Sehbehindertentag am 6. Juni 2020: „Unterstützung für sehbehinderte und blinde Menschen in der Corona-Krise“

Barrierefreie Hilfsmittel für Menschen mit Diabetes und Sehbehinderung

Auge
Berlin, 04.06.2020

Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2 kann im Laufe der Erkrankungszeit Folgen für die Augen haben: Bis zu einem Drittel aller Menschen mit Diabetes Typ 2 weisen bereits bei ihrer Diagnose eine leichte Veränderung der Netzhaut auf. Eine solche „diabetische Retinopathie“ zeigt lange Zeit keine Symptome. Treten schließlich Sehstörungen auf, können die Schädigungen an der Netzhaut bereits so fortgeschritten sein, dass sie zu einer dauerhaften Sehbehinderung oder gar Erblindung führen. Das schränkt die soziale Teilhabe Betroffener ein und erschwert ihnen die täglich notwendige Therapie. Denn Diabetes-Hilfsmittel und -Technologien sind nach wie vor überwiegend nicht barrierefrei konzipiert. Darauf macht diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe anlässlich des Sehbehindertentags am 6. Juni 2020 aufmerksam. Er steht dieses Jahr unter dem Motto: „Unterstützung für sehbehinderte und blinde Menschen in der Corona-Krise“.

Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 können im Laufe ihrer Erkrankung eine „diabetische Retinopathie“ entwickeln: Dabei schädigen unbemerkt dauerhaft erhöhte Glukosespiegel unwiderruflich die feinen Blutgefäße der Netzhaut. In der frühen Phase dieser Folgeerkrankung ist das Sehvermögen meist noch unbeeinträchtigt. Erst im fortgeschrittenen Stadium bemerken Betroffene Sehstörungen. Diese beeinflussen den Umgang mit der lebenslang täglich notwendigen Selbsttherapie: „Blutzuckermessgeräte, Insulinpumpen, Insulinpens, Blutglukosemesssysteme, solche zum kontinuierlichen Glukosemonitoring oder diabetesbezogene Apps sind nach wie vor überwiegend nicht barrierefrei konzipiert und somit nur für sehende Menschen geeignet“, sagt Diana Droßel, stellvertretende Vorsitzende von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe, Diabetesberaterin und selbst an Typ-1-Diabetes erkrankt sowie seit 1982 erblindet.

Das schränkt Betroffene gerade jetzt in der Corona-Krise weiter ein. Sie benötigen zum Blutzuckermessen und für Insulingaben schon im normalen Alltag ständig Assistenz durch Pflegedienste oder Angehörige. Wer sich zum Beispiel gerade in häusliche Quarantäne begeben muss, hat unter Umständen Probleme, diese Assistenz regelmäßig zu erhalten. Auch das herunterladen und übermitteln von Therapiedaten an die diabetologische Praxis kann Schwierigkeiten bereiten, bei denen Schulungsvideos nicht weiterhelfen. „Daher fordern wir die Einhaltung der Mindeststandards bei der Programmierung entsprechender Geräte und Anwendungen. Dann steht blinden und sehbehinderten Menschen einer eigenständigen Nutzung nichts mehr im Wege“, betont Diana Droßel.

Laut Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es mehr als eine Million sehbehinderte Menschen in Deutschland. Seit 1998 macht der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) mit dem Sehbehindertentag auf ihre Bedürfnisse aufmerksam. Er findet jährlich am 6. Juni zu einem bestimmten Thema statt, dieses Jahr lautet das Motto: „Unterstützung für sehbehinderte und blinde Menschen in der Corona-Krise“.

 

Um möglichst viele Menschen über die Folgeerkrankung „Diabetische Retinoapathie“ zu informieren, ist diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe eine Kooperation mit Apollo-Optik eingegangen:  In den über 860 Filialen in ganz Deutschland können sich die Kunden neben der üblichen Sehstärkenprüfung jetzt auch über die potenzielle Gefahr der Netzhautschädigung durch Diabetes informieren.