifiziertes Diabetes-Team muss vorhanden sein
  • Der Blutzuckerspiegel muss regelmäßig kontrolliert werden
  • Die Medikamenten-Dosis muss entsprechend den Empfehlungen angepasst werden.
  • Bei Hyper- oder Hypoglykämien muss das Fasten unterbrochen werden
  • Das Fasten muss komplett unterlassen werden, wenn öfter Hyper- oder Hypoglykämien auftreten oder ähnliche Komplikationen auftreten.

Kategorie 3: Mittleres/niedriges Risiko

Sie zählen zu dieser Gruppe, wenn eines oder mehrere der folgenden Kennzeichen auf Sie zutrifft:

  • Gut kontrollierter Typ-2-Diabetes, behandelt mit einer der folgenden Therapien, oder einer Kombination daraus:
    • Lebensstilintervention
    • Metformin
    • Acarbose
    • Thiazolidinedione
    • Sulfonylharnstoffe der zweiten Generation
    • Inkretin-basierte Therapie
    • SGLT2-Hemmer
    • Basales Insulin

Patienten, die fasten wollen sollten:

  • Eine strukturierte Schulung erhalten
  • Regelmäßig den Blutzucker kontrollieren
  • Die Medikamentendosierung entsprechend den Empfehlungen anpassen

[Stand: November 2017, KR]                            

Quelle:

„Diabetes and Ramadan: Practical Guidelines International Diabetes Federation (IDF), in collaboration with the Diabetes and Ramadan (DAR) International Alliance“, April 2016