Übergewicht – was Patienten dagegen unternehmen können

Experten-Chat mit Birgit Adam

Am 20. September 2017 findet der Experten-Chat zum Thema „Übergewicht – was Patienten dagegen unternehmen können" mit Birgit Adam statt. Sie beantwortet Ihre Fragen live am Mittwoch zwischen 17 und 19 Uhr.

Birgit Adam, Diabetesberaterin DDG, Neustadt an der Weinstraße
Birgit Adam, Diabetesberaterin DDG, Neustadt an der Weinstraße

Birgit Adam

Schütt 2
67433 Neustadt
Protokoll der Sprechstunde

Betreff: Übergewicht

Joschua fragt: 

Können Sie mir vielleicht sagen um wie viel Prozent die Gefahr größer ist mit Übergewicht an Diabetes Typ 2 zu erkranken als mit einer schlanken Figur ? Kann man sagen, wenn man auf der Straße einen übergewichtigen Menschen sieht "der hat zu xx Prozent bestimmt auch Diabetes, der weiß es vermutlich nur noch nicht?" Ich finde es ist eine Katastrophe, wie die Lebensmittelindustrie mit Nährstoffen umgeht - insbesondere natürlich Zucker und Fett! Ich habe gesehen, dass diabetesDE sich massiv dafür einsetzt, dass diese Inhalte reduziert werden und das finde ich sehr gut!!! Wäre es nicht auch möglich einen Warenhinweis auf die Etiketten zu schreiben: "Diese Produkt enthält mehr Zucker als für eine gesunde Tagesdosis sinnvoll und kann u.a. Diabetes verursachen" In der Tabakindustrie wurde das ja jetzt erfolgreich umgesetzt. Das sollte doch auch ein wichtiger Punkt für die Gesundheitspolitik sein. Immerhin platzen die Arztpraxen aus allen Nähten und die Krankenkassen beschweren sich über zunehmend chronisch Kranke. Jetzt gab es ja wieder zu lesen, dass Ernährung bei etwa 20 Prozent aller Todesfällen eine hauptursache ist. By the way: (vermeintlich) gesunde Nahrungsmittel können sich normal Sterbliche immer weniger leisten. das frustriert mich zunehmend. U.a. Bioprodukte sind doch kaum erschwinglich für Otto Normalbürger...

Viele Grüße Joschua

Birgit Adam antwortet: 

Lieber Joschua,
die Gefahr an Diabetes zu erkranken bei bestehendem Übergewicht ist zwar hoch, hängt aber dennoch von vielen Faktoren ab wie z.B. genetische Disposition, Bewegungsverhalten, Ernährungsstatus, Grad des Übergewichtes, Alter  etc. so dass man dies nicht an einem festen Prozentsatz ausmachen kann. Allgemeingültig das jeder Übergewichtige Diabetiker ist kann ich nicht bestätigen.  Es gibt durchaus auch einige Übergewichtige die "stoffwechselgesund" sind !

Zu ihrer Frage wegen der Kennzeichnung von Lebensmittel hinsichtlich Zucker und Fettanteil hat sich in den letzten Jahren ja einiges getan. So ist es gesetzlich festgelegt das verpackte Nahrungsmittel deklariert werden müssen.Die Verbraucher müssen erkennen können, was sie essen. Dabei helfen klare rechtliche Regelungen wie etwa bei der Grundkennzeichnung und Allergenkennzeichnung. Eine Extra ausweisung  oder gar eine "Warnung" ist derzeit noch nicht vorgesehen. Die Bestrebungen gehen eher in die Richtung eine "Zuckersteuer" zu erheben.

P.S. Mittlerweile bieten viele Discounter auch Bioprodukte zu erschwinglichen Preisen an !

Beste Grüße und ihnen einen schönen Abend !
Ihre Birgit Adam

Betreff: Übergewicht

Rita fragt: 

Hallo,

ich bin stark übergewichtig (wiege 105 Kg bei 1,72) und möchte nun gerne schwanger werden. meine Frauenärztin riet mir ab, da ich erst einmal etwas Gewicht verlieren solle um kein Schwangerschaftsdiabetes etc. zu riskieren. Aber ich habe schon alle Diaäten durch und bei meinem Gewicht fällt mir Sport, der auch effektiv verbrennt, nichgt leicht. Habe dann immer Gelenkschmerzen bekommen und auch Rückenschmerzen. Können Sie mir einen Tipp geben, wie ich etwas Gewicht runter bekomme. Meine Ärztin meinte, es sollten auf jeden Fall mal 20 Kg sein :-( Danke und Gruß Rita

Birgit Adam antwortet: 

Liebe Rita,
seit die Bevölkerung immer übergewichtiger wird und Frauen ihre Kinder immer später bekommen, sind Übergewicht und Adipositas bei Schwangeren ein häufiges Problem. Sinnvoll ist es in Ihrem Fall, sich rechtzeitig Unterstützung zu holen in Forn einer qualifitierten Beratung wie z.B. bei einer ambulanten Ernährungsberaterin (Diätassistentin oder Oecotrophologin),  denn eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige körperliche  Bewegung  fördern  Gesundheit  und  Wohlbefinden.  So ist  vor  und  in  der  Schwangerschaft  ein  ge-
sunder  Lebensstil  besonders  wichtig.  Ernährung  und Bewegung  wirken  sich  auf  Mutter  und  Kind  aus,  und
das nicht nur kurzfristig während der Schwangerschaft sondern auch noch lange darüber hinaus !

Eine ambulante Ernährungsberatung wird in der Regel bezuschußt von ihrer Krankenkasse. Fragen Sie mal nach !

Ihnen einen schönen Abend !
Ihre Birgit Adam

Betreff: Übergewicht

Ayse A. fragt: 

Ich habe Übergewicht und seit 3 Jahren Diabetes Typ 2. Versuche schon seit längerem auch wegen Familienplanung bessere BZ-Werte zu bekommen und auch abzunehmen - um ersteres besser zu erreichen. Jetzt bin ich tatsächlich schwanger geworden (7.SSW) und meine Diabetologin hat auf insulin zur Nacht umgestellt. Jetzt lese ich so viele schlimme Sachen im Internet über nicht genau geplante ss wegen der fehlbildungen, totgeburten, frühchen etc. Habe nun drüber nachgedacht die ss zu beenden um dem Baby etwaige Schäden zu ersparen. Aber ich kann es nicht dafür freue ich mich viel zu doll! Finden Sie das egoistisch (war schon oft ein Vorwurf!) Was kan ich nun tun, um eine gute SS zu haben und das Kind nicht zu gefährden? Wenn ich plötzlich wie ein Wahnsinniger Sport mache, wäre das doch evtl. auch nicht gut oder? Versuche es über das Essen aber ich habe jetzt schon Angst vor dem berüchtigten Heißhunger! Wie soll ich da reagieren? man sagt ja auch der sei wichtig, da er zeigt, was man braucht für das Baby! Ich will das ja nicht völlig ignorieren um dann dem Baby Mangelerscheinungen anzutun. Ach ich bin total überlastet und weiss nicht weiter. Können Sie mir sagen, was ich tun soll? kan ich eine SS riskieren udn wenn ja wie?

Vielen Dank für einen Tipp im Voraus und LG Ayse A.

Birgit Adam antwortet: 

Liebe Fr. A.,
da ich ihre bisherigen Stoffwechselwerte nicht kenne, kann ich natürlich schwer beurteilen wie risikoreich ihre Schwangerschaft ist.
Aber ich kann Ihnen aus eigener beruflichen Erfahrung sagen, dass nur ein geringer Teil meiner Patientinnen ihre Schwangerschaft geplant hat ! Durch eine engmaschige Betreuung der Frauen und Stabiliesierung der Werte sind alle Kinder "putzmunter " zu Welt gekommen. ! Ich gehe davon aus, dass in ihrer diabetologischen Praxis auch eine Diabetesberaterin tätig ist und die sie begleiten wird in der Schwangerschaft. Sie wird sie auch hinsichtlich der ausgewogenen Ernährung für ihr Kind, Umgang mit Heißhungerattacken etc. umfangreich beraten können.

Ihnen alles Gute und einen schönen Abend !
Ihre Birgit Adam

Betreff: Übergewicht

Rashid K. fragt: 

Guten Tag! kann Übergewicht Diabetes auslösen? Und ist Diabetes "heilbar" wenn das Übergewicht wieder abgebaut wird? Ich habe 90 kg auf 180 cm und in den Medien liest man ja immer den Zusammenhang. Habe aber auch schon gelesen, dass Übergewicht nichts mit Diabetes zu tun hätte und wenn man Diabetes Typ 2 hat würde Abnehmen auch nicht helfen die Werte zu normaliesieren... . Was denn nun???? Viele Grüße Rashid Koc

Birgit Adam antwortet: 

Lieber Herr K.
Übergewicht kann Diabetes auslösen, das steht fest. Die "Art" des Diabetes nennt man Diabetes Typ 2. Dieser ist durch Optimierung der Lebensweise ( Mehr Bewegung, ausgewogenes Essen, ..)  in den Anfängen durchaus "heilbar". Besteht der Diabetes Typ 2 schon länger kann zwar keine "Heilung " mehr erfolgen, aber trotzdem eine Verbesserung der Diabetes- Einstellung. Es lohnt sich also !

Beste Grüße !
Ihre Birgit Adam

Betreff: Übergewicht

Katharina B. fragt: 

Liebe Frau Adam,

ich habe einen Sohn, der ist gerade eingeschult worden und hat starkes Übergewicht. Wir Eltern sind jedoch normal gewichtig. Wir ernähren uns ganz npormal (wie man so sagt), also ich achte schon auf eine ausgewogene Ernährung, wir kochen selbst gerne und mit viel Gemüse und wenig Fleisch. Auch im Kindergarten hatte mein Sohn sehr abwechslungsreich gegessen. Doch er hat nun mit seinen 6 Jahren einen BMI von 20! Sicherlich isst er auch hin und wieser Süßes, was sich ja echt nicht vermeiden lässt. Aber wir schränken es sehr ein! Wir glauben aber dass es vor allem daran liegt, dass er so viel isst. Er isst wie ein Erwachsener. Wir müssen stets für 6 Personen kochen (und wir sind ja nur 3!), um satt zu werden. Also wir essen ja auch viel. kann es sein, dass er sich das abschaut und daher über seine nötige Menge hinaus isst? danach klagt er oft über Bauchweh aber wir kömnnen ihm das essen ja nicht verwehren!? Er kann es nicht einschätzen, wie viel er noch essen mag und wenn er zu viel gegessen hat, ist es ja schon zu spät. Wir üssen ihn fast immer stoppen und ihm sagen dass er jetzt aber genug hat. Gibt es eine Krankheit, wo Kinder nicht merken, wie viel sie vertragen und kein Sättigungsgefühl haben etc.? Aber ich kann ihn ja jetzt noch nicht auf Diät setzen oder??? Was kan man bei Kindern in so einem Fall tun? Ich habe Angst, dass er mal gemobbt wird - jetzt wo er in die Schule gekommen ist und auch dass er gesundheitliche Probleme bekommt. Können Sie uns einen Hinweis geben, ob das noch normal ist, sich verwächst oder was es mit seinem unbändigen Hunger auf sich hat?

MfG Katharina Birk

Birgit Adam antwortet: 

Liebe Fr. B.,
ein Teufelskreis kann entstehen, wenn ein Kind zu Hause, im Kindergarten oder Hort unter Druck gerät, zu essen oder nicht zu essen, obwohl es noch nicht satt ist oder Dinge zu essen, gegen die es einen Widerwillen hat. Daraus kann sich eine solche Trotz- und Abwehrreaktion entwickeln, dass Eltern wie Kind das Essen nur noch als Stresssituation und Kampfplatz erleben. Je mehr Druck entsteht weniger zu essen, umso mehr verweigert das Kind das "richtige" Essen - und umso mehr die Eltern in Sorge um die Ernährung ihres Kindes geraten, verstärken sie den Druck.
Je mehr die Eltern ihr Kind beim Essen bremsen wollen, umso mehr kämpft es um sein Essen.
Eine längerfristige ambulante Beratung (Eltern und Kind ) wäre für Sie sinnvoll z.b. Obeldicks- Programm  Oft kann schon in einem oder mehreren Beratungsgesprächen ein solcher Teufelskreis zwischen Eltern und Kind gelöst werden.
Das ihr Kind sich von Ihnen nur die Erwachsenenportion "abschaut", halte ich für unwahrscheinlich.

Eine ernst zu nehmende kindliche Essstörung liegt vor, wenn

 -das Kind ohne körperliche Ursachen Essen erbricht.
 -das Kind deutliche Symptome einer Esssucht aufweist, d.h. Essen als Ersatzmittel für seelische Bedürfnisse benutzt, kein  Sättigungsgefühl spürt, das Essen in sich hinein schlingt, viel ans Essen denkt und vom Essen spricht, heimlich isst, evtl. lügt oder stiehlt - und die Gewichtskurve ständig steigendes Übergewicht zeigt.
In diesen Fällen brauchen Sie und Ihr Kind dringend Hilfe. Nehmen Sie Kontakt auf mit ihrem Kinderarzt. Er wird eine medizinische oder therapeutischen Abklärung und Begleitung an eine spezialisierte Einrichtung weiter verweisen.
 
Ihnen alles Gute und einen schönen Abend !
Ihre B.Adam

Betreff: Übergewicht

Jasmin G. fragt: 

Sehr geehrte Frau Adam,

ich habe vom Medikamnent Exenatid gehört, das bei Typ 2 hilft abzunehmen. Ist das richtig und worauf muss ich achten? Wann kann ich mir das verschreiben lassen etc.?

Freundliche Grüße Jasmin Gerstenschläger

Birgit Adam antwortet: 

Liebe Fr. G.,
der Wirkstoff Exenatide wird bei Menschen mit Typ 2 Diabetes erst in der 2. Behandlungsstufe und nur in einer Kombinationstherapie eingesetzt.
Er wird ähnlich wie Insulin unter die Haut gespritzt. Es hat außer einer blutzuckerregulierenden auch eine appetithemmende Wirkung ,die leider nur bei einem geringen Teil der Patienten auftritt.

Ihnen alle Gute und beste Grüße !
Ihre B.Adam

Betreff: Übergewicht

Sarah fragt: 

Guten Tag Frau Adam, ich habe zwei Kinder und backe leidenschaftlich gerne. Können Sie mir einen Tipp geben, wie ich zuckerfrei backen kann, das auch für meine Minder gut ist. habe gehört, dass man Kindern noch keine Zuckerersatzstoffe wie Stevia geben sollte. Stimmt das? Würde unseren Zuckerkonsum trotz Backleidenschaft gerne etas reduzieren... Danke und Gruß Sarah

Birgit Adam antwortet: 

Liebe Sarah,
Zuckerersatzstoffe sind zwar mittlerweile meist backfest, aber teuer und für die Kinderernährung nicht unbedingt sinnvoll.
Am einfachsten ist es den Zucker in den Rezepten um etwa -30-50 % zu reduzieren Die Backeigenschaften bleiben gleich und sie haben keine künstlichen Süßungsmittel.

Liebe Grüße !
Ihre B.Adam