Rund um die Diabetestherapie

Am 4. Mai 2017 findet unsere Experten-Sprechstunde mit Dr. Jens Kröger zum Thema "Rund um die Diabetestherapie" statt. Er beantwortet Ihre Fragen live zwischen 17 und 19 Uhr.

Dr. med. Jens Kröger, Hamburg
Dr. med. Jens Kröger, Hamburg

Dr. med. Jens Kröger

Vorstandsvorsitzender; Internist und Diabetologe DDG

Zentrum für Diabetologie Hamburg Bergedorf
Glindersweg 80 Haus E/C
21029 Hamburg
Protokoll der Sprechstunde

Betreff: Allergie

Sandro C. fragt: 

Sehr geehrter Herr Dr. Kröger, meine Partnerin und ich waren auf dem T1 Day im Januar 2017 in Berlin und haben Ihren Vortrag bezüglich ‚Pflaster‘ und Klebstoffe gehört. Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals bei Ihnen für den Vortrag bedanken, da ich ihn für sehr richtig und wichtig hielt und halte. Meine Partnerin ist seit 3 ½ Jahren Typ 1 Diabetikerin. Sie hat ihren Diabetes im jugendlichen Alter von 43 Jahren erworben. Blasenpflaster oder auch Antihistaminika verhindern allerdings nicht, dass meine Partnerin beim Anlegen vom Freestyle Libre Sensor oder ihrer schnurlosen Pumpe Reaktionen auf der Haut bekommt. Gemeldet hat sie dies auch bei den Firmen. Mittlerweile kann sie weder Sensor noch Pumpe verwenden, was sich auf die Insulintherapie meiner Freundin selbstverständlich auswirkt und das nicht nur physisch sondern auch psychisch. Sind Pflaster / Klebstoffe Bestandteile eines Zulassungsverfahrens bzw. sollten sie es vielleicht nicht sogar sein? Meiner Freundin und vielen anderen Betroffenen werden durch die aktuell verwendeten Klebstoffe Therapiemöglichkeiten verwehrt. Anders herum sägen die Firmen an ihrem Ast auf dem sie sitzen wenn sie diese Klebstoffe weiter verwenden und immer mehr Reaktionen auf die Klebstoffe zeigen.

Dr. med. Jens Kröger antwortet: 

Lieber Herr C.,

vielen Dank für ihre lieben Worte. Die Pflaster sind genauso wie das technische Produkt (hier CGM oder FGM) Teil des Zulassungsverfahrens, d.h. auch die Inhaltsstoffe wurden für die medizinische Verwendung freigegeben. In den letzten Jahren verwenden immer mehr Menschen Geräte zur Glukosemessung in der Haut. Durch die teilweise lange Liegedauer der Sensoren wurden jetzt neue Erfahrungen gemacht, die vorher nicht in den Ausmaß vorhanden waren. Es ist daher wichtig, dass alle Menschen mit Diabetes, die diese Probleme mit Pflastern, gleich weder Art (FGM/CGM/Patch-Pumpen/Insulinpumpenkathetern) haben, dies bei den Firmen oder unabhängigen Institutionen melden. Nur dann wird sich auch etwas ändern bzw. man geht daran um z.B. die Klebstoffe zu verändern. Ich wünsche ihrer Partnerin und Ihnen alles Gute,

viele Grüße aus Hamburg

Dr.med. Jens Kröger

Betreff: Ketogene Ernährung

Linda H. fragt: 

Darf man bei Diabetes typ 1 eine ketogene Ernährung durchführen?

Dr. med. Jens Kröger antwortet: 

Liebe Frau H.,

klar können Sie eine ketogene Ernährungsform als Mensch mit Typ 1 durchführen. Bitte lassen Sie sich bei ihrem Diabetesteam die Vor-und Nachteile erklären. Ich wünsche Ihnen alles Gute,

viele Grüße aus Hamburg

Dr.med. Jens Kröger

Betreff: Teststreifen

Manfred S. fragt: 

Ich bin seit 47 Jahren Diabetiker Typ 1,.seit meinem 3.Lebensjahr.Wieviel Teststreifen stehen nun einem Diabetiker im Quartal wirklich zu,..es kann ja nicht sein das es immer unterschiedlich gehandhabt wird,..dann schiebt der Arzt es auf die KK zu,..die wiederum verweisen auf den Arzt!

Dr. med. Jens Kröger antwortet: 

Lieber Herr S.,

es gibt keine Mengenbegrenzungen bei der Verschreibung von Blutzuckerteststreifen beim Typ 1 Diabetes. Ihnen können soviel Teststreifen verschrieben werden, wie Sie benötigen, wenn Sie sinnvoll damit umgehen. Häufig liegt diese Menge um 600 Blutzuckerteststreifen pro Quartal, kann aber auch mal mehr sein, wenn z.B. andere zusätzliche akute Erkrankungen in dem Quartal vorlagen. Der Arzt muss es zusammen mit Ihnen entscheiden und ggf. begründen, dann sehe ich da auch keine Probleme Sie adäquat und für Sie ausreichend mit Teststreifen zu versorgen, damit Sie ihren Diabetes gut steuern können. Ich wünsche Ihnen alles Gute.

viele Grüße aus Hamburg

Dr.med. Jens Kröger

Betreff: Rund um die Diabetestherapie

Margitta fragt: 

Lieber Herr Dr. Kröger, im Januar wurde bei mir Typ-3 (Mody) festgestellt. Wurde zunächst mit Repaglinid behandelt, was super war, aber die BKK nicht mehr zahlen will. Seit heute versuche ich es mit Glimepirid 1mg. Kann es sein, dass bei dem Wirkstoff erst ein Spiegel erreicht sein muss? Habe kaum etwas gegessen heute und trotz Medikation morgens und abends immer Werte um 250-300. Es ist, als würde mein Körper gar nicht darauf reagieren!!! Wie viele Tage muss ich das wohl testen? Bin einigermaßen ratlos, da ich vorher 20 Jahre als vermeintlicher Typ 1 gespritzt habe und mich mit den Sulfonylharnstoffen (?) gar nicht auskenne. Habe erst am Montag einen Termin beim Arzt und hoffe, Sie können mir vielleicht schon etwas dazu sagen?! Danke. Margitta

Dr. med. Jens Kröger antwortet: 

Liebe Margitta,

beim Mody Diabetes können häufig in den Anfangsjahren Sulfonylharnstoffe (Glimepirid, Glibenclamid) oder ähnliche Präparate (Repaglinide) eingesetzt werden. Nach vielen Jahren muss dann nicht selten auch Insulin eingesetzt werden. Wenn Repaglinide gut gewirkt hat, müsste auch Glimepirid noch wirksam sein. Wahrscheinlich ist die Dosis des Glimepirid zu tief oder es liegt z.B. ein sich anbahnender Infekt zugrunde. Sprechen Sie mit ihrem Arzt wie Sie die Dosis des Glimepirid erhöhen sollen. Ich wünsche Ihnen alles Gute,

viele Grüße aus Hamburg

Dr.med. Jens Kröger

Betreff: Rund um die Diabetestherapie

Michael fragt: 

Hallo Meine Frau hat nach der Schwangerschaft einen Typ 1 diagnostiziert bekommen. Ihre Bauchspeicheldrüse funktioniert aber noch soweit, dass der Langzeitzucker von den Ärzten als noch OK angesehen wird. Sie kämpft um das Spritzen so lange wie möglich heraus zu ziehen. Vieles ist aber Ernährungssache und auch Entbehrungssache. Wenn man Ernährungsbücher für den Typ 1 sucht sind diese meist nur auf Diabetiker ausgerichtet, welche schon spritzen müssen. Ich finde auch keine Bücher mit Gerichten, die hier mal Kochalternativen aufzeigen, da ja die Ernährung stark eingeschränkt ist. Deshalb mal die Frage, ob Sie Bücher oder Infos zur Ernährung und auch zu dieser Konstellation Diabetes Typ 1 und "nicht spritzen"? MfG Michael M.

Dr. med. Jens Kröger antwortet: 

Lieber Michael,

bei dem Diabetes mellitus Typ 1 handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung bei der die insulinproduzieren Zellen in der Bauchspeicheldrüse (Betazellen) zerstört werden. Zum Diagnosezeitpunkt sind über 80 % der insulinproduzierenden Zellen zerstört. Folglich wird der Typ 1 Diabetes mit Insulin behandelt, eine Ernährungstherapie wie beim Typ 2 Diabetes reicht nicht. Wenn bei ihrer Frau eindeutig ein Typ 1 diagnostiziert wurde und Sie zur Zeit noch kein Insulin spritzen muss, ist Sie in der sogenannten Remissionsphase, wo die restlichen insulinproduzierenden Zellen nochmal für ein paar Wochen/Monate die Aufgaben übernehmen können, bis die Insulinproduktion ganz versagt und eine Insulintherapie erforderlich ist. Eine Umstellung der Ernährungstherapie hilft da in der Übergangsphase leider nicht, da dadurch der Autoimmunprozess nicht gestoppt werden kann. Ich wünsche ihrer Familie alles Gute,

viele Grüße aus Hamburg

Dr.med. Jens Kröger

Betreff: Rund um die Diabetestherapie

Moritz N. fragt: 

Hallo, ich bin Typ 1 Diabetiker und habe eine Insulinresistenz! Was kann ich dagegen tun? Kommt so etwas öfter vor - Typ1 und Resistenz? LG Moritz N.

Dr. med. Jens Kröger antwortet: 

Lieber Herr N.,

es gibt verschiedene Arten von Insulinresistenz. Einmal gibt es eine Insulinresistenz bei der das Insulin über die Haut nicht ausreichend aufgenommen wird. Dies ist sehr selten, dann muss Insulin durch bestimmte Verfahren direkt in die Bauchhöhle gegeben werden. Wenn das der Fall ist wird man von Spezialzentren behandelt.

Man spricht aber häufig auch von Insulinresistenz wenn bei Übergewicht und fehlender Bewegung das Insulin schlechter wirkt. Ich gehe mal davon aus, dass Sie diese "Insulinresistenz" meinen. Das gibt es natürlich auch bei Menschen mit Typ 1 Diabetes, kommt aber meistens beim Typ 2 Diabetes vor. Therapeutisch sollte man versuchen sein Übergewicht abzubauen und seine Fitness durch mehr Bewegung/Krafttraining verbessern. Ich wünsche Ihnen alles Gute,

viele Grüße aus Hamburg

Dr.med. Jens Kröger

Betreff: Rund um die Diabetestherapie

Sarah fragt: 

Sehr geehrter Herr Dr. Kröger,

bei mir wurde Ende letzten Jahres ein Diabetes Typ 2 festgestellt. Dieser ist nach einer langjährigen Essstörung (Anorexie mit Gewichtsschwankungen) entstanden. Nun ist mein BZ bisher noch nicht gut eingestellt. Ich habe Metformin verschrieben bekommen, kann allerdings nur 500mg nehmen, da mir bei höherer Dosis extrem übel wird und ich nichts mehr essen kann. Habe nächste Woche noch einen Termin beim Diabetologen, werde da mal nach einem alternativen Medikament fragen. Es ist nun so, dass ich den Diabetes körperlich extrem merke. Meine kognitiven Fähigkeiten sind extrem vermindert, ich habe kaum Energie und kann oft nicht schlafen, weil ich extremen Hunger habe, der nie weg geht, egal wie viel ich esse. Fühle mich seitdem erhöhten BZ sehr schwach und krank und habe das Gefühl, dass es mit der Zeit immer schlimmer wird und ich mich ähnlich fühle wie im Untergewicht/Mangelernährung. Es ist so, als ob meine Zellen die Glucose gar nicht aufnehmen (?). Ich kenne mich mit dem Thema Diabetes noch nicht so gut aus. Können Sie mir sagen ob das normal ist bzw. ob sich sowas wieder bessert? Liegt es daran, dass ich eine Neudiagnose habe? Meine Lebensqualität ist weg. Danke und Grüße Sarah

Dr. med. Jens Kröger antwortet: 

Liebe Sarah,

zunächst möchte ich Ihnen Mut machen. Wenn der Blutzucker besser eingestellt ist wird es Ihnen seelisch und körperlich wieder besser gehen. Viele Menschen vertragen Metformin nicht gut, dann gibt es aber viele Medikamente die Ihnen auch gut helfen können. Welches Medikament dann für Sie sinnvoll ist, sollten Sie mit dem Diabetologen besprechen. Ich wünsche Ihnen alles Gute,

viele Grüße aus Hamburg

Dr.med. Jens Kröger

Betreff: Rund um die Diabetestherapie

Ruth fragt: 

Guten Tag Herr Dr. Kröger, ich will meinen alten Berli-Areo-Pen durch einen neuen Lilly-Pen ersetzen. Ich habe gehört, dass man die selben Insulinpatronen verwenden kann, stimmt das? Und wie ist es mit den Kanülen? Bisher verwende ich die von Berlifine. Sind auch die von Lilly kompatibel? Viele Grüße Ruth

Dr. med. Jens Kröger antwortet: 

Liebe Ruth,

Insulinpatronen die in den Berli-Areo-Pen passen, passen auch in den Lilly Pen (HumaPenSavvio). Alle Nadeln haben heutzutage das gleiche Gewinde, sodass auch die Berlifine Pennadeln auf den Lilly-Pen passen. Ich wünsche Ihnen alles Gute,

viele Grüße aus Hamburg

Dr.med. Jens Kröger

Betreff: Rund um die Diabetestherapie

Seheran fragt: 

Ich habe folgende Frage: Ist es ein häufiges Problem, dass der BZ von ca. 10 Uhr anfängt zu steigen? Ich spritze auf die Nacht hin, also etwa gegen 22 Uhr abends, Levemir (26IE´s) und bis ca. 7 Uhr morgens läuft es recht gut, frühstücke anschließend und spritze NovoRapid. Um etwa 10/11 Uhr beginnt der BZ dann zu steigen. Wenn ich jedoch mehr spritze auf die Nacht bekomme ich eine Unterzuckerung. Was kann ich da machen, bzw. sollte ich das Insulin wechseln? Gruß Seheran

Dr. med. Jens Kröger antwortet: 

Lieber Seheran,

Das Insulin Levemir trägt Sie gut über die Nacht, daher ist die Insulindosis des Levemir richtig. Der Anstieg gegen 10 Uhr hängt also mit der Ernährung und dem Novorapid zusammen. Habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie erst nach dem Frühstück spritzen ? Das sollten Sie nicht machen, da dann natürlich die Werte nach dem Essen sehr hoch sein können. Entscheidend ist auch wie der Blutzuckerwerte 3,5 bis 4 Stunden nach dem Essen ist. Ist  der Blutzucker dann wieder normal ? Dann ist die Dosis des Novorapid richtig und Sie sollte nochmal schauen wie man die Ernährung so verändern kann, dass die Wette nach dem Essen nicht so stark ansteigen.  Ich bin mir sicher, dass man eine Lösung ihres Problems findet, sprechen Sie mit ihrem Diabetesteam. Ich wünsche Ihnen alles Gute,

viele Grüße aus Hamburg

Dr.med. Jens Kröger

Betreff: Rund um die Diabetestherapie

Isabell fragt: 

Guten Abend! Seit 24 h bewegen sich meine BZ-Werte im Bereich zwischen 350 mg/dl und 500 mg/dl. Habe Infusionsset und Insulin in der Pumpe gewechselt. Die Korrekturen werden mit den Pen durchgeführt. Taupe-Schema zur Bekämpfung von Resistenzen durch Ketone funktioniert nicht. Die Blutketone sind höher als 1.7 mmol/L Habe Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen. Was ist das bzw. woran liegt das und was soll ich jetzt machen? Anpassungsschwierigkeiten??? Isabell

Dr. med. Jens Kröger antwortet: 

Liebe Isabell,

Sie sollten bitte sofort !!! ins Krankenhaus fahren oder sich besser fahren lassen, da Sie in einer Ketoazidose sind und stationär mit Infusionen behandelt werden müssen. Ich wünsche Ihnen gute Besserung und alles Gute.

Viele Grüße aus Hamburg,

Dr.med. Jens Kröger

Betreff: Ess - spritz abstand

claudia s. fragt: 

Vor zwei Jahren wurde ein LADA- Diabetes festgestellt, galt 8 Jahre als Typ 2 und musste sofort mit spritzen anfangen. Seit Anfang des Jahres wird der ess -spritz- Abstand immer größer, bin jetzt bei 1,5 Stunden. Als Basis wird auf Nacht 18 Einheiten Lantos, und Apidra zu den Mahlzeiten gespritzt, was mach ich falsch? Der Faktor ist am Morgen 1:1,8 am Mittag 1:1 und am Abend 1:3 was ich genausten einhalte. Habe viel Bewegung und treibe auch sport. Mein Diadok meint es ist wie es ist, aber 1,5 Stunden planen ist für mich im Vollzeitjob im Schichtdienst nicht so toll! Vielen Dank im voraus

Dr. med. Jens Kröger antwortet: 

Liebe Frau S.,

das ist in der Tat ein sehr großer Spritz-Ess-Abstand. Es gibt seit Anfang April ein neues kurzwirksames Insulinanalogon in Deutschland mit Namen Fiasp. Dieses Insulin wirkt schneller als die bisher zur Verfügung stehenden kurzwirksamen Insulinanaloga wie Apidra, Novorapid, Liprolog und Humalog. Besprechen Sie das mal mit ihrem Diabetesarzt. Ich kann mir vorstellen, dass sich ihr Spritz-Ess-Abstand durch das neue Insulin verkürzen kann. Ich wünsche Ihnen alles Gute,

viele Grüße aus Hamburg

Dr.med. Jens Kröger