Fett-Protein-Einheit (FPE)

Fett-Protein-Einheit: Insulinbedarf für Fett und Eiweiß berechnen

Nicht nur Kohlenhydrate erhöhen die Glukosekonzentration im Blut -  auch Fette und Proteine.  Sie können bei der Insulinberechnung berücksichtigt werden, insbesondere, wenn eine Mahlzeit viel Protein und Fett enthält. Bei einer intensivierten Insulintherapie (ICT) wird dies normalerweise bereits mit dem BE-/KE-Faktor abgedeckt. Bestehen Mahlzeiten nur bzw. größtenteils aus Fett und Eiweiß (z.B. im Rahmen einer ketogenen Ernährung), kann es jedoch sinnvoll sein, auch Insulin für Fett-Protein-Einheiten (FPE) zu spritzen. 

Eine FPE entspricht hundert Kilokalorien aus Fett und Eiweiß. Bei Lebensmitteln, die nur Fett und Eiweiß enthalten, zum Beispiel einem Steak, lassen sich die FPE einfach berechnen. Dazu teilt man einfach deren Kaloriengehalt durch hundert. Enthält das Essen auch Kohlenhydrate, muss deren Kaloriengehalt vom Gesamtkaloriengehalt abgezogen werden.

1 KE / BE entspricht 10 g bzw. 12g Kohlenhydraten
1 FPE entspricht 100 kcal aus Fett und Eiweiß, wobei 1 g Fett = 9 kcal und 1 g Protein = 4 kcal ist. 


Weil Fett und Eiweiß den Blutzucker verzögert steigen lassen, kann die nötige Insulinmenge nicht zusammen mit dem Insulin für die Kohlenhydrate gespritzt werden. Am einfachsten haben es Menschen mit Diabetes und einer Insulinpumpentherapie. Sie können einen "verzögerten Bolus" programmieren. Das ist eine Insulindosis, die über einen längeren Zeitraum abgegeben wird. Wie lange, hängt von der Menge der Fett-Protein-Einheiten ab. Als Faustformel gilt:

  • 1 FPE (100 kcal) über 3 Stunden
  • 2 FPE (200 kcal) über 4 Stunden
  • 3 FPE (300 kcal) über 5 Stunden
  • 4 FPE und mehr über 6-8 Stunden

Ein Rechenbeispiel: Die Mahlzeit besteht aus 300 g Filetsteak (300 g) und Salat mit Dressing:

  • 300 g Steak = 23 g Fett + 60 g Eiweiß + 0 g Kohlenhydrate; Salat = 10 g Fett und 15 g Eiweiß + 0 g Kohlenhydrate.
  • 33 g Fett x 9 kcal + 75 g Eiweiß x 4 kcal = 597 kcal aus Fett und Eiweiß gesamt
  • 597 kcal/100 kcal= 5,97 FPE.

Man rechnet für diese Mahlzeit also mit 6 FPE.

Die Methode der FPE-Berechnung stammt von Dr. E. Pankowska aus Warschau und sieht vor, dass der Insulinbedarf für die Verstoffwechselung von 1 FPE der gleiche ist wie für die Verstoffwechselung von 10 g Kohlenhydraten. Mit anderen Worten: Insulinfaktor für 1 FPE = Insulinfaktor für 1 KE. Allerdings muss man seinen Blutzucker dabei sorgfältig im Auge behalten, da natürlich das Risiko für eine Unterzuckerung steigen kann. Viele Diabetologen empfehlen daher, zunächst für eine FPE nur die Hälfte der Insulinmenge zu veranschlagen, die man für eine Kohlenhydrateinheit (KE) spritzt.
Die Abgabe des Insulins sollte dann über die Insulinpumpe mit einem verzögerten Bolus (im Beispiel über 3 bis 8 Stunden erfolgen. Wer einen Pen benutzt, muss sich langsam an die Lösung herantasten – zum Beispiel kann etwa drei Stunden nach einer fett- und eiweißreichen Mahlzeit eine kleine Dosis Insulin nachgespritzt werden.

Ob Pumpe oder Pen: Bitte behalten Sie Ihren Blutzucker bei der Anpassung der Insulingaben für FPE wegen der Hypogefahr sorgfältig im Auge. Wichtig außerdem: Bevor Sie anfangen mit FPE zu arbeiten, überprüfen Sie bitte sorgfältig Ihre Basalraten-Einstellung! Im Zweifel besprechen Sie die Berücksichtigung von FPE und Insulinanpassung vorab mit Ihrem Diabetesteam.