Diabetes und der weibliche Zyklus

Expertenchat mit PD Dr. med. Ute Schäfer-Graf

Am 5. April 2018 findet der Experten-Chat zum Thema „Diabetes und der weibliche Zyklus" mit PD Dr. med. Ute Schäfer-Graf statt. Sie beantwortet Ihre Fragen live am Donnerstag zwischen 17:00 und 19:00 Uhr.

Dr. Schäfer-Graf
Dr. Schäfer-Graf

Dr. Ute Schäfer-Graf

Wüsthoffstraße 15
12101 Berlin
Protokoll der Sprechstunde

Betreff: Diabetes und weiblicher Zyklus

Sarah fragt: 

Liebe Frau Dr. Schäfer-Graf,

meine Tochter hat vor der Periode immer sehr hohe Blutzucker-Werte. Ich setze dann immer schon rechtzeitig den Bolus rauf und Basal spritzen wir auch mehr. Wir spritzen ja eigentlich Actrapid, bin aber damit gar nicht zufrieden. Frühestens nach 3 Stunden sinkt der BZ erst und wir müssen 4-5 Stunden warten, bis die kpl. Dosis abgebaut ist. Da lassen sich Überschneidungen manchmal nicht vermeiden, was natürlich auch eine Korrektur erschwert, da man ja im Hinterkopf immer das noch wirkende Insulin behalten muss! Für die Schule hatten wir uns auch Liprolog verschreiben lassen, weil sie ja in der Schule noch hjauswirtschaftslehre hat, wo die Kids dann kochen und essen. Sonst könnte sie ja nicht mitessen. Auf dieses Insulin spricht sie eigentlich unmittelbar an, und rauscht sofort mit den Werten in den Keller. Deshalb hatten wir das dann auch gelassen, da uns für den Anfang da bisschen die Übung fehlte Da sie aber in der Schule nicht runterkommt, sondern sie immer Mittags Werte zwischen 250-350 hat, müssen wir aber wohl dabei bleiben Oder haben Sie einen Tipp, wie man eine gute Dosierung während der Periode hinbekommt? Da sie ja erst 14 ist, kommt diese ja auch nicht so pünktlich und regelmäßig. Eine Planung ist deshalb schier unmöglich. Oder sollte sie jetzt schon die Pille nehmen, um das zu verbessern?

LG Sarah

Dr. Ute Schäfer-Graf antwortet: 

Liprolog oder andere Insulinanaloga lassen sich besser steuern und sollten eigentlich gerade bei jungen Menschen mit unregelmäßigerem Essens- und Lebensrhythmus primär zur Anwendung kommen. Aber evtl. niedrigere Dosis verwenden als bei Actrapid und lieber nochmals geringe Dosis nachspritzen, wenn noch zu hoch.

Betreff: Diabetes und weiblicher Zyklus

Jessica H. fragt: 

Guten Tag Frau Dr. Schäfer-Graf,

ich habe Diabetes Typ 1 und während der Menstruation immer sehr heftige Bauchschmerzen. Habe wegen der Regelschmerzen schon einiges ausprobiert: Homöopathie, ätherische Öle, Buscopan, Naproxen. Ich vertrage das aber entweder nicht oder es bringt nichts. Möchte jetzt deswegen die Pille nehmen, aber auch weil ich seiot 2 Wochen einen Freund habe und auf "Nummer Sicher" gehen will. Leider sind wir familiär sehr schlimm vorbelastet, meine Cousine hatte letztes Jahr (mit 28 Jahren) eine ganz schlimme Thrombose. Sie hat nicht geraucht und war körperlich fit. Die Ärzte gehen davon aus, die die Pille der Auslöser für die Thrombose mit anschließender Embolie war. Habe jetzt richtig Angst davor, die zu nehmen, aber weiss einfach nicht weiter. Ich habe mich inzwischen erkundigt und gelesen, das dann eine Pille ohne Östrogene eingenommen werden muss. Gibt es bei DM auch noch etwas was man im Bezug auf die Antibabypille bedenken muss? Wissen Sie was bzgl. Cerazette, 28 Mini oder Microlut? Haben Sie einen Tipp für mich?

Danke und Gruß Jessica

Dr. Ute Schäfer-Graf antwortet: 

Sie könnten eine Spirale verwenden, die hat kein Thromboserisiko. Oder die Minipille ohne Östrogene. Oder den Nuvaring, der von vielen jungen Mädchen genommen wird. Aber sinnvoll wäre erstmal zu erfragen, ob ihre Cousine nicht auch eine Gerinnungsstörung hat, die zur Thrombose geführt hat. Sonst brauchen Sie sich aber auch bei der Kombinationspille keine Gedanken über die Auswirkungen auf den Glukosestoffwechsel zu machen.

Betreff: Diabetes und weiblicher Zyklus

Nicole B. fragt: 

Hallo, bei meiner Tochter wurde vor 2 Wochen Diabetes mellitus Typ 1 festgestellt. Nun ist es so, dass sie seit Januar schon keine Menstruation mehr bekommen hat. Kann es an dieser Krankheit liegen? Oder evtl. anders herum, kann ein Hormonmangel DM auslösen? Viele Grüße Nicole B.

Dr. Ute Schäfer-Graf antwortet: 

Schlecht eingestellter oder nicht erkannter Diabetes kann zu Zyklusstörungen führen. Die Periode kommt bestimmt wieder nach der DM-Einstellung.

Betreff: Diabetes und weiblicher Zyklus

Elena fragt: 

Hallo,

ich habe keinen festgestellten Diabetes, habe aber Angst, dass ich einen bekomme weil meine Eltern beide Typ 1 haben. Daher kontrolliere ich öfter meinen BZ-Spiegel und stelle nun fest: Seitdem ich meine Tage bekomme (ich bin 13 und habe seit 4 Monaten meine Menstruation), habe ich kurz davor einen leicht erhöhten BZ (nüchtern 100-110 statt 70-80). Ist das normal osder schon ein Hinweis, dass etwas nicht stimmt. Hatte nun gelesen, dass es ja nur so bei Diabetikern ist. kann es auch sein, dass es bei gesunden Menschen vorkommt? Danke für Ihre Meinung!

LG Elena

Dr. Ute Schäfer-Graf antwortet: 

Vor der Periode sinkt die Insulinempfindlichkeit wegen des Abfalls der Östrogene und Anstieg Gestagen und dann kann es zu etwas höheren BZ-Werten kommen.

Betreff: Diabetes und weiblicher Zyklus

Tina fragt: 

Ich habe eine Frage: Ändert die Pille etwas an den krassen BZ-Schwankungen vor/während der Menstruation? Ich bin 17 Jahre alt und habe seit einem Jahr Diabetes Typ 1. Seitdem habe ich immer um die Periode herum so schlechte Werte und bekome sie auch nicht so gut in den Griff. Bis sich das wieder eingependelt hat, habe ich schon wieder bald die nächste Periode! Echt frustrierend!!! Danke für Ihre Hilfe im Voraus und viele Grüße Tina

Dr. Ute Schäfer-Graf antwortet: 

Möglich, eventuell mit einer 1-Phasenpille, die den ganzen Zyklus über die gleiche Hormonzusammensetzung hat. Bei Absetzen fallen dann beide Hormone und nicht nur Östrogen wie beim natürlichen Zyklus.

Betreff: Diabetes und weiblicher Zyklus

Siggi fragt: 

Guten Tag Frau Schäfer-Graf! Meine Tochter ist jetzt fast 16 und hat immer noch keine Periode, worunter sie sehr leidet. Sie hat seit 2,5 Jahren Diabetes. Der Frauenarzt hat kürzlich einen 17-beta-estradiol-Mangel festgestellt. Die Eileiter ließen sich im Ultraschall nicht darstellen. Sie soll demnächst mit Hormonen behandelt werden, was ich allerdings nicht befürworte. Kennen Sie ein natürliches Mittel, welches die Eierstockfunktion anregt? Was kann man da tun? Kann sie für immer unfruchtbar sein? Liegt das am Diabetes? MfG Siggi

Dr. Ute Schäfer-Graf antwortet: 

Wie ist denn die BZ-Einstellung ihrer Tochter? Bei schlechter Einstellung kann es zu Zyklusveränderungen kommen. Ein natürliches Mittel gibt es nicht. Einen Östrogenmangel sollte man behandeln, da auch die Entwicklung anderer weiblicher Organe beeinträchtigt sein kann.

Antwort Siggi:

Liebe Frau Schäfer-Graf,

vielen Dank für die Antwort. meine Tochter hat eigentlich eine normale BZ-Einstellung. Natürlich schwankt es immer maö sehr stark und sie hat auch Phasen, in denen sie nicht motiviert ist. Aber ihr Hba1c ist bei 7,9, also noch im Rahmen oder?

Viele Grüße

Siggi 

Antwort Dr. med. Ute Schäfer-Graf:

Der Normalwert liegt bei 6.5%. Aber klar ist die Motivation bei Jugendlichen nachvollziehbar schwankend.

Betreff: Diabetes und weiblicher Zyklus

Dilana fragt: 

Ich habe Typ 1 Diabetes und versuche seit etwa einem Jahr schwanger zu werden. Ich bin übergewichtigt (110 kg, 177 cm) und meine Periode ist auch sehr unregelmässig und kommt manchmal gar nicht. (Kleine nebenfrage: kan man trotz ausbleibender Menstruation auch schwanger werden? Habe immer widersprüchliche Aussagen dazu gehört). Meine BZ-Werte sind top in Ordnung, sicherlich muss ich abnehmen aber daran kann es ja nicht alleine liegen, dass meine Periode so unregelmäßig kommt oder? Liegt es am Diabetes - kann der unfruchtbar machen bzw. wie finde ich das heraus und was kann ich tun? Können Sie mir einen Tipp geben? Habe auch schon meine Schilddrüsen-Werte kontrollieren lassen, da es ja auch hätte daran liegen können. Da ist aber auch alles ok. Danke!

Dilana

Dr. Ute Schäfer-Graf antwortet: 

Bei Übergewicht ist die Chance schwanger zu werden vermindert und es gibt auch oft Zyklusstörungen. Der erste Schritt wäre sicher die Gewichtsabnahme. Das ist auch für die Schwangerschaft besser, da Übergewicht viele Probleme machen kann.

Betreff: Diabetes und weiblicher Zyklus

Hedwig fragt: 

Im Beipackzettel einer Zuckerlösung habe ich gelesen, dass man 3 Tage vor, während und 3 Tage nach der Periode den OGTT-Test nicht durchführen darf. Warum ist das so? Viele Grüße Hedwig

Dr. Ute Schäfer-Graf antwortet: 

Weil sich vor der Periode die Insulinempfindlichkeit verändert und damit ev.per se etwas höhere Blutzuckerwerte auftreten können.

Betreff: Langsamer Abbau des Insulins

Ilona O. fragt: 

Ich bin bald 33 und meine Ärztin hatte nach über 10 Jahren Kinderwunsch festgestellt, dass mein Insulin zu langsam abgebaut wird. Mein Zucker aber baut sich dafür schneller ab. In meiner Familie gibt es Oma und Vater, die Diabetes haben/hatten. Ich habe immer bei jedem Arzt auch das Risiko benannt. Aber keiner hatte es ernst genommen. Seit ich denken kann, hatte ich Probleme mit meinem Zyklus, er war nie, nicht mal mit der Pille regelmäßig. Bis zum 20. Lebensjahr hatte ich 42 Kilo, bei einer Größe von 158 cm. Dann wurde ich schwanger. Jeden Tag bin ich umgekippt, vorallem morgens. Bei den Zuckertest in der Schwangerschaft waren die Werte bei 90, nach 1 Stunde bei 80 und nach 2 std. bei 70. Mein Frauenarzt behauptete das es gute Werte seien und der untere Zucker besser ist als der höhere. Zum Ende der Schwangerschaft bekam ich einen Nierenstau 3. Grades. Alles endete mit Not Kaiserschnitt. Eigentlich wollte ich danach noch mal schwanger werden. Ich bekam dann bis heute immer wieder Probleme mit dem Zyklus und 2 Jahre nach der Geburt bekam ich auch eine enorme Gewichtszunahme, so dass ich jetzt ca. 75 Kilo wiege und neben großflächiger Verwachsungen, sich vorallem fett am Bauch entsteht. In den Jahren waren neben 2 Eileiterschwangerschaften auch 3 Fehlgeburten dabei. Immer öfters gab es kein Eisprung. Die Zyklustage schwankten immer von 35 bis 70 Tage. 2 mal war ich auch in einer Kinderwunschklinik. Bei Stimulationen bekam ich auch hochdosiert kein Eisprung und damals war ich 24. Die Ärztin hatte nur gesagt, dass es normal ist, wenn mal keiner wäre. Ich habe aber immer das Gefühl gehabt, dass trotz allem dem etwas nicht stimmt. Bei beiden Kliniken wurde weder Insulin noch der Zucker getestet, obwohl ich immer meine Familiengeschichte angab. Vor kurzem ging ich zu einer Hormonärztin, die vorher aus einer Kinderwunschklinik kam. Sie hatte anscheinend mal mir endlich richtig zugehört, denn neben Zuckertest, wurde auch alle Hormone gecheckt. Das Ergebnis ist halt der langsame Abbau des Insulins. Im Internet konnte ich trotz mehreren Satzumstellungen, aber keine eindeutige Antwort finden, was das letztendlich für mich bedeutet. Ich soll zurzeit ein Nahrungsergänzungsmittel nehmen, wo ein Enzym drin steckt. 2 Monate soll ich das nehmen und abnehmen mit einer Insulin Diät. Falls es nicht reicht, muss ich metformin nehmen. In der Zeit soll auch keine Schwangerschaft entstehen, weil sie auch nicht möchte, dass ich wieder eine Fehlgeburt bekomme. Es war übrigens sehr schwer herauszufinden im Internet was passiert bei unbehandelter Diabetes im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft. Meist liest man nur, es muss behandelt werden und es kann alles gut laufen bei guter Kontrolle. Schön das weiß ich. Aber ich will eine Antwort haben, ob dass in der Vergangenheit mit meinem ganzen Kinderwunschverlauf zu tun hatte und wieso keiner mich untersucht hatte. PCOS habe ich nicht laut Ärztin, aber alle Vorgänge waren verlangsamt. Hätte ich mir einiges an Leid ersparen können? Bin ich jetzt nun Zuckerkrank? Ich würde mich freuen, ein wenig Licht im dunklen zu bekommen. Vielen Dank.

Dr. Ute Schäfer-Graf antwortet: 

Es tut mir leid, aber ihre Krankengeschichte ist zu komplex um Ihnen in einem online Chat eine Befriedigende Antwort zugeben . Metformin kann Erfolg haben bei erhöhten Insulinwerten.