Rund um die Diabetestherapie

Expertenchat mit Prof. Dr. med. Thomas Haak

Am 27. Juni 2019 findet der Experten-Chat zum Thema "Rund um die Diabetestherapie" mit Professor Dr. med. Thomas Haak statt. Er beantwortet Ihre Fragen live am Donnerstag zwischen 17:00 und 19:00 Uhr.

Prof. Thomas Haak
Prof. Thomas Haak, Bad Mergentheim

Prof. Dr. Thomas Haak

Finanzvorstand
 
Chefarzt der Diabetes Klinik am Diabetes Zentrum Mergentheim
Diabetesklinik Bad Mergentheim
Theodor-Klotzbücher-Str. 12
97980 Bad Mergentheim
Protokoll der Sprechstunde

Betreff: Umstellung von Tabletten auf Spritze

Andreas K. fragt: 

Guten Tag,

meine Frau wird seit 3 Wochen von Tabletten auf Spritze umgestellt. Ein Diabethologe führt Regie. Die Blutzuckerwerte meiner Frau sind Katastrophal. Zum Beispiel Morgens 111 / Nach Frühstück 454 / Mittags 275 / Abends 382. Langsam mache ich mir Sorgen. Der Arzt begründet diese Werte damit, dass die Einstellung langsam erfolgen soll. Mein Vertrauen in diesen Arzt ist infolge administrativer Falschaussagen nicht sonderlich groß. Können meine Frau und ich trotzdem vertrauensvoll sein oder sind diese Werte über Wochen eher besorgnisbegründend ? Wie sollen wir uns verhalten ? Medikamente: Metformin 1000 (2x1), Glimeperid 3 mg ( 1x1), Xelevia 100 mg (1x1), Abasaglar (20 Einheiten abends).

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Lieber Herr K.,

die Werte zeigen an, dass tagsüber offenbar Insulin fehlt. Es wäre daher ratsam GLIMEPIRID abzusetzen und zu den Hauptmahlzeiten ebenfalls Insulin zu spritzen. Man würde hier für ein kurz wirksames Insulin verwenden. Mit einer solchen Therapie ist Ihre Frau dann flexibel und die Werte werden sicherlich bald besser sein.

Herzliche Grüsse
Ihr

Prof. Dr. med. Thomas Haak

Betreff: Reha

Evelyn B. fragt: 

Sehr geehrter Prof. Haak,

gibt es in Deutschland neben Bad Kissingen und Bad Mergentheim Reha-Kliniken, welche sich schwerpunktmäßig mit der Therapie des Typ-1-Diabetes befassen ? Vielen Dank für Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen Evelyn B.

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Liebe Frau B.,

es gibt in Deutschland eine ganze Menge an Kliniken, die sich mit Diabetes befassen. Sie finden die zertifizierten Kliniken auf der Homepage der Deutschen Diabetes Gesellschaft unter www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de
Ich hoffe Sie werden dort fündig.
Herzliche Grüsse
Ihr

Prof. Dr. med. Thomas Haak

Betreff: Blutzuckerwert niedriger bei weniger Metformin?

Christine B. fragt: 

Guten Tag,

DM Typ 2, Einstellung mit Metformin 500 1xtäglich, Langzeitwert zwischen 6.4 und 6.8. Versuchsweise nehme ich nun die halbe Dosis Metformin. Der Blutzucker ist nun tiefer, aber im Normalbereich. Ich habe keine Veränderung der Ernährung. Im Gegenteil, aktuell bin ich weniger aktiv aufgrund zunehmender Schmerzen. Das müsste theoretisch zu einem Anstieg des Blutzuckers führen. Bei Bedarf nehme ich Novalgin Tabletten gegen die Schmerzen. Kann das eine Ursache sein? In der Theorie finde ich keine Erklärung dafür.

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Liebe Frau B.,
Metformin wirkt relativ kurz und sollte zweimal pro Tag eingenommen werden. Ich würde Ihnen daher empfehlen, Metformin 500 mg morgens und abends einzunehmen. Die HB A1C Wert werden sich darunter weiter stabilisieren. Mit den Schmerzen hat die Einnahme von Metformin allerdings nichts zu tun. Hier müsste man die Ursache für die Schmerzen finden.

Herzliche Grüsse
Ihr

Prof. Dr. med. Thomas Haak

Betreff: Therapie Typ 2

Harald S. fragt: 

Guten Tag Herr Prof. Haak,

ich bin 50 Jahre alt und habe seit 10 Jahren Typ2. Seit ca. einem guten halben Jahr ziemliche Probleme mit der Therapie. Ich spritze 3x tägl. Fiasp und zur Nacht Toujeo. Zusätzlich nehme ich Janumet. Alle anderen Optionen haben keinen Erfolg aufgrund der Nebenwirkungen gehabt. Ich hatte bereits Jardiance und Victoza. Da ich zusätzlich unter einer Niereninsuffizienz und pAVK bei einem BMI von 32 leide, bin ich sehr verängstigt zwischenzeitlich. Da ich in der Nähe von Heilbronn wohne, hatte ich dem Diabetolgen eine Behandlung bei Ihnen in der Klinik vorgeschlagen. Leider ging er nicht darauf ein, was ich sehr schade fand. Über eine Antwort von Ihnen würde ich mich sehr freuen.

Vielen Dank.

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Lieber Herr S.,

das hört sich bei Ihnen ziemlich kompliziert an, weil viele Medikamente nicht wirken oder vertragen werden. Wenn die ambulanten Behandlungsmöglichkeiten nicht den gewünschten Erfolg bringen, ist eine stationäre Behandlung angezeigt. Allerdings muss dies mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Ich rate Ihnen daher, nochmals nach zu fragen, ob ihr behandelnder Arzt mit dem Therapieergebnis wirklich zufrieden ist.
Herzliche Grüsse
Ihr

Prof. Dr. med. Thomas Haak

Betreff: Jardiance 25 mg

Gerhard O. fragt: 

Mein Langzeitwert ist von < 7,0 (2018) auf 7,7 (März 19) gestiegen, die Ärztin hat deshalb Jardiance 10 mg auf 25 mg (jeweils 1x früh) erhöht, außerdem nehme ich Janumed 1-0-1, Lisinopril (1-0-0) und Tamsulosin 0,4 mg abends ein, meine eigenen Messungen nüchtern früh, 2x pro Woche haben sich aber nicht verbessert, eher verschlechtert, von 7 bis 7,5 (2018) auf > 8, teilweise > 9, ich bin 75 Jahre alt, Gewicht 72 kg, 172 cm, habe körperliche Aktivitäten (Gartenarbeit, Nordish Working) und seit Januar 2019 1x pro Woche 1,5 Stunden Sport nach Programm (Physiotherapie), muss ich mir Sorgen machen bei diesen Werten?

Danke und freundlche Grüße, Gerhard O.

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Lieber Herr O.,
Es sieht so aus, als ob sie zur Nacht ein Basis Insulin bräuchten. Damit können Sie die Blutzuckerwerte am Morgen stabilisieren und mit einem guten Wert in den Tag starten. Dann müssten sich auch alle anderen Werte weiter verbessern. Herzliche Grüsse

Ihr

Prof. Dr. med. Thomas Haak

Betreff: Nutri Score

Wolfgang K. fragt: 

Haben sie diese Woche schon den Bundestag -Frau Klöckner- aufgefordert der Nutri Ampel zuzustimmen ??????? Es sollte als Sprachohr der Diabetiker jede Woche neuer Druck aufgebaut werden, dass diese Kenntlichmachung endlich kommt. Sie wissen selbst, daß die Bürger nicht im Supermarkt die Zutatenliste lesen. Also muß der Getzgeber- zum Wohle der Bevölkerung- gezwungen werden dieser Ampel zuzustimmen.

Mit freundlichen Grüßen Wolfgang K.

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Lieber Herr K.,

Sie haben vollkommen recht. Die Nährwertampel ist eine sinnvolle und gute Sache, die die deutsche Diabetes Gesellschaft und die deutsche Diabetes Hilfe schon lange fordern. Aber es müssten sich noch viel mehr Patienten-Organisationen dafür engagieren, dass die Politik das auch umsetzt. Schliesslich sind in Deutschland mittlerweile mehr als 7 Millionen Menschen von Diabetes betroffen.
Herzliche Grüsse
Ihr

Prof. Dr. med. Thomas Haak

Betreff: Keine REHA nach 4 Jahren, Fettabsaugung

Sigrid W. fragt: 

Ich habe seit 1991 den Typ 1 diagnostiziert bekommen und spritze seit 1991 fast fünfmal täglich Insulin. Man sagt mir ich soll meinen BMI auf 30 runterfahren, was nicht möglich ist. Habe schon viele Ernährungsseminare besucht bei der AOK. Bewege mich sportlich, aber das Alter tut sein Übliches bin 66 Jahre und da schwinden die Pfunde nicht so. In Bad Heilbrunn war ich akut eingewiesen, da mein Körper Insulinresident war. Durch einen SEA haben wir bessere Werte erreicht. Aber auch keine Gewichtsreduktion. Dort wurde im Abschlussbericht durch den Facharzt festgestellt das ich Insulineinlagerungen im Bauch und Oberbauch habe. Prof. Dr. Hofmann hatte mir ein Attest erstellt und dies wurde nach einem Antrag durch die AOK Bayern abgelehnt und zum MdK Bayern gesandt von dort auch eine Ablehnung, ich glaube diese Antwort zeigt mir das diese Leute beim MdK garnichts wissen über Diabetes. Dr. Pagnia mein Diabetesarzt hat für mich einen REHA Antrag an die AOK Bayern gestellt, zum Zeitpunkt wären angeblich noch nicht die 4 Jahre rum, um das man den Antrag bearbeitet. Herr Graf von der AOK Bayern hatte meinen Antrag nach 4 Jahren( Nov. 2014 letzte REHA nach Knieop.) an den MdK Bayern gesandt. Was kam eine Ablehnung keine REHA und ich sollte sogar meinen Widerspruch zurück nehmen, was ich nicht mache. Selbst die Einschätzung vom MdK läst mich traurig stimmen ich sollte weniger Kohlehydrate zu mir nehmen, zeigt von sehr wenig Wissen. Bin 60 % Schwerbeschädigt, im Curaplan eingetragen, gehe vierteljährig zur Kontrolle beim Diabetesarzt, bin bei Fragen auch bei meiner Hausärztin welche sich mit Diabetes sehr gut aus kennt. Sehr schade das ich nach 45 Arbeitsjahren wenig Rente erhalte, da ich in der ehemaligen DDR nicht soviel verdient habe bei ständiger Vollbeschäftigung. Gehe im Sommer noch einen 450,00 € Job nach da ich mit 800,00 € Rente keine medizinischen Behandlungen bezahlen kann. Es wäre sehr schlimm wenn ich dafür noch einen Kredit nehmen müsste. P.S. Die REHA wollte ich sehr gern in Bad Heilbrunn machen, weil dort die Ärzte mir einen sehr vertrauten und fachlichen Eindruck hinter lassen haben. Mit freundlichen Grüßen Sigrid.

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Liebe Frau W.,

das hört sich alles sehr kompliziert an. Ich glaube aber auch, dass man nicht durch eine Reha Massnahme alleine Gewicht verlieren kann. Es müsste viel mehr ein kontinuierlicher Prozess sein, bei dem Sie langsam Gewicht verlieren. Eine Ernährungsberatung mit genauen Kalorienplan ist da sicherlich hilfreich.

Ich wünsche Ihnen viel Glück das es mit ihren Wünschen vielleicht doch noch klappt.
Herzliche Grüsse
Ihr

 

Prof. Dr. med. Thomas Haak

Betreff: forxiga

Ralf H. fragt: 

Ich bin 53, vor vier Jahren wurde Diabetes 2 festgestellt, vor 2 1/2 Jahren Metformin und seit 1 1/4 Jahren nur 1 tgl. Forxiga 10mg . Seit der Diagnose vor 4 Jahren habe ich 24 Kg abgenommen, durch Forxiga nahm ich im letzten Jahr nochmals 10 kg ab.(im Moment 98 Kg Größe 1,83) Meine Frage wieviel Kalorien täglich sollte man nicht unterschreiten? Darf man 5:2 Fastentage durchführen? Was ist mit Nebenwirkungen von Forxiga, las zufällig von fleischfressenden Bakterien im Genitalbereich. Danke.

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Lieber Herr H.,

bei ihrer Größe verbrauchen Sie rund 2200 k cal pro Tag, wenn Sie nicht körperlich hart arbeiten. Wenn Sie weiter an Gewicht verlieren wollten, sollten Sie 500 kcal weniger zu sich nehmen. Dann verlieren Sie rund 1 kg Körpergewicht in 14 Tagen. Ihre Medikamente sind gut und meist gut verträglich. FORXIGA kann wirklich in sehr seltenen Fällen Infektionen im Genitalbereich machen, die auch schwer verlaufen. Das ist allerdings in der Tat sehr sehr selten.

Herzliche Grüsse

Ihr

Prof. Dr. med. Thomas Haak

Betreff: Insulinresisdenz

Sigrid W. fragt: 

Ich habe zum größten Teil eine Insulinresisdenz. Das Insulin kommt nicht da an wo es helfen soll. Habe eine Kur beantragt erst waren die 4 Jahre nicht rum und nach Beantragung des Ablaufes wurde wieder abgelehnt kein Grund vorhanden ich soll Diabetes- und Ernährungsberatung machen. Ich bin seit 1991 Diabetiker Typ 1. Ich soll den BMI von 30 erreichen und wie soll ich es machen lebe schon Diät bewusst. Dann darf ich garnichts mehr essen ???????

Prof. Dr. Thomas Haak antwortet: 

Liebe Frau W.,

zur Ablehnung ihrer Kur kann ich relativ wenig sagen. Ich weiss aber auch, dass Gewichtsreduktion sehr schwer ist und meist nur durch eine kontinuierliche und langfristige Betreuung funktioniert. Dies kann auch ambulant erfolgen. Sie müssten sich eine gute Ernährungsberatung suchen.

Herzliche Grüsse

Ihr

Prof. Dr. med. Thomas Haak