Thomas Bäppler-Wolf (58) – Travedy mit Ebbelwoi

Thomas Bäppler-Wolf
Thomas Bäppler-Wolf

Das stört ihn am meisten: er kann keinen Ebbelwoi mehr trinken, schon vom Geruch wird ihm schlecht. Seit Thomas Bäppler-Wolf, genannt „Bäppi“, seine Schlauchmagen-OP hinter sich gebracht hat, ist nicht nur sein Typ-2-Diabetes in Remission, also vorerst verschwunden, sondern auch sein Geschmacksinn ein völlig anderer. Ausgerechnet der Ebbelwoi, der untrennbar zu seiner Paraderolle gehört, der Ebbel-Woi Lia, angelehnt an die legendäre Wirtin Lia Wöhr aus der TV-Kultsendung „Zum blauen Bock“ mit Heinz Schenk.

Thomas Bäppler-Wolf ist Travedy-Star (aus Travestie und Comedy) in Frankfurt, Kunstfiguren wie „Bäppi La Belle“ oder Lisbeth Windsor, die Queen von Frankfurt, gehören zu seinem Repertoire. Und in der Internet-TV-Show „Lieber blau als gar kein Bock“ schenkt er eben Ebbelwoi aus. Alle seine Kunstfiguren sind kugelrund, jedenfalls bis vor kurzem, denn Bäppler-Wolf hat durch die OP in den letzten Monaten bereits 42 kg abgenommen von über 150 kg auf aktuell 100 kg.

Als 2017 bei ihm Diabetes Typ 2 diagnostiziert wurde, dachte er nur „Danke für das Erbe“, denn schon seine Mutter und sein Vater hatten Typ-2-Diabetes. Dabei hatte sich Bäppler-Wolf mit unzähligen Diäten dagegen gestemmt, die alle nur zur Folge hatten, dass er noch mehr zunahm, nach der letzten Stoffwechseldiät satte 10 kg. Dabei war er als Kind geradezu schmächtig und wurde zweimal zur Kur geschickt, um zuzunehmen. Aber nach der Ausbildung als Tanzlehrer mit unregelmäßigen Arbeits- und Essenszeiten und viel Fast Food zwischendruch, nahm die Gewichtskarriere ihren Lauf. Hinzu kamen Kortisonspritzen gegen die Gelenkschmerzen und als Bäppler-Wolf endlich aufhört zu rauchen, schießt das Gewicht um weitere 20 kg nach oben. Er kommt nun kaum noch eine Treppe hoch ohne zu schnaufen, die Gelenke schmerzen, er leidet unter Schlafapnoe. Tagsüber schläft er überall ein: im Bus und leider auch in Sitzungen, die er als Stadverordneter, seinem zweiten Beruf, abhalten muss. „Da dachten viele, der Bäppi hatte aber wieder ne anstregende Nacht.“

Und dann kommt der Tag, der sein Leben verändern sollte: Als er im vergangenen Sommer im Laufschrittt noch eine U-Bahn erwischen will, ist er kurz vorm Kollabieren. Die Kontrolleurin beruhigt ihn mit ihrer eigenen Geschichte: eine Magen-OP, dank der sie 60 kg abgenommen hat. Nach einer Beratung in einem Adipositaszentrum, bei der er auch einen psychologischen Test bestehen muss, um unbehandelte Persönlichkeitsstörungen auszuschließen, steht für ihn die Schlauchmagen-OP fest. Zuvor gönnt er sich noch eine „Henkersmahlzeit“, eine riesige Portion „Frankfurter Würstchen mit Kartoffelsalat“. Nach der einstündigen OP gehören solche Mengen nun der Vergangenheit an. „Ich habe das Frankfurter Würstchen in ein Cocktailwürstchen getauscht.“, kommentiert „Bäppi“ gewohnt humorvoll. Vermissen tut er nichts, da er seine Lebensqualität zurückgewonnen hat, seine Blutwerte sind großartig, er ist diabetesfrei und die Schlafapoe ist weg. Wenn da nur nicht der Ebbelwoi wäre. Aber es gibt Alternativen: Thomas Bäppler-Wolf hat den Riesling für sich entdeckt, fehlt nur noch die passende Kunstfigur dazu, Riesling-Amanda, wie Amanda Lear, seine erste Travestie-Nummer.